Gijsbert Karel van Hogendorp

Gijsbert Karel Graf van Hogendorp (* 27. Oktober 1762 in Rotterdam; † 5. August 1834 in Den Haag) war ein niederländischer Jurist und Staatsmann.
Der Orangist war im Herbst 1813 Mitglied des Triumvirats, das die Niederlande in der Übergangszeit zwischen der Napoleonischen Herrschaft und der Thronbesteigung Wilhelms I. von Oranien-Nassau regierte. Von Dezember 1813 bis April 1814 war er der erste Staatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten (Außenminister) des souveränen Fürstentums der Vereinigten Niederlande.
Er stand dem Verfassungsausschuss vor, der die niederländische Verfassung von 1814/15 ausarbeitete, war von 1814 bis 1815 Vorsitzender der Generalstaaten und von 1814 bis 1816 als Vizepräsident des Raad van State Stellvertreter des souveränen Fürsten bzw. Königs. Von 1815 bis 1825 war er Mitglied der Zweiten Kammer der Generalstaaten.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gijsbert Karel van Hogendorp entstammte dem Rotterdamer Geschlecht Van Hogendorp. Sein Vater Willem van Hogendorp (1735–1784) war Jurist, Mitglied des Rotterdamer Magistrats und ab 1773 in Diensten der Niederländischen Ostindien-Kompanie im heutigen Indonesien. Dirk van Hogendorp war sein älterer Bruder. Eine Nachfahrin über ihre adelige Großmutter mütterlicherseits war die Schauspielerin Audrey Hepburn.
Auf Empfehlung der Prinzessin Wilhelmine von Preußen, die mit dem holländischen Erbstatthalter Wilhelm V. verheiratet war, wurden Gijsbert Karel van Hogendorp und sein Bruder im preußischen Kadettenhaus in Berlin erzogen. Er trat 1778 in den preußischen Militärdienst ein und machte als Fähnrich den bayrischen Erbfolgekrieg mit. Johann Erich Biester unterrichtete ihn in Griechisch und Latein. In sein Vaterland zurückgekehrt, trat er 1782 in die Garde des Erbstatthalters Wilhelm V. ein. Später studierte er in Leiden Rechtswissenschaften. Er stand 1787 während der Unruhen auf oranischer Seite und wurde nach Unterdrückung derselben Pensionär (Stadtschreiber) von Rotterdam. Von diesem Posten trat er nach der Eroberung Hollands durch die Franzosen 1795 zurück, um in Amsterdam ein Kaufmannsgeschäft zu übernehmen.
Durch seinen fehlgeschlagenen Plan, eine Kolonie für die Anhänger des Hauses Oranien am Kap der Guten Hoffnung zu gründen, büßte er den größten Teil seines Vermögens ein. 1813, als die Verbündeten siegreich vordrangen, trug er wesentlich zur Befreiung Hollands vom französischen Okkupation bei, indem er die Anhänger des Prinzen von Oranien in Den Haag vereinigte. Mit General Leopold van Limburg Stirum und Frans Adam van der Duyn van Maasdam bildete er ein Triumvirat (Driemanschap), das nach dem Rückzug des französischen Gouverneurs Charles-François Lebrun am 20. November 1813 die vorläufige Regierung übernahm, bis am 2. Dezember desselben Jahres Prinz Wilhelm von Oranien als souveräner Fürst der Vereinigten Niederlanden ausgerufen wurde.
Dieser übertrug van Hogendorp anschließend das Departement der auswärtigen Angelegenheiten, das er bis April 1814 führte. Als Präsident der Kommission, welche mit dem Entwurf der neuen Verfassungsurkunde beauftragt war, übte er einen entscheidenden Einfluss auf die übrigen Kommissionsmitglieder aus, so dass er der Haupturheber des niederländischen Staatsgrundgesetzes war. Nach dessen Inkrafttreten war er Mitglied der Generalstaaten der Vereinigten Niederlande, die im Mai 1814 erstmals zusammentraten. Als Nachfolger Jan Elias Nicolaas van Lynden van Hoevelakens wurde er im November 1814 zu deren Vorsitzenden gewählt. Außerdem war er Vizepräsident des Staatsrats (dessen Präsident der souveräne Fürst bzw. ab 1815 der König war).
Auf dem Wiener Kongress bekam das souveräne Fürstentum der Vereinigten Niederlande 1815 auch das damalige Generalgouvernement Belgien (das etwa den südlichen, ehemals Österreichischen Niederlanden und dem heutigen Belgien entsprach) zugesprochen und wurde zum Königreich erhoben. Die Verfassung musste daraufhin nochmal überarbeitet werden, wobei van Hogendorp erneut eine leitende Rolle spielte. König Wilhelm I. erhob ihn 1815 in den Grafenstand. Er nahm aber schon 1816 wegen Kränklichkeit seine Entlassung als Vizepräsident des Staatsrats. Als Mitglied der Zweiten Kammer der Generalstaaten, in die er 1815 gewählt worden war, gehörte er zur Opposition gegen den Minister van Maanen. Auf seinen Platz in der Ersten Kammer verzichtete er, weil die Verhandlungen derselben nicht öffentlich waren.
Er war vom 20. September 1815 bis 22. Mai 1819 Staatsminister der Niederlande, ein Ehrentitel und kein exekutives Regierungsamt, wurde dann aber wegen Kritik an der Finanzpolitik Wilhelm I. der Niederlande dieses Titels enthoben. Er ist einer von nur sechs niederländischen Staatsministern, bei denen das der Fall war.

Gijsbert Karel van Hogendorp starb am 5. August 1834 in Den Haag.
Werke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Specimen juridicum inaugurale de aequabili descriptione subsidiorum inter gentes foederatas (Dissertation 1786)
- Verhandeling over de noodzakelijkheid eener religie in den staat (1787)
- Missive over het armenwezen (1794)
- De Unie van Utrecht herzien (1799)
- Verklaring aan het Staatsbewind (1801)
- Verhandelingen over den Oost-Indische handel/"Über den Handel nach Indien" (1801, 2 Bde.)
- Brieven aan een participant in de Oost-Indische Compagnie (1802)
- Memorie Over Den Tegenwoordigen Staat Van Den Handel En De Culture In De Oost-Indische Bezittingen Van Den Staat (1804)
- Bijdragen tot de huishouding van Staat in het Koningrijk der Nederlanden, verzameld ten dienste der Staten Generaal ("Beiträge zur Staatshaushaltung des Königreichs der Niederlande") (Delft 1818–1829, 10 Bde.; 2. Aufl., hrsg. von Thorbecke, Zaltbommel 1854-56, 5 Bde.)
- Lettres sur la prospérité publique, adressées à un Belge dans les années 1828, 1829, 1830 (Amsterdam 1830, 2 Bde.)
- La séparation de la Hollande et de la Belgique (De scheiding van Holland en België) (Amsterdam 1830)
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Edwin van Meerkerk: De gebroeders Van Hogendorp. Botsende idealen in de kraamkamer van het koninkrijk. Atlas Contact, Amsterdam 2013, ISBN 978-90-450-1933-8.
- Paulus Christianus Hendrikus Overmeer: De economische Denkbeelden van Gijsbert Karel van Hogendorp (1762–1834). Gianotten, Tilburg 1982.
- Diederick Slijkerman: Visionair conservatisme. Gijsbert Karel van Hogendorp (1762–1834). Verloren, Hilversum 2020, ISBN 978-90-8704-880-8.
- Diederick Slijkerman: Wonderjaren. Gijsbert Karel van Hogendorp wegbereider van Nederland. Bakker, Amsterdam 2013, ISBN 978-90-351-3799-8.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hogendorp, Gijsbert Karel van |
| ALTERNATIVNAMEN | Hogendorp, Gijsbert Karel Graf van (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | niederländischer Staatsmann |
| GEBURTSDATUM | 27. Oktober 1762 |
| GEBURTSORT | Rotterdam |
| STERBEDATUM | 5. August 1834 |
| STERBEORT | Den Haag |