Hans-Peter Gensichen

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Hans-Peter Gensichen (* 30. Oktober 1943 in Pritzwalk, Brandenburg) ist ein evangelischer Theologe mit den Schwerpunkten ökologische Ethik und Wissenschaftsethik.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gensichen wurde als Sohn eines Arztes geboren. Bis zur 11. Klasse besuchte er die Oberschule und wechselte 1961 an das Kirchliche Oberseminar in Potsdam-Hermannswerder, wo er 1965 sein Abitur ablegte. Im Anschluss studierte er evangelische Theologie am Sprachenkonvikt Berlin und von 1967 bis 1972 an der dortigen Humboldt-Universität. In den Jahren 1972–1973 war er Vikar in Wittenberg; in dieser Zeit entstand auch seine Promotionsschrift über Otto Kleinschmidt, die er bei Hans-Georg Fritzsche anfertigte (s.u.). Von 1975 an war er Leiter des von Otto Kleinschmidt gegründeten Kirchlichen Forschungsheims in Wittenberg und Prediger an der dortigen Schlosskirche. Gensichen förderte die Tätigkeit kirchlicher Umweltgruppen und gab selbst zahlreiche Schriften zu ökologischen Themen und Problemfeldern kirchlicher Umweltarbeit heraus, von denen die meisten nur hektografiert erscheinen durften. Von 1980 an war er Herausgeber der Briefe zur Orientierung im Konflikt Mensch – Erde. 1981 rief er zum ersten Mal zur jährlichen Umweltaktion Mobil ohne Auto auf. Während der Wende in der DDR initiierte er 1990 den „Zentralen Grünen Tisch der DDR“ beim DDR-Umweltministerium. Wenig später, nach der Wiedervereinigung, wurde er zum Gründungskurator der Deutschen Bundesstiftung Umwelt bestellt und wirkte bis 1998 in deren Leitungsgremium mit. Zwischen 1998 und 2001 koordinierte er die kirchlichen Aktivitäten in der EXPO-2000-Korrespondenzregion Bitterfeld-Dessau-Wittenberg.

2002 legte Gensichen sein Amt nieder und widmete sich seiner schriftstellerischen Arbeit, zu der auch wissenschaftsgeschichtliche Themen gehören. Zunächst entstanden tun-lassen, Gensichens Umweltethik, sowie der Zukunftsroman Uckermark. 2007 übersiedelte er nach Tübingen. Er wurde ehrenamtlicher Prediger an der dortigen Stephanuskirche; 2012 erschienen Predigten, die er dort gehalten hat. Gensichen arbeitet an einer Biografie des Mathematikers und Kant-Freundes Johann Friedrich Gensichen[1] sowie an der Weiterentwicklung einer Befreiungstheologie für den Norden der Welt. In dieser geht es nach Gensichen nicht mehr um die Befreiung aus der (südlichen) Armut, sondern um den Abschied vom (nördlichen) Reichtum.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Kleinschmidts Formenkreislehre. Zoogeographie, Systematik, Evolutionsforschung, Anthropologie. In: Biologische Rundschau. Jg. 17, 1979, S. 73–84.
  • Genetik und Ethik (mit Charlotte Boost). Kirchliches Forschungsheim (hektografiert), Wittenberg 1976.
  • Die Erde ist zu retten (mit Autorenteam). Kirchliches Forschungsheim (hektografiert), Wittenberg 1980 (und weitere Auflagen).
  • Alfred Brehm: Reise zu den Kirgisen. Aus dem Sibirientagebuch 1876 (Herausgeber). Reclam, Leipzig 1982.
  • Die Sintfluterzählung als Leittext in der Umweltkrise. In: Evangelische Theologie. 45. Jg., 1985, H. 3, S. 211–224.
  • Wohin mit den Hochtechnologien? Zum Einsatz von Mikroelektronik und Biotechnologie für eine ökologisch und sozial verantwortbare Entwicklung (mit Autorenteam). Kirchliches Forschungsheim (hektografiert), Wittenberg 1987.
  • Umwelt-Mosaik DDR '89 (Herausgeber). Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1990.
  • Brief an Wissenschaftler. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie. 38, 1990, 11, 1119f.
  • tun-lassen. Ökologische Alltagsethik im 21. Jahrhundert. Halle (Saale) 2003.
  • Uckermark. Zukunftsroman. Mit einem Essay „Chancen des Schrumpfens“. Eigenverlag, Wittenberg 2005.
  • Umweltverantwortung in einer betonierten Gesellschaft. Anmerkungen zur kirchlichen Umweltarbeit in der DDR 1970 bis 1990. In: Franz-Josef Brüggemeier, Jens Ivo Engels (Hrsg.): Natur- und Umweltschutz nach 1945. Frankfurt a.M./New York 2005, S. 287–306.
  • Die ethische Dimension von Nachhaltigkeit. In: Gerd Michelsen, Jasmin Godemann (Hrsg.): Handbuch Nachhaltigkeitskommunikation. München 2005, S. 96–108.
  • Auf dem Weg in eine Gesellschaft des Weniger (Hrsg. Gisela Kallenbach). Europäisches Parlament, Brüssel 2008.
  • Armut wird uns retten. Geteilter Wohlstand in einer Gesellschaft des Weniger. Edition Publik-Forum, Oberursel 2009.
  • beten ist küssen. neue essais zum alten vaterunser. München, Ciando eBooks 2012.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eine partielle Vorabveröffentlichung unter (Online-Publikation).