Hans Bender (Schriftsteller)

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Porträtzeichnung Hans Bender, von ihm signiert von Eva Zippel, 2000

Hans Friedrich Bender (* 1. Juli 1919 in Mühlhausen, Landkreis Heidelberg, Baden; † 28. Mai 2015 in Köln) war ein deutscher Schriftsteller und Herausgeber.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Rückkehr aus Krieg und Gefangenschaft in der Sowjetunion begann Hans Bender seinen literarischen Weg mit dem Verfassen von Gedichten und Kurzgeschichten (die sich u. a. mit den Erfahrungen des Kriegs auseinandersetzen) sowie der Herausgabe der Literaturzeitschrift Konturen.

1954 gründete er mit Walter Höllerer die Zeitschrift Akzente, die schnell zu einer der bedeutendsten Literaturzeitschriften im deutschen Sprachraum wurde. Er war Redakteur des Feuilletons der Zeitschrift magnum und des Feuilletons der Deutschen Zeitung.[1]

Neben Prosaanthologien hat Bender vor allem repräsentative Lyrik-Sammelbände herausgegeben, deren dokumentarischer Charakter sie zu unverzichtbaren Nachschlagewerken für den Lyrikleser machen. Als Autor prägte Hans Bender in erster Linie die deutschsprachige Kurzgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend mit. Die Wölfe kommen zurück, Der Brotholer, Iljas Tauben gehören bis heute zum literarischen Kanon im deutschen Schulbuch und sind in zahlreiche Sprachen übersetzt.

1957 erhielt Bender den Kurzgeschichtenpreis der Süddeutschen Zeitung. Weitere Ehrungen für sein literarisches Fördern, Schaffen und Wirken folgten. Im Jahr 2006 erhielt Hans Bender die Christian Ferber-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung. Hans Bender war Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, der Freien Akademie der Künste Mannheim sowie der Akademie der Künste Berlin, Sektion Literatur.

Weniger bekannt ist der Lyriker Hans Bender. Im Alter waren es in erster Linie die Vierzeiler, in denen Bender (wie in den Aufzeichnungen) die Fähigkeit unter Beweis stellte, (selbst-)ironisch, lakonisch und pointiert zugleich einprägsame Bilder, Gedanken und Situationen in wenigen Zeilen zur Geltung zu bringen. Die ausgewählten Werke erscheinen seit 2002 im Rimbaud Verlag. Hans Bender hat den Frankfurter Appell unterzeichnet, der die Wiederherstellung der „einheitlichen und bewährten Orthographie“ fordert.

Bender gehörte mit bedeutenden Briefkonvoluten zu den Leihgebern des 2009 versunkenen Historischen Archivs der Stadt Köln („Womöglich der größte literarische Verlust des Einsturzes“, FAZ 29. Juni 2009). Die in diesen Konvoluten enthaltenen Briefe von und an Elias Canetti sind durch einen Abdruck in der Zeitschrift Sinn und Form überliefert.

Der Schriftsteller lebte und arbeitete seit 1959 in Köln. Er starb am 28. Mai 2015.[2] Er wurde in einem Ehrengrab in seiner Heimatgemeinde Mülhausen beigesetzt.[3]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Lexikon der Weltliteratur wird Bender charakterisiert als unpathetischer Lyriker und zuchtvoll verhaltener Erzähler einer mit knappsten Mitteln arbeitenden, subtilen Prosa von klarer Ehrlichkeit und verschwiegener Herzlichkeit.[4]

Einzeltitel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am Ufer sitzen. Aufzeichnungen, mit einer Rede von Hugo Dittberner, Hauzenberg 2006.
  • Aufzeichnungen einiger Tage. Aufzeichnungen, Berlin 1971.
  • Ausgewählte Aufzeichnungen. Erzählungen und Gedichte, zusammengestellt von Hugo Dittberner, Darmstadt 1999.
  • Aufzeichnungen 2000–2007. Ausgewählte Werke Bd. 6, Aachen 2014.
  • Briefe 1955–1983. mit Rainer Brambach, Frankfurt/Main 1997.
  • Bruderherz. Erzählungen, München 1987.
  • Das wiegende Haus. Erzählungen und autobiographisches Nachwort, Stuttgart 1961.
  • Der Brotholer. Erzählung, Hamburg 1957.
  • Der Hund von Torcello. 32 Geschichten, Frankfurt/Main 1969 und Aachen 2007.
  • Die halbe Sonne. Geschichten und Reisebilder, Baden-Baden 1968.
  • Die Hostie. Vier Stories, Erzählungen, Frankfurt/Main 1953.
  • Die Orte, die Stunden. Aufzeichnungen, Hauzenberg 1992.
  • Die Wölfe kommen zurück. Sieben Kurzgeschichten. Hamburg 1965.
  • Drei Geschichten. Weilheim 1989.
  • Eine Sache wie die Liebe. Roman, Hamburg 1954, München 1959, Frankfurt/Main 1994.
  • Eine Sache wie die Liebe. Roman, überarbeitete Fassung, Frankfurt/Main 1991.
  • Einer von ihnen. Aufzeichnungen einiger Tage, München und Wien 1979.
  • Fondue oder Der Freitisch. Kurzgeschichte, Basel 1961.
  • Fremde soll vorüber sein. Gedichte, Augsburg 1951.
  • Gedichte und Prosa. Karlsruhe 1990.
  • Geschichten aus dem Kraichgau. Erzählungen, Heidelberg 1995.
  • Hier bleiben wir. 11 Gedichte. Köln 1992.
  • Ich schreibe kurz. Aufzeichnungen 1994/95, Köln 1995.
  • Lyrische Biographie. Gedichte, Wuppertal 1957.
  • Nachmittag, Ende September. Vierzeiler, Köln 2000.
  • Jene Trauben des Zeuxis. Aufzeichnungen, Aachen 2002.
  • Mit dem Postschiff. 24 Geschichten, München 1962.
  • O Abendstunde. Ausgewählte Gedichte. Nachwort von Arnold Stadler. Ulrich Keicher, Warmbronn 2011
  • Postkarten aus Rom. Autobiographische Texte, München und Wien 1989.
  • Programm und Prosa der jungen deutschen Schriftsteller. Mainz 1967.
  • Ritus der Wiederkehr. Vierzeiler, mit Linolschnitten von Zoppe Voskuhl, Berlin 2006.
  • schwarz auf weiß. Vierzeiler, Warmbronn 1998.
  • Verweilen, gehen. Gedichte in vier Zeilen, Aachen 2003.
  • Die Wallfahrt – Erzählungen aus der Zeit zwischen Weltkrieg und Wunderjahren. Hörbuch. Es liest Hans Bender. Dillenburg 2009, ISBN 978-3-9813197-0-5.
  • Wie die Linien meiner Hand. Aufzeichnungen, Hanser 1999.
  • Wie es kommen wird. Meine Vierzeiler. Hanser, München 2009.
  • Wölfe und Tauben. Erzählungen, München 1957.
  • Worte, Bilder, Menschen. Geschichten, Roman, Berichte, Aufsätze. München 1969.
  • Wunschkost. Roman, München 1959 und Aachen 2004.
  • Auf meine Art. Gedichte in vier Zeilen. Hanser Verlag, München 2012, ISBN 978-3-446-23869-5.

Herausgabe (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Widerspiel. Deutsche Lyrik seit 1945. Darmstadt 1961
  • Jahresring. Beiträge zur deutschen Literatur und Kunst der Gegenwart. Stuttgart 1962–1989
  • Mein Gedicht ist mein Messer. Lyriker zu ihren Gedichten. List 1964
  • In diesem Lande leben wir. Deutsche Gedichte der Gegenwart. München 1978
  • Deutsche Gedichte 1930–1960. Stuttgart 1983
  • Geschichten aus dem 2. Weltkrieg. München u. Zürich 1983
  • Was sind das für Zeiten. Deutschsprachige Gedichte der achtziger Jahre. München u. Wien 1988

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theo Breuer: Neunzig werden. Hans Bender zum Geburtstag am 1. Juli 2009. Eine Laudatio.[6]
  • Theo Breuer: „Hans Bender“, in: T.B., Aus dem Hinterland. Lyrik nach 2000. Edition YE, Sistig/Eifel 2005, ISBN 3-87512-186-4.
  • Michael Ertz: Der Schriftsteller Hans Bender und der Kraichgau. In: Kraichgau. Beiträge zur Landschafts- und Heimatforschung, Folge 14, 1995, S. 253–264.
  • Hans-Rüdiger Schwab (Hrsg.): Literatur als Heimat. Hans Bender zu Ehren. Braun, Karlsruhe 1994, ISBN 3-7650-8138-8.
  • Wolfgang Bittner/Hans Bender: Gastwirtssöhne sind im Vorteil. Ein Gespräch. In: Akzente, Heft 1/2010, S. 62–72.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Krüger: Er wollte lieber hinten stehen als vorne sitzen. Die deutsche Literatur hat ihm viel zu verdanken: Zum Tod des Schriftstellers und Herausgebers Hans Bender. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Mai 2015, S. 13.
  2. Gestorben: Hans Bender, BuchMarkt.de vom 28. Mai 2015.
  3. Nachruf Süddeutsche vom 28. Mai 2015 (Zugriff am 27. September 2015).
  4. Gero von Wilpert (Hrsg.):Lexikon der Weltliteratur. Bd.1: Biographisch-bibliographisches Handwörterbuch nach Autoren und anonymen Werken. dtv, München 1997 ISBN 3-423-59050-5 S.143.
  5. Verdienstordenträgerinnen und -träger seit 1986. Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 11. März 2017.
  6. Theo Breuer: Neunzig werden. Hans Bender zum Geburtstag am 1. Juli 2009