Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart

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Der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, 2017

Der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, auch Hamburger Bahnhof genannt, ist ein Museum für zeitgenössische Kunst im ehemaligen Empfangsgebäude des Hamburger Bahnhofs und Teil der Berliner Nationalgalerie.

Im Jahr 2019 verzeichnete das Museum rund 308.000 Besuche.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte der 1980er Jahre bot der Berliner Bauunternehmer Erich Marx an, der Stadt seine Privatsammlung zur Verfügung zu stellen. Daraufhin entschied der Berliner Senat im Jahr 1987, im Empfangsgebäude des ehemaligen Hamburger Bahnhofs ein Museum für Gegenwartskunst einzurichten. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erklärte sich bereit, die Trägerschaft zu übernehmen. Den vom Senat 1989 ausgeschriebenen Wettbewerb zum Umbau des Bahnhofsgebäudes gewann der Architekt Josef Kleihues. Im November 1996 erfolgte die Neueröffnung durch eine Ausstellung mit Werken von Sigmar Polke. Seither sind hier als Teil der Nationalgalerie das Museum für Gegenwart und das Joseph Beuys Medien-Archiv untergebracht.

Innenansicht: Berlin Circle von Richard Long

Die Sammlungsbestände des Hamburger Bahnhofs schließen zeitlich an diejenigen der Neuen Nationalgalerie an, der Sammlungsbereich beginnt mit den 1960er Jahren. Sie setzen sich zusammen aus Exponaten der Nationalgalerie, der Sammlung Marzona, der Friedrich Christian Flick Collection und weiteren Erwerbungen.[2]

Grundstock bildet die seit 1996 als Dauerleihgabe im Museum ausgestellte Sammlung Marx. Sie besteht aus rund 150 Bildern und etwa 500 Zeichnungen von Beuys und Warhol.[3] Im März 1982 war sie erstmals in der Neuen Nationalgalerie in Teilen ausgestellt worden. 2002 wurde die Sammlung zur Konzeptkunst und Arte Povera von Egidio Marzona erworben.[2]

2004 kam die Kunstsammlung von Friedrich Christian Flick als Leihgabe in das Museum, sie umfasste über 1500 Werke. Die erste Ausstellung und die Kooperation wurde jedoch in der Öffentlichkeit kritisch diskutiert, da die Sammlung mit dem Erbe des Unternehmers Friedrich Karl Flick finanziert wurde, der als Kriegsprofiteur des NS-Regimes gilt und dessen Vater Friedrich Flick deswegen auch verurteilt wurde.[4]

2008 und 2014 schenkte Flick insgesamt 268 Werke seiner Friedrich Christian Flick Collection dem Museum, darunter Werke von Isa Genzken, Martin Kippenberger, Katharina Fritsch und Raymond Pettibon.[5][2] Angesichts ihres Umfanges und ihrer Qualität bezeichnet die Stiftung Preußischer Kulturbesitz diese Schenkung als einzigartig in der Nachkriegszeit. Im April 2020 wurde bekannt, dass der 2003 geschlossene Leihvertrag am 30. September 2021 ausläuft. Grund war der geplante Abriss der Rieckhallen, in denen Werke aus der Sammlung gezeigt wurden.[6]

In der Sammlung befinden sich heute Werke u. a. von Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Richard Long, Donald Judd, Cy Twombly, Rebecca Horn, Marcel Broodthaers, Jutta Koether, Candice Breitz, Harun Farocki und Pipilotti Rist. Seit 2005 wurden durch die vom Verein der Freunde der Nationalgalerie gegründete „Stiftung für zeitgenössische Kunst“ u. a. Werke von Nevin Aladağ, Andrea Fraser, Alfredo Jaar, John Knight, Susan Philipsz und Heimo Zobernig angekauft.[2]

Neben Sammlungspräsentationen zeigt das Museum auch Wechselausstellungen aktueller Gegenwartskünstler.

Im Juni 2020 wurde bekannt, dass der Bund das Museumsgebäude vom Investor CA Immo zurückkaufen und danach renovieren und erweitern möchte.[7]

Teile der Sammlung sollen zukünftig auch im Museum des 20. Jahrhunderts präsentiert werden.

Rieckhallen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übergang vom Hamburger Bahnhof zu den Rieckhallen
Gang in den Rieckhallen

Der ehemalige Güterbahnhof, der sich an den Hamburger Bahnhof anschließt, wurde für die Friedrich Christian Flick Collection zu einem Ausstellungsbereich umgebaut. Der Ausstellungsbereich ist rund 330 Meter lang und bietet eine Fläche von 6000 m². Der Umbau wurde von den Architekten Kuehn Malvezzi vorgenommen und im Sommer 2004 fertiggestellt. Die Brücke, welche die Rieckhallen mit dem Hamburger Bahnhof verbindet, ist selbst eine Kunstinstallation im Stile eines S-Bahnhof-Zugangs.[8]

2007 wurde das Grundstück der Rieckhallen von der Deutschen Bahn an die österreichische CA Immo AG verkauft und zurückgemietet.[9] Im Frühjahr 2020 wurde bekannt, dass die österreichische Immobiliengesellschaft den Mietvertrag nicht verlängert und stattdessen auf dem Gelände neue Wohngebäude bauen will.[10] Die in diesen Hallen gezeigte Flick Collection soll nach Zürich übersiedeln.[11] Im September 2020 einigten sich das Land Berlin und die CA Immo AG, dass Berlin die Rieckhallen im Tausch gegen ein noch nicht näher bezeichnetes gleichwertiges Landesgrundstück erwerben wird.[12]

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Britta Schmitz, Dieter Scholz: Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart Berlin. 2. Aufl. Prestel, München 2002, ISBN 3-7913-1713-X.
  • Peter Raue, Peter-Klaus Schuster (Hrsg.): Rettet die Rieckhallen. Walther König, 2021, ISBN 978-3-7533-0039-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Staatliche Museen zu Berlin zählen 2019 mehr als 4 Millionen Besucher*innen. 31. Januar 2020, abgerufen am 19. Juli 2020.
  2. a b c d Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin: Über die Sammlung. In: smb.museum. Abgerufen am 5. Januar 2022.
  3. Ines Goldbach: Das Museum für Gegenwart im ehemaligen Hamburger Bahnhof in Berlin-Studien zu Architektur und Museumskonzept. (PDF; 1 MB) Stand: 1999; Magisterarbeit, Universität Freiburg, 2004, Online-Fassung, Anm. 127 auf S. 42.
  4. Sowohl die Kritik (S. 27–38) als auch ein langes Interview mit dem Leihgeber (S. 5–25) sind ausführlich dokumentiert in der Erstausgabe der Hauspublikation Museum für Gegenwart (2004).
  5. Hamburger Bahnhof: Mäzen Flick schenkt Berlin 166 Kunstwerke. In: Die Welt. 19. Februar 2008 (welt.de [abgerufen am 5. Januar 2022]).
  6. Berliner Museen verlieren wichtige Privatsammlung. In: www.faz.net. 24. April 2020, abgerufen am 24. April 2020.
  7. Verhandlungen „auf gutem Weg“: Bund möchte Museum Hamburger Bahnhof zurückkaufen. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 29. Juni 2020]).
  8. Die Sammlung in Berlin | FRIEDRICH CHRISTIAN FLICK collection. Abgerufen am 20. Juni 2020.
  9. Nicola Kuhn: Berlin verliert Flick Collection – Abriss eines Traums. In: Der Tagesspiegel. 24. April 2020 (tagesspiegel.de [abgerufen am 20. Juni 2020]).
  10. Eugen Blume: Kunst der Gegenwart in Berlin: Rettet die Rieckhallen! In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 20. Juni 2020]).
  11. Farbrausch am Hamburger Bahnhof. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 20. Juni 2020.@1@2Vorlage:Toter Link/www.zdf.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  12. Ingeborg Ruthe: Die Rieckhallen am Hamburger Bahnhof bleiben der Nationalgalerie erhalten. In: berliner-zeitung.de. 23. September 2021, abgerufen am 5. Januar 2022.
  13. Köpfe 2022: Von wem wir in diesem Jahr noch hören werden. In: www.monopol-magazin.de. 4. Januar 2022, abgerufen am 5. Januar 2022.
  14. Museums-Check: Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 15. November 2020.

Koordinaten: 52° 31′ 42″ N, 13° 22′ 19,8″ O