Handwerkskammer Hamburg

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Handwerkskammer Hamburg am Holstenwall

Die Handwerkskammer Hamburg ist die auf dem Gebiet der Freien und Hansestadt Hamburg zuständige Handwerkskammer als Interessenvertretung und Dienstleister für das ansässige Handwerk, handwerksähnlicher Betriebe und deren Mitarbeiter und Lehrlinge. Sie vertritt damit über 15.200 [1] Betriebe mit etwa 129.000 Beschäftigten in den 89 handwerklichen und 41 handwerksähnlichen Gewerken, die in Hamburg vertreten sind.

Das Gewerbehaus am Holstenwall 12 ist der Hauptsitz der Handwerkskammer Hamburg. Zu Beginn hatten dort auch alle damaligen Innungen ihren Standort. Ein ergänzendes Gebäude der Kammer steht seit den Neunziger Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft Bei Schuldts Stift 3 mit Zufahrt in eine Tiefgarage. In dem neuen Gebäude ist heute nur noch ein kleiner Teil der Hamburger Innungen und die Vereinigte Innungsgeschäftsstelle untergebracht. Die meisten Innungen benötigten mehr Platz und fanden neue Standorte meist innerhalb Hamburgs. Seit 2008 verfügt die Handwerkskammer (nach dem Verkauf der Fortbildungsimmobilie "GFA" in Altona) mit dem „Elbcampus“ über ein neues Weiterbildungszentrum nahe dem Harburger Bahnhof. In den 49 Hamburger Innungen sind die selbständigen Handwerker als freiwillige Mitglieder vertreten. Die Innungen sind im Gegensatz zur fachübergreifenden Aufgabe der Handwerkskammer für die fachliche Aufgaben des jeweiligen Handwerks zuständig.

Seit Anfang an beteiligt sich die Handwerkskammer Hamburg an der großen Imagekampagne "Das Handwerk. Die Wirtschaftskraft. Von nebenan." des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), die der damalige ZDH-Präsident Otto Kentzler[2] 2009 angeregt und durchgesetzt hatte.

Organe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handwerkskammer ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und organisierte Selbstverwaltungseinrichtung des gesamten Handwerks in Hamburg. Aufgabe der Handwerkskammer ist es, die Interessen des Gesamthandwerks zu vertreten und die Belange des Handwerks im Zuge der Selbstverwaltung selbst zu regeln. Die Handwerkskammer übt die Rechtsaufsicht über die Innungen aus. Zur Handwerkskammer gehören die Inhaber eines Handwerksbetriebes (unterschieden in zulassungspflichtige Handwerke und zulassungsfreie Handwerke) und des handwerksähnlichen Gewerbes sowie die Gesellen, Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung und die Lehrlinge.

Die Organe der Handwerkskammer sind gemäß § 92 der Handwerksordnung[3] die Mitgliederversammlung (Vollversammlung), der Vorstand und die Ausschüsse.[4]

Die Vollversammlung besteht aus 39 Mitgliedern. Ein Drittel davon, also 13, sind Arbeitnehmer, zwei Drittel sind Arbeitgeber. Die Vollversammlung vertritt mehr als 15.000 Betriebe und circa 130.000 Beschäftigte.

Die Amtszeit eines Präsidenten der Handwerkskammer Hamburg ist seit einer Satzungsänderung in den 80er Jahren auf zwei fünfjährige Perioden begrenzt. Zum Präsidenten der Handwerkskammer wurde Josef Katzer, der Inhaber einer Gebäudereinigungsfirma [5] am 30. April 2009 gewählt und am 4. Mai 2009 ins Amt eingeführt.[6] Seine Amtszeit als Präsident wird also im Frühjahr 2019 enden.

Vorsitzende der Gewerbekammer (seit der Gründung 1873) und Präsidenten der Handwerkskammer (seit 1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1873–1875,1877–1881 Eduard Schmidt (1830–1900), Schlossermeister
  • 1876 Carl Gustav Isidor Herbst (1835–1902), Buchdrucker
  • 1882–1899 Carl Heinrich Martin Bauer (1829–1904), Maurermeister und Architekt
  • 1900 Christian Ferdinand Wulff, Buchdrucker
  • 1901–1902, 1904–1906, 1909, 1911, 1913, 1915, 1920 Heinrich Knost (1853–1923), Bäckermeister
  • 1903, 1907 August Richter, Goldwarenfabrikant
  • 1908, 1910, 1918–1919, 1927, 1929–1931 Ernst Schiele (1865–1933), Heizungsingenieur[7] (R.O.M.)
  • 1912, 1914, 1916, 1921–1926 Leopold Osbahr (1855–1937), Gummiwarenfabrikant (NYH)
  • 1917 Carl Zimmermann, Schneidermeister
  • 1928 Wilhelm Wolfromm, Tischlermeister
  • 1932 Paul Hartung (1864–1944), Buchdrucker
  • 1933 Hermann Carl Vering (1879–1955), Glasgespinstfabrikant
  • 1933–1934 Walter Kleist, Schlossermeister
  • 1935–1945 Arnold Petersen (1892–1953), Malermeister
  • 1945 Johannes Stäudlen, Schornsteinfegermeister

Die Präsidenten nach 1945

  • 1945–1953 Paul Wilken (1898–1969), Baumeister
  • 1954 Heinrich Wulff, Bäckermeister
  • 1954–1965 Richard Sörensen, Baumeister
  • 1966–1979 Edmund Helbig, Fleischermeister
  • 1979–1989 Franz Eble, Kfz-Mechaniker-Meister
  • 1989–1999 Dieter Horchler, Baumeister
  • 1999 Erwin Wolkenhauer, Kfz-Mechaniker-Meister
  • 1999–2009 Peter Becker, Bäckermeister
  • seit 2009 Josef Katzer, Gebäudereinigermeister

Die Sekretäre ("Secretair") der Gewerbekammer / Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer

  • 1873–1877 Justus Brinckmann (* 1843; † 1915)
  • 1877–1880 Julius Schulze[8] (* 1836; † 1888)
  • 1881–1895 Lorenz Theodor Nagel[9] (* 1828 † 1895)
  • 1896–1923 Thilo Hampke[10] (* 1868 † 1932)
  • 1923–1950 Georg Stenzel (* 1877; † 1964)
  • 1950–1967 Heinrich Meyer-Hartig (* 1913; † 1997)
  • 1967–1983 Clemens Caesar (* 1918; † 2009)
  • 1983–2003 Jürgen Hogeforster (* 1943)
  • 2004–2013 Frank Glücklich (* 1948)
  • seit 2014 Henning Albers (* 1968)

Geschichte der Handwerkskammer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Vorläufer von Innungen und Kammer gelten die im Mittelalter entstandenen Zünfte. 1873 vereinigten sich alle Handwerke in Hamburg in der Gewerbekammer, aus der später die Handwerkskammer hervorging.

Die Handwerkskammer Hamburg wurde als „Gewerbekammer“ 1873 gegründet. Grundlage war das Gewerbekammer-Gesetz, das am 18. Dezember 1872 veröffentlicht worden war. Die erste Sitzung der Gewerbekammer fand am 28. April 1873 statt. Vorsitzender war der Schlossermeister Eduard Schmidt (1830–1900). Die Gewerbekammer bestand bis 1907 aus 15 Mitgliedern und wurde 1907 auf 24 Mitglieder erweitert. Erster Kammersekretär war Justus Brinckmann (1843–1915), der spätere Gründer des Museums für Kunst und Gewerbe. Die Gewerbekammer war damals eine Organisation für Industrie und Handwerk. Die Industrie wird seit 1934 von der Handelskammer vertreten.

Ihren Sitz hatte die Gewerbekammer mit der Aufsichtsbehörde in den ersten Jahren in der Neuen Gröninger Straße 5, Bei den Pumpen 38, Bohnenstraße 19 (nahe Trostbrücke) und auf den Großen Bleichen 61/63.[11]

Das "Gesetz über den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks" vom 29. November 1933 war die Grundlage u.a. zur Umbenennung der Gewerbekammer in "Handwerkskammer" mit Wirkung ab 1. Januar 1934. Seitdem ist die Zuständigkeit für die Industriebetriebe auf die Handelskammer Hamburg übertragen worden. Am 20. April 1942 trat die "Gauwirtschaftskammer-Verordnung" in Kraft und damit die Umbenennung der Handwerkskammer in "Gauwirtschaftskammer". Für das Hamburger Handwerk trat die Verordnung des Zentralamtes für die britische Zone über den Aufbau des Handwerks am 6. Dezember 1946 in Kraft. Zu diesem Zeitpunkt war der Bauunternehmer Paul Wilken Kammerpräsident. Später regelte die "Handwerksordnung" vom 17. September 1952 die Angelegenheiten des Handwerks bundesweit.

Jubiläumsfeiern:
Zum 25-jährigen Jubiläum 1898 erschien die Veröffentlichung "Kurze Übersicht über die 25-jährige Thätigkeit der Gewerbekammer 1873–1898" [1]
Die eigenständige "Handwerkskammer Harburg" und die eigenständige "Handwerkskammer Altona" feierten im Jahr 1900 ihr 25-jähriges Bestehen. Sie existierten jedoch nur bis zum Groß-Hamburg-Gesetz 1937, durch das sie in den Zuständigkeitsbereich der Handwerkskammer Hamburg eingegliedert wurden.
Im Dezember 1922 wurde das 50-jährige Jubiläum gefeiert. Hierzu gab es in den "Hamburger Nachrichten" vom 16. Dezember 1922 eine gesonderte Beilage.
Das 75-jährige Jubiläum 1948 war durch die Mangelwirtschaft geprägt. Die Behörde für Ernährung und Landwirtschaft bewilligte für die Bewirtung der Gäste 100 x 150 g Brot, 100 x 20 g Butter und 100 x 30 g Käse. Da die Kammermitarbeiter an der Feier "aus Raummangel" nicht teilnehmen konnten, bat der damalige Hauptgeschäftsführer Dr. Georg Stenzel die Behörde darum, ihr für ca. 100 Personen eine Zuteilung von Zigaretten und Zigarren zu geben.[12]
Das 100-jährige Jubiläum wurde am 22. Mai 1973 gefeiert und zwar in Verbindung mit der Kunsthandwerker-Ausstellung "Werkstatt 73". Außerdem wurde das Buch "Hamburg und sein Handwerk - Handwerkskammer Hamburg 1873–1973" herausgegeben mit einem Beitrag von Erich Lüth.
Das 125-jährige Jubiläum wurde am 13. Juni 1998 in der St. Michaelis-Kirche gefeiert. Ebenso wie bereits 1973 war dies der Anlass für die Herausgabe eines Buches "Horizonte – 125 Jahre Handwerkskammer Hamburg 1873–1998" und die Ausstellung "Kunst-Hand-Werk".

Standort und Geschichte des Gewerbehauses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Das "Gewerbehaus" am Holstenwall 12 ist der Sitz der ehemaligen Gewerbekammer, der heutigen Handwerkskammer. Das Gebäude wurde also nicht von der Handwerksorganisation der Gewerbekammer errichtet, sondern finanziert und konzipiert von der Stadt Hamburg in Abstimmung mit der Gewerbekammer. Das Hamburg-Wappen über der Jahreszahl der Fertigstellung oberhalb der Eingangstür ist dafür das damals übliche Zeichen gewesen. Für diesen Staatsbau war der Beschluss der Hamburgischen Bürgerschaft vom 10. Juli 1912 zur Freigabe der Baukosten in Höhe von 911.300 Mark notwendig. Hintergrund für den Staatsbau war die prekäre soziale Lage in der Stadt und das Erfordernis, den Arbeitssuchenden "Arbeitsnachweise" zu geben. Dies geschah im Innungsflügel, in Form einer offenen Galerie über 6 Ebenen mit einem direkten Zugang von der Straße in die im Souterrain eingerichteten "Wartehalle für Arbeitssuchende".

Der Vorstand Gewerbekammer wollte, wie den Protokollen der Baudeputation zu entnehmen ist, dass die Stadt Hamburg das neue Gewerbehaus auf einem Grundstück mitten in der Innenstadt errichtet, am liebsten am Valentinskamp/Gänsemarkt (dem späteren Standort der Finanzbehörde). Der von der Stadt vorgeschlagene Standort Nagelsweg wurde wegen der Nähe zum 1906 fertiggestellten Gewerkschaftshaus am Besenbinderhof abgelehnt. Als Baugrundstück wurde immerhin ein städtisches Grundstück vorgesehen, das noch innerhalb des Wallrings in der Neustadt lag – am Holstenwall. Dieser Straßenzug war nach Aufhebung der Torsperre 1860 zu einer breiten Ringstraße ausgebaut worden war. Hier sollten ähnlich wie in anderen Städten und wie schon zuvor im altstädten Teil der Ringstraße nahe dem Hauptbahnhof verschiedene repräsentative Gebäude errichtet werden.

Hierfür waren nach der Entfestigung des Walls für die Neubebauung des Holstenwalls nur bestimmte Baugattungen zugelassen worden. Dazu gehörte auch Wohnungsbau, aber nicht sog. Kleinwohnungen, wie sie von der Abraham Philipp Schuldt Stiftung schon in der Zeit vor der Cholera (1892) vom Architekt Hinrich Fitschen geplant wurden. Baulich im Kontrast zu den Wohnungen im bisherigen Gängeviertel entstanden die Wohnungen von „Schuldts Stift“ auf der Rückseite der Ringstraßenbebauung. Zunächst wurden die Wohnzeilen Hütten 2–12 [2]und Pilatuspool mit zwei Kopfbauten fertiggestellt. Sie stellen die heutige rückwärtige Bebauung des Gewerbehauses dar (weitere Kleinwohnungen von der A. Ph. Schuldt-Stiftung Neumayerstraße, Poolstraße, Seewartenstraße und Zeughausstraße).

Im Ringstraßenabschnitt südlich des damaligen Holstenplatzes war das Interesse an den neu geschnittenen Parzellen für Repräsentativbauten geringer als im Bereich bis zum Gorch Fock-Wall (bis 1933 Friedrich-Ebert-Straße). Südlich der 1904–1908 entstandenen Musikhalle (heute „Laeizshalle“) (Architekt Martin Haller und Emil Meerwein am Holstenplatz, später Karl Muck-Platz, seit 1997 „Johannes Brahms-Platz“) waren vor 1910 folgende ganz unterschiedliche Neubauten entstanden.

ca. 1900 Holstenwall 1 – gegenüber der Musikhalle - Hotel Holstentor von C. W. Schülke [3] in repräsentativem Gründerzeitstil
1905 Holstenwall 3 bis 5 – Deutschnationaler Handlungsgehilfenverband Werner Lundt und Georg Kallmorgen [4], dann jedoch 1921-22 und 1929-1931 Erweiterung und Umbau mit neuer Fassade (Architekten Ferdinand Sckopp und Wilhelm Vortmann) [5] und Einbeziehung des Grundstücks Holstenwall 1/Karl Muck-Platz [6] - das heutige Brahms-Kontor
1904 Holstenwall 6 – Kinderbewahranstalt von 1852 (Arch. Hermann Behr und Alfred Eckmann)
Holstenwall 8 – Hamburger Baugewerks-Berufsgenossenschaft (als Konsequenz des Unfallversicherungsgesetzes 1884 von Reichskanzler Otto von Bismarck).
Holstenwall 9 – im Gründerzeitstil: repräsentatives Wohnhaus (IV)
Holstenwall 10 – im Gründerzeitstil: Repräsentatives Geschäfts- und Wohnhaus (V.) des Glasgroßhändlers Wilhelm Völker
(mit Nutzung des städtischen Flurstücks 1408 Holstenwall 12 /Holstenwall 12a als Glaslager)
Holstenwall 13 – im Gründerzeitstil: Repräsentatives Wohnhaus v mit Gaststätte (V.)
1901 Holstenwall 14/15 – Volksschule Enckeplatz (Arch. Baudirektor Carl Johann Christian Zimmermann) – jetzt Staatliche Handelsschule H 14
1904 Holstenwall 16/17 – Volksschule Holstenwall (Architekt Baudirektor Albert Erbe) - jetzt: Staatliche Handelsschule H 14
1899/1900 Holstenwall 18 – Heine-Asyl (heute „Heine’sches Wohnstift“) – Architekt Martin Haller und Hermann Geißler – errichtet aus der Stiftung von Therese von Halle (geb. Heine), Kunstsammlerin und Stifterin
1899/1899 Holstenwall 19 – Bäcker-Innungshaus – Architekt Hermann Wurzbach mit Bäckerherberge
Holstenwall 20 – Geschäftshaus (V.)
ca. 1898 Holstenwall 21 – Ecke Zeughausmarkt (später Ost-West-Straße, heute Ludwig-Erhard-Straße): Gebäude der Christlichen Gemeinschaft Philadelphia mit ihrer Buchhandlung [7] [8] (heute: „Freie Evangelische Gemeinde Holstenwall“ in der Michaelis-Passage - Verlagerung wegen des Neubaues der Hamburger Sparkasse 1992-2006)

Seit 1826 Sternwarte auf der ehem. Bastion „Henricus“. Sie wurde 1912 nach Bergedorf verlagert, so dass die Fläche als Bauplatz Holstenwall 24 für den Neubau des „Museum für Hamburgische Geschichte“ frei wurde (Bauzeit 1914 bis 1923) [9].

Als am 28. April 1910 der Antrag in der Hamburgischen Bürgerschaft zum Bau des Gewerbehauses am Holstenwall 12 gestellt wurde, war dies also die einzige Baulücke und das letzte freie städtische Grundstück [10]. Es war von dem Glasgroßhändler Wilhelm Völker als Lagerplatz genutzt worden. Seine Kündigungsfrist betrug einen Monat. Die Entscheidung der Finanzdeputation erfolgte am 23. September 1911, die Senatssitzung fand am 21. Juni 1912 statt und am 10. Juli 1912 gab die Bürgerschaft nach turbulenter Parlamentsauseinandersetzung die Freigabe von 911.300 Mark.

Der damalige Leiter des Hochbauamtes Fritz Schumacher, der hier als Architekt tätig wurde, bezeichnete später die Verwirklichung des Raumprogramm für das 2500 qm große Grundstück mit einer bebaubaren Fläche von ca. 1700 qm als "wahren Zauberkasten".

Das Raumprogramm gemäß Beschlussvorlage für die Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft von Juni 1912:
Für die Gewerbekammer waren ein kleiner Sitzungssaal, 4 Amtszimmer, 6 Geschäftszimmer und 2 Aktenräume vorgesehen.
Für die Gewerbeförderung wurden 2 Räume für theoretische Meisterkurse, 4 Räume für praktische Meisterkurse, Amt- und Dozentenzimmer, sowie ein Lesesaal und ein Ausstellungsraum vorgesehen.
Für die Versammlungen und die Sitzungen der Innungen wurden 3 Sitzungssäle (für bis zu 450 Personen, für 150 bis 200 Personen und für 80 bis 100 Personen), sowie 8 Sitzungszimmer für 20 bis 50 Personen vorgesehen.
Die Aufsichtsbehörde für die Innungen erhielt ein Amtszimmer für den Präses.
Die Innungen erhielten 26 Räume für Sekretariate, Krankenkassen und Arbeitsnachweise sowie 3 Archivräume.
Von besonderer Bedeutung war im sog. Innungsflügel die im Tiefparterre ein Meter unter Straßenniveau gelegene ca. 350 qm große „Wartehalle für Arbeitssuchende“. Für die zu erwartenden Menschenmengen sollte die Wartehalle von der Straße aus ins Gebäude und dann über den Innenhof im Kreislauf geführt werden.

Geplant war die Bauzeit von 2 Jahren:
Beginn der Erdarbeiten und der Fundamentierung 1. September 1912,
Fertigstellung des Rohbaus am 1. Oktober 1913 und
die Übergabe des fertigen Baues am 1. Oktober 1914.
Durch den Ausbruch des 1. Weltkriegs verzögerte sich die Bauzeit um einige Monate. Jedoch ab 1. April 1915 konnten die ersten Innungen einziehen (Buchdrucker und Klempner) und 1916 konnte auch Dr. Thilo Hampke, der Syndikus (heutige Amtsbezeichnung: Hauptgeschäftsführer) der Gewerbekammer seine neuen Räume beziehen, ebenfalls die Bibliothek, Patentschriftensammlung, Aufsichtsbehörde für die Innungen und die meisten Innungen, für die am Holstenwall ein Büro vorgesehen war (vgl. Adressbuch-Einträge für die Jahre 1915 und 1916). Deshalb ist als Datum über der Eingangstür das Jahr 1915 genannt und unterhalb des Hamburg-Wappens deutlich zu erkennen: „AD 1915“ (siehe Foto). [13]

Auch wenn 1915 noch nicht alle Räume im Innenausbau fertiggestellt werden konnten, das Gewerbehaus wurde sehr rasch von den Innungen und auch von der Gewerbekammer in Nutzung genommen. So berichtet die "Neue Hanburger Zeitung" am 30. Oktober 1915 von der Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung im 1. Stock. Der "Hamburgische Correspondent" kündigte am 9. April 1916 den Umzug der Patentschriftensammlung und der Bibliothek von den Großen Bleichen 61/63 ins Gewerbehaus an und am 6. August 1916 wird auf die Meisterkurse im Gewerbehaus hingewiesen. Die "Neue Hamburger Zeitung" berichtet am 11. Dezember 1916 von der Eröffnung der Weihnachtsmesse des Hamburger Gewerbevereins im Großen Saal. Als Redner sprachen u.a. Bürgermeister Werner von Melle und der Vorsitzende des Gewerbevereins Johannes Hirsch.

Im Jahr 1937 wurde der bisherige auf 20 Jahre befristete Mietvertrag vom 4. September 1917 rechtzeitig verändert: Der Mietvertrag wurde in einen Erbbaurechtsvertrag mit einer Laufzeit von 75 Jahren umgewandelt - also bis 2012. Diese Vertragsänderung wurde am 3. Dezember 1937 feierlich in und vor dem Gewerbehaus begangen. Der damalige Kammerpräsident Arnold Petersen war Mitglied der NSDAP und seit 1936 Mitglied im Reichstag. Gauleiter und Reichsstatthalter Karl Kaufmann kam zu diesem Ereignis in die Handwerkskammer, bei der auch Marmorbüsten des Führers und des Generalfeldmarschalls Hindenburg in der Vorhalle enthüllt wurden. Für diese Veranstaltung war vor dem Gewerbehaus ein Podium aufgebaut und das Gewerbehaus wurde von großen Scheinwerfern angestrahlt. 3000 Fackelträger und insgesamt 30.000 Handwerker waren mobilisiert worden. [14]

Im Jahr 1989 verkaufte die Stadt Hamburg der Handwerkskammer Hamburg das Grundstück plus Gebäude, damit im Innenhof eine dringend notwendige Tiefgarage errichtet werden kann. Mit der bisherigen Laufzeit des Erbbaurechtsvertrags bis 2012 wäre diese Investition nicht erfolgt. Die Handwerkskammer hat 2015 das Jubiläum "100 Jahre Gewerbehaus" nicht gefeiert. Seit dem 1. Mai 2013 steht das "Gewerbehaus" unter Denkmalschutz [15]

(Fortsetzung folgt)

Bauliche Veränderungen des Gewerbehauses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingangshalle: 60er-Jahre: Entfernung des Brunnens von Artur Storch und Sperrholzverkleidung der Fenster der inneren Arkadenbögen. Die Sperrholzverkleidungen wurde in den 80er-Jahren entfernt und die Glasflächen erhielten wieder einen Prismenschliff, der Brunnen wurde 1996 rekonstruiert. Große Uhr mit beidseitiger Ansicht über der großen Flügeltür in den 80er-Jahren ausgebaut und nicht mehr vorhanden. Vier Hängelampen entfernt und nicht mehr vorhanden. Der Paternoster wurde ausgebaut (1976) und durch zwei kleine Fahrstühle ersetzt, 1991 noch mal umgebaut. 60er-Jahre: Handwerksembleme aus Kunstharz im unteren Abschnitt des Haupttreppenhauses von Glasermeister Ewald Kerlin ausgeführt. Ausmalung der beidseitigen tonnenförmigen Durchgänge zum Innungsflügel und zum Remter mit verschiedenartigen Handwerksemblemen (vor 1972)

Windfang d. h. der Treppenbereich zwischen der großen Haustür und der Flügeltür in die Eingangshalle: 1989: Veränderung der Treppe (statt bisher acht steilen Stufen wurden neun Stufen aus weißem Granit zur besseren Begehbarkein verlegt.) Statt bräunlicher Wandfliesen wurden weißgetönte Fliesen verlegt. Sie wurden eingesetzt von den Fliesenleger-Lehrlingen im 3. Lehrjahr. Fenster-Durchbruch zur Telefonzentrale (heute Auskunftsstelle) Wandleuchten aus Messing im alten Stil. Messingbeschläge an der unteren Tür mangels Pflege schwarz angelaufen.

Ausstellungshalle im Innenhof: Die 5 Meter hohe für Gesellen- und Meisterstücke genutzte Ausstellungshalle wurde in den 60er-Jahren umgenutzt zur Lehrwerkstatt der Kfz-Innung. Nach deren Umzug zur Billstraße 1985 wurde die Halle als Mitarbeitergarage genutzt - weiterhin mit der Durchfahrtsmöglichkeit neben dem Remter. Das kleine dreieckige Gebäude der Pförtnerloge wurde 1992 im Zuge der Umnutzung des Innenhofs beseitigt. Die dort realisierte doppelstöckige Tiefgarage mit 87 Stellplätzen wurde überbaut mit einem Büropavillon für die Handwerksrolle.

Der Remter im Souterrain des Hauptgebäudes: Mehrere Umbauten gab es im Remter: u. a. 1963, 1973, 1980 und zuletzt 2011. Glücklicherweise waren die Bleiglasfenster der 24 Hamburger Brauereien in der Trinkstube erhalten geblieben. Dort wurde unter den kunstgeschmiedeten Kronleuchter mit Hamburger Figuren (Hummel, Zitronenjette …) die einzige erhaltene Deckenleuchte aufgehängt, die aus dem Plenarsaal stammte und die von Fritz Schumacher mit kleinen Handwerkszeichen entworfen worden waren. Die besondere Gestaltung des Gildezimmers mit Wandfliesen und Glaskunstfenster - ähnlich wie die Brauerei-Bleiglasfenster in der Trinkstube – ist verändert worden. Zeitweise wurden dort zwei Gemälde „Auf der Werft“ und „In der Schmiede“ aufgehängt, die ebenfalls nicht mehr erhalten sind. Das Gildezimmer und der Zunftsaal erhalten Licht durch hinterleuchtete Bleiglasfenster der 70er Jahre aus leicht eingefärbten Gläsern mit integrierten kleinen Zunftwappen. Sie wurden von der Glaserei F. W. Ulrich ausgeführt.

Innungsflügel: 1. Die 350 qm große Halle für Arbeitssuchende, die für die Bewilligung des Baues des Gewerbehauses 1915 entscheidend war, wurde 1943 als Luftschutzeinrichtung genutzt. Seit 1995 dient dieser Bereich als neue Ausstellungsfläche „Galerie“ mit neu verlegtem Terrazzo-Fußboden. Sie hat eine direkte Erreichbarkeit von der Straße durch den ursprünglichen Niedergang für die Arbeitssuchenden mit den schweren schwarzen Türen und dem ornamental verzierten Schutzgittern. Hinter der „Galerie“ wurde außerdem vorübergehend die Hausdruckerei untergebracht. Heute befindet sich dort u. a. die Poststelle der Handwerkskammer.

2. Weitere Veränderungen im Innungsflügel: Während des Dachgeschossausbaues 1984/85 wurde das Oberlicht zur Belichtung des sechsgeschossigen Innungsflügels mit seinen offenen Galerien überdeckelt (Architekt Dieter Langmaack). Damit wurde der Innungsflügel, wie ihn Fritz Schumacher vorgesehen hatte, einschneidend und nachhaltig verändert. Die Leichtigkeit der hellen Decke mit den Schumacher-typischen Diagonalkreuzen, wurde zu einem schwarzen Deckel mit hellen Diagonalkreuzen.

3. Inzwischen sind die Büroräume im Innungsflügel nicht mehr von den ursprünglich zahlreichen Innungen genutzt, sondern dienen als Büros der Handwerkskammer und im 5. Stock auch als Seminarräume. Die Innungen benötigten für ihre zusätzlichen Aufgaben größere Räume verließen nach und nach den Standort am Holstenwall. Dadurch machten sie Büroraum frei für zusätzliche Aufgaben der Handwerkskammer. Für den Dachgeschossausbau wurde auch die Hausmeisterwohnung im 5. Stock aufgelöst. Im Rahmen des Baues der Tiefgarage 1990/92 wurde statt des 1976 stillgelegten Paternosters für den Innungsflügel ein Lastenfahrstuhl von der Tiefgarage bis zum 5. Stock installiert.

Hauptgebäude: Erster Stock: 1. In den 90er-Jahren wurde der Präsidentenflur umgebaut: Statt grünem Linoleumfußboden wurden weiße Granitplatten verlegt, statt der Flügeltür wurde eine Verglasung mit alten Bleiglasfenstern aus der alten Nikolai-Kirche vorgenommen. Der Flur endet an einem hinterleuchtetes Kirchenfenster. Die Bürogrundrisse wurden verändert.

2. Die Bleiverglasung mit Handwerksemblemen und der Kachelofen im Präsidentenzimmer sind nicht mehr erhalten. Die Gemälde „Auf der Werft“ und „In der Schmiede“ von einem unbekannten Künstler wurden später im Gildezimmer des Remter aufgehängt, sind aber dort auch nicht mehr vorhanden.

3. Im Zuge des Umbaues des Präsidentenareals wurden auch die schmiedeeisernen Gitter mit verschließbaren Türen für den äußeren Flur entlang des Luftraums der Eingangshalle beseitigt. Sie hatten dasselbe Dekor wie das Geländer im Haupttreppenhaus und schützten den hoheitlichen Bereich. Sichtbar geblieben sind die verfüllten Löcher zur Befestigung der Gitter im Boden und in den Wänden.

Zweiter Stock: „Töpferzimmer“ (Raum 201): Der Majolika-Ofen von 1915 als Geschenk des Obermeisters der Töpfer-Innung ist mit den Darstellungen des alten Hamburg das Prachtstück des ehemaligen Innungsbüros der Töpfer und Ofenbauer. Für ein gemütliches Ambiente wurde der Raum in den 90er-Jahren mit Gemälden dekoriert. Die Namen der dargestellten herrschaftlichen Personen sind nicht bekannt, sie haben offenbar keinen Bezug zum Handwerk. Auch ohne einen offenen Kamin wird dieser Raum „Kaminzimmer“ bezeichnet.

Bauhüttensaal (Raum 204): Die Glaskunstfenster mit Trachten und Emblemen sind nicht erhalten. Ebenfalls sind die vier Hängelampen nicht mehr vorhanden. Die Beleuchtung erfolgt heute durch streifenförmig unter der Decke befestigte Neonlampen.

Plenarsaal (Raum 206) der Versammlungsraum der Kammer: Die ovalen Wandgemälde „Hafenbild“ und „Arbeitssuchende“ sind entfernt, stattdessen sind dort die Gemälde der letzten Präsidenten aufgehängt. Verlängerung des U-förmigen Ruscheweyh-Tisches. Ornamentverzierte Schiebetüren wurden ersetzt durch eine Flügeltür. Durch einen Lüftungskanal hinter verzierten Holzgittern strömte ursprünglich Frischluft in den Plenarsaal. Die von Fritz Schumacher entworfenen Hängelampen mit Handwerkszeichen sind durch moderne Hängelampen ersetzt. Nur eine der acht Schumacher-Lampen ist noch erhalten. Sie ist unter dem schmiedeeisernen Kronleuchter im Remter aufgehängt.

Bannersaal (Raum 207), der ursprünglich für die Innungen vorgesehene Versammlungsraum: Die Hängelampen wie im Plenarsaal sind nicht erhalten. Die kostbaren Fahnen (Banner) der Innungen werden heute nicht mehr in den Wandschränken aufbewahrt. Auch hier sind die verzierten Schiebetüren durch eine Flügeltür ersetzt worden.

Im Außenbereich: Garderobe für den Großen Saal: Die frühere aufgehängte Hakenanlage wurde entfernt. Hier wurden die Deckenleuchten nach alten Vorlagen rekonstruiert.

Dritter Stock: Bildersaal (Raum 302): Die ovalen Wandgemälde sind nicht mehr da. Die Pilastermalerei von Otto Fischer-Trachau wurde ebenfalls entfernt bzw. übermalt. In den siebziger Jahren wurde der Raum mit einer Zwischenwand versehen für zwei Büros der Kfz-Innung; in den 80er-Jahren wurden sie von der Lehrlingsrolle genutzt. In den 90er Jahren wurde nach Entfernung der Zwischenwand hieraus wieder ein kleiner Sitzungssaal, der einen zusätzlichem Durchbruch zum Kleinen Saal erhielt.

Großer Saal (Raum 304): Der gesamte Saal ist heute oberhalb der Eichenvertäfelung weiß gestrichen mit gelben Konturen. Von der Farbgestaltung von Otto Fischer-Trachau ist nichts erhalten. Die geschweiften Bögen über den Fenstern und über der Emporengalerie wurden durch flache Rundbögen ersetzt. Statt Verdunkelungsrollos sind die heutigen braunen Vorhänge ausreichend dicht für eine Verdunkelungswirkung bei direkter Einstrahlung durch die Abendsonne.

Die 15 dreiteiligen Glaskunstfenster „Die Handwerke“ wurden durch Kriegseinwirkung 1943 zerstört. In den 90er Jahren wurden Holzsprossenfenster mit Isolierverglasung erneuert, allerdings mit einheitlicher Sprosseneinteilung. Seit 2012 Rekonstruktion der Glaskunstfenster, die innen vor die Holzsprossenfenster montiert werden. Die sechs schlanken schmiedeeisernen Hängeleuchten sind nicht erhalten (vgl. Hängeleuchten in der Aula des Johanneums). Sie wurden in den 60er-Jahren von geschwungenen Hängelampen ersetzt.

Das Rednerpult von 1915 mit der Holzschnitzerei von Heinrich Walldorf, ein Mädchen, das sich auf einen Vorschlaghammer stützt, ist erhalten geblieben. Jedoch wurde der Aufsatz mit der geschnitzten Schrift „Gestiftet von dem Verband Hamburgischer Gewerbevereine“ (Vorsitzender war damals Johannes Hirsch) durch einen breiteren Aufsatz ohne Schrift ersetzt.

Die Emporengalerie ist wegen zu geringer Brüstungshöhe aus Sicherheitsgründen nicht mehr fürs öffentliche Publikum zugänglich.

Für den Großen Saal, den Kleinen Saal und den Plenarsaal gab es eine 1915 hochmoderne Belüftungsanlage mit Luftzufluss durch hölzernen Ziergitter. Sie war ebenso wie die noch aktive Belüftungsanlage im Hamburger Rathaus von der Firma ROM installiert worden. Jedoch wurde sie zeitbedingt nicht mehr gepflegt und wurde dadurch funktionsunfähig. Die große Ventilatoren-Konstruktion auf dem Dachboden wurde 1994 im Rahmen des Dachgeschoss-Ausbaues entfernt. Die Leitungsschächte fanden Verwendung für Kabelkanäle zugunsten der modernen Bürotechnik. Zur Lüftung müssen nunmehr die Fenster geöffnet werden, auch wenn dann der Verkehrslärm stört.

Kleiner Saal (Raum 303): Die drei achteckigen schmiedeeiserne Deckenleuchten sind nicht erhalten. 1935 erfolgte ein Wanddurchbruch zum Großen Saal: De kleinen bogenförmigen Verbindungstüren zum Großen Saal wurden entfernt und ersetzt durch eine breite Falttür.

Vierter Stock: Die Bibliothek und die Patentschriftensammlung wurden aufgegeben. Der Buchbestand wurde in den 80er Jahren der Commerzbibliothek der Handelskammer zur Verfügung gestellt. Der vordere Lesesaal ist umgewandelt worden zu einem Sitzungsraum mit gläsernen Schrankwänden, die einen Restbestand an Büchern enthalten. Der dahinterliegende große Raum, in dem sich die Bücherregale befanden, wurden zu mehreren Büros umgewandelt.

Fünfter Stock: Die Schulungsräume im 5. Stock wurden bis in die 80er-Jahre u. a. von der Wirtschaftsakademie der Handelskammer genutzt, dann von der Akademie des Handwerks und heute von einer privaten Bildungseinrichtung für gerontopsychiatrische Pflege.

Sechster Stock: Zusätzliche Büro- und Seminarnutzungen wurden durch den Ausbau des Dachgeschosses 1984/85 ermöglicht. Hierzu wurde das Oberlicht des Innungsflügels überdeckelt (s. o.). Teilweise ist die hölzerne Dachkonstruktion offen sichtbar. Leider wurde das Dachgeschoss nicht nach heutigem Standard wärmeisoliert.

Weitere Veränderungen: Der größte Teil des transportablen ursprünglichen Mobiliars ist im Gewerbehaus nicht mehr vorhanden. Eine Ausnahme bilden die Holzbänke mit dem Diagonalkreuzen und einige Tische (z. B. im Pausenbereich der Seminarräume).

Mehrere Toilettenräume wurden zu Büros umgebaut – und zwar im 1., im 2. und im 4. Stock.

Mit Hilfe eines Künstlers wurden in den 90er-Jahren die Fußbodenleisten im Hauptgebäude und im Innungsflügel nach einem bestimmten Schema neu angestrichen – und zwar alternativ in den Farben Braun, Schwarz und Anthrazit. Auch die bisher naturbelassenen Eingangstüren zur Galerieempore im 4. Stock wurden Braun angestrichen.

Im Zuge der Fenstererneuerung in den 90er-Jahren wurden die Fenster der Fledermausgauben im Dachgeschoss nicht mit Sprossenteilung erneuert.

Die sechs golden glänzenden Medaillons mit Koggen und die zusätzlichen beidseitigen kleinen ornamentalen Medaillons von Ludwig Kunstmann an den Balkongeländern im 2. Stock wurden in den 90er Jahren weiß übermalt.

Beide geschweiften Giebel enthalten Natursteinschmuck an den Außenseiten und in der Mitte unterhalb der Metallfiguren auf der Giebelspitze. Der Naturstein am nördlichen Giebel wurde weiß übermalt, am südlichen Giebel wurde er grau belassen. [16]

Elbcampus: Kompetenzzentrum in Harburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Elbcampus

Die langjährige Fortbildungseinrichtung der Handwerkskammer "Gewerbeförderungsanstalt" (GFA) in der Goetheallee in Hamburg-Altona sollte aufgegeben werden zugunsten eines modernen "Kompetenzzentrums" (KomZet). Der Einzugsbereich sollte über die Hamburgischen Landesgrenzen hinaus reichen. Die Initiative hierfür und die Wahl des Standortes im Bezirk Harburg ging 2001 von dem damaligen Hauptgeschäftsführer Jürgen Hogeforster aus.[17] Dadurch konnte das Vorhaben mit Fördermittel des Bundes und des Landes ermöglicht werden.

Nach der Festlegung des Raumprogramms mit Einrichtungen der Kammer und mehrerer Innungen und nach der Entscheidung eines Architektenwettbewerbs 2004[18] wurde zwischen 2006 und 2008 auf dem Gelände im Stadtteil Neuland der "Elbcampus" mit 23.000 Quadratmeter Gesamtfläche für 600 Werkstatt- und 500 Seminarplätze errichtet (PFP Architekten, Prof. Jörg Friedrich, Hamburg). Durch das Gebäude führt ein Lehrpfad für Lernende und Besucher, der die Technologie des mit innovativen Gebäudetechniken und Gestaltungskonzepten ausgestatteten Hauses, erfahrbar machen soll.

"ELBCAMPUS - Kompetenzzentrum Handwerkskammer Hamburg" ist ein Bildungs- und Dienstleistungszentrum für Aus- und Weiterbildung des Handwerks und des Mittelstands. Das Gebäude des Elbcampus liegt in der Nähe des Bahnhofes Hamburg-Harburg im Bezirk Harburg und vereinigt dort unter einem Dach:

  • die Bildungseinrichtungen der Handwerkskammer Hamburg
  • das Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik (ZEWU)
  • die Akademie für Zahntechnik der Handwerkskammer Hamburg (AZHH)
  • die Berufsakademie Hamburg
  • die Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt Nord
  • die Lehrbackstube der Bäcker-Innung Hamburg
  • das Schulungszentrum der Landesinnung der Gebäudereiniger
  • das Norddeutsche Ausbildungszentrum der Maler- und Lackierer-Innung Hamburg

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Übersicht der Handwerkskammer für 2014: 15.196 Betriebe
  2. Jahresbericht 2009 der Handwerkskammer Dortmund (PDF-Datei)
  3. Gesetz zur Ordnung des Handwerks (Handwerksordnung) HwO Ausfertigungsdatum: 17. September 1953 (PDF-Datei)
  4. „Die Vollversammlung wählt aus ihrer Mitte den Vorstand. Ein Drittel der Mitglieder müssen Gesellen oder andere Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung sein. (2) Der Vorstand besteht nach näherer Bestimmung der Satzung aus dem Vorsitzenden (Präsidenten), zwei Stellvertretern (Vizepräsidenten), von denen einer Geselle oder ein anderer Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung sein muß, und einer weiteren Zahl von Mitgliedern.“ § 108 HWO. „Präsident und Hauptgeschäftsführer vertreten die Handwerkskammer gerichtlich und außergerichtlich.“ (§ 109 HWO)
  5. http://katzer.biz/wp-content/themes/katzer_gmbh_2/download/Flyer.pdf
  6. Feierlicher Stabwechsel in der Handwerkskammer. In: welt.de. 5. Mai 2009, abgerufen am 14. Januar 2015.
  7. Ernst Schiele (1865–1933) trat 1890 in die Firma Rud. Otto Meyer ein, wurde später gleichberechtigter Partner von R. O. Meyer und nach dessen Tod 1899 Alleininhaber.
  8. Dirk Hainbuch: Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. kassel university press GmbH, 2010, ISBN 978-3-86219-039-3, S. 145 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Lothar Machtan: Nagel, Lorenz Theodor. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 18, Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 710 f. (Digitalisat).
  10. Hampke, Thilo: Handwerker- oder Gewerbekammern? In: dlib-pr.mpier.mpg.de. Abgerufen am 14. Januar 2015.
  11. siehe: Staats- und Universitätsbibliothek - Alte Adressbücher Hamburger Adressbücher. In: agora.sub.uni-hamburg.de. Abgerufen am 14. Januar 2015.
  12. Jürgen Hogeforster u.a.: „Horizonte – 125 Jahre Handwerkskammer Hamburg 1873-1998“, Hamburg 1998
  13. Hamburger Anzeiger, 21. Februar 1916, Seite 3 Das neue Gewerbehaus. Der Bau des Gewerbehauses, welcher von Senat und Bürgerschaft im Jahr 1912 beschlossen worden ist. geht, auch bezüglich seiner Inneneinrichtung. seiner Vollendung entgegen. Der Innungsflügel konnte bereits im Herbst vorigen Jahres in Benutzung genommen werden; die Gewerbekammer hat vor wenigen Tagen ebenfalls ihre Geschäftsräume sang- und klanglos, wie es sich für unsere ernste Zeit ziemt, in das Gewerbehaus verlegt. Der imposante Bau am Holstenwall 12 welcher in seiner äußeren Gestalt bereits seit geraumer Zeit fertiggestellt ist, schließt sich der Reihe öffentlicher Gebäude in dieser Straße würdig an. So ist die Sehnsucht des hamburgischen Gewerbes, ein eigenes Gewerbehaus zu besitzen, in dem alle gewerblichen Einrichtungen und Organisationen zusammengefasst sind, erfüllt worden. Diese Zusammenfassung wird wesentlich zu einer gedeihlichen gemeinsamen Arbeit beitragen, und das Hamburger Gewerbe wird hierdurch eine segensreiche Förderung erfahren. Dies wird sich erweisen, sobald nach Beendigung des Krieges die Schaffenskraft wieder einsetzt. Dann gilt es mit voller Kraft einzutreten, um die Schäden, die das Gewerbe erlitten hat, zu mildern, und dafür wird die Zentralisation in dem neuen Heim von außerordentlichem Werte sein. Wie er äußerlich das Auge fesselt, so ist es dem Erbauer Herrn Baudirektor Professor Schumacher gelungen, die Frage der Raumverteilung auch im Innern aufs beste zu lösen. Das Gebäude besteht aus einem Tiefparterre, einem Hochparterre und fünf Obergeschossen, und es gliedert sich in zwei vollständig von einander getrennte Teile, die jedoch in jedem Geschoß durch eine Tür verbunden sind. In dem einen Teile des Gebäudes sind die Innungen mit ihren Geschäftsräumen, Arbeitsnachweisen. Krankenkassen usw. untergebracht, ebenso haben hier auch noch einige andere gewerbliche Vereinigungen, soweit der Raum reichte, Unterkunft gefunden. Ferner hat die Krankenkasse für selbständige Handwerker und Gewerbetreibende ihre Geschäftsräume hierher verlegt. Der andere, der Hauptteil des Gebäudes umfasst die Aufsichtsbehörde für die Innungen sowie die Gewerbekammer mit den Gewerbeförderungseinrichtungen. Durch Stiftungen aus gewerblichen Kreisen erfuhr das Gebäude eine gediegene und geschmackvolle Innenausstattung. Beim Eintritt in das Gebäude gelangt man in die architektonisch schöne Halle, in deren Mitte sich ein Brunnen, eine Stiftung der Talgschmelze, befindet. Im Erdgeschoß liegen die Geschäftsräume der Gewerbekammer und der Aufsichtsbehörde für die Innungen, die Zentrale der Lehrstellenvermittlung, männliche Abteilung, und hinter der Halle ein großer Raum für gewerbliche Ausstellungen. Er soll auch für die alljährlich veranstaltete Ausstellung der Gesellenstücke dienen, die bisher in der Turnhalle St. Pauli stattfand. Im Kellergeschoß ist ein Remter (ein Erfrischungsraum) angelegt, der durch den Brauereiverband eine schöne Ausstattung erfahren hat und der dem internen Verkehr in dem Hause dienen soll. Ferner befinden sich hier Werkstätten für die praktischen Meisterkurse und die für den Betrieb des Gebäudes notwendigen technischen Vorrichtungen. Das erste Stockwerk umfasst die Diensträume des Präses der Aufsichtsbehörde für die Innungen, sowie des Vorstandes und der Syndici der Gewerbekammer. Ferner hat der Verein „Bauschutz“ und die Berufsberatungsstelle und Lehrstellenvermittlung für weibliche Personen ihre Geschäftsräume hierhin verlegt. In den übrigen Obergeschossen sind die verschiedenen Versammlungsräume und der durch zwei Geschosse reichende große Saal, der etwa 450- 500 Personen fasst, ferner die Bibliothek mit Lesezimmer, die Patentschriftensammlung und eine Reihe von Räumen für theoretische und praktische Meisterkurse vorgesehen. Den großen Saal schmücken die von einigen gewerblichen Korporationen gestifteten kunstverglasten Fenster. Entworfen sind sie von Herrn Prof. Czeschka von der hiesigen Kunstgewerbeschule. Unter den übrigen Sälen fesselt ein kleiner Saal für 250 Personen mit Täfelungen an den Wänden, ferner der sogenannte Bildersaal, der durch Gemälde von Hamburger Künstlern geziert ist, und der in schöner Eigenart ausgeführte von der Baugewerks-Innung „Bauhütte“ gestiftete Baugewerkensaal. Es sind für das Gewerbehaus von vielen gewerblichen Korporationen und von einzelnen Firmen Stiftungen gemacht worden, die erheblich dazu beitragen, das Haus zu verschönen. Die Säle können für Kongresse,-Vortragsveranstaltungen usw. vermietet werden, und es ist zu hoffen, dass die Räume, die auch in technischer Hinsicht allen Anforderungen entsprechen - Verdunkelungseinrichtungen für kinematographische Vorführungen sind vorhanden - häufig benutzt werden. Ebenso sind noch Räume vorhanden, die handwerklichen und gewerblichen wie auch industriellen Vereinigungen zum Zwecke der Geschäftsführung zur Verfügung gestellt werden können. Anmeldungen für die Benutzung der Säle und Versammlungsräume werden im Gewerbehaus, Holstenwall 12, Geschäftszimmer der Gewerbekammer Nr. 53, mündlich oder schriftlich oder per Telephon Gr. VI. 930-34 entgegengenommen.
  14. ausführlicher Bericht in "Hamburger Nachrichten" vom 4. Dezember 1937 Seite 5
  15. http://www.hamburg.de/contentblob/3947934/97456a624bd1527d5435f053dcaadc65/data/denkmalliste-hamburg-mitte.pdf;jsessionid=9CC0B958CA9223971FDB5BC0B48A4580.liveWorker2 - Seite 488
  16. Grundlage: eigene Besuche des Hauses sowie verwendete Literatur: Otto Bender: „Die Hamburger Neustadt“, Hamburg 1986 Jürgen Hogeforster u.a.: „Horizonte – 125 Jahre Handwerkskammer Hamburg 1873-1998“, Hamburg 1998 Maike Bruhns: „Bauschmuck bei Fritz Schumacher“. Ein Kaleidoskop der Künste, München-Hamburg, 2013 Fotos vom heutigen Zustand siehe https://www.fiylo.de/location-hamburg/handwerkskammer-hamburg/
  17. Kompetenzzentrum auf der Bahnhofslinse. In: abendblatt.de. 28. Juni 2001, abgerufen am 14. Januar 2015 (PDF).
  18. KOMPETENZZENTRUM DER HANDWERKSKAMMER - Projekt - D&K drost consult. In: drost-consult.de. 12. Dezember 2003, abgerufen am 14. Januar 2015.

Literaturhinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thilo Hampke: Handwerker- oder Gewerbekammern? Ein Beitrag zur Lösung der gewerblichen Organisationsfrage (1893) [11]
  • Stefan Timpe: „Eine Trutzburg gegen die Gewerkschaften“. Zum Hintergrund der Errichtung des „Gewerbehauses“ von Fritz Schumacher in Hamburg. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Band 78 (1992) [12]
  • Hella Häussler: Fritz Schumachers Gewerbehaus. Seine Entstehungsgeschichte und seine Schätze. Hamburg 2010 [13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Handwerkskammer Hamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 53° 33′ 12″ N, 9° 58′ 37″ O