Heinzelmann (Radiobausatz)

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Heinzelmann-Radio

Das Heinzelmann-Radio war ein von Hans Eckstein im Auftrag von Max Grundig entwickelter und ab 1946 in Deutschland vertriebener Bausatz für ein Röhrenradio zum Zusammenbau durch den Käufer. Der Bausatz schuf den Grundstein für den Erfolg des Unternehmens Grundig.

Entwicklung und Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauteile des Bausatzes im Deutschen Museum Bonn

In der Nachkriegszeit herrschte in der Bevölkerung ein hohes Informationsbedürfnis, während die Alliierten die Versorgung von Privatleuten mit Radiogeräten streng bewirtschafteten. Die Geräte waren anfangs nur auf Bezugsschein zu erhalten.

Im Dezember 1945 beschloss der Fürther Kleinunternehmer und Kaufmann Max Grundig, einen Rundfunkbaukasten für Bastler herzustellen. Damit gelang es ihm, das alliierte Verbot zur Herstellung von Rundfunkgeräten zu unterlaufen und die Marktlücke hinsichtlich Radioempfängern zu schließen.[1] Der Schaltplan war bis Juli 1946 fertiggestellt und im August 1946 wurde die behördliche Genehmigung zur Produktion erteilt. Die Serienproduktion setzte im Oktober 1946 in Fürth ein.[2] Ausgeliefert wurde ab Januar 1947. Bis Jahresende 1947 waren über 12.000 Stück hergestellt und verkauft. 1948 waren bereits rund 39.000 Bausätze hergestellt worden. Bis zur Währungsreform von 1948 kostete das Radio als Allstromgerät 176 Reichsmark und als Variante für Wechselstrom 189 Reichsmark, damals ein hoher Preis. Bezogen auf das Jahr 1947 entspricht dies inflationsbereinigt in heutiger Währung 600 bzw. 640 Euro.[3]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkaufskarton mit Liste der Bauteile
Senderanzeigetafel

Mit dem Gerät konnten Mittel-, Lang- und teilweise Kurzwellensender empfangen werden. Technisch ist der Empfänger ein Rückkoppelungseinkreiser.

Der Radiobausatz wurde in einem Pappkarton vertrieben, der fast alle Einzelteile und einen Bauplan enthielt. Das hölzerne Gerätegehäuse gehörte nicht zum Bausatz und war nach einem Plan vom Käufer selbst anzufertigen. Die für das Radio benötigte Radioröhre wurde nicht mitgeliefert, da Grundig infolge der kriegszerstörten oder demontierten Röhrenfabriken keine Radioröhren mitliefern konnte. Sie mussten sich die Käufer selbst besorgen. Dabei griffen sie zum Teil über den Schwarzmarkt auf die zu dieser Zeit noch reichlich verfügbaren Wehrmachtsröhren, wie die RV12P2000, zurück.[4] Als Dämmstoff diente Füllmaterial aus nicht explodierten Luftminen.[5] Der Zusammenbau setzte ein gewisses technisches Verständnis beim Erwerber voraus.

Namensgeber für den (1946 zunächst namenlosen) Bausatz war mit großer Wahrscheinlichkeit das „Funkheinzelmännchen“ von Hans Bodenstedt aus den Jahren 1924/1925, die Titelfigur der wohl frühesten Kinderserie des deutschen Rundfunks.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Reichel: Der Heinzelmann. In: Kleeblatt Radio, Heft 8 / Januar 1994. S. 33–40. (Ursprünglich in: Radio Fernsehen Elektronik, Heft 40, 1991).
  • Hans Knoll: Die technischen Varianten des „Heinzelmann“. In: Rundfunk und Museum. Zeitschrift des Rundfunkmuseums der Stadt Fürth, Heft 66, September 2008, S. 5–18.
  • Hans Knoll: Ursprünge des Radiobaukastens „Heinzelmann“. In: Rundfunk und Museum. Zeitschrift des Rundfunkmuseums der Stadt Fürth, Heft 71, Dezember 2009, S. 9–16.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heinzelmann (Radiobausatz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Max Grundig: Aufstieg mit dem Heinzelmann in: Die Zeit vom 15. Dezember 1989
  2. Von der „Radio-Stadt“ zur Uferstadt (Memento vom 4. Juni 2015 im Internet Archive) bei Altstadtverein St. Michael Fürth
  3. Die Zahlen wurden mit der Vorlage:Inflation ermittelt, auf 10 EUR gerundet und gelten für den vergangenen Januar.
  4. Die RV12 P 2000 - Story
  5. Unterhaltungs Politik beim Deutschen Museum Bonn
  6. Hans Knoll: Ursprünge des Radiobaukastens „Heinzelmann“, S. 14. In: Rundfunk und Museum. Zeitschrift des Rundfunkmuseums der Stadt Fürth, Heft 71, Dezember 2009, S. 9–16.