Gewöhnliche Felsenbirne
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Gewöhnliche Felsenbirne (Amelanchier ovalis) in Niederösterreich | ||||||||||||
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| Amelanchier ovalis | ||||||||||||
| Medik. |
Die Gewöhnliche Felsenbirne (Amelanchier ovalis), auch Echte Felsenbirne,[1] Gemeine Felsenbirne, Felsenmispel oder Edelweißstrauch (Österreich) genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Felsenbirnen (Amelanchier) innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae).
Beschreibung
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Vegetative Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der dornenlose, sommergrüne, reich verzweigte und dichtkronige Strauch erreicht gewöhnlich Wuchshöhen von 2 bis 3 Metern, selten bis 6 zu Metern.[2] Die Stämme sind selten dicker als 5 Zentimeter.[2] Je Pflanzenexemplar entspringen mehrere bis viele Stämme dicht nebeneinander dem Basalteil der Hauptachse, der sich meist waagrecht im Boden befindet.[2] Die Rinde der schlanken Zweige ist rot-braun und anfangs wollfilzig behaart und verkahlt schnell.[2]
Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die Blattstiele sind bis zu 15 Millimeter lang. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von etwa 2 bis 4,5 Zentimetern sowie einer Breite von 2 bis 3,5 Zentimetern eiförmig bis verkehrt-eiförmig oder elliptisch, rundlich, manchmal leicht herzförmig. Der Blattrand ist meist gesägt. Die Blattspitze ist gerundet bis stumpf oder spitz, manchmal eingebuchtet oder stachelspitzig. Die Blattunterseite ist anfangs noch weiß-filzig behaart. Charakteristisch ist die orangefarbene bis dunkelrote Herbstfärbung ihrer Laubblätter.
Generative Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Blütezeit reicht von April bis Mai – vor dem Laubaustrieb. Der endständige, aufrechte, kurze und behaarte traubige Blütenstand enthält drei bis zehn Blüten. Die gestielten Blüten entspringen weißfilzig behaarten Knospen, deren Schuppen feine Wimpern tragen. Die Endknospe ist gewöhnlich spindelförmig.
Die duftenden, zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrischen und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Es ist ein kleiner, schwach behaarter Blütenbecher vorhanden. Die fünf grünen Kelchblätter sind mehr oder weniger behaart. Die etwa 15 Millimeter langen, schnee-weißen, ausladenden und an ihrer Unterseite behaarten Kronblätter sind schmal verkehrt-eiförmig. An den Spitzen entwickeln sie gewöhnlich eine rosafarbene Tönung. Es ist ein Diskus vorhanden. Es sind etwa 20 Staubblätter vorhanden. Der oberseits behaarte Fruchtknoten ist unterständig und setzt sich aus fünf Fruchtblättern zusammen. Diese bilden falsche Scheidewände aus, so dass zehn Fruchtfächer entstehen. Es sind fünf freie, kurze Griffel vorhanden.
Die kleinen und kugeligen, bereiften Apfelfrüchte reifen im Juli bis August. Sie tragen an der Spitze die beständigen Kelchblätter. Der Durchmesser der Früchte beträgt circa 1 cm. Im reifen Zustand sind die Früchte dunkel-rot bis schwarz-blau gefärbt. Sie enthalten gewöhnlich zehn dunkel-braune, halbmondförmige, glänzende Samen.
Chromosomenzahl
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 34 oder 68.[3]
Ökologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Gewöhnliche Felsenbirne wird von Insekten bestäubt (Entomophilie).[4] Die Verbreitung der kleinen, harten Samen erfolgt über Tiere, die diese nach Genuss der Frucht wieder ausscheiden (Verdauungsausbreitung)[4]. Vegetative Vermehrung kann über Wurzelsprosse erfolgen.[4]
Die Gewöhnliche Felsenbirne dient mehreren Schmetterlingsarten als Nektarpflanze, darunter dem Grünen Zipfelfalter (Callophrys rubi), einem Tagfalter, der auf der Vorwarnliste gefährdeter Arten geführt wird. Auch für die Raupen des gefährdeten Obsthain-Blütenspanners (Eupithecia insigniata) und des selten vorkommenden Trauerwidderchens (Aglaope infausta) stellt die Gewöhnliche Felsenbirne eine wertvolle Futterpflanze dar.[5]
Vorkommen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst die Gebirge Mittel-, Süd- und Osteuropas. Im Norden findet man sie bis Belgien und Mitteldeutschland, im Osten bis Polen und Rumänien. Des Weiteren besiedelt die Gewöhnliche Felsenbirne auch die Gebirge Vorderasiens und Nordafrikas. In den südlichen Alpen steigt die Gewöhnliche Felsenbirne bis auf Höhenlage von 2000 Meter. In den Allgäuer Alpen steigt sie im Tiroler Teil am Lachenkopf nahe der Jöchelspitze bis zu einer Höhenlage von 1945 Metern auf.[6]
Standorte sind meist sonnige, trockene Steilhänge, Säume von Halbtrockenrasen sowie lichte Eichen- und Kiefernwälder. Die Gewöhnliche Felsenbirne gedeiht in Mitteleuropa meist in Südlagen und auf Fels auf kalkreichen Unterlagen; sie ist auch Spaltenwurzler und Rohbodenpionier. Die Gewöhnliche Felsenbirne gilt als Charakterart der Felsenbirnen-Gebüsche (Cotoneastro-Amelanchieretum) innerhalb der Ordnung der Schlehengebüsche (Prunetalia); sie kommt auch in Pflanzengesellschaften der Ordnung Quercetalia pubescentis oder der Verbände Erico-Pinion und Quercion roboris vor.[3]
Nutzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit dem 16. Jahrhundert wird die Gemeine Felsenbirne auch als Zierpflanze in Grünanlagen und Gärten verwendet. Häufiger finden jedoch amerikanische Arten wie die Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier lamarckii) Verwendung in mitteleuropäischen Gärten.[7] Erst in jüngster Zeit erfreut sich auch die Gemeine Felsenbirne als Bestandteil von Hecken naturnaher Gärten zunehmender Beliebtheit.
Die mehlig-süß schmeckenden Früchte können zu Marmelade verarbeitet werden.
Laubblätter und Samen der Felsenbirne enthalten geringe Mengen cyanogener Glykoside (d. h. Blausäure abspaltender Glykoside). Nach dem Verzehr von unreifen Früchten oder großer Mengen zerkauter Samen können Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Unzerkaute Samen werden unverdaut wieder ausgeschieden. Nach dem unbeabsichtigten Zerbeißen einiger Samen sind jedoch keine Vergiftungssymptome zu erwarten – ähnlich wie bei Apfelkernen, die auch cyanogene Glykoside enthalten.[8]
Das Holz ist hart und recht schwer, allerdings ist es nur in kleinen Mengen verfügbar.
Systematik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Erstveröffentlichung von Amelanchier ovalis erfolgte 1793 durch Friedrich Kasimir Medikus in Gesch. Bot. 79.
Amelanchier ovalis Medik. hat einige Synonyme wie z. B. Amelanchier rotundifolia Dum. Cours., Amelanchier vulgaris Moench, Crataegus rotundifolia Lam., Mespilus amelanchier L. u. a.
Es werden von verschiedenen Autoren Unterarten geführt, allerdings sind diese stark umstritten. Sie werden teils auch als eigene Arten geführt, eine genaue Klärung dazu steht noch aus.[9][10]
Je nach Autor gibt es einige Unterarten:
- Amelanchier ovalis Medik. subsp. ovalis (diploid, 2n = 34)
- Amelanchier ovalis subsp. cretica (Willd.) Maire & Petitm.; auch als eigene Art
- Amelanchier ovalis subsp. integrifolia (Boiss. & Hohen.) Bornm.
- Amelanchier ovalis subsp. embergeri Favarger & Stearn: auch als eigene Art oder als Synonym von Amelanchier ovalis subsp. ovalis (tetraploid, 2n = 68)
Sorten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Amelanchier ovalis ‘Helvetica’
- Amelanchier ovalis var. pumila
Trivialnamen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weitere zum Teil auch nur regional gebräuchliche Bezeichnungen für die Gewöhnliche Felsenbirne sind oder waren: Butzenbirlesstrauch, Cipler (Unterengadin), Felsenbiren (Schwaben), Fliegenbeerstrauch, Flühbirenbaum (Bern, Graubünden), Gamsbeere (Pinzgau, Pongau, Werfen), Hirschbirle, Quandelbeerbaum (Tirol), Quantelbeerbaum und Quendelbeeren.[11]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
- Bruno P. Kremer: Strauchgehölze. Erkennen & bestimmen. Mosaik, München 2002, ISBN 3-576-11478-5 (Steinbachs Naturführer).
- Marilena Idžojtić: Dendrology. Academic Press, 2019, ISBN 978-0-444-64175-5, S. 69.
- James Cullen, Sabina G. Knees, H. Suzanne Cubey: The European Garden Flora. Volume III, Second Edition, Cambridge Univ. Press, 2011, ISBN 978-0-521-76155-0, S. 280 f.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gewöhnliche Felsenbirne – Steckbrief und Verbreitungskarte für Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns
- Amelanchier ovalis bei Plants For A Future, abgerufen am 11. September 2012.
- Amelanchier ovalis Medik. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 5. November 2015.
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- Gemeine Felsenbirne bei Baumkunde.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Amelanchier ovalis Medik., s. l. (Echte Felsenbirne). auf FloraWeb.de
- 1 2 3 4 Fred-Günter Schroeder: Amelanchier. Rosaceae 2. In: Hans. J. Conert et al. (Hrsg.): Gustav Hegi. Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band 4 Teil 2B: Spermatophyta: Angiospermae: Dicotyledones 2 (3). Blackwell, 1995, ISBN 3-8263-2533-8, S. 385–398.
- 1 2 Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 510.
- 1 2 3 Frank Müller, Christiane M. Ritz, Erik Welk, Karsten Wesche (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. Gefäßpflanzen: Grundband. 22. Auflage. Springer Spektrum, Berlin 2021, ISBN 978-3-662-61010-7, S. 439.
- ↑ FloraWeb - Artsteckbrief: Schmetterlingsfutterpflanze. Abgerufen am 24. April 2024.
- ↑ Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 106.
- ↑ In Gartenratgebern ist etwa zu lesen, die Gemeine Felsenbirne sei „als Gartengehölz ... ohne Bedeutung ... nur wenig dekorativ“: Andreas Bärtels: Das große Buch der Gartengehölze. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1973, ISBN 3-8001-6057-9, S. 112.
- ↑ Dietrich Frohne, Hans Jürgen Pfänder: Giftpflanzen. Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte, Toxikologen und Biologen. 5. Aufl., Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2004, ISBN 3-8047-2060-9.
- ↑ David Borho, Thomas Gregor, Juraj Paule, Johann Bauer, Jörg Ewald: Sind die Zytotypen von Amelanchier ovalis s.l. im Lechtal morphologisch unterscheidbar?. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Band 90, 2020, S. 67–82, online auf researchgate.net.
- ↑ Thomas Gregor et al.: Amelanchier ovalis s. l. – zwei Zytotypen in Deutschland. In: Kochia. Band 11, 2018, S. 65–75, doi:10.21248/kochia.v11.52, online auf researchgate.net.
- ↑ Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen, Verlag von Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 24.