Hafen von Amsterdam

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Cornelis Anthonisz.: Amsterdam mit Hafen um 1544

Der Hafen von Amsterdam (niederländisch Haven Amsterdam; englisch Port of Amsterdam) ist der größte Hafen im Gebiet der Seehäfen Amsterdam. Weitere Häfen sind in Velsen/IJmuiden, Beverwijk und Zaanstad, die in der Hafengruppe Amsterdam zusammengefasst werden. Es ist der zweitgrößte Hafen in den Niederlanden und europaweit steht er an sechster Stelle (2012) mit einem Güterumschlag von 71,2 Millionen Tonnen.[1]

In den zur Hafengruppe Amsterdam gehörenden Häfen der Region wurden 2016 insgesamt 96,5 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Dabei entfielen auf die jeweiligen Häfen in den einzelnen Gemeinden:[2]

  • Amsterdam: 78,8 Mio. t (+0,4 %)
  • IJmuiden: 16,8 Mio. t (−3,4 %)
  • Zaanstad: 0,2 Mio. t (−32,9 %)
  • Beverwijk: 0,7 Mio. t (+133 %)

Im gesamten Gebiet der Amsterdamer Häfen arbeiten rund 60.000 Menschen. Das gesamte Hafengebiet ist gezeitenfrei und über die Schleusen in IJmuiden erreichbar.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Amsterdam und ihr Hafen sind seit dem 13. Jahrhundert eng miteinander verknüpft. Der erste Hafen lag an der Amstelmündung zwischen Dam und dem IJ. Am Damrak und entlang der Warmoesstraat siedelten sich die Kaufleute an, die eine besondere Rolle in der Entwicklung von Amsterdam als Hafenstadt spielten. Im 16. Jahrhundert wurde der Hafen an der Ostseite der alten Innenstadt erweitert, wo auch die Werften lagen. Danach wurden in IJ die Inseln Oostelijke- und Westelijke Eilanden angelegt.

Die einzige Verbindung von Amsterdam zur Nordsee bestand über die Zuiderzee, das heutige IJsselmeer. Als dieser Fahrweg immer mehr versandete, wurde im Auftrag des Königs Wilhelm I. (Niederlande) der Noordhollandsch Kanaal nach Den Helder angelegt und 1825 eröffnet. Als dieser Kanal nicht mehr den steigenden Schiffsverkehr aufnehmen konnte, wurde 1865 bis 1876 der Nordseekanal gebaut. Er ist etwa 25 Kilometer lang, hat zehn Seitenkanäle und führt nach IJmuiden an der Nordsee.

Nach und nach wurde der Hafen Amsterdam weiter ausgebaut, so wurden das östliche Hafengebiet und neue Hafenbecken entlang dem Nordseekanal angelegt. 1892 wurde Amsterdam über den Merwede-Kanal besser an das Hinterland angeschlossen, 1952 wurde dieser Kanal bis nach Tiel zum Amsterdam-Rhein-Kanal erweitert und damit eine direkte Verbindung zum Rhein geschaffen.

Im Rahmen des Algemeen Uitbreidingsplan wurde in den 1950er Jahren das westliche Hafengebiet weiter ausgebaut; das östliche Gebiet verlor dadurch an Bedeutung. Dort wurden ab 1990 Wohngebiete gebaut.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersichtskarte der Amsterdamer Hafenbecken

Das Hafengebiet umfasst rund 1900 Hektar an Grundstücken und 600 Hektar Wasserfläche.

Häfen und Hafenbecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hafenbecken erstrecken sich alle am westlichen Ufer des Nordseekanals. Von See kommend sind es folgende Häfen:

Im Afrikahaven werden Öl- und Chemieprodukte sowie Kohle verladen.

Im Amerikahaven werden Öl, Chemie, Schrott, Baustoffe und Container umgeschlagen.

Blick über den Westhaven

Im Westhaven befinden sich RoRo-Anlagen und verschiedene Logistikunternehmen. Es werden Öl und Chemie, Lebensmittel, Baustoffe und Schrott umgeschlagen.

Im Jan van Riebeckhaven werden Öl, Chemie, Holz und Recyclingmaterial umgeschlagen.

Im Petroleumhaven werden Öl und chemische Stoffe umgeschlagen.

  • Coenhaven (mit Havenkom A und C) (Koordinaten)

Im Coenhaven werden Baustoffe, Schrott, Öl und Chemie umgeschlagen.

Im Mercuriushaven werden Öl und Chemie, Baustoffe, Schrott, Nahrungsmittel und Holz umgeschlagen.

Die östlich gelegenen Häfen

wurden in Wohngebiete umgewandelt.

Kreuzfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe des Hauptbahnhofs liegt das Passagierterminal Amsterdam (PTA) (Koordinaten) mit 600 Meter Kailänge für See- und Flusskreuzfahrtschiffe. 2010 wurden dort 90 Seeschiffe und 1195 Flusskreuzfahrtschiffe abgefertigt. Zusammen mit dem Passagierhafen IJmuiden (Koordinaten) wurden 1,014 Millionen Passagiere befördert.

Im Jahr 2015 gab es 184 Anläufe von Kreuzfahrt-Seeschiffen, 142 im Amsterdamer Hafen und 42 im nahen IJmuiden. Außerdem gab es rund 1700 Anläufe von Flusskreuzfahrtschiffen. Der Amsterdam Cruise Port (ACP) erwartet für 2015 um die 775.000 Passagiere.[3]

Güterumschlag im Hafen Amsterdam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umschlag in Millionen Tonnen[4]
Produkt / Jahr 1995 2000 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2015 2016
Öl (Flüssiggut) 7,094 11,207 19,131 23,428 24,866 30,617 35,252 34,653 45,3
Kohle 4,760 11,289 12,597 12,314 17,266 17,290 14,656 14,199 16,1
Agrarprodukte (Bulk) 7,529 10,044 8,299 8,085 8,323 8,740 7,958 8,906 6,4
Sand, Kies, Mineralien 3,952 4,623 6,707 7,325 6,852 5,797 5,502 6,586
Container (in Mio. t) 1,111 0,782 0,925 3,257 3,435 3,902 1,868 0,83 51.500 TEU
andere 6,778 6,669 6,160 6,602 7,132 9,475 8,157 7,525
Total 31,224 44,614 53,819 61,011 67,874 75,821 73,393 72,699 78,5 78,8
Hafenverwaltung

Hafenverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verwaltung des Hafens Gemeentelijk Havenbedrijf Amsterdam (GHA) wurde nach einem Beschluss des Amsterdamer Stadtrates verselbstständigt und zum 1. April 2013 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.[5] Für drei Jahre soll die Stadt Amsterdam Alleingesellschafter bleiben, danach soll der Gesellschafterkreis erweitert werden.[6]

Musikalische Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jacques Brel verewigte den Hafen und seine Matrosen in dem Chanson Dans le Port d’Amsterdam.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Port of Amsterdam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rangliste bei handelsblatt.com, abgerufen am 22. August 2014
  2. Eckhard-Herbert Arndt: Amsterdam legt 2016 leicht zu · Standorte der Hafengruppe entwickeln sich unterschiedlich gut. In: Täglicher Hafenbericht vom 7. Februar 2017, S. 13
  3. Eckhard-Herbert Arndt: Amsterdam positioniert sich als Cruise-Port. In: Täglicher Hafenbericht vom 11. September 2015, S. 4
  4. http://www.portofamsterdam.nl/websiteUK/annualreport2009/Annualreport_2010_PortofAmsterdam.pdf
  5. Eckhard-Herbert Arndt: GHA wird selbstständig. In: Täglicher Hafenbericht vom 21. Februar 2013, S. 13
  6. Eckhard-Herbert Arndt: Hafenbetrieb privatisiert. In: Täglicher Hafenbericht vom 28. März 2013, S. 13