Hurghada

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الغردقة
Hurghada
Hurghada (Ägypten)
Red pog.svg
Koordinaten 27° 13′ N, 33° 50′ OKoordinaten: 27° 13′ N, 33° 50′ O
Basisdaten
Staat Ägypten

Gouvernement

al-Bahr al-ahmar
Einwohner 160.901 (11. November 2006)
Luftbild Hurghadas
Luftbild Hurghadas
Hurghada: Fußgängerzone bei Nacht
Aldahaar Moschee in Hurghada
Basar in der Altstadt von Hurghada

Hurghada (arabisch: الغردقة, hocharabisch: al-ġurdaqa, im lokalen Dialekt: il-ġurdaga, im Kairoer Dialekt/Standarddialekt: Aussprache: [el ɣæɾˈdæʔæ]) ist das größte ägyptische Tourismuszentrum am Roten Meer. Hurghada hat etwa 160.000 Einwohner, davon etwa 10.000 ohne legale Aufenthaltspapiere, meist aus den Nilstädten.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name leitet sich von der Bezeichnung für „Bootssteg“ ab. Einen Hafen gab es hier früher nicht. Hurghada wird seit den 1980er Jahren von amerikanischen, europäischen und arabischen Investoren zum mit Abstand führenden Badeort am Roten Meer ausgebaut. Den größten Touristenanteil stellen Besucher aus Deutschland, England, Russland und den ehemaligen Sowjetrepubliken. Hurghada hat sich dabei zu einem Urlaubsort entwickelt, der sich entlang der Küste erstreckt. Viele weitläufige Tourismusanlagen und neue Mehrfamilienhäuser lehnen sich an orientalische Stilrichtungen an. Nahe der Stadt befindet sich der internationale Flughafen Hurghada.

Die Küsten-Agglomeration von Hurghada, die sich über gut 30 km hinzieht, besteht aus:

  • im Norden Al Ahiaa, mit vielen im Bau befindlichen Hotels.
  • südlich anschließend der ursprüngliche Ortskern ad-Dahar (Downtown), anfänglich ein Verwaltungsort für die Erdölfelder im Golf von Suez, wo aktuell noch das typisch ägyptische Leben beobachtet werden kann.
  • das südlich davon gelegene Touristengebiet as-Siqala (die meist konsequent verwendete Wegweiserbeschriftung ist El Sekalla), mit vielen Hotels, Restaurants und Geschäften.
  • die sich entlang der Küste daran kettenförmig anschließenden und weit nach Süden erstreckenden Areale der Pauschal- und Luxushotels.

Das hohe Touristenaufkommen übertrifft die einheimische Bevölkerung nicht nur in der Hauptsaison um ein Vielfaches. Dennoch hat sich durch die muslimische Kultur und die dadurch bedingte eher zögerliche Vergabe von Alkohollizenzen an der breiten Strandpromenade Sheraton Road in as-Siqala und in der verkehrsberuhigten Zone in ad-Dahar kein ausgeprägtes Nachtleben ausgebildet. Hurghada ist der erste Ort in Ägypten mit einem alkoholfreien Hotel.[1]

In Hurghada und Umgebung liegen sehr unterschiedliche Hotelanlagen. Vor allem werden Wassersportmöglichkeiten für Taucher, Schnorchler, Windsurfer, Segler und Hochseeangler an 20 km Stränden mit weißem Sand, die durch Abzäunungen fast nur von den Hotels zugänglich sind, geboten. Am Südende der Hotelmeile findet man ein paar leicht zugängliche Korallenriffe, die besten Stellen liegen jedoch vor der Küste. Allerdings beobachten Wissenschaftler und Umweltschützer schon seit Ende des letzten Jahrhunderts einen starken Rückgang intakter Riffe durch massive Überschreitungen der Verträglichkeitsgrenze bei der Anzahl von Tauchgängen pro Jahr.[2] Zahlreiche Tauchsafari-Touren, die zu den weiter entfernten Riffen im Roten Meer führen, starten und enden im Jacht-Hafen von Hurghada.[3]

Sahl Hasheesh als geplante Region mit Luxus-Resorts befindet sich in der anfänglichen Aufbauphase und erfährt derzeit einen Stillstand. Das Gebiet liegt ca. 20 km südlich vom Flughafen Hurghada und soll mit fünf unterschiedlichen Golfplätzen sowie der Bucht und mit einer über 11 km langen mit Palmen gesäumten Promenade ein luxuriöser Ferienort nicht nur für Golfer werden.

Noch weiter im Süden liegen Makadi Bay, Soma Bay, Safaga (60 km), die Hafenstadt des Osmanischen Reiches al-Qusair (207 km), Marsa Alam (271 km), und Berenike (400 km). Die administrative Grenze zum Sudan ist bei asch-Schalatin (490 km) erreicht, die bilateral umstrittene völkerrechtliche Grenze liegt noch 140 km weiter südlich genau am 22. Breitengrad Nord (siehe dazu Hala’ib-Dreieck). Das Gebiet vor allem nördlich von Marsa Alam wird durch ein staatliches Entwicklungsprogramm gefördert und soll in den nächsten Jahrzehnten Hurghada ablösen.

Im Norden von Hurghada, rund 22 km entfernt, liegt das Urlaubsgebiet El Gouna, ein von zahllosen Lagunen durchzogener, völlig neuer Ferienort. Erst in den 1980er Jahren vom ägyptischen Architekten Samih Sawiris gegründet, wurde El Gouna kontinuierlich ausgebaut, und wo es vorher nur einen sandigen Wüstenstreifen zwischen Meer und Küstenbergen gab, ist heute eine künstliche Kleinstadt aus Hotelanlagen und Apartmentkomplexen entstanden.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hurghada ist klimatisch geprägt durch sehr wenige Niederschläge, lediglich in den milden Wintermonaten gibt es einzelne Regentage. Die Lage am Roten Meer führt dazu, dass die höchsten Werte am Tage und die niedrigsten Werte in der Nacht sehr nahe beieinander liegen, im Schnitt beträgt der Unterschied etwa 5 °C. Im Sommer steigen die Höchstwerte auf über 30 °C, im Winter fallen die Tiefstwerte kaum unter 15 °C.

Hurghada
Klimadiagramm
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10
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Wetter Hurghada, Klimadaten Hurghada,
Klimatabelle Hurghada
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 19 21 24 28 33 35 35 35 32 30 26 21 Ø 28,3
Min. Temperatur (°C) 9 9 11 14 18 20 22 22 20 18 14 10 Ø 15,6
Niederschlag (mm) 4 5 3 1 1 0 0 0 0 1 1 8 Σ 24
Sonnenstunden (h/d) 7,6 8,5 9,4 10,6 11,4 12,8 12,6 12,1 11,1 9,8 8,6 7,6 Ø 10,2
Regentage (d) 3 2 2 0,5 0,5 0 0 0 0 0,5 0,5 3 Σ 12
Wassertemperatur (°C) 22 21 22 23 26 29 30 30 29 26 25 24 Ø 25,6
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Strand in Hurghada

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von der Marina auf die Moschee
Wüstenlandschaft bei Hurghada

Die koptische St.-Schinuda-Vater-der-Eremiten-Kirche im Stadtteil ad-Dahar (7 km nördlich von Hurghada) wurde im Jahre 1922 im britischen Stil erbaut. Sie liegt an der vierspurigen Sulaiman-Mazhar-Straße. Benannt wurde sie nach dem heiligen Atripe, dem „Vater der Eremiten“. Die Kirche wurde Ende 2008 abgerissen und durch einen inzwischen fertiggestellten Neubau ersetzt. An die Kirche ist ein Informationszentrum angeschlossen.

Der Stadtteil Dahar gilt auch als Altstadt von Hurghada. Man erlebt einen lebendigen orientalischen Basar mit typischen Souvenirläden und historischen Gebäuden.

Das St.-Antonius-Kloster wurde im Jahr 356 über der Höhle des heiligen Antonius gegründet. Das St.-Paulus-Kloster steht nach der Überlieferung an der Stelle, wohin sich der Eremit Paulus zur Zeit der römischen Christenverfolgungen zurückzog.

Das kleine Aquarium befindet sich in der Nähe des Hospitals im nördlichen Stadtteil ad-Dahar. Es beheimatet verschiedene Fischarten aus der Region. Neben den lebenden Wassertieren sind auch ausgestopfte Exemplare zu bestaunen.

Die neue Marina (Jachthafen) wurde am 6. Juni 2008 eröffnet und liegt im Stadtteil Sekalla (Höhe Moschee an der Sheraton-Road). Auf 120.000 m² bieten 100 Geschäfte aus den Branchen Gastronomie, Bekleidung und Lebensmittel ihren Waren und Dienstleistungen an. Im Hafen legen auch die Schiffe und Schnellboote nach Sharm el-Sheikh ab.

Ausflugsfahrten mit dem Bus zu den Sehenswürdigkeiten im Niltal (Luxor/Karnak) und nach Kairo werden von allen Hotels und etlichen einheimischen Reisebüros angeboten.

Westlich von Hurghada erstreckt sich die Arabische Wüste. Bei Tagesausflügen hat man die Möglichkeit, auf Sanddünen zu spazieren und Dörfer der Beduinen zu besuchen. Ein Kamelritt steht meist auch auf dem Programm.

Umweltschäden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Kampf um die besten Plätze setzten Investoren Bootsstege und ganze Hotelkomplexe auf die Riffe. Dabei wurden an Hurgadhas Küste über 2 Mio. m² Landfläche (entspricht 200 Fußballfeldern) durch Sandaufschüttungen gewonnen. Dabei erstickte nicht nur die zugeschüttete Meeresfauna und Flora; durch verstärkte Sedimentation und veränderte Strömungsmuster ging auch ein Großteil der angrenzenden Korallenriffe zu Grunde.[2]

Durch die Anker der Tauchtouristenboote, die hohe Anzahl durchgeführter Tauchgänge mit häufig schlecht ausgebildeten Sporttauchern, das Aufwirbeln von Sand, das Abbrechen der Korallen als Souvenirs, und das mangelnde Umweltbewusstsein der einheimischen Bevölkerung haben die Riffe vor Hurghada schweren Schaden genommen. Sie sind auf lange Zeit schwer beschädigt oder gar zerstört. Die wissenschaftlich errechnete Verträglichkeitsgrenze von ca 6000 Tauchgängen pro Jahr und Tauchplatz, bei deren Überschreitung Schäden an den Riffen und der Unterwasserwelt exponentiell zunehmen, wurde bei Hurghada bereits Anfang des 21. Jahrhunderts zum Teil schon innerhalb eines Monats erreicht.[2] Außerdem werden viele Abfälle von den Booten oder Bootsstegen aus direkt in das Meer geworfen. Der Meeresgrund unter den Stegen und Anlegeplätzen ist häufig von Müll bedeckt, von dem Gefahren für Tiere und Menschen ausgehen.[2][4]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2004 findet in Hurghada jährlich ein Billard-Turnier der Carambolageturnierserie des Dreiband-Weltcup statt. Bei diesem Turnier messen sich die weltbesten Spieler in der Disziplin Dreiband. Im Dezember 2012 fand dort das letzte Turnier des Jahres statt. Titelverteidiger war der Schwede Torbjörn Blomdahl, Sieger wurde Frédéric Caudron aus Belgien. Auch 2013 konnte sich die Stadt die Austragung sichern. Traditionell findet das Turnier dann wieder Anfang Dezember statt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hurghada – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ägypten: Erstes alkoholfreies Hotel in Hurghada eröffnet; Die Welt, 30. April 2013
  2. a b c d Invasion der Ignoranten GEENPEACE MAGAZIN 1/02, S.30 ff, 2005 PDF-Datei, Abruf 4. Januar 2016
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatLinus Geschke: Mitten im Blau. Die Brothers zwischen früher und jetzt. In: Sporttaucher. Verband Deutscher Sporttaucher e. V. – VDST und Publikom Z Verlagsgesellschaft GmbH, März/April 2010, S. 6-9, abgerufen am 21. Januar 2014 (PDF in ZIP-Archiv).
  4. Studie zum Zustand der Riffe in der El Quadim-Bucht, El Quseir, Ägypten, Durchgeführt von Reef Check e. V. Oktober 2005 PDF-Datei, Abgerufen am 1. April 2016