Gigi Campi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Pierluigi „Gigi“ Campi (* 15. Dezember 1928 in Köln; † 6. Januar 2010 ebenda) war ein in Köln lebender italienischer Jazz-Produzent, Architekt und Gastronom.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Campis Eltern Paolo und Nuccia Campi mussten ihre Bahnreise von Berlin am Abend des 25. April 1926 vorzeitig in Köln beenden, weil das Geld für zwei Bahnkarten Köln-Paris nicht reichte. Sie besuchten Luigina Vanoletti, eine Schneiderin aus dem Geburtsort von Paolo Campi, die sie in ihrer Wohnung an der Adresse Kleiner Griechenmarkt 22 aufnahm. Statt nach Paris weiterzureisen, blieben die Campis in Köln. Hier gründeten sie 1926 in Köln die erste italienische Eisdiele, zwei Jahre später kam Sohn „Gigi“ Campi zur Welt.

Campis Eis-Diele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gigi Campi betrieb zwischen 1948 und 1980 zunächst mit seiner Mutter und seiner Schwester auf der Hohe Straße ein Eiscafé unter dem Namen Campis Eis-Diele, das er, unter anderem durch die Auswahl der dort gespielten Jazzmusik, zum Treffpunkt internationaler Prominenz machen konnte. Es entwickelte sich zum Anlaufpunkt für die Kölner Kulturszene.[1] Dort trafen sich neben Jazzmusikern unter anderem Beniamino Gigli, Juliette Gréco, Luise Rinser, Heinrich Böll, Ingeborg Drews, Joseph Beuys, Karlheinz Stockhausen, Maria Callas, Romy Schneider, John Cage, Pierre Boulez und Theodor W. Adorno. Caterina Valente verursachte vor dem Café einen Menschenauflauf.[2]

Jazz-Produktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jazzfan und angehende Architekt Campi wurde bereits früh zum Jazz-Produzenten. 1954 gründete er mit Mod Records das erste europäische Plattenlabel, das sich ganz dem Modern Jazz verschrieben hatte.[3] Bei dem auf Cool Jazz aus Europa spezialisierten Label erschienen Schallplatten von Künstlern wie Hans Koller, Jutta Hipp oder Attila Zoller. 1955 folgte als Äquivalent sein Label Old. Außerdem organisierte er über 400 Konzerte, zunächst vor allem in Köln. Damit trug er dazu bei, den zeitgenössischen Jazz aus den Kellern in die Konzerthallen zu holen und ihm den Weg zur künstlerisch anspruchsvollen Musik und zur bürgerlichen Anerkennung zu ebnen. Des Weiteren organisierte er Festivals am Kölner Tanzbrunnen.

Als Gast bei den Proben der Band von Kurt Edelhagen war Campi angetan von den Arrangements, die der Belgier Francy Boland schrieb. 1959 engagierte Campi während des Kölner Karnevals diesen und fünf weitere Jazzmusiker als Band zur Unterhaltung der Gäste in seinem Eiscafé: Dies sollte die Geburtsstunde der Kenny Clarke/Francy Boland Big Band werden. Die Musik begeisterte Campi nämlich so sehr, dass er um diesen Kern herum eine größere Band aufbaute. Im Mai 1961 spielte das zum Oktett erweiterte Ensemble – zunächst unter dem Namen The Golden Eight – seine erste Platte mit Bolands Arrangements ein (mit u. a. Dusko Goykovich, Carl Drewo, Derek Humble, Jimmy Woode). Zusammen mit Wolfgang Hirschmann als Tonmeister produzierte er beinahe alle Musikaufnahmen dieser Jazzband. Der erste Live-Auftritt der international besetzten und weltweit gerühmten Big Band um Schlagzeuger Kenny Clarke und Pianist Francy Boland folgte allerdings erst 1966. In den folgenden drei Jahren fungierte Campi als Bandmanager und organisierte Gastspiele der Gruppe. Die Presse feierte die Band begeistert als „Vulkan musikalischer Überraschungen“. Zu den Gaststars der Band gehörten Stan Getz, Albert Mangelsdorff und Dave Pike, aber auch Schlagersängerin Gitte, die ihre Plattenfirma zu einem Album mit dieser Band überreden konnte.

Gastronomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsam mit Alfred Biolek und Juniorpartnern mietete Campi im Oktober 1983 von der Deutschen Bundesbahn den Alten Wartesaal unter dem Kölner Hauptbahnhof. Nach aufwändiger Restaurierung der Art-déco-Räume finden dort Konzert-, Fernseh- und Tanzveranstaltungen statt. Ebenfalls nach den Plänen Campis wurde 1997 die ehemalige Kantine des WDR-Funkhauses am Wallrafplatz umgebaut, die von der Familie Campi als Bistro bewirtschaftet wurde. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) verlängerte aufgrund einer anderen Vorstellung des Gastronomiekonzeptes von Campi den Pachtvertrag nicht.[4] Das Bistro Campi zog im Juni 2012 aus und bezog im Mai 2014 neue Räumlichkeiten mit 130 Plätzen unter dem Namen Campi Volksbühne in der Aachener Straße 5 als unmittelbarer Nachbar des Millowitsch-Theaters. Campi gehört zu den wenigen Gastronomen, die durch eine Festschrift zum 70. Geburtstag geehrt wurden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Robert von Zahn (Hrsg.), Campiana: Ein Stück vor dem Beat, 1999, S. 28
  2. FAZ Nr. 176 vom 31. Juli 2012, Ciao, Campi, S. 29
  3. Martin Woltersdorf: Eine Kölner Legende ist gestorben (Memento des Originals vom 7. November 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ksta.de ksta.de, Nachruf im Kölner Stadt-Anzeiger, 7. Januar 2010. Abgerufen am 8. Januar 2010.
  4. Ciao, Campi! Frankfurter Allgemeine – Feuilleton, 30. Juli 2012, abgerufen am 26. September 2012.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert von Zahn (Hrsg.): Campiana: ein Stück vor dem Beat. Verlag Dohr, Köln 1998, ISBN 3-925366-72-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]