Gimmeldinger Mandelblütenfest

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Mandelblüte am Gimmeldinger Neuberg, der zum Mandelblüten-Panoramaweg gehört

Das Gimmeldinger Mandelblütenfest findet jedes Frühjahr im ehemaligen Winzerdorf Gimmeldingen statt, das heute ein Ortsteil der pfälzischen Stadt Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz) ist. Trotz seines Namens gilt das zweitägige Mandelblütenfest als Weinfest; sofern der Termin im frühen März liegt, ist es im Jahresablauf das erste in Deutschland.[1]

Voraussetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen des milden Klimas gedeiht in der Vorderpfalz zwischen Rhein und Haardt nicht nur Wein, hier wachsen im Freiland auch Mandeln, Esskastanien, Feigen, Kiwis und Zitrusfrüchte. Früher wurden Mandelbäume bevorzugt in den Weinbergen angepflanzt, heute stehen sie auch entlang der Orts- und Landstraßen. Die frühe Mandelblüte – in der Regel mehrere Wochen vor dem Blattaustrieb der Bäume – taucht vor allem Gimmeldingen, das auf 150 m ü. NHN mitten in den Rebenhügeln an der Deutschen Weinstraße liegt und dessen enge Straßen von unzähligen Mandelbäumchen gesäumt sind, meist ab Anfang März in ein zartrosa Blütenmeer. Dann wird an einem Wochenende das Mandelblütenfest gefeiert, im Ort das größte Volksfest und in der Region eines der großen. Es zieht alljährlich tausende Menschen an, die in Weinstuben und Winzerhöfen bei Pfälzer Wein und kulinarischen Spezialitäten das Erwachen der Natur nach dem Winter feiern wollen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

König-Ludwig-Pavillon am Mandelblüten-Panoramaweg

Die Ursprünge des Mandelblütenfestes liegen im Jahre 1934, als es am 15. April erstmals gefeiert wurde.[2] Damals versuchten die nationalsozialistischen Machthaber, mit verschiedenen Maßnahmen – zu denen vor allem die Schaffung der Deutschen Weinstraße gehörte – die Marktchancen der deutschen Winzer zu verbessern. Die Abfolge des Festes war im Zweiten Weltkrieg kurzzeitig unterbrochen, trotzdem wurde 2009 das 75-jährige Jubiläum gefeiert.

Erstmals im Jahre 1950 wurde zum Festauftakt eine Mandelblütenkönigin gewählt; ihre Wahl findet mittlerweile schon einige Wochen vor dem Mandelblütenfest statt. Die Mandelblütenkönigin und die am gleichen Tag gewählte Mandelblütenprinzessin repräsentieren den Ort für ein Jahr bei Festen und offiziellen Anlässen. Inzwischen ist es üblich geworden, dass die Mandelblütenprinzessin jeweils im Folgejahr zur neuen Mandelblütenkönigin aufrückt.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurden Rundwege eingerichtet, die den Besuchern einerseits Spaziergänge unter blühenden Mandelbäumen, andererseits Ausblicke auf die optisch ansprechendsten Punkte ermöglichen: Am westlichen und nordwestlichen Rand von Gimmeldingen führt der Mandelblüten-Panoramaweg über die Haberackerstraße, den Fürstenweg und den örtlichen Weinlehrpfad zum König-Ludwig-Pavillon in der Neubergstraße, der Mandelblüten-Lehrpfad vom nördlichen Ortsausgang in Richtung Hildenbrandseck und Königsbach.[1] Auf beiden Wegen, die Teil des später geschaffenen regionalen Wanderweges Pfälzer Mandelpfad von Schweigen-Rechtenbach nach Bad Dürkheim sind,[3] finden während des Mandelblütenfestes Führungen statt.

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Protestantische Kirche am Kirchplatz

Am Festsamstag um 14 Uhr beginnt die Eröffnungsfeier auf dem Platz an der protestantischen Kirche. Unter Mitwirkung örtlicher Vereine, so der Trachtengruppe, der Blasmusikkapelle Mandelblüten-Express und des Gesangvereins 1845, werden die neue Mandelblütenkönigin und ihre Prinzessin den Gästen vorgestellt. Fahrgeschäfte und Jahrmarktstände sprechen vor allem Kinder an, Bewirtung erfolgt zunächst in der nahegelegenen Meerspinnhalle, die nach der bekanntesten Gimmeldinger Weinlage benannt ist, und am König-Ludwig-Pavillon.

Sonntags findet nach dem Festgottesdienst (10 Uhr) ab 11 Uhr auf dem Kirchplatz, bei ungünstigem Wetter in der Meerspinnhalle, das traditionelle Frühschoppenkonzert der Freiwilligen Feuerwehr statt. Die Mandelblütenkönigin und ihre Prinzessin ziehen an beiden Tagen durch den Ort, der sich auch Jahrzehnte nach der Eingemeindung seinen Dorfcharakter bewahrt hat.

An beiden Festtagen wird bis weit in die Nacht gefeiert, im Freien, in der Meerspinnhalle und in den zahlreichen Weingütern und Weinstuben. Gimmeldingen ist während dieser Zeit für Individualverkehr mit Kraftfahrzeugen gesperrt, Besucher werden zu Parkmöglichkeiten außerhalb geleitet. DB Regio Südwest setzt zusätzliche Züge zwischen Neustadt Hbf. und Grünstadt ein, planmäßige Züge verkehren mit vergrößerter Kapazität. Vom Bahnhof Mußbach, der nahe der Ostgrenze von Gimmeldingen liegt, ist das Fest bequem zu Fuß zu erreichen. Sonntags fahren alle 20 Minuten Pendelbusse des BRN ab Neustadt Hbf. sämtliche regulären Haltestellen sowie zusätzliche Bedarfshaltestellen an großen Parkplätzen an.[4]

Festtermine und Repräsentantinnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blühende Keilmandel, Züchtung aus dem Gimmeldinger Nachbarort Mußbach

Der Festtermin deckt sich mit dem ungefähren Höhepunkt der Mandelblüte an der Weinstraße und liegt spätestens im April; er hängt vom Eintritt der Mandelblüte ab und kann sich daher von Jahr zu Jahr verschieben. Manchmal kommt der Festausschuss nicht umhin, den Termin witterungsbedingt recht kurzfristig zu bestimmen. Mittels einer Webcam, die auf die Mandelbaumallee am Neuberg im Nordwesten Gimmeldingens gerichtet ist, können Auswärtige sich über den Fortschritt der Mandelblüte informieren.[5]

Mandelblütenfest[6] Mandelblütenkönigin[1] Mandelblütenprinzessin[1]
2017 25./26. März Paula Albrecht Eva Niederhöfer
2016 18.–20. März Katharina Schupp Paula Albrecht
2015 21./22. März Alessa Leydecker Katharina Schupp
2014 15./16. März Fenja Neubauer Alessa Leydecker
2013 13./14. April Laura Jung Fenja Neubauer
2012 24./25. März Dorothea Neuwald Laura Jung
2011 19./20. März Sarah Julino Dorothea Neuwald
2010 10./11. April Nicole Hahn Sarah Julino
2009 4./5. April Maria Grill Nicole Hahn
2008 15./16. März Susanne Sander Maria Grill
2007 10./11. März Simone Reiß Susanne Sander
2006 22./23. April Aurelia Laubscher Simone Reiß
2005 2./3. April Anna Schmidt Aurelia Laubscher
2004 20./21. März Sabine Ferckel Anna Schmidt
2003 22./23. März Jessica Seuffert Sabine Ferckel
2002 16./17. März Nina Schlieper Jessica Seuffert
2001 17./18. März Miriam Reiß Nina Schlieper
2000 18./19. März Nina Hahn Miriam Reiß
1999 6./7. März Clarissa Fischer Nina Hahn
1998 9./10. März Nina Kühner Clarissa Fischer
1997 Katrin Reber Nina Kühner
1996 Catherina Fischer Katrin Reber
1995 Patricia Kurz Catherina Fischer
1994 Ira Estelmann Patricia Kurz
1993 Daniela Reber Ira Estelmann
1992 Susanne Hauck Daniela Reber
1991 Anja Estelmann Susanne Hauck
1990 Nicole Fanelsa Anja Estelmann
1989 Susanne Mugler Nicole Fanelsa
1988 Conny Estelmann Susanne Mugler
1987 Christina Hauck Conny Estelmann
1986 Liane Ohler Christina Hauck
1985 Uschi Fanelsa Liane Ohler
1984 Kerstin Elsholz Uschi Fanelsa
1983 Elke Wiedemann Kerstin Elsholz
1982 Karin Reiß Elke Wiedemann
1981 Margot Ferckel  
1980 Ilona Reber  
1979 Sabine Nicolai  
1978 Heike Dürrschnabel  
1977 Eva Weber  
1976 Gundula Kreis  
1975 Iris Reber  
1974 Brigitte Lorenz  
1973 Sabine Nagel  
1972 Ute Priester  
1971 Elvira Worms  
1970 Monika Brieskorn  
1969 Inge Schöpsdau  
1968 Edeltraud Hammel, später Kuppke  
1967 Michaela Weber  
1966 Brunhilde König  
1965 Ursel Mechtersheimer  
1964 Annerose Thieme  
1963 Christel Schöpsdau  
1962 Hildagard Meng  
1961 Inge Reiß  
1960 Lilli Staab  
1959 Anni Seng  
1958 Sabine Brieskorn  
1957 Jutta Meckes  
1956 Margot Kiefer  
1955 Friedel Hein  
1954 Sigrid Kistowski  
1953 Marlene Müller  
1952 Maria Buchert  
1951 Bärbel Wodzack  
1950 Sieglinde Eisemann  

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnliche Feste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu der französischen Gemeinde Mittelwihr im Oberelsass, die ebenfalls ein Mandelblütenfest feiert,[7] werden Verbindungen gepflegt.[8] Auch das Große Blütenfest in der südpfälzischen Gemeinde Gleiszellen-Gleishorbach befasst sich besonders mit der Mandelblüte.[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gimmeldinger Mandelblütenfest – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Fröhliche Weinfeste Frühjahr. Stadt Neustadt an der Weinstraße, abgerufen am 8. März 2012.
  2. ain (Autorenkürzel): Kaiser Karl und der Mandelbaum. In: Die Rheinpfalz, Mittelhaardter Rundschau. Ludwigshafen 18. März 2014, S. 14.
  3. a b Frühling lässt sein rosa Band… In: Die Rheinpfalz, Freizeitmagazin LEO. Ludwigshafen 8. März 2012.
  4. Festausschuss (Hrsg.): Newsletter zum Mandelblütenfest. Gimmeldingen 7. April 2010.
  5. Mandelblütenfest in Gimmeldingen – Webcam. gimmeldingen.de, abgerufen am 24. März 2017.
  6. Festausschuss (Hrsg.): Newsletter zum Mandelblütenfest.
  7. Mittelwihr. ribeauville-riquewihr.com, abgerufen am 9. März 2014.
  8. Mandelblüte. deutsche-staedte.de, archiviert vom Original am 27. August 2011, abgerufen am 9. März 2014.