Heinrich von Brunck

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Heinrich von Brunck

Heinrich Brunck, seit 1905 Heinrich Ritter von Brunck (* 26. März 1847 in Winterborn; † 4. Dezember 1911 in Ludwigshafen am Rhein) war ein deutscher Chemiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brunck wurde 1847 als jüngster Sohn des Gutsbesitzers, Juristen und Landtagsabgeordneten Friedrich Karl Brunck in Winterborn geboren. Nach dem Besuch der Volksschule studierte er ab 1860 an der Gewerbeschule Kaiserslautern und ab 1863 an der Fachschule für Chemie des Zürcher Polytechnikums. In Gent studierte er in den Jahren 1865 und 1866 bei Friedrich August Kekulé und kam dort in Verbindung mit Wilhelm Körner und Carl Leverkus. Bei Koerner und später bei Strecker und Städel in Tübingen schrieb Brunck seine 1867 vorgelegte Dissertation über substituierte Nitrophenole.

Bei de Haën in (Hannover-) List bekam Brunck 1867 eine Anstellung als Industriechemiker. Im Jahr 1869 wechselte er zur noch recht kleinen Anilinfabrik in Ludwigshafen. Neben Friedrich Engelhorn, Heinrich Caro, Carl Klemm, Carl Glaser wurde Brunck bald zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten bei der späteren BASF.

1871 heiratete er in Großkarlbach Emilie Barbara Wilhelmine geb. Fitting.

Tätigkeit bei der BASF[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brunck war bei der Anilinfabrik zunächst mit der Herstellung von reinem Benzol und Toluol (Trennung durch Destillation) betraut, ab 1870 auch mit der Herstellung von Chloral. Seine guten Französischkenntnisse ermöglichten schon zeitig Handelskontakte in Frankreich. Im Jahr 1873 übernahm die BASF die Firma Heinrich Siegle, die in Stuttgart und Duisburg vornehmlich anorganische Pigmente herstellte. Brunck wurde nun in Duisburg eingesetzt, um die Herstellung von Rohanthracen zu organisieren. Das Verfahren war jedoch nicht sehr wirtschaftlich und wurde auch bald wieder eingestellt. Im Jahr 1875 ging Brunck nach England, um die dortige Teerproduktion zu studieren. Er konnte Kontakte zu einer englischen Firma, die in Spanien Schwefelkies förderte, aufbauen und so die Nutzung der Duisburger Werke zur Herstellung von Kupfer erweitern (Duisburger Kupferhütte AG).

1876 ging Brunck wieder nach Ludwigshafen, um die Produktion von Anthracen und Anthrachinon zu betreuen. Ferner übernahm Brunck die Leitung der Synthesegasproduktion. Bis 1884 war er auch mit dem Ausbau der Alizarinfarbenproduktion bei der BASF betraut (gute Kontakte zu Carl Graebe). Brunck hatte den Wert der Alizarinfarbstoffe für die Wollfärbung schon zeitig erkannt. Am 1. Januar 1884 wurde Brunck neben Heinrich Caro, C. Glaser, G. Siegle (kaufmännischer Direktor) Direktor und Unternehmensleiter der BASF. Brunck hatte neben der Alizarinproduktion auch die Leitung der Bau- und Maschinenführung sowie der Wohlfahrtseinrichtungen des Werkes.

Mit seinem neuen Mitarbeiter René Bohn konnte Brunck die Palette der Alizarinfarben stark erweitern, es wurde ein gutes Verfahren zur Herstellung von Phthalsäure aus Naphthalin gefunden. Brunck konnte auch wirtschaftliche Syntheseverfahren für Benzaldehyd und Benzoesäure einführen.

Beim Aufbau der ersten Indigosyntheseanlage nach einer Syntheseroute von Adolf Baeyer unter Leitung von Heinrich Caro blieb Brunck jedoch bezüglich des wirtschaftlichen Erfolges sehr skeptisch. Die Investitionskosten waren hoch, die Qualität noch nicht ausreichend, die Ausbeute war gering. Tatsächlich wuchsen zunächst die Verluste aus der Indigosynthese von Jahr zu Jahr. Erst 1898 wurde eine sehr gute Syntheseroute für Indigo durch Heumann und Pfleger aufgefunden. Brunck hatte einen erheblichen Anteil an der erfolgreichen, großtechnischen Umsetzung der Indigoproduktion.

Unter technischen Leitung von Brunck entwickelte Rudolf Knietsch ein Verfahren zur Verflüssigung von Chlor bei der BASF. Ferner entwickelte Knietsch das Kontaktverfahren zur Gewinnung von Schwefelsäure.

Brunck führte ab 1890 auch elektrochemische und elektrothermische Verfahren ein. Wichtig waren die Herstellung von Kalziumcarbid und Kalkstickstoff (Düngemittel) und Chlor (auf elektrolytischem Wege). Auch die Oxidation von Luftstickstoff zu Salpetersäure lag im Fokus von Bruncks Arbeiten. Die Norweger Kristian Birkeland und Samuel Eyde hatten zur Herstellung von Salpetersäure aus Luftstickstoff einen elektrischen Flammenbogen mit Erfolg verwendet. Vorteile bot Norwegen auch wegen der Wasserkräfte, die man zur Stromerzeugung nutzen konnte.

Im Jahr 1901 wurde Brunck Vorstandsvorsitzender.

Ab 1908 erschien auch die Herstellung von Ammoniak aus Luftstickstoff möglich, erste Arbeiten wurden von Fritz Haber unternommen. Brunck beauftragte Carl Bosch mit Fritz Haber eine technische Lösung zur Ammoniaksynthese - das spätere Haber-Bosch-Verfahren- zu entwickeln.

Brunck selbst schied 1906 als Generaldirektor aus, hatte jedoch noch bis zu seinem Tode die Stellung des Vorsitzenden Aufsichtsrates inne.

Schlossherr in Kirchheimbolanden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grab von Heinrich von Brunck (links) im Schlossgarten in Kirchheimbolanden

Ab 1884 übernahm erst sein älterer Bruder, ein Reichstagsabgeordneter und Ehrenbürgermeister der Stadt, die Immobilie, bevor er, Heinrich Brunck, 1889 alleiniger Eigentümer von Schloss, Schlossgarten nebst ehemaligem Ballhaus in Kirchheimbolanden wurde. Er befreite den als landwirtschaftliche Fläche genutzten ehemaligen Schlossgarten und ließ ihn neu anlegen. Für die Gartenanlage beauftragte er die Gebrüder Siesmayer aus Frankfurt am Main. Das bekannteste Werk der Gartenbaufirma ist der Frankfurter Palmengarten, angelegt ab 1869. Die erlesenen Bäume wurden nachweislich von Baumschulen aus Schleswig-Holstein, Sachsen und Böhmen gekauft, bzw. er beschaffte sie auf seinen diversen Reisen. Zum Schluss sollen es allein 64 verschiedene Baumgattungen gewesen sein, von denen sich bis Ende des 20. Jahrhunderts noch 50 verschiedene Gattungen in zahlreichen Arten erhalten haben. Der Garten gilt heute noch als einer der schönsten Englischen Landschaftsparks Südwestdeutschlands.[1]

Vater der betrieblichen Sozialfürsorge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch heute noch gilt er in der BASF als Vater der betrieblichen Sozialfürsorge, ließ er doch in Ludwigshafen ein ganzes Wohnviertel für seine Arbeiterschaft errichten. Im Jahre 1892 ließ er bei Dannenfels eine Lungenheilstätte für kranke Gefolgschaftsmitglieder errichten - seinerzeit die weltweit erste Heilanstalt dieser Art. Er starb am 4. Dezember 1911 in Ludwigshafen. Im Schlossgarten von Kirchheimbolanden fand er seine letzte Ruhestätte. Sein Vermögen nebst Haus und Grundbesitz vermachte er einer Stiftung der BASF. Sein am Schlosspark liegendes Anwesen wurde später von der Stiftung abgerissen, um ein Erholungsheim für Mitarbeiter zu bauen. Dieser Bau kam aber nicht zur Ausführung.

Die Wohnviertel wurden nicht in Mannheim, sondern in Ludwigshafen errichtet. Die ersten Einzelhäuser für Arbeiterfamilien entstanden im I., II. und III. Gartenweg, zwischen Leuschnerstraße im Westen und Rollesstraße im Osten. Noch heute ist das Gemeinnützige Wohnungsbauunternehmen BASF GmbH (Gewoge) zuständig für den Wohnungsbau der BASF-Mitarbeiter.[2]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1905 wurde Heinrich von Brunck in den Adelsstand erhoben und zwei Jahre später zum Geheimen Kommerzienrat ernannt.

Die Dr.-Heinrich-von-Brunck-Straße in Kirchheimbolanden, die Brunckstraße in der Maxdorfer BASF-Siedlung sowie das Brunckviertel in Ludwigshafen ist nach ihm benannt. Die ebenfalls nach ihm benannte Dr. Heinrich von Brunck Gedächtnis-Stiftung ist heute Teil der BASF Sozialstiftung[3]. Die Heinrich v. Brunck-Stiftung ist heute Teil des Fonds zur Förderung der Geisteswissenschaften der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Heinrich von Brunck ist Ehrenbürger von Kirchheimbolanden.

In seinem Geburtsort Winterborn (Pfalz) in der Verbandsgemeinde Alsenz-Obermoschel wurde die Dr.-Heinrich-von-Brunck-Halle nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans DÖHN "KIRCHHEIMBOLANDEN" Die Geschichte der Stadt 1968, Herausgegeben von der Stadt Kirchheimbolanden 1968: Seite 208 Zeile 7 Seite 213 ff. AUSBAU der RESIDENZ Abb. 145 und Text bis Seite 214 Zeile 6
  2. "Die BASF" Eine Unternehmensgeschichte, C.H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-49526-5 Seite 78, 4. Zeile von unten; Seite 110, 2. Abs. ff. und Seite 422 ff.
  3. BASF Sozialstiftung