Helmut Motekat

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Helmut Motekat

Helmut Motekat (* 6. Oktober 1919 in Wietzischken, Ostpreußen; † 16. Juli 1996 in Vaterstetten, Oberbayern) war ein deutscher Germanist und Literaturhistoriker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kreis Elchniederung besuchte Motekat die Volksschule in Neusorge (Kirchspiel Heinrichswalde) und die Höhere Schule in Kaukehmen. Nachdem er 1938 am Tilsiter Realgymnasium das Abitur bestanden hatte, wurde er zur Luftwaffe (Wehrmacht) eingezogen, wegen einer schweren Verwundung aber schon 1940 entlassen.[1]

An der Albertus-Universität Königsberg studierte er Germanistik, Anglistik, Geschichte, Volkskunde und Philosophie. Als Studentenführer der Kameradschaft „Hermann von Salza“ besuchte er am 31. Januar 1942 einen Kameradschaftsabend der Luftwaffenkompanie. Dabei stieß er auf Angehörige der freien Verbindung Daidalia, die seit Dezember 1941 im Geheimen bestand. Bei ihr wurde er aktiv.[2] Motekats fertiggestellte Doktorarbeit verbrannte 1944 beim zweiten der britischen Luftangriffe auf Königsberg. In der Schlacht um Königsberg floh Motekat 1945 nach Göttingen. Die Doktorarbeit konnte rekonstruiert und 1946 an der Georg-August-Universität mit der Promotion zum Dr. phil. abgeschlossen werden.[3] Da ihr Lehrstuhl für Volkskunde vakant war, beauftragte die philosophische Fakultät 1946 Walther Ziesemer mit dem Rigorosum in Marburg.

Anschließend war Motekat zwei Jahre Lektor für deutsche Sprache und Literatur am College of the Rhine Army. 1947 gehörte er zu den Gründern des Göttinger Arbeitskreises. Zwei weitere Jahre verbrachte er als wissenschaftlicher Assistent am Seminar für Deutsche Philologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort habilitierte er sich für Neuere deutsche Literaturgeschichte. Gleichzeitig zum Privatdozenten ernannt, erhielt er 1957 die Professur für dieses Fach in München.[1] 1958 folgte er der ersten Einladung in die USA, um am II. Internationalen Kongress für Vergleichende Literaturgeschichte an der University of North Carolina at Chapel Hill teilzunehmen. 1959 hielt er Gastvorlesungen an den vier Universitäten Schottlands. 1960 war er als Carl-Schurz-Professor an 19 Universitäten der USA. 1963 bereiste er alle Universitäten Kanadas. 1969 besuchte er Kongresse und Universitäten in Argentinien, Chile, Brasilien und Venezuela. 1974 folgten polnische und 1980 schließlich sechs neuseeländische Universitäten (German National Fellow).[1]

Er befasste sich eingehend mit Albert Dulk, Max Halbe, Arno Holz, Alexander Jung, Hermann Löns, Albrecht Schaeffer, Ernst Wiechert und Walther Ziesemer. Motekat war Mitglied (1949) und wissenschaftlicher Beirat (1975) der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung. Er arbeitete an den Königsberger Burschenschafterlisten.[4][5] Von 1982 bis 1994 war er Gründungsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für ost- und westpreußische Landeskunde an der LMU. Er starb mit 76 Jahren an seinem letzten Wohnsitz Vaterstetten.[6]

Gastprofessuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Experiment und Tradition: vom Wesen der Dichtung im 20. Jahrhundert. Athenäum, Frankfurt am Main 1962
  • Ostpreußische Literaturgeschichte mit Danzig und Westpreußen (1230–1945). Schild-Verlag München 1977, 2001, ISBN 978-3-88014-053-0
  • Das zeitgenössische deutsche Drama: Einführung und kritische Analyse. Kohlhammer, Stuttgart 1977
  • Die Albertus-Universität zu Königsberg in Preußen. Auftrag und Bewährung über 400 Jahre, 1984
  • Der Dichter und die Zeit. Verantwortete Zeitgenossenschaft, Köllen, Alfter-Oedekoven 1987, ISBN 3-88579-023-8

Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedschaften und Ehrenämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Grohnert: Ehrt Eure Deutschen Meister! Zu Helmut Motekats „Ostpreußischer Literaturgeschichte nebst Danzig und Westpreußen“. Burschenschaftliche Blätter 92/7 (1977), S. 182–184.
  • Renate Knoll: Helmut Motekat. 6. Oktober 1919 – 16. Juli 1996. Jahrbuch Preußenland, Bd. 35 (1997), 50–53.
  • Leo Koslowski: Helmut Motekat – Bewahrer der ostpreußischen Literatur. Burschenschaftliche Blätter, Bd. 112 (1997), S. 30–33.
  • Harald Lönnecker: „Das Thema war und blieb ohne Parallel-Erscheinung in der deutschen Geschichtsforschung“ – Die Burschenschaftliche Historische Kommission (BHK) und die Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung e. V. (GfbG) (1898/1909–2009). Eine Personen-, Institutions- und Wissenschaftsgeschichte (Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im 19. und 20. Jahrhundert, Bd. 18). Heidelberg 2009, S. 377.
  • Maximilian Rankl: Professor Dr. Helmut Motekat. Schlaglichter auf Leben und Werk des bisherigen Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft für ost- und westpreußische Landeskunde der Universität München. Der Westpreusse, Bd. 47 H. 10 (1995), S. 4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Kulturportal West-Ost
  2. Andreas Mildahn: Die Königsberger Studentenverbindungen. Einst und Jetzt, Bd. 62 (2017)
  3. Dissertation: Das geistige Antlitz Königsbergs in der Biedermeierzeit.
  4. H. Motekat: Die Königsberger Bürgerschaft und ihre Universität um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Burschenschaftliche Blätter 92/2 (1977), S. 39–45.
  5. H. Motekat: „Meiner Heimat Gesicht“ – Ernst Wiechert, in: Burschenschaftliche Blätter 109/2 (1994), S. 60–64.
  6. Mitteilung Peter Wörster
  7. Mitteilung Bundespräsidialamt