Heinrich Schütz (Mediziner)

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Emil Heinrich (Heinz) Schütz (* 12. April 1906 in Schmiedeberg; † 1986 in Feldafing) war ein deutscher Internist und Sanitätsoffizier, der sich in der Zeit des Nationalsozialismus an Menschenversuchen im Konzentrationslager Dachau beteiligte.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schütz stammte aus einer bürgerlichen Familie. Sein Vater war Badearzt in Schmiedeberg und Mitglied einer Freimaurerloge. Er studierte ab 1925 Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1926 wurde er Mitglied des Corps Bavaria München.[2] Als Inaktiver wechselte er an die Universitäten in Paris und Leipzig. Nachdem er 1931 das Staatsexamen bestanden hatte, promovierte er 1932 zum Dr. med.[1]

Chemnitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1936 wurde Schütz Oberarzt der Inneren Abteilung vom Stadtkrankenhaus Chemnitz. Im selben Jahr trat er in die Schutzstaffel, 1937 auch in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, ein. Seit Ende 1938 führte er eine eigene Arztpraxis in Chemnitz. Sein Tätigkeitsfeld umfasste auch Verlobungs- und Einstellungsuntersuchungen, die die SS u. a. im Rahmen der Nationalsozialistischen Rassenhygiene von ihren Mitgliedern forderte.

Dachau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1940 war Schütz im SS-Lazarett Dachau beschäftigt. Im Jahr 1941 wurde er zur SS-Panzerdivision Leibstandarte SS Adolf Hitler versetzt, im März 1942 – einhergehend mit der Beförderung zum SS-Sturmbannführer – übernahm er die Leitung der Inneren Abteilung des SS-Lazaretts Dachau. Mitte Juni 1942 wurde Schütz Leiter der Biochemischen Versuchsstation im Krankenrevier des Konzentrationslagers Dachau. Dort erprobte er biochemische Heilmittel an Häftlingen, die er mit bakteriellen Eitererregern infiziert hatte. Die Opfer waren vor allem polnische Priester im Pfarrerblock (KZ Dachau).[3] Hintergrund war die These, dass Krankheiten auf einer Störung der Gewebesalze in den Körperzellen beruhen und durch Mineralzufuhr in homöopathischer Verdünnung geheilt werden könnten. Obwohl die meisten Versuche mit dem Tod der Erkrankten endeten, wurden die biochemischen Mittel weiter erprobt, ungeachtet der Tatsache, dass mit den Sulfonamiden wirksame Medikamente zur Verfügung standen. Bei diesen Versuchen halfen ihm unter anderem Waldemar Wolter und Karl Babor.[4] Im September 1944 wechselte Schütz als Chefarzt an das SS-Lazarett in Bad Aussee.

Essen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kriegsende überstand er unbehelligt. In der Nachkriegszeit ließ er sich 1947 in Essen als Facharzt für Innere Medizin nieder. Erst im Dezember 1972 wurde er vor dem Landgericht München II (AZ 12 Ks 1/72) wegen seiner Menschenversuche angeklagt. Am 20. November 1975 wurde er schließlich zu zehn Jahren Haft verurteilt. Ärzte bescheinigten ihm eine schwere Krankheit, sodass er seine Haftstrafe nicht antreten musste.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Thomas Blanke, Redaktion Kritische Justiz (Hg.): Die juristische Aufarbeitung des Unrechts-Staats. Nomos, Baden-Baden 1998, ISBN 3-7890-5054-7, S. 569.
  2. Kösener Corpslisten 1996, 13, 1564
  3. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0, S. 564
  4. Angelika Ebbinghaus, Karl Heinz Roth: Medizinverbrechen vor Gericht – Die Menschenversuche im Konzentrationslager Dachau, in: Ludwig Eiber, Robert Sigl (Hg.): Dachauer Prozesse – NS-Verbrechen vor amerikanischen Militärgerichten in Dachau 1945 – 1948, Göttingen 2007, S. 149 ff.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main 2007, ISBN 3-596-16048-0.
  • Ernst Klee: Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer, 3. Auflage. Frankfurt am Main, 1997, ISBN 3-596-14906-1.
  • Angelika Ebbinghaus, Karl Heinz Roth: Medizinverbrechen vor Gericht – Die Menschenversuche im Konzentrationslager Dachau, in: Ludwig Eiber, Robert Sigl (Hg.): Dachauer Prozesse – NS-Verbrechen vor amerikanischen Militärgerichten in Dachau 1945 – 1948. Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0167-2.