Herbert Nitsch

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Herbert Nitsch (* 20. April 1970 in Wien) ist ein österreichischer Apnoetaucher, der zu den erfolgreichsten Freitauchern der Welt gezählt wird. Während seiner Karriere stellte er 32 Weltrekorde in allen acht international anerkannten Apnoedisziplinen auf. 2012 verunfallte er bei einem Rekordversuch schwer.

Der ehemalige Berufspilot ist der erste Mensch, der ausschließlich mit eigener Kraft (Tieftauchen mit konstantem Gewicht) über 100 Meter tief tauchte und der die 200-m-Tiefenmarke mit 214 Metern offiziell durchbrach (Tieftauch-Disziplin No Limit).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herbert Nitsch, 2012

Ende der 1990er Jahre fand Nitsch mit 29 Jahren[1] zufällig zum Freitauchen, als seine Tauchausrüstung bei der Anreise zu einer Tauchsafari verloren ging. In der Folge ging er schnorcheln statt Gerätetauchen und entdeckte dabei das Apnoetauchen für sich. Nitsch war 15 Jahre lang Flugkapitän bei Austrian Airlines.[2]

Am 6. Juni 2012 hatte Nitsch einen Tauchunfall bei dem Versuch vor der griechischen Insel Santorin seinen eigenen Weltrekord von 214 Metern Tiefe (No Limits) zu überbieten.[3] Beim Auftauchvorgang aus 253 Metern Tiefe[4] war er aufgrund eines Tiefenrauschs in etwa 80 Metern Tiefe eingeschlafen und in 24 Meter Tiefe wieder aufgewacht[5] und wurde von den Sicherungstauchern ohne den geplanten Dekompressionsstopp schnell an die Wasseroberfläche gebracht. Nitsch musste notärztlich versorgt und in eine Klinik nach Athen geflogen werden, wo er in einer Dekompressionskammer stabilisiert wurde. Er erlitt eine schwere Dekompressionskrankheit (DCS-Typ 2) und mehrere Schlaganfälle. Nitsch lag im Koma; anschließend verbrachte er mehrere Monate in Rehabilitationskliniken und saß im Rollstuhl. Ein Jahr nach dem Unfall war die rechte Körperhälfte weiterhin beeinträchtigt und die Sprache gestört (Aphasie).[6] Die Zeit nach dem Unfall und sein mühsamer Genesungsweg wurden verfilmt (Zurück aus der Tiefe, 2013). Seit 2014 taucht er wieder.[7]

Im Dezember 2013 trat Nitsch dem Beratergremium der Sea Shepherd Conservation Society bei, dem Ocean Advocacy Advisory Board (‚Beirat für Meeresinteressen‘).[8]

Am 27. August 2019 wurde ein Asteroid nach ihm benannt: (295471) Herbertnitsch.

Weltrekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nitsch stellte zwischen 2001 und 2010 insgesamt 32 vom Weltverband AIDA International anerkannte Weltrekorde auf. Sein im Jahr 2007 mit 214 Metern Tiefe in der Disziplin No Limit aufgestellter Weltrekord wurde bislang nicht gebrochen.

Der 33. Weltrekord, den er 2012 am Tage seines Unfalls mit dem Erreichen von 249,5 Metern Tiefe in der Disziplin No Limit aufstellte, wurde aufgrund der von Sicherungstauchern benötigten Hilfe beim Aufstieg nicht offiziell anerkannt.

Disziplin Rekordtiefe/-zeit Datum Ort Bemerkungen
Streckentauchen ohne Flossen (Dynamic Without Fins, DNF) 134 m 24.11.2001 DeutschlandDeutschland Wiesbaden am 2. Juli 2016 von Mateusz Malina übertroffen: 244 m
Streckentauchen mit Flossen (Dynamic With Fins, DYN) 183 m 11.11.2002 DeutschlandDeutschland Berlin am 3. Juli 2016 von Giorgos Panagiotakis und Mateusz Malina übertroffen: 300 m
Zeittauchen (Static Apnea, STA) 9:04 min 12.12.2006 AgyptenÄgypten Hurghada am 8. Juni 2009 von Stéphane Mifsud übertroffen: 11:35 min
Tieftauchen mit variablem Gewicht und beliebigen Hilfsmitteln (No Limit, NLT) 214 m 14.07.2007 GriechenlandGriechenland Spetses
Tieftauchen mit konstantem Gewicht ohne Flossen (Constant Weight Without Fins, CNF) 083 m 19.10.2007 AgyptenÄgypten Dahab am 2. Mai 2017 von Alexei Moltschanow übertroffen: 102 m
Tieftauchen mit variablem Gewicht (Variable Weight, VWT) 142 m 07.12.2009 BahamasBahamas Dean’s Blue Hole am 1. Nov. 2015 von Stavros Kastrinakis übertroffen: 146 m
Tieftauchen mit konstantem Gewicht (Constant Weight, CWT) 124 m 22.04.2010 BahamasBahamas Dean’s Blue Hole

am 2. Mai 2017 von Alexei Moltschanow übertroffen: 129 m

Tieftauchen mit konstantem Gewicht unter Zuhilfenahme eines Seils (Free Immersion, FIM) 120 m 25.04.2010 BahamasBahamas Dean’s Blue Hole am 2. Mai 2016 von William Trubridge übertroffen: 124 m

Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert Nitsch: Zurück aus der Tiefe. Dokumentarfilm, Österreich 2013, 53 Min., Buch: Christian May, Produktion: Red Bull Media House, medifilm, Mario Hann Filmproduktion, ServusTV, Erstausstrahlung: 6. Juni 2013 bei ServusTV, 2014 auf DVD und Blu-ray veröffentlicht (Maritim Pictures).[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sebastian Riemer: Mit einem Atemzug tauchte Herbert Nitsch 253 Meter tief – Weltrekord! In: Rhein-Neckar-Zeitung, 17. September 2016, abgerufen am 6. Januar 2018.
  2. Simon Ribnitzky: Dem Tod entkommen – das zweite Leben des besten Freitauchers der Welt. In: stern.de, 2. Juli 2015, abgerufen am 6. Januar 2018.
  3. Melanie Haack: „Ich war so nah am Tod, wie du nur sein kannst“. In: welt.de, 10. Juni 2013, abgerufen am 6. Januar 2018.
  4. Sebastian Riemer: Mit einem Atemzug tauchte Herbert Nitsch 253 Meter tief – Weltrekord! In: Rhein-Neckar-Zeitung, 17. September 2016, abgerufen 6. Januar 2018.
  5. Philip Bauer: Herbert Nitsch: Zurück in der Tiefe In: DerStandard.at, 18. April 2017, abgerufen 18. April 2018.
  6. Marlen Benen, Kurt Unterbach: Mehrere Schlaganfälle beim Rekordversuch. In: Rheinische Post, 8. Juni 2013, abgerufen am 6. Januar 2018.
  7. The Deepest Man on Earth. In: rehatreff.de, 13. Juni 2014, abgerufen am 6. Januar 2018.
  8. Der Freitaucher und Weltrekordhalter Herbert Nitsch tritt dem Beratergremium bei. Sea Shepherd Deutschland e. V., abgerufen am 27. August 2014.
  9. Herbert Nitsch: Zurück aus der Tiefe in der Internet Movie Database (englisch), abgerufen am 6. Januar 2018.
    Svenja Binder: Film-Trailer: Herbert Nitsch – Zurück aus der Tiefe. In: outdoor-magazin.com, 14. März 2014, abgerufen am 6. Januar 2018.