Harald Kretzschmar

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Harald Kretzschmar während einer Finissage im Oktober 2009

Harald Kretzschmar (* 23. Mai 1931 in Berlin) ist ein deutscher Karikaturist, Grafiker und Feuilletonist, der vor allem durch seine Porträtkarikaturen bekannt geworden ist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Abitur an der Kreuzschule in Dresden studierte Harald Kretzschmar von 1950 bis 1955 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Seitdem arbeitet er freischaffend. 1954 veröffentlichte er seine ersten Karikaturen in der Leipziger Volkszeitung. Angeregt durch Hannes Hegen[1] kam er 1955 zum Eulenspiegel, wo er bis 1991 blieb und schon bald zum festen Stamm der Zeichner gehörte.[2] Neben außen-und-innenpolitischen Zeichnungen in dieser wöchentlich erscheinenden Zeitschrift für Humor und Satire bestritt er zum größten Teil die Kolumne der Porträtkarikatur auf der seit 1958 bestehenden Kulturseite 6. Zahlreiche Veröffentlichungen anderswo damit erweiterten seinen Aktionsradius – vor allem auf dem Buchmarkt. Daraus erwuchs das Verfassen von Porträt-Essays, von Glossen und Kunstkritiken.

Im Verband Bildender Künstler der DDR organisierte er als Vorsitzender der Zentralen Sektionsleitung Karikatur zahlreiche Ausstellungen, wie Ökonokomik, Karigrafie und das als nationale Karikaturensammlung der DDR gedachte Satiricum Greiz. Neben Presseveröffentlichungen, seit 1990 verstärkt in der Tagespresse, tritt er mit Druckgrafik und anderen freien Arbeiten (Acryl-Porträts) hervor. Außerdem ist er ein gefragter Schnellporträtist für Veranstaltungen aller Art. Sein erstes Theatererlebnis, „Nathan der Weise“ mit Erich Ponto im zerstörten Dresden, erklärte er 2019 in einem Interview mit der jungen Welt, habe ihn zum „politischen Menschen“ gemacht.[1]

Seinem neuen Heimatort Kleinmachnow, in dem er seit 1956 wohnt und mit ihm viele andere bekannte Maler und Schriftsteller, setzte er 2008 mit seinem Buch Paradies der Begegnungen: Der Künstlerort Kleinmachnow eine bleibende Erinnerung.

Einige Arbeiten befinden sich in den Sammlungen der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Pointiert ist sein Strich, den die Vorliebe fürs entschlossen Knappe charakterisiert, verbunden mit Lapidar-Symbolischem, leicht Lesbarem.…Seine Porträtkarikaturen, vor allem von prominenten Künstlern und Denkern der ehemaligen DDR wie aus dem … wiedervereinigten Deutschland … sind sprichwörtlich "auf den Typ" gebracht."[3]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Porträtkarikaturen

Satirische Druckgrafik

  • 1980 Das Erbe des Diktators
  • 1982 Hilfe!
  • 1983 Das liebe Kollektiv
  • 1984 Na na na na
  • 1988 Fingerzeige

Politische Karikaturen

  • 1965 Ideen hat der Junge! Wie die Bauakademie...
  • 1968 Ich leite!
  • 1975 Wir befinden uns in bester Wegwerfgesellschaft
  • 1989 Erichs Weihnachtsbaum
  • 1998 Die Kartei, die Kartei, die hat immer recht
  • 2000 Sie meinen doch nicht etwa, das hat System?

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Von der Vierten Deutschen Kunstausstellung der DDR 1958/59 an war Harald Kretzschmar auf allen folgenden Kunstausstellungen der DDR selbst vertreten und zur Achten, Neunten und Zehnten für den gesamten Karikaturenteil verantwortlich.
  • Seit 2001 diverse Personalausstellungen im Satiricum Greiz.
  • 2011 war seine Ausstellung „In bester Wegwerfgesellschaft“ im Cartoonmuseum in Luckau zu sehen.
  • 2013 Leipziger Köpfe im Städtischen Museum Leipzig.
  • 2017 zeigt die Willi-Sitte-Galerie in Merseburg die Ausstellung „Harald Kretzschmar: Querdurch und mittendrin - Satirezeichnungen zur Unkultur unserer Zeit 1954–2016“.

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b "Wenn ich zeichne, dann quatsche ich nicht", in: junge Welt, 8. Juni 2019.
  2. Michael Hametner: Nichts hat sich erledigt. Porträt: Der Karikaturist Harald Kretzschmar fing 1955 beim Satiremagazin „Eulenspiegel“ an. Nun wird er 90 – und ist weiter aktiv In: der Freitag vom 20. Mai 2021, S. 19.
  3. Ingeborg Ruthe: Von Ideen besessen. In: Berliner Zeitung, Berlin, 19. Mai 2021