Haru Oni

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Energieeffizienz bei der Herstellung verschiedener strombasierter Energieträger, u. a. E-Fuels. Verluste beim Verbrauch in Endanwendungen wie Kraftfahrzeugen u. ä. nicht berücksichtigt

Haru Oni ist eine Pilotanlage zur Produktion von eFuels im chilenischen Patagonien nördlich von Punta Arenas. Sie ist eines der vom deutschen Bundeswirtschaftsministerium geförderten Leuchtturmprojekte innerhalb der Nationalen Wasserstoffstrategie von Deutschland.[1]

Zielsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chile hat sich wie Deutschland mit einer Wasserstoffstrategie hohe Ziele gesetzt und hat eine Elektrolyseur-Kapazität von 5 Gigawatt (GW) bis 2025 geplant. Bis 2030 auf soll sie auf 25 GW ansteigen, um ein konkurrenzfähiges Wasserstoff-Exportland zu werden.[2]

Die Anlage Haru Oni soll ab März 2023 rund 130.000 Liter E-Benzin sowie 350 Tonnen Methanol pro Jahr erzeugen.[3][4]

Porsche will die synthetischen Kraftstoffe vorwiegend in den eigenen Bestandsfahrzeugen mit Verbrennungsmotoren sowie für Rennwagen im Porsche Supercup einsetzen.[5][6] VW-Chef Oliver Blume sieht keine Bedeutung für Neuwagen.[6] Grosse Automobilkonzerne beenden die Produktion von Verbrennerfahrzeugen schon deutlich vor 2035.[7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2020 hat Peter Altmaier den Förderbescheid für das Projekt über 8,2 Mio. € an Christian Bruch, den Vorstandsvorsitzenden von Siemens Energy, übergeben. Damit soll der Markthochlauf für Wasserstoff zur Realisierung der Energiewende unterstützt werden.[8] Porsche investierte 20 Millionen in die Anlage und Siemens 40 Millionen.

Der Sportwagenhersteller Porsche hat die von Siemens Energy projektierte und mit den chilenischen Unternehmen Gasco und Enap sowie den internationalen Firmen Enel und ExxonMobil realisierte Anlage als Demonstrationsprojekt initiiert.[5]

Betreiber ist die chilenische Gesellschaft Highly Innovative Fuels (HIF),[9] welche die notwendigen Umweltgenehmigungen erwirkt hat.[3]

Die Anlage wurde am 21. Dezember 2022 mit der Produktion der ersten E-Fuels eröffnet.[2]

Seit der Eröffnung wird die Anlage von einem Windrad betrieben. Ein Antrag für die Errichtung eines 325-Megawatt-Windparks wurde von der Betreibergesellschaft im Herbst 2022 zurückgezogen.[6]

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Eröffnung der Anlage erzeugt eine Windturbine von Siemens Gamesa mit einer Peakleistung von 3,4 MW den Strom zum Betrieb der Anlage. Dieser betreibt unter anderem einen PEM-Elektrolyseur, der Wasser in Sauerstoff und grünen Wasserstoff spaltet. Das benötigte CO2 wird durch Direct air capture aus der Umgebungsluft abgeschieden. Aus CO2 und Wasserstoff wird Methanol synthetisiert. In einem Methanol-to-Gasoline-Prozess erfolgt anschließend eine Umwandlung in synthetisches Benzin.[10][11]

Vor- und Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westwindzonen (blau)

Es sind besonders die starken und beständigen Winde der Westwindzone in Patagonien, die den Standort für die Anlage interessant machen.[12]

Nachteilig ist, dass für die Herstellung von einem Liter E-Diesel 27 Kilowattstunden Strom erforderlich sind. Mit dieser Energie fahren große Elektroautos über 100 Kilometer weit. Daneben muss der Kraftstoff 14.000 Kilometer über den Atlantik transportiert werden und die Raffinerie muss genauso wie die Tankschiffe mit fossiler Energie betrieben werden. Während Chile 550 Millionen Liter e-Fuel exportiert, werden gleichzeitig Mineralölprodukte importiert, die etwa 10 Milliarden Liter Benzin entsprechen. Für die Kimabilanz wäre es nach Angaben der taz besser, das E-Fuel in Chile zu lassen und Öl für Deutschland aus der nahen Golfregion zu importieren.[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Projekt „Haru Oni“ in Chile. Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, abgerufen am 7. Januar 2023.
  2. a b E-Fuels: Produktionsanlage in Chile nimmt Betrieb auf. heise Autos, 21. Dezember 2022, abgerufen am 7. Januar 2023.
  3. a b Baubeginn für weltweit erste integrierte kommerzielle Anlage zur ... Siemens Energy, 10. September 2021, abgerufen am 7. Januar 2023.
  4. H. I. F. Global: HIF Global und seine Partner feiern die ersten Liter synthetischer Kraftstoffe von Haru Oni, Chile. 22. Dezember 2022, abgerufen am 7. Januar 2023 (englisch).
  5. a b Baubeginn für weltweit erste integrierte kommerzielle Anlage zur Herstellung von eFuels. Porsche AG, 10. September 2021, abgerufen am 7. Januar 2023.
  6. a b c Simon Hage, Arvid Haitsch, Gerald Traufetter: (S+) Volkswagen: VW-Boss Oliver Blume düpiert FDP-Chef Christian Lindner. In: Der Spiegel. 12. Januar 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 12. Januar 2023]).
  7. Tagesschau: Welche Autokonzerne haben ambitioniertere Pläne?
  8. PtX-Projekt „Haru Oni“: Altmaier übergibt ersten Förderbescheid für internationales Projekt für grünen Wasserstoff. In: German Energy Solutions. Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, 2. Dezember 2020, abgerufen am 7. Januar 2023.
  9. Porsche: eFuels-Pilotanlage in Chile offiziell eröffnet, Flotte.de, Flottenmanagement, Fuhrpark. flotte.de, 21. Dezember 2022, abgerufen am 7. Januar 2023 (englisch).
  10. Valeriya Iakovenko: Haru Oni: Fuel from Wind and Water. In: Hydrogen Council. 14. Oktober 2022, abgerufen am 6. Januar 2023 (deutsch).
  11. Selten, aufwendig und teuer. In: Klimareporter. 26. Januar 2022, abgerufen am 7. Januar 2023 (deutsch).
  12. Wirtschaftswoche: Unternehmen: E-Fuel-Anlage in Chile – Mit starkem Wind zu grünem Benzin. 1. Dezember 2022, abgerufen am 7. Januar 2023.
  13. TAZ Wirtschaft: Inbetriebnahme von Haru Oni (Bericht 14. Januar 2023)

Koordinaten: 52° 51′ 5″ S, 70° 57′ 33″ W