Nordseekanal

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Lage des Nordseekanals in Holland
Satellitenbild Nordseekanal, unten rechts der Amsterdam-Rhein-Kanal
Schleusenanlage IJmuiden
Nordseekanal bei Velsen Zuid
Amsterdam im Hintergrund
Wohnboote auf dem inzwischen geschlossenen Seitenkanal B

Der Nordseekanal (niederl. Noordzeekanaal) in den Niederlanden (Provinz Nordholland) verbindet die Nordsee mit dem IJsselmeer.

Er verbindet Amsterdam (das IJ) in westlicher Richtung bei IJmuiden mit der Nordsee und östlich mit dem IJsselmeer. Der Nordseekanal ersetzte den von 1817 bis 1822 gebauten Nordhollandkanal (Groot Hollandsch Kanaal), der von Amsterdam aus bei Den Helder in die Nordsee mündet. Bei IJmuiden und Amsterdam schließen je vier Schleusen (unter anderem die Oranjesluizen) den Kanal gegen die Nordsee und gegen das IJsselmeer ab.

Geschichte[Bearbeiten]

Der größte Teil des Nordseekanals entstand durch die Einpolderung des IJ. Hierfür wurde ein 17 Kilometer langer Deich angelegt. Für die Entwässerung und für die Schifffahrt von der Spaarne, der Zaan und der Nauerschen Vaart wurden neun Seitenkanäle angelegt.

Die Ausschachtungsarbeiten für den Kanal durch die Dünen zwischen Velsen und der Nordsee, sowie durch den Polder von Buitenhuizen, südlich von Assendelft, begannen am 8. März 1865 und dauerten bis 1876. Da sich kein niederländisches Unternehmen an dieses Projekt wagte, wurden die Arbeiten an eine englische Firma vergeben.

An der Mündung des Kanals in die Nordsee wurden Schleusen gebaut. Dort entstand der Ort IJmuiden. Nach der Südschleuse (1876) wurde 1896 die Mittelschleuse gebaut. Zu dieser Zeit war der Kanal 25 Kilometer lang, 60 bis 100 Meter breit und 7 bis 8 Meter tief[1]. 1929 baute man die Nordschleuse, die zu ihrer Zeit die größte Schleuse Europas war.

Im Lauf der Jahre wurde der 27 Kilometer lange Kanal mehrmals vertieft und auf 300 Meter verbreitert. Heute beträgt der maximal zulässige Tiefgang 13,72 Meter.

Größe der Schleusen

Name Baujahr Abmessungen in Meter
Süd 1876 110 × 20 × 8
Klein 1876 110 × 11 × 3,5
Mittel 1896 225 × 25 × 10
Nord 1929 400 × 50 × 15

Der Kanal wurde von Hand gegraben. Die Arbeiter lebten unter erbärmlichen Umständen in Holzhütten aus Strandgut und Lehm oder in Erdlöchern. Wer das Glück hatte, in einer Scheune zu wohnen, musste Wuchermieten bezahlen. Krankheiten, Schlägereien und Alkoholmissbrauch waren an der Tagesordnung.

Die Eröffnung durch König Wilhelm III. fand am 1. November 1876 statt.

Die Seitenkanäle[Bearbeiten]

Der Nordseekanal und das abgetrennte IJ haben zehn Seitenkanäle. Diese verbinden die Flüsse und Kanäle, die nach der Einpolderung im IJ oder Wijkermeer endeten, mit dem Nordseekanal oder dem abgetrennten IJ.

  • Seitenkanal A verbindet den Hafen von Beverwijk mit dem Nordseekanal
  • Seitenkanal B verband Spaarndam mit dem Nordseekanal, wurde aber in den 1960er Jahren geschlossen (Bau des Dammes für die A9) und dient jetzt als Liegeplatz für Wohnboote oder Kanustrecke.
  • Seitenkanal C verbindet Spaarndam mit dem Nordseekanal bei Buitenhuizen, ist zugleich eine wichtige Entwässerungsstelle für den Wasserverband Rijnland.
  • Seitenkanal D verbindet die Nauersche Vaart mit dem Nordseekanal
  • Seitenkanal E ist ein kurzer Kanal der Westzaan-Süd mit dem Nordseekanal verbindet.
  • Seitenkanal F verband Halfweg mit dem Kanal und ist größtenteils zugeschüttet. Die Reste bei Halfweg sind über das Pumpwerk Rijnland mit dem Amerikahafen am Westpoort verbunden, eine wichtige Entwässerungslinie zum Nordseekanal.
  • Seitenkanal G verbindet Zaandam und damit die Zaan mit dem Nordseekanal.
  • Seitenkanal H verbindet Barndegat mit dem Nordseekanal
  • Seitenkanal I verbindet das Ostzaaner Overtoom mit dem abgetrennten IJ.
  • Seitenkanal K verbindet den Hafen von Nieuwendam mit dem abgetrennten IJ.

Die Entwässerung des Kanal zur Nordsee hin erfolgt über eine Spülschleuse und mit dem zur Zeit größten Pumpwerk Europas, in IJmuiden. Diese Bauwerke sind sehr wichtig für die Entwässerung der westlichen Niederlande.

Das IJ ist durch vier Schleusen mit dem IJsselmeer verbunden.

Brücken und Tunnel[Bearbeiten]

Autofähre bei Buitenhuizen

Unter bzw. über dem Kanal gibt es folgende Tunnel und Brücken:

  • Brücken über die Schleusen in IJmuiden
  • Eisenbahntunnel Velsen (1957)
  • Autobahntunnel Velsen (1957)
  • Hemtunnel (Eisenbahnstrecke Amsterdam–Zaandam) (1983)
  • Coentunnel, Autobahn A10 (1966)
  • IJtunnel (Straßentunnel) (1968)
  • Schellingwouder Brücke (1957)
  • Zeeburgertunnel (1990)
  • Wijkertunnel (1995)
  • Metro-Tunnel (in Bau)

Außerdem verkehren verschiedene Fähren auf dem Nordseekanal und dem IJ.

Literatur[Bearbeiten]

  • Meyers Großes Konversationslexikon, Band 14, Leipzig 1908, Seite 776

Trivia[Bearbeiten]

  • Der niederländische Schriftsteller Connie Braam schrieb einen historischen Roman über die Arbeit am Nordseekanal, De Woede van Abraham (deutsch: „Die Wut Abrahams“).
  • Von Den Helder bis Sluis besteht eine „Nordsee–Fahrradroute“ Fahrradroute. Online verfügbar.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nordseekanal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Provinz Noord-Holland. Der Nordseekanal ist mit dem Flughafen Schiphol ein wichtiger Wirtschaftsschwerpunkt in Nordholland.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nordseekanal. Meyers Großes Konversations-Lexikon