Helmut Mauró

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Helmut Mauró (* 1969 in München) ist ein deutscher Musikkritiker und Publizist. Seit 1991 schreibt er für die Süddeutsche Zeitung. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er 2020 durch eine als antisemitisch empfundene Rezension über den jüdischen Pianisten Igor Levit bekannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mauró studierte am Münchner Musikseminar und an der Ludwig-Maximilians-Universität München Musikwissenschaft, Neuere Deutsche Literatur, Linguistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft. Seit 1991 schreibt er als Musikkritiker für die Süddeutsche Zeitung.

Kontroverse nach Kritik an Igor Levit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mauró warf dem in Russland geborenen jüdischen Pianisten Igor Levit 2019 in einer SZ-Konzertrezension vor, dass seine Musikalität nur „erarbeitet“, „aufgesagt“ und „vorgespielt“ sei. Christiane Peitz, Kultur-Redakteurin beim Tagesspiegel, sah darin Parallelen zu den antisemitischen Angriffen Richard Wagners auf Felix Mendelssohn Bartholdy.[1]

Im Zusammenhang mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Levit für sein öffentliches Eintreten gegen Antisemitismus veröffentlichte Mauró am 16. Oktober 2020 in der SZ einen Artikel unter der Überschrift „Igor Levit ist müde“, in dem er behauptete, dieser habe neben seiner Aktivitäten auf Twitter keine Leistungen erbracht, die die Auszeichnung rechtfertigen würden. Auf Twitter sei er hingegen „Virtuose“. Dort habe sich „ein etwas diffuses Weltgericht etabliert, deren (sic!) [...] Urteile [...] auch auf Opferanspruchsideologie beruhen“ würden und wo es ein „opfermoralisch begründbares Recht auf Hass und Verleumdung“ gebe. Zudem wertete er Levits Einspielung der Klaviersonaten Beethovens als „unerheblich“ ein und schätzte den russischen Pianisten Daniil Trifonow als überlegen.[2]

Levit bezeichnete Maurós Aussage als „unzweideutig antisemitisch konnotiert“. Laut Levit hatte SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach zunächst betont, hinter Maurós Beitrag zu stehen.[3] Dieser erregte jedoch öffentlich starken Widerspruch: So bezeichnete es Bernhard Neuhoff, Klassik-Redaktionsleiter beim Bayerischen Rundfunk, als klassische „Opfer-Täter-Umkehr“, dass es als „ideologisch und verleumderisch bezeichnet wird, wenn sich ein Jude darüber aufregt, dass Juden in Deutschland mit dem Tod bedroht werden“.[4] Johannes Schneider wies in dem Kontext in der Zeit darauf hin, dass die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bereits zuvor öffentlich beschuldigt hatte, mit der Auszeichnung Levits „die Spaltung in unserem Land zu vertiefen“.[5]

Am 20. Oktober veröffentlichten Krach und die Co-Chefredakteurin Judith Wittwer eine Stellungnahme in eigener Sache und baten Levit und die Leser um Entschuldigung dafür, dass manche den Text als antisemitisch empfanden und etliche, darunter auch Levit, ihn als Künstler und Menschen herabgewürdigt sahen.[6][7][8] Carolin Emcke kritisierte Maurós Beitrag vom 16. Oktober ebenfalls, sprach von „klassisch antisemitische(n)“ Zuschreibungen und Klischees und bezeichnete den Text als „krawallige Polemik“. Indem Mauró den Pianisten mit der gelobten „Gegenfigur“ Daniil Trifonow vergleiche und ihm „theatralisch vorgetragenes Pathos“ vorwerfe, spreche er ihm „echte“ Emotionen und „echte“ Kunst ab, ein Topos aus dem Repertoire des Wagnerschen Antisemitismus. Die Wendung „Opferanspruchsideologie“ sei mit dem „Vokabular des rechtsradikalen Diskurses“ verwandt, „der den angeblichen Schuldkult ... nicht-jüdische(r)“ Deutscher anprangere.[9] Der jüdische Schriftsteller Maxim Biller bezeichnete Maurós Artikel in einer Zeit-Kolumne als „so antisemitisch [...] wie die dunkelrote Nachmittagssonne“.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christiane Peitz: Was die Fälle Maron und Levit verbindet. In: Der Tagesspiegel. 21. Oktober 2020, abgerufen am 21. Oktober 2020.
  2. Helmut Mauró: Igor Levit ist müde. In: Süddeutsche Zeitung. 16. Oktober 2020, abgerufen am 21. Oktober 2020.
  3. René Gröger: Kritik an der Kritik. In: Bayerischer Rundfunk. 18. Oktober 2020, abgerufen am 21. Oktober 2020.
  4. Bernhard Neuhoff: So unterirdisch kann «Musikkritik» sein. In: Bayerischer Rundfunk. 16. Oktober 2020, abgerufen am 21. Oktober 2020.
  5. Auf der falschen Klaviatur. In: Die Zeit. 16. Oktober 2020, abgerufen am 21. Oktober 2020.
  6. Wolfgang Krach, Judith Wittwer: In eigener Sache: Chefredaktion bittet Igor Levit und SZ-Leser um Entschuldigung. In: sueddeutsche.de. 20. Oktober 2020, abgerufen am 23. Oktober 2020.
  7. »Süddeutsche Zeitung« entschuldigt sich. In: Jüdische Allgemeine. 21. Oktober 2020, abgerufen am 21. Oktober 2020.
  8. *Jan Brachmann: SZ und Igor Levit. Der Druck der Masse faz.net, 21. Oktober 2020, abgerufen am 22. Oktober 2020
  9. Carolin Emcke: Ich bin auch müde. In: Süddeutsche Zeitung. 21. Oktober 2020, abgerufen am 26. Oktober 2020.
  10. Maxim Biller: „Zwei Freunde im Park. Warum der Pianist Igor Levit und ich lieber diskutieren als streiten“, Die Zeit 48, 19. November 2020, S. 55.