Heckmann-Höfe

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Häuserblock der Friedrich Heckmann-Erben in Berlin N4, Oranienburger Straße 32, Aufnahme von 1957
Vorderhaus der Heckmann-Höfe, in der Oranienburger Straße 32 in Berlin-Mitte, erbaut um 1890
Panorama vom Innenhof der Heckmann-Höfe (2015)
Pferdekopfremise 2015

Die Heckmann-Höfe in Berlin sind ein bauliches Ensemble, das aus drei Höfen besteht, wobei der vordere und hintere Hof von Wohnhäusern umrahmt werden. Im Erdgeschoss der Wohnhäuser sowie im mittleren Hof liegen Gewerbeflächen. Die Bauten stehen teilweise unter Denkmalschutz.[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heckmann-Höfe liegen in der Spandauer Vorstadt im Berliner Bezirk Mitte. Sie liegen zwischen dem Postfuhramt und der Neuen Synagoge an der Oranienburger Straße. Die Höfe erstrecken sich dabei von der Oranienburger Straße 32 bis zur Auguststraße 9 sowie der Tucholskystraße 34.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ursprung der Heckmann-Höfe reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1691 begann die Bebauung der damaligen Berliner Feldmark, die vor dem Spandauer Tor lag. Die Grundstücksvergabe erfolgte auf Geheiß der Kurfürstin Sophie Charlotte und das Gebiet wurde bald als „Spandauer Vorstadt“ bekannt.[2]

Nachdem in den Jahren zuvor bereits die Gassen der Spandauer Vorstadt und somit die Grundstücksgrenzen auf Befehl von König Friedrich Wilhelm I. abgesteckt wurden, entwickelte sich die ehemalige Feldmark immer mehr zu einem städtischen Gebiet. Der Abriss des Spandauer Tors im Jahr 1750, das den Bezirk bislang vom restlichen Teil der Stadt abgrenzte, förderte diesen Prozess.[2]

Den eigentlichen Markstein des damals noch unbenannten Gebiets, das später als Heckmann-Höfe bekannt wurde, bildete sich im Jahr 1799. Zu diesem Zeitpunkt fand die erste urkundlich belegte Erwähnung der Grundstücke Oranienburger Straße 32 und Auguststraße 9 durch Einträge in Berlins erstem Adressbuch und den Versicherungsakten der Feuersozietät statt.

Eigentümer der Parzelle war der Tischler Heinrich Franz Carl Koehne. Bereits damals war das Areal zur Oranienburger Straße hin mit einem zweigeschossigen Wohnhaus mit drei Seitengebäuden bebaut, von denen eines ebenfalls Wohnzwecken vorbehalten war. Im Hof befand sich neben einer Scheune und einem Holzschuppen auch ein Brunnen. Für die damalige Zeit ein wichtiger Faktor, da dieser von der öffentlichen Versorgung unabhängig machte, die häufig für die Verbreitung von Krankheiten sorgte.[2]

Parallel zu diesen städtebaulichen Entwicklungen eröffnete Carl Justus Heckmann, dessen Sohn später die Heckmann-Höfe kaufte und ihnen ihren heutigen Namen gaben, in Berlin eine Kupferschmiedewerkstatt.[2]

Das Unternehmen des damaligen Besitzers der heutigen Heckmann-Höfe, Tischler Koehne, florierte und wurde 1858 in eine Holzhandlung umfunktioniert. Für den notwendigen Fuhrbetrieb wurde die Pferdekopfremise als Pferdestall erbaut, der noch heute erhalten ist.[2] Im selben Jahr wurde das Wohnhaus Auguststraße 9 errichtet, die zunächst die hintere Grenze des damaligen Ensembles bildete.

Im Jahr 1871 kauften die Eltern von Holzhändler Koehne die benachbarte Eckparzelle Auguststraße 9/Artilleriestraße 27 (heute: Tucholskystraße 34) hinzu, die mit dem Areal der Oranienburger Straße 32 den heutigen Grundriss der Heckmann-Höfe markiert. Ein Jahr später wurde das neue Vorderhaus an der Tucholskystraße 34/Auguststraße 9 erbaut, das nun mit der Auguststraße 9 einen weiteren Hof bildete und die bis heute endgültige Grenze des Ensembles zur Tucholsky-/Auguststraße darstellt.[2]

Im Jahr 1887 veranlasste Koehne den Abriss des zweigeschossigen Wohnhauses mit seinen drei Seitenflügeln und den Neubau des Vorderhauses Oranienburger Straße 32. Dadurch wurde der erste Hof zur Oranienburger Straße hin neu gestaltet. Durch diese Umbauten und neue Wasser- und Gasleitungen sowie einen elektrischen Telegraphen (1888) hatte sich der Hausbesitz seit Anfang des Jahrhunderts auf 634.500 Reichstaler vervierzigfacht.[2]

Der Sohn des Großindustriellen Carl Justus Heckmann, Friedrich Wilhelm, kaufte 1905 das bestehende Ensemble, das fortan als Heckmann-Höfe bekannt wurde. Die Gebäude sollten allerdings lediglich der Vermietung und als Sitz des firmeneigenen Ingenieurs- und Konstruktionsbüros sowie zur kaufmännischen und technischen Verwaltung des Firmenimperiums dienen. Insbesondere leitende Mitarbeiter der Heckmann-Betriebe und einige Mitglieder der Familie Heckmann fanden hier ihren Wohnort. Die Baulichkeiten des früheren Holzhandels wurden abgerissen und durch Garagen an der rechten Seite des zweiten Hofes ersetzt. In ihnen befinden sich heute Ladengeschäfte.[2]

Im April 1933 zieht das Ingenieurbüro der Familie Heckmann von der Brückenstraße 6b in die Oranienburger Straße 32. Im gleichen Jahr kommt die Firma Friedrich Heckmann Berlin und Breslau zum Konkurs, auf dem die günstigen Vergleichsvorschläge von Thyssen abgelehnt werden. Da das Immobilieneigentum in diesem Zuge nicht angetastet wurde, behielten die Friedrich Heckmann'schen Erben den Häuserbesitz Oranienburger Straße 32, Auguststraße 9 und Artilleriestraße 27.[3]

Am 12. Dezember 1950 wurde das Grundstück der Heckmann-Höfe durch die „Verordnung des Magistrats von Gross-Berlin zur Überführung von Konzernen und sonstigen wirtschaftlichen Unternehmen“ umgeschrieben in „Eigentum des Volkes“. Zu Zeiten der Mauer lagen die Heckmann-Höfe in einem langen „Dornröschenschlaf“.[2]

Die noch erhaltene, aber ramponierte ehemalige Spandauer Vorstadt wurde nach der Wende zunächst von den Künstlern und dann vom Handel entdeckt und wiederbelebt, wodurch viele Gebäude gerettet wurden.[2] Anfang der 1990er Jahre siedelten sich in den damals recht verlassenen Höfen Modelabels, Clubs oder auch Künstler an.[4] Es kam zu „Hausbesetzungen“. Dieter Heckmann hat mit seinem Bruder zusammen sich mit den rund 40 Erben des Grundstücks bald geeinigt, 15 Heckmann-Erben packten die Sanierung an, die übrigen wurden ausbezahlt.

In den 1990er Jahren wurden die Heckmann-Höfe von der Heckmann-Erbengemeinschaft aufwendig restauriert und saniert.[5]

Da die Verwaltung der Höfe durch die 15 Erben nicht praktikabel war, wurde im Jahr 2004 ein Käufer gesucht. Ein dänischer Investor übernahm 2006/2007 die Heckmann-Höfe.

Das Ensemble der Heckmann-Höfe soll gemäß einem Bauantrag 2014 komplett zu Wohnungen und Townhouses umgewandelt werden, der Durchgang soll verschlossen werden. Der innenliegende Hof einschließlich seinen Gewerbeeinheiten, dem Werkhaus und der Pferdekopfremise wurde jedoch im Juli 2014 an einen privaten Berliner Unternehmer verkauft, der diese Planung aufhob, den Bauantrag zurückzog und die bisherige Nutzung als Gewerbeeinheiten im Durchgang von der Oranienburger Straße zur Auguststraße fortführte.

Nutzungskonzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach zwei Wechseln befinden sich die Heckmann-Höfe im Besitz eines Berliner Privatinvestors.[6] Das Areal soll zu einem „Kreativquartier“ werden.[7] Das zweigeschossige Werkhaus dient als Eventlocation für Empfänge, Ausstellungen Präsentationen etc. Die Pferdekopfremise beheimatet seit Sommer 2015 das Restaurant Ross. Außerdem beherbergen die Heckmann-Höfe das Galli-Theater, das italienische Restaurant Garda und diverse Läden der Kreativwirtschaft.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heckmann-Höfe sind durch ihre zentrale Lage sehr gut erschlossen: S-Bahn: Oranienburg Straße und Friedrichstraße (S1) und Hackescher Markt (S5/S75). U-Bahn: Oranienburger Tor (U6) Tram: M1, M5, M12

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heckmann Höfe bei Luise-Berlin
  2. a b c d e f g h i j Wolfgang Feyerabend: Die Heckmann Höfe, Kai Homilius Verlag, Berlin 2000.
  3. Bernd Braumüller: Zwei Berliner Familien – und Ihre Nachkommen, Selbstverlag Ingrid Braumüller, Rotenburg (Wümme) 2000.
  4. Höfische Lebensart in Mitte. In: Merian
  5. Ein Stück altes Berlin entsteht. In: Berliner Zeitung, 1. Februar 1999.
  6. Heckmann-Höfe starten neu. In: Berliner Abendblatt, 5. August 2014
  7. Hofstaat gesucht. In: Der Tagesspiegel, 14. Juli 2014