Heiko Kleve

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Heiko Kleve (* 1969 in Warin) ist ein deutscher Sozialwissenschaftler und Autor. Er prägte neue Formen der Sozialarbeit und vertritt insbesondere systemisch-konstruktivistische und postmoderne Konzepte.

Nach Abschluss der Polytechnischen Oberschule absolvierte er von 1986 bis 1988 eine Berufsausbildung zum Facharbeiter für Datenverarbeitung. Von 1991 bis 1992 besuchte er nach Ableistung des Grundwehrdienstes ein Oberstufenzentrum für Industrie und Datenverarbeitung und erlangte dort die Fachhochschulreife. An der Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin studierte er von 1992 bis 1996 Sozialpädagogik, bevor er von 1997 bis 2001 als selbständiger Sozialarbeiter in den ambulanten Hilfen zur Erziehung und in der aufsuchenden Sozialpsychiatrie arbeitete. Nach Studien der Fächer Soziologie, Politologie und Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin promovierte er 1998 an der Freien Universität Berlin zum Doktor der Philosophie.

Neben Lehraufträgen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Hochschule Lausitz (mit Sitz in Cottbus), der Fachhochschule Neubrandenburg und der Donau-Universität Krems war Kleve von 2001 bis 2002 Gastprofessor für Sozialwissenschaften und Soziale Arbeit an der Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin mit den Schwerpunkten Theorien und Methoden Sozialer Arbeit, von 2002 bis 2005 ebenda Professor für Theorie und Geschichte der Sozialen Arbeit. Seit 2005 ist er Professor mit dem Schwerpunkt Soziologische und sozialpsychologische Grundlagen der Sozialen Arbeit am Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften der Fachhochschule Potsdam, wo er auch von April 2013 bis März 2017 Dekan des Fachbereichs war.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heiko Kleve vertritt eine postmoderne Theorie und Methodik der Sozialen Arbeit, die er in mehreren Büchern und zahlreichen Artikeln entwickelt hat (siehe die Auswahl seiner Werke, insbesondere Postmoderne Sozialarbeit (Aachen 1999/Wiesbaden 2007), Ambivalenz, System und Erfolg (Heidelberg 2007) und Aufgestellte Unterschiede (Heidelberg 2011)). In diesem Konzept wird die Ambivalenz als zentrale Praxis- und Theoriefigur, mithin als bestimmendes Phänomen der Sozialen Arbeit veranschaulicht. Demzufolge gehe es sowohl darum, Ambivalenzen der Sozialen Arbeit zu reflektieren - das ist Aufgabe der Theorie, als auch die Praxis zu unterstützen, konstruktiv, kreativ und zukunftsorientiert mit Ambivalenzen umzugehen - das ist Aufgabe der Methodik. Solche Ambivalenzen werden zum Beispiel dadurch veranschaulicht, dass deutlich herausgearbeitet wird, dass die Soziale Arbeit zwischen Helfen und Nicht-Helfen, zwischen Helfen und Kontrollieren, zwischen Problem und Lösung, zwischen Gesellschaft und Individuum, zwischen Berufsarbeit und Nächstenliebe, zwischen Lebensweltorientierung und Ökonomisierung, zwischen Vergangenheit und Zukunft oder zwischen Inklusion und Exklusion steht. Wichtige Referenzautoren von Kleve, an die er für sein Konzept anschließt, sind insbesondere - für die Theorie: Niklas Luhmann, Zygmunt Bauman, Francois Lyotard oder Wolfgang Welsch und - für die Methodik: Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen in Buchform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konstruktivismus und Soziale Arbeit. Die konstruktivistische Wirklichkeitsauffassung und ihre Bedeutung für die Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Supervision (= Schriften zur sozialen Arbeit. Band 2). 2., durchges. Auflage. Aachen 2003, ISBN 3-928047-17-5.
  • Postmoderne Sozialarbeit. Ein systemtheoretisch-konstruktivistischer Beitrag zur Sozialarbeitswissenschaft (= Schriften zur sozialen Arbeit. Band 4). Dissertation. 2. Auflage. Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-15465-7.
  • Die Sozialarbeit ohne Eigenschaften. Fragmente einer postmodernen Professions- und Wissenschaftstheorie sozialer Arbeit. Freiburg im Breisgau 2000, ISBN 3-7841-1234-X.
  • Systemisches Case-Management. Falleinschätzung und Hilfeplanung in der Sozialen Arbeit mit Einzelnen und Familien - methodische Anregungen (= Schriften zur sozialen Arbeit. Band 6). Aachen 2003, ISBN 3-928047-41-8.
  • Heiko Kleve (Hrsg.): Differenz und soziale Arbeit. Sensibilität im Umgang mit dem Unterschiedlichen (= Praxis, Theorie, Innovation. Band 1). Berlin/ Strasburg 2003, ISBN 3-933978-80-7.
  • Sozialarbeitswissenschaft, Systemtheorie und Postmoderne. Grundlegungen und Anwendungen eines Theorie- und Methodenprogramms. Freiburg im Breisgau 2003, ISBN 3-7841-1489-X.
  • Systemisches Case Management. Falleinschätzung und Hilfeplanung in der sozialen Arbeit. (= Systemische soziale Arbeit). Heidelberg 2006, ISBN 3-89670-560-1.
  • Ambivalenz, System und Erfolg. Provokationen postmoderner Sozialarbeit. (= Systemische soziale Arbeit). Heidelberg 2007, ISBN 978-3-89670-558-7.
  • Konstruktivismus und soziale Arbeit. Einführung in Grundlagen der systemisch-konstruktivistischen Theorie und Praxis. 4., durchges. Auflage. Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-16046-7. (auch als Online-Ressource verfügbar)
  • mit Jan V. Wirth: Die Praxis der Sozialarbeitswissenschaft. Eine Einführung. Baltmannsweiler, 2009, ISBN 978-3-8340-0539-7.
  • mit Britta Haye, Andreas Hampe-Grosser und Matthias Müller: Systemisches Case-Management. Falleinschätzung und Hilfeplanung in der Sozialen Arbeit. (= Systemische soziale Arbeit). 3., überarb. Auflage. Heidelberg 2011, ISBN 978-3-89670-617-1.
  • Aufgestellte Unterschiede. Systemische Aufstellung und Tetralemma in der Sozialen Arbeit. Heidelberg 2011, ISBN 978-3-89670-787-1.
  • mit Jan V. Wirth: Lexikon des systemischen Arbeitens Grundbegriffe der systemischen Praxis, Methodik und Theorie. Heidelberg 2012, ISBN 978-3-89670-827-4.
  • Komplexität gestalten. Soziale Arbeit und Case-Management mit unsicheren Systemen. Heidelberg 2016, ISBN 978-3-8497-0092-8.

Beiträge in Sammelwerken und Zeitschriftenartikel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz B. Simons klinische Epistemologie – oder: Über die Verrücktheit, nach logischen Regeln zu leben. In: Heinz J. Kersting (Hrsg.): Der Zirkel des Talos. Gespräche mit Systemischen TherapeutInnen. Aachen 1999. (online auf: systemagazin.de)
  • Heinz Kersting als Supervisor, Sozialarbeiter, Handlungsforscher, Sozialarbeitswissenschaftler und Konstruktivist – Beobachtung eines Beobachters. In: Heinz J. Kersting: Zirkelzeichen. Supervision als konstruktivistische Beratung. Aachen 2002, S. 287–311. (online auf: systemagazin.de)
  • Soziale Arbeit als konstruktivistische Praxis. Anregungen für ein postmodernes Verständnis von Sozialarbeit. In: Soziale Arbeit. Heft 7, 1997, S. 218–226.
  • Schreiben als Theoriegenese oder: Vom Staunen über die Selbstverständlichkeiten der Anderen. In: Das gepfefferte Ferkel. In: Jésus Hernández Aristu Special. September 2003. (online auf: ibs-networld.de)
  • Editorial um Geburtstags Special. Britta zum 60. In: Das gepfefferte Ferkel. Online-Journal Magazin, Januar 2002, Britta Haye Special zum 60. Geburtstag (Festschrift). (online auf: ibs-networld.de)
  • Kontextuelle Sensibilität Oder: Was ich von Britta lern(t)e. In: Das gepfefferte Ferkel. Online-Journal Magazin, Januar 2002, Britta Haye Special zum 60. Geburtstag (Festschrift). (online auf: ibs-networld.de)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]