Helmuth Groscurth

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Helmuth Groscurth 1941 als Oberstleutnant

Helmuth Groscurth (* 16. Dezember 1898 in Lüdenscheid; † 7. April 1943 in sowjetischer Gefangenschaft) war ein Offizier der Wehrmacht und aktiver Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Groscurth war ein Sohn von Reinhard Groscurth (1866–1949), der seit 1902 Pastor prim. an der Kirche Unserer lieben Frauen in Bremen war. Groscurth wuchs in Bremen auf. Er nahm als Kriegsfreiwilliger seit 1916 am Ersten Weltkrieg teil und wurde nach dem Krieg in die Reichswehr übernommen. Von 1935 bis 1938 war er in der Abwehrabteilung / Amt Ausland-Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht, 1939 und 1940 als Chef der Abteilung Heerwesen im Oberkommando des Heeres im Range eines Oberstleutnants i. G. tätig. 1940 nahm er als Kommandeur eines Infanterie-Bataillons am Frankreich-Feldzug teil.

1940 und 1941 war er Erster Generalstabsoffizier der 295. Infanterie-Division. Im August 1941 berichtete er dem Chef des Generalstabes der Heeresgruppe Süd, General von Sodenstern, über die Vorgänge in Bjelaja Zerkow.[1] Dabei gelang es Groscurth zunächst die Ermordung jüdischer Waisenkinder durch die Einsatzgruppe C zu verhindern, indem er bei Generalfeldmarschall Walter von Reichenau unter Umgehung des Dienstweges Protest gegen die geplante Form der Ermordung einlegte. Obwohl er damit seinen Vorgesetzten ein Eingreifen ermöglichte, erklärte sich die Heeresgruppe Süd für nicht zuständig, während Reichenau die Ermordung gar billigte. Bei der Besprechung am 21. August 1941 in der Feldkommandatur in Bjelaja Zerkow stand Groscurth einer geschlossenen Ablehnung von Wehrmachts- und SS-Offizieren gegenüber, die wie Feldkommandant Riedl „die Ausrottung der jüdischen Frauen und Kinder für dringend erforderlich“ hielten oder wie der SS-Standartenführer und Führer des SS-Sonderkommandos 4a Paul Blobel drohte, „Kommandeure, die die Maßnahmen aufhielten, [sollten] selbst das Kommando dieser [Exekutions-]Truppe übernehmen“. Groscurth wurde daraufhin gemaßregelt.[2] 1943 geriet Groscurth als Oberst i. G. und Chef des Generalstabs des XI. Armeekorps der 6. Armee in der Schlacht von Stalingrad in sowjetische Kriegsgefangenschaft, in der er kurz darauf verstarb.

Nach dem Krieg wurden mit seinem Tagebuch Einzelheiten der Septemberverschwörung bekannt. Mit Hasso von Etzdorf und Erich Kordt verfasste Groscurth im Oktober 1939 die geheime Denkschrift Das drohende Unheil, eine Aufforderung an die militärische Führung, „Hitler ‚rechtzeitig‘ zu stürzen, da die üblichen ‚Argumente, Proteste oder Rücktrittserklärungen der militärischen Führung allein […] erfahrungsgemäß weder ein Einlenken noch Nachgeben [Hitlers, G.U.] bewirken‘ würden […]“.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bericht Groscurths vom 21.8.1941 für den Chef des Generalstabes der Heeresgruppe Süd, General Georg von Sodenstern, über die Vorgänge in Belaja Zerkow am 20.8.1941. In: Fluchschrift.
  2. Bernd Boll / Hans Safrian: Auf dem Weg nach Stalingrad. Die 6. Armee 1941/42. In: Hannes Heer / Klaus Naumann (Hg.): Vernichtungskrieg: Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944. Hamburger Edition, Hamburg, 2. Aufl. 1995, ISBN 3-930908-04-2, S. 260–296, hier S. 275–278 (Zitat, S. 277); Timm C. Richter: Handlungsspielräume am Beispiel der 6. Armee. In: Christian Hartmann, Johannes Hürter u. Ulrike Jureit (Hrsg.): Verbrechen der Wehrmacht. Beck, München 2005, ISBN 3-406-52802-3, S. 60–68, hier S. 64; Hans Mommsen: Alternative zu Hitler. Studien zur Geschichte des deutschen Widerstandes. Beck, München 2000, ISBN 3-406-45913-7, S. 402. Abdruck der Meldung Groscurths an von Reichenau in VEJ 7/62.
  3. Gerd R. Ueberschär: Auf dem Weg zum 20. Juli 1944. Bundeszentrale für politische Bildung, 9. April 2005; das Kürzel „G.U.“ steht für den Verfasser Gerd R. Ueberschär.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmuth Groscurth: Tagebücher eines Abwehroffiziers 1938–1940. Mit weiteren Dokumenten zur Militäropposition gegen Hitler. Hrsg. von Helmut Krausnick und Harold C. Deutsch (= Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte; Bd. 19). DVA, Stuttgart 1970.
  • Helmuth Groscurth [Jr.]: Christ, Patriot, Soldat. Aus Herkunft und Leben eines deutschen Offiziers. In: Militärgeschichte. Neue Folge 1, 1991, S. 15 ff. ISSN 0932-0458, ISSN 0940-4163.