Hellmut Geissner

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Karl Hellmut Geissner (eigentlich Geißner; * 7. März 1926 in Darmstadt, Deutschland; † 19. August 2012[1] in Lausanne, Schweiz) war ein deutscher Rhetorik- und Sprechwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geissner begann seine Tätigkeiten an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, lehrte dann an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken.[2] Zuletzt lehrte er als ordentlicher Professor für Sprechwissenschaft an der Universität Koblenz-Landau, am Standort Landau in der Pfalz, als Lehrstuhlinhaber für Sprechwissenschaft.

Nach seiner Emeritierung nahm er noch Lehraufträge an den Universitäten Zürich und Wien wahr. Heute wird Geissner zu den drei bedeutendsten Vertretern der Sprechwissenschaft gezählt, weil er diese Wissenschaft grundlegend geprägt hat.[3]

Geissner trat mit zahlreichen Veröffentlichungen zur Sprechwissenschaft und Sprecherziehung sowie der Rhetorik hervor. Darüber hinaus entwickelte er die „Fünfsatztheorie“ der Argumentation sowie das Situationsmodell der Kommunikation.

Er war langjähriger Seminarleiter und Trainer für große Konzerne und Medienunternehmen und ist Mitbegründer des Wissenschaftlichen Beirats der „Deutschen Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung“ (DGSS). Außerdem ist er Gründer des IRM (Institut für Rhetorik) an deEAO (Europäische Akademie Otzenhausen) sowie Gründer (1968 gemeinsam mit Prof. Fred L. Casmir, NCA, USA) des ICC (Internationales Kolloquiums für Kommunikation).

Geissner ist Verfasser einer „Geschichte der Sprecherziehung“.

Auf Geissners Lehre der rhetorischen Kommunikation (Standardwerk „Rhetorik und politische Bildung“, 1973; 3. Aufl. 1986) basiert die 13-teilige Fernsehserie „Reden und reden lassen“ (SWF/ORF), die mit dem Adolf-Grimme-Preis in Silber ausgezeichnet worden ist.

Geissner lebte seit seiner Emeritierung mit seiner Ehefrau, der Wissenschaftlerin Edith Slembek, in Lausanne, Schweiz.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung (DGSS) e. V.
  • Ehrenvorsitzender des Kuratoriums am Institut für Rhetorik und Methodik an der Europäischen Akademie Otzenhausen (EAO)
  • Bundesverdienstkreuz am Bande
  • Ehrenmedaille in Silber der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
  • Auszeichnung der Speech Communication Association, USA, für "Outstanding Scholarly and Research Contributions to the Study of International and Intercultural Communication"

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autor:

  • Der Mensch und die Sprache. Studien zur Philosophie von Hans Lipps. Dissertation, Universität Frankfurt am Main, 1955.
  • Schallplattenanalysen. Gesprochene Dichtung. Minerva, Saarbrücken 1965.
  • Rede in der öffentlichkeit. Eine Einführung in die Rhetorik. Kohlhammer, Stuttgart 1969.
  • Rhetorik. Studienmaterial. 4. Auflage. Bayerischer Schulbuch-Verlag, München 1978, ISBN 3-7627-2110-6.
  • Rhetorik und politische Bildung. 3. Auflage. Scriptor, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-589-20105-3.
  • Sprechwissenschaft. Theorie der mündlichen Kommunikation. 2. Auflage. Scriptor, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-589-20771-X.
  • Sprecherziehung. Didaktik und Methodik der mündlichen Kommunikation. 2. Auflage. Scriptor, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-589-20788-4.
  • mündlich:schriftlich. Sprechwissenschaftliche Analysen freigesprochener und vorgelesener Bericht. Scriptor, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-589-20837-6.
  • Vor Lautsprecher und Mattscheibe. Medienkritische Arbeiten 1965–1990. Röhrig, St. Ingbert 1991, ISBN 3-924555-74-5.
  • Wege und Irrwege der Sprecherziehung. Personen, die vor 1945 im Fach anfingen und was sie schrieben. Röhrig, St. Ingbert 1997, ISBN 3-86110-116-5.
  • Kommunikationspädagogik. Transformationen der „Sprech“-Erziehung. Röhrig, St. Ingbert 2000, ISBN 3-86110-244-7.
  • Demokratie und rhetorische Kommunikation. Ausgewählte Aufsätze. Röhrig, St. Ingbert 2005, ISBN 3-86110-395-8.

Mitautor:

  • Grundlagen der Schauspielkunst. Friedrich, Velber bei Hannover 1965.
  • Reden und reden lassen. Begleitmaterial zur gleichnamigen Fernsehreihe (SWF). Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1975, ISBN 3-421-06440-7.
  • Zeichen im Gottesdienst. Kaiser/Kösel, München 1976, ISBN 3-459-01084-3.
  • Gesprächsführung/Führungsgespräche. 5. Auflage. Röhrig, St. Ingbert 2008, ISBN 978-3-86110-168-0.

Gesamtbibliografie der Publikationen (1954–2007) systematisch geordnet in:

  • Edith Slembek (Hrsg.): Transzensionen: angeregt – weiterdenken. Ehrencolloquium zum 80. Geburtstag von Hellmut K. Geißner. Röhrig, St. Ingbert 2007, ISBN 978-3-86110-427-8, S. 135–173.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edith Slembek (Hrsg.): Miteinander sprechen und handeln. Festschrift für Hellmut Geissner. Scriptor, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-589-20841-4.
  • Henner Barthel (Hrsg.): Logon didonai. Gespräch und Verantwortung. Festschrift für Hellmut Geissner. Ernst Reinhardt, München/Basel 1996, ISBN 3-497-01394-3.
  • Wilfried Kürschner: Linguisten-Handbuch. Biographische und bibliographische Daten deutschsprachiger Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler der Gegenwart. Band 1, Gunter Narr Verlag, Tübingen 1994, ISBN 3-8233-5000-5, S. 265–267.
  • Madeleine Hofer/Waltraud Ziegler (Hrsg.): Denken im Gespräch. „Sinn ist nicht, Sinn geschieht“. Festschrift für Hellmut K. Geißner. Röhrig, St. Ingbert 2001, ISBN 3-86110-288-9.
  • Akademie für Gesprochenes Wort/Thomas Kopfermann (Hrsg.): Das Phänomen Stimme. Imitation und Identität. Hellmut K. Geissner zum 80. Geburtstag. Röhrig, St. Ingbert 2006, ISBN 3-86110-409-1.
  • Edith Slembek (Hrsg.): Transzensionen: angeregt – weiterdenken. Ehrencolloquium zum 80. Geburtstag von Hellmut K. Geißner. Röhrig, St. Ingbert 2006, ISBN 978-3-86110-427-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. loss – verlust, Kondolenzbuch der Familie, abgerufen am 26. August 2012.
  2. Vgl. die Kurzdarstellung von Geissners Leben und Werk (PDF; 64 kB)
  3. Vgl. den Aufsatz Die Entwicklung der Sprechwissenschaft (PDF; 61 kB) von Franziska Fuchs.