Hans Lanser-Ludolff

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Hans Lanser-Ludolff oder auch nur Hans Ludolff[1][2](* 19. Jahrhundert; † nach 1923), bisweilen auch Lanser-Ludolf bzw. Ludolf geschrieben, häufig auch Hans Lanser-Rudolff, auch Lanser-Rudolf geschrieben, genannt, war ein Theater- und Filmschauspieler sowie Theaterregisseur, der in einer Reihe bedeutender deutscher Produktionen der Stummfilmzeit mitwirkte.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine bekannteste Rolle war der „alte Mann“ in der Rahmenhandlung von Robert Wienes expressionistischem Stummfilm Das Cabinet des Dr. Caligari aus dem Jahr 1920, dem Friedrich Fehér in der Rolle des Franzis auf einer Gartenbank sitzend die eigentliche Filmhandlung erzählt, wobei anzumerken ist, dass der Name des Darstellers des Alten über Jahrzehnte unbekannt war[3]. Im selben Jahr hatte Lanser-Ludolff auch einen Auftritt in dem F. W. Murnau-Film Der Januskopf, der jedoch als verschollen gilt. An Fritz Langs Frühwerk Die Spinnen (1919) hatte er, wenn auch wie im Fall Caligari ohne Namensnennung, ein Jahr zuvor ebenfalls als Darsteller mitgewirkt.

Schon 1913/1914 war der Schauspieler in zwei Stummfilmen Urban Gads, in denen Asta Nielsen die Hauptrolle spielte, erstmals im Film in Erscheinung getreten. Mehrfach arbeitete er auch mit den Regisseuren Erik Eriksen und Emil Justitz zusammen, u. a. für den frühen Hans-Albers-Film Falschspieler (1920). Des Weiteren war Lanser-Ludolff in Filmen von Georg Alexander, Fern Andra, Carl Boese, Joseph Delmont, Franz Hofer, Ottmar Ostermayr, Jaap Speyer und Franz Seitz senior zu sehen. Mit Das große Geheimnis (1920) spielte er auch in einem Filmmelodram von Herbert Gerdes, bei dem es sich möglicherweise um den späteren Nazi-Propaganda-Filmemacher handelt.[4] Seine letzte bekannte verzeichnete Mitwirkung im Film findet sich 1923 in Dr. Sacrobosco, der große Unheimliche nach einem Drehbuch von Gustav Meyrink unter der Regie von Josef Firmans.

Über seine ihn im Prinzip schon von Beginn an in Altersrollen zeigenden Filmauftritte hinaus – seine dritte bekannte Filmrolle war bereits „der blinde Vater“ in Wenn Menschen reif zur Liebe werden (1916)[5] – ist kaum etwas über seinen Lebensweg oder künstlerischen Werdegang bekannt.[6]

Sicher ist, dass Lanser-Ludolff vorher schon im Theaterbereich als Schauspieler und überdies auch als Regisseur tätig war. So gehörte er zum Lotti Sarrow-Ensemble, das gegen Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges mit Mimodramen Stefan Vacanos in den Großstädten Europas gastierte. Lanser-Ludolff fungierte in diesem Zusammenhang sowohl als stellvertretender Direktor der mit eigener Dekoration und Ausstattung auftretenden Wanderbühne, als auch als Oberspielleiter und Darsteller des Vier-Personen-Stücks Die Ehebrecherin, in dem neben ihm noch der Autor Vacano, Kurt Wolfgang und die Namensgeberin des Ensembles Lotti Sarrow spielten.[7] Zuletzt verzeichnete ihn die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger 1914 als Schauspieler und Regisseur im Bereich „Gastierende Künstler“[8], nun innerhalb einer Theaterproduktion mit dem Titel St. Columbanika 1412[9].

Ein nachvollziehbares festes Theaterengagement in Deutschland hatte Lanser-Ludolff zuvor am Kölner Residenztheater, wo er in der Sommerspielzeit 1908 unter Ernst Wehlau spielte. In der Wintersaison sah man ihn in diesem Jahr dagegen in Produktionen des New German Theatre in New York, so in der Rolle des Jean in Pierre Wolffs Ehekomödie The Great Secret[10] (auffällig ist die Namensgleichheit mit dem Gerdes-Melodram) und in der Tragödie The Wedding of Valeni von Ludwig Ganghofer und Marco Brociner[11]. Das Deutsche Bühnenjahrbuch nennt noch 1909 New York als seinen Hauptwohnsitz. Bereits lange vorher mag Lanser-Ludolff zum festen Darstellerensemble des Deutsch-Amerikanischen Theaters in der Metropole gehört haben, im Zusammenhang mit dem dortigen deutschen Emigrantentheater taucht in diesbezüglichen Verzeichnissen unter der Adresse 134 East 58th Street sein Name jedenfalls schon früher auf.[12] Die letzte bekannte Adresse des Künstlers in Berlin war SW 11, Schöneberger Straße 12.[13]

Geburts- und Todesdatum Lanser-Ludolffs sind hingegen gänzlich unbekannt. Die Verzeichnung eines sechsjährigen Hans Ludolff auf der Passagierliste eines 1873 in die USA fahrenden Immigrantenschiffes lässt immerhin eine vage Spekulation über 1867 als Jahr seiner Geburt zu.[14]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1914: Das Kind ruft
  • 1914: Zapatas Bande
  • 1916: Wenn Menschen reif zur Liebe werden
  • 1916: Wer wirft den ersten Stein auf sie
  • 1917: Theaterprinz
  • 1918: Wenn Frauen lieben und hassen
  • 1919: Die Spinnen
  • 1919: Der Skandal im Viktoria-Club
  • 1919: Der Bastard
  • 1919: Johannistraum
  • 1920: Der Mann auf der Flasche
  • 1920: Hexengold
  • 1920: Das Cabinet des Dr. Caligari
  • 1920: Der Januskopf
  • 1920: Das große Geheimnis
  • 1920: Falschspieler
  • 1920: Das Rote Plakat
  • 1920: Der Schatten der Gaby Leed
  • 1920: Der schwarze Harlekin
  • 1920: Dr. Sacrobosco, der große Unheimliche

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl.Neuer Theater-Almanach. Band 21, F.A. Günther, 1910, S. 515 u. S. 803
  2. vgl. auch Hans Lanser-Ludolff bei The German Early Cinema Database und Hans Ludolff bei filmportal.de (Memento des Originals vom 23. März 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.filmportal.de
  3. http://www.filmhistoriker.de/magazine/filmo_caligari_04.htm
  4. http://users.skynet.be/bs136227/src2/CahierInterantional/ci_13_c.pdf
  5. http://www.filmportal.de/film/wenn-menschen-reif-zur-liebe-werden_79606cb6277e40439fa5ffade03cdb39
  6. Filmdienst 6/2014, S. 30
  7. Neuer Theater-Almanach. Band 21, F.A. Günther, 1910, S. 515
  8. Deutsches Bühnen-Jahrbuch Band 25, 1914, S. 823
  9. Deutsches Bühnen-Jahrbuch Band 25, 1914, S. 107
  10. New York NY Dramatic Mirror/New York NY Dramatic Mirror 1908 Jun-May 1909
  11. New York Times, 21. November 1908, S. 5
  12. Berichte, Freies Deutsches Hochstift
  13. Deutsches Bühnen-Jahrbuch Band 25, 1914, S. 226
  14. http://www.germanimmigrants1870s.com/index.php?id=663823