Grazer Stadtpfarrkirche

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Die Grazer Stadtpfarrkirche, mit der Fassade zur Herrengasse

Die römisch-katholische Kirche zum Heiligen Blut, bzw. Propstei-, Haupt- und Stadtpfarrkirche Graz-Hl. Blut, kurz Grazer Stadtpfarrkirche befindet sich im Grazer Bezirk Innere Stadt. Sie ist die Pfarrkirche der Pfarre Graz-Hl. Blut im Dekanat Graz-Mitte der Stadtkirche Graz.

Geschichte und Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Turm der Stadtpfarrkirche, vom Grazer Schloßberg aus gesehen
Turm und Dach der Stadtpfarrkirche, vom Akademischen Gymnasium Graz aus gesehen

Die erste Kirche an diesem Ort wurde im Jahr 1440 auf Anregung Kaiser Friedrich III. erbaut. Diese ehemalige Corporis-Christi-Kapelle wurde ein Vierteljahrhundert nach ihrer Fertigstellung dem Dominikanerorden übergeben. Diese erweiterten ab 1478 die kleine dreijochige Kapelle um einen langgestreckten Chorraum, fertig wurde sie erst 1520. Da die damalige Stadtpfarrkirche St. Ägyd (der heutige Grazer Dom) dem Jesuitenorden übergeben wurde, und daher eine neue Pfarrkirche benötigt wurde, mussten die Dominikaner 1585 auf Befehl Erzherzog Karls II. ihr Kloster zu diesem Zweck räumen, und die Kirche Hl. Blut wurde zur Stadtpfarrkirche erhoben (St. Ägyd war bis 1573 Stadtpfarrkirche, und 1786 wurde sie, nach Übersiedlung von Seckau her, Kathedrale der Diözese).

Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fenster im Chor, rechts oben Hitler und Mussolini

Während die Haupthalle der Kirche architektonisch von typischer Bettelordengotik geprägt ist, wurde die Fassade später im barocken Stil ausgestaltet (so stammt der nach den Entwürfen von Josef Stengg errichtete Dachreiter mit Kupferhelm aus dem Jahr 1780). Im 19. Jahrhundert wurden die barocken Altäre durch neogotische ersetzt. Nur die barocke Johannes-Nepomuk-Kapelle von Josef Hueber und das ehemalige Hochaltarbild Mariae Himmelfahrt, das dem venezianischen Maler Tintoretto zugeschrieben wird, blieben erhalten.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die gotischen Glasfenster zerstört. Mit der Neugestaltung wurde Albert Birkle, ein Salzburger Künstler, dessen Kunst im Dritten Reich als entartet galt, beauftragt. Seine Hauptthemen waren die Auferstehung und das Leiden Jesu, doch seine Glasfenster wurden in den 1950er Jahren zum Skandal, denn sie zeigen Hitler und Mussolini an der Seite der Peiniger Christi. Sie ist, neben der Stiftsbasilika St. Martin in Landshut,[1] weltweit die einzige Kirche, die die beiden Diktatoren zeigt.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die große Orgel wurde 1970 von dem Orgelbauer Rieger (Vorarlberg) fertiggestellt. Das Schleifladen-Instrument hat 46 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind mechanisch.[2]

I Hauptwerk C–g3
Lieblich Gedackt 16′
Principal 8′
Spitzflöte 8′
Oktav 4′
Rohrpfeife 4′
Quint 223
Superoktav 2′
Cornett V 8′
Mixtur VI 113
Cimbel III 13
Trompete 8′
Clairon 4′
Tremulant
II Schwellwerk C–g3
Holzprincipal 8′
Rohrflöte 8′
Viola da Gamba 8′
Voix Céleste 8′
Geigend Oktav 4′
Blockflöte 4′
Nasat 223
Flachflöte 2′
Terz 135
Sifflet 1′
Plein Jeu VII 2′
Bärpfeife 16′
Oboe 8′
Tremulant
III Rückpositiv C–g3
Praestant 8′
Copula 8′
Principal 4′
Koppelflöte 4′
Oktav 2′
Quintlein 113
Sesquialtera II 223
Scharff IV 1′
Dulcian 16′
Krummhorn 8′
Tremulant
Cymbelstern
Pedalwerk C–g1
Principal 16′
Subbass 16′
Quint 1023
Oktav 8′
Gedeckt 8′
Choralbass 4′
Rohrpommer 4′
Nachthorn 2′
Mixtur IV 4′
Bombarde 16′
Posaune 8′
Tremulant

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alois Kölbl, Wiltraud Resch: Wege zu Gott. Die Kirchen und die Synagoge von Graz. 2., erweiterte und ergänzte Auflage. Styria, Graz 2004, ISBN 3-222-13105-8, S. 93–96.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stadtpfarrkirche (Graz) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hitler im Kirchenfenster abgerufen am 9. Mai 2009
  2. Nähere Informationen zur Orgel


Koordinaten: 47° 4′ 9,3″ N, 15° 26′ 27,5″ O