Hannes Ametsreiter

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Hannes Ametsreiter (2021)

Johannes „Hannes“ Ametsreiter (* 20. Jänner 1967 in Salzburg) ist ein österreichischer Manager und war Chief Executive Officer (CEO) von Vodafone Deutschland.[1] Außerdem gehörte er dem Executive Committee der Vodafone Group an.[2] Vor seiner Tätigkeit für Vodafone hatte Ametsreiter führende Positionen bei der A1 Telekom Austria Group inne, davon sechs Jahre als Group CEO des börsennotierten Konzerns.[3] Seine berufliche Laufbahn startete er bei Procter & Gamble.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ametsreiter verbrachte seine Kindheit und Jugend in Salzburg. Nach der Matura strebte er zunächst eine Laufbahn als Sportjournalist an. Dies veranlasste ihn zu einem Studium der Publizistik sowie Kommunikations- und Sportwissenschaften an der Paris-Lodron-Universität in Salzburg. Währenddessen arbeitete Ametsreiter unter anderem als Praktikant[4] in der Pressestelle von UNO-Generalsekretär Pérez de Cuéllar in New York City.[5] Weitere studentische Praktika führten ihn zu Chemie Linz, Messerschmitt Bölkow Blohm und Siemens.

Auf den Abschluss als Master of Arts (M.A.) im Jahr 1991 folgte ein Doktorstudium. Während seines Doktorats begab sich Ametsreiter zu Forschungsarbeiten in die Vereinigten Staaten und nahm zugleich an einem MBA-Programm an der Pepperdine University im US-Bundesstaat Kalifornien teil.

Während seiner beruflichen Tätigkeit bildete er sich im Rahmen von Executive Education an der renommierten französischen Wirtschaftshochschule Insead (2011) sowie der Stanford University (2012) und der Harvard Business School (2014) fort.[6]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ametsreiter begann seine berufliche Laufbahn als Assistant Brand Manager bei Procter & Gamble.[6] Im Rahmen dieser Tätigkeit erlernte er das Marketing-Handwerk und sammelte weitere internationale Erfahrung, etwa in Kairo und London.

Mobilkom Austria[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1996 wechselte Ametsreiter in das Produktmanagement von Mobilkom Austria, eine Tochtergesellschaft der Telekom Austria. Nach zwei Jahren übernahm er die Leitung dieses Bereichs, der öffentlich durch den Erwerb der Namensrechte an der österreichischen Formel-1-Rennstrecke („A1-Ring“) von sich reden machte.[7]

Ab 2001 war Ametsreiter federführend für Marketing und Vertrieb verantwortlich. In dieser Position rückte er als einer der jüngsten österreichischen Manager auch in den Vorstand von Mobilkom Austria auf.[8] Von 2005 bis 2006 wirkte Ametsreiter als Chief Marketing Officer (CMO) von Mobiltel in Bulgarien. Bei der Übernahme von Mobiltel durch Mobilkom Austria handelte es sich um eine der größten Investitionen in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte.[9] Ametsreiter hatte ferner verschiedene Positionen in anderen Auslandsgesellschaften des Konzerns inne.[10] Er galt als Anwärter auf den CEO-Posten der Telekom Austria.[11]

A1 Telekom Austria[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006/2007 führte die Telekom Austria eine neue Organisationsstruktur ein, die auch zu Veränderungen im Management führte.[12][13] Daraufhin übernahm Ametsreiter zusätzlich zum Marketing des Mobilfunkbereichs auch das Marketing des Festnetzbereichs.[14][15] Ab 2008 führte er als Vorstandsvorsitzender den gesamten Festnetzbereich.[16] Dieser hatte viele Jahre lang kontinuierlich Kunden verloren. Ametsreiter generierte durch die Einführung von Kombipaketen aus Festnetz und Mobilfunk sowie der Entwicklung neuer Produkte wie Internet-TV wieder Wachstum und erreichte so einen Turnaround.[17]

Nach dem Rückzug von Boris Nemsic im Jahr 2009 bestellte der Aufsichtsrat Ametsreiter einstimmig[18] zum Generaldirektor und Vorstandsvorsitzenden der Telekom Austria.[19] Als Chef des Mobilfunk- und Festnetzbereichs sowie der Holding führte er nun alle drei wesentlichen Bereiche der Telekom Austria.[20] Ametsreiter führte diese unter der gemeinsamen Dachmarke A1 Telekom Austria zusammen und setzte auf Kombipakete aus Fernsehen, Internet und Mobilfunk.[21][22]

Während Ametsreiters Amtszeit stieg América Móvil zum Großaktionär der Telekom Austria auf.[23][24][25]

Vodafone Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2015 rückte Ametsreiter an die Spitze von Vodafone Deutschland.[26] In der Position des Chief Executive Officer (CEO) folgte er auf Jens Schulte-Bockum, der das Unternehmen verlassen hatte.[27] Ametsreiter zog auch in den erweiterten globalen Konzernvorstand („Executive Committee“) der Vodafone Group ein.[28] Dort verantwortet er die strategische Transformation und die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle.[29]

Bei Vodafone Deutschland investierte Ametsreiter in die Infrastruktur und konnte die Finanzkennzahlen verbessern. Das Unternehmen gilt heute als Vorreiter der 5G-Technik in Europa.[30] Darüber hinaus führte Ametsreiter mit der Integration von Kabel Deutschland und Unitymedia das regional zersplitterte Kabelnetz zusammen, um einen Wettbewerber zum Telekom-Festnetz zu schaffen.[31][32] Die Mobilfunk- und Kabelnetze von Vodafone Deutschland werden heute durch neu gebaute Glasfasernetze ergänzt.[33]

Mit Wirkung vom 1. Juli 2022 soll ihm Philippe Rogge als CEO von Vodafone Deutschland und Mitglied des Konzernvorstands der Vodafone Group nachfolgen.[34]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hannes Ametsreiter ist mit Marie-Helene Ametsreiter verheiratet.[35] Seine Frau war ebenfalls für die Telekom Austria tätig und baute als CEO von Vipnet unter anderem das kroatische Mobilfunknetz des Konzerns auf.[5][36] Heute investiert sie als Partnerin von Speedinvest, einem Venture-Capital-Fond, in Start-up-Unternehmen.[37] Das Paar hat zwei Töchter.[35]

Mandate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Oktober 2016 ist Ametsreiter Vorsitzender des Beirats der gemeinnützigen Vodafone Stiftung Deutschland. Diese engagiert sich für Projekte im Bereich der digitalen Bildung.[45] Ametsreiter setzte sich öffentlichkeitswirksam für „Programmieren als Schulfach“ ein.[46]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konsum und Kommunikation: Image und Design bestimmen Produkt und Lebensstil dargestellt am Fallbeispiel der Privatbrauerei Sigl. Paris-Lodron-Universität, Salzburg 1994 (Dissertation).
  • Die Zukunft ist digital. In: Marcin Kotlowski (Hrsg.): Der digitale Wohlfahrtsstaat. Beiträge zur Überwindung der digitalen Kluft. Echomedia, Wien 2010, ISBN 978-3-902672-25-4.
  • Hannes Ametsreiter: Die Vereinigten Digitalstaaten von Europa. In: Thomas Sigmund, Sven Afhüppe (Hrsg.): Europa kann es besser. Wie unser Kontinent zu neuer Stärke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft. Herder, Freiburg im Breisgau 2019, ISBN 978-3-451-81690-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hannes Ametsreiter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Management. Vodafone Deutschland, abgerufen am 12. November 2020.
  2. Executive Committee. Vodafone Group, abgerufen am 12. November 2020 (englisch).
  3. Profile. Bloomberg, abgerufen am 12. November 2020 (englisch).
  4. Monika Kriwan: Hannes Ametsreiter. In: Die Presse. Ressort Karriere. 16. Juni 2007, S. 1.
  5. a b Elisabeth Eidenberger: Der „Mister A1“. In: Oberösterreichische Nachrichten. 17. August 2011, S. 1.
  6. a b Hannes Ametsreiter. In: Linkedin. Abgerufen am 12. November 2020.
  7. Die Werbung gibt Vollgas. In: Wiener Zeitung. 31. Januar 2002, S. 13.
  8. Neuer Vorstand bei der Mobilkom. In: Der Standard. 20. Januar 2001, S. 28.
  9. Martin Fellhuber: Telekom Austria landet in Bulgarien. In: Wirtschaftsblatt. 15. Juli 2005, S. 3.
  10. Mobilkom: Nach Bulgarien nun bald Serbien? In: Wiener Zeitung. 21. März 2006, S. 26.
  11. Die „Eigenmarke“ des Hannes Ametsreiter. In: Die Presse. 2. März 2009, abgerufen am 18. Februar 2021.
  12. Luise Ungerboeck: Mehr Köpfe und höhere Gewinne. In: Der Standard. 14. März 2006, S. 18.
  13. Sissi Eigruber: Grünes Licht für Telekom Austria-Dach. In: Wiener Zeitung. 13. Juni 2006, S. 25.
  14. Personalities der Woche. In: Format. 6. Juli 2007, S. 63.
  15. Der Diener zweier Herren. In: Kurier. 2. August 2007, S. 21.
  16. Telekom hat neuen Festnetz-Chef. In: Die Presse. 17. Dezember 2008, S. 18.
  17. Telekom kann im Festnetz Kundenschwund bremsen. In: Der Standard. 16. Januar 2009, S. 16.
  18. Ametsreiter ist neuer Telekom-Chef. In: Kurier. 6. März 2009, S. 15.
  19. Luise Ungerboeck: Ametsreiter neuer starker Mann bei der Telekom. In: Der Standard. 6. März 2009, S. 24.
  20. Ingrid Brodnig, Matthias G. Bernold: „Ich bin kein Störenfried.“ In: Falter. 8. April 2009, S. 21.
  21. A1 Telekom Austria bekommt einheitliche Marke. In: Der Standard. 25. Oktober 2010, abgerufen am 12. November 2020.
  22. Kombipakete retten Festnetz. In: Die Presse. 16. Januar 2009, S. 16.
  23. Thomas Jäkle: TA-Chef Ametsreiter lebt tête-à-tête mit ÖIAG & Slim. In: Wirtschaftsblatt. 31. Januar 2014, S. 26.
  24. Gerangel um Macht bei der Telekom. In: Kurier. 16. Juni 2015, S. 9.
  25. Sigrid Brandstätter: Perfekter Absprung. In: Oberösterreichische Nachrichten. 20. Juni 2015, S. 1.
  26. Stefan Paravicini: Hannes Ametsreiter rückt an die Spitze von Vodafone Deutschland. In: Börsen-Zeitung. 20. Juni 2015, S. 12.
  27. Stephan Happel, Jürgen Berke: Hannes Ametsreiter folgt Jens Schulte-Bockum. In: Wirtschaftswoche. 19. Mai 2015, abgerufen am 12. November 2020.
  28. Karl Leban: Ametsreiter wechselt zum Mobilfunkriesen Vodafone. In: Wiener Zeitung. 20. Juni 2015, S. 12.
  29. 2020 Annual Report. (PDF) Vodafone Group, S. 66, 79, abgerufen am 12. November 2020.
  30. Michael Knauer: „Tesla ist vielen eine ganze Ecke voraus.“ Interview. In: Automobilwoche. 17. März 2020, abgerufen am 10. Dezember 2020.
  31. Corinna Schulz: Angriff auf die Telekom. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 25. April 2018.
  32. Ina Karabasz, Kirsten Ludowig: „Die Telekom kann nicht mit uns mithalten.“ Interview. In: Handelsblatt. 19. Februar 2016, abgerufen am 12. November 2020.
  33. Die Gigabit-Offensive. In: Der Tagesspiegel. 12. September 2017, S. 15.
  34. Österreicher Ametsreiter hört nach fast sieben Jahren als CEO von Vodafone Deutschland auf. In: DerStandard.at. 19. April 2022, abgerufen am 20. April 2022.
  35. a b Mathias Ohanian: „Ich liebe Geschwindigkeit.“ In: Focus Business. 18. Februar 2020, S. 68–69.
  36. Marie-Helene Ametsreiter. In: Linkedin. Abgerufen am 25. Januar 2021.
  37. Hans-Peter Siebenhaar: Ein Herz für Start-ups. In: Handelsblatt. 11. Dezember 2018, S. 44.
  38. Unternehmensregister (Österreich). In: Europäisches Justizportal. Abgerufen am 12. November 2020.
  39. Paybox und A1 Bank fusionieren. In: Kurier. 11. Februar 2011, abgerufen am 12. November 2020.
  40. Christoph Pridun: Ametsreiter wird Vorstand der GSM Association. In: Wirtschaftsblatt. 18. August 2009, S. 20.
  41. Unternehmensregister (Griechenland). In: Europäisches Justizportal. Abgerufen am 12. November 2020.
  42. Präsidium. Bundesverband der Deutschen Industrie, abgerufen am 16. Dezember 2019.
  43. Hauptvorstand. Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, abgerufen am 27. Januar 2021.
  44. Handelsblatt gründet Innovation-Board. In: Handelsblatt. 17. September 2020, S. 3.
  45. Vodafone Stiftung Deutschland. Abgerufen am 12. November 2020.
  46. Michael Bröcker, Reinhard Kowalewsky: „Programmieren als Schulfach“. In: Rheinische Post. 13. Januar 2018, S. 9.
  47. Alle guten Marketer sind drei. In: Wirtschaftsblatt. 14. September 2002, S. 40.
  48. Ametsreiter ist Manager des Jahres. In: Horizont. 27. Februar 2009, abgerufen am 12. November 2020.
  49. Ehrenzeichen. In: Wiener Zeitung. Amtsblatt Nr. 230. 28. November 2018.