Herkules-Hochhaus

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Herkules-Hochhaus
Herkules-Hochhaus
Herkules-Hochhaus
Liste der Hochhäuser in Köln
Basisdaten
Ort: Köln-Neuehrenfeld
Eröffnung: 1972
Status: fertiggestellt
Architekt: Peter Neufert
Nutzung/Rechtliches
Nutzung: Wohn- und Gewerbeeinheiten
Wohnungen: 427
Eigentümer: Streubesitz (WEG)
Hausverwaltung: Kallmeyer & Nagel Vermietungs und Verwaltungs GmbH, Köln
Technische Daten
Höhe: 102,0 m
Etagen: 31
Höhenvergleich
Köln: 9. (Liste)
Deutschland: 64. (Liste)
Anschrift
Stadt: Köln
Land: Deutschland

Das Herkules-Hochhaus liegt im Kölner Stadtteil Neuehrenfeld und ist mit einer Höhe von 102 Metern[1] das neunthöchste Hochhaus der Stadt. Das Gebäude wurde 1972[2] fertiggestellt.

Die Stadt Köln beabsichtigte in den 1960er Jahren nahe der Innenstadt neuen städtischen Wohnraum zu schaffen. Nach dem Vorbild anderer Wohnverdichtungen durch vertikale Anordnung, also Hochhausbauten, wurde der Architekt Peter Neufert beauftragt Kölns erstes „Super-Wohnhaus“ (Eigenwerbung)[3] zu bauen. Neufert baute bis dahin Bürohochhäuser. Das Herkules-Hochhaus blieb sein einziges Wohnprojekt. Das Haus wurde im (umstrittenen) Bauherrenmodell von der Dr. Rüger-Gruppe erstellt.

Das Hochhaus ist mit blauen, roten und orangefarbenen emaillierten Metallblechen[4] verkleidet. Die silbern abgesetzten, dreigeteilten aber zugleich in dreifacher Variation verbauten Fenster folgen einem freien Rhythmus, ein Merkmal der von Neufert formulierten „systemischen Architektur“ [5]. Diese setzte er bei all seinen Hochhausbauten konsequent um:

  • die völlige Beseitigung der üblichen starre Achsenordnung der Fenster
  • die mit strengen und festen Lineaturen gegliederten Fassade (‘Rasteritis‘) wird zugunsten einer Lebendigkeit der Außenfassade aufgelockert
  • im Innenbereich wird so auch eine flexible, funktionsorientierte Raumaufteilung möglich

Die Appartements in den 31 Etagen sind zwischen 24 und 33 Quadratmeter groß, die Wohnungen mit zwei Zimmern 43 Quadratmeter. Zusätzlich hat jede Etage auch zwei größere Wohnungen mit je drei Zimmern, welche ausnahmslos zur Domseite hin liegen. Alle Appartements bilden zusammen 427 Wohneinheiten. Im Haus, das nach der anliegenden Herkulesstraße benannt wurde (siehe auch: Herkulesberg), gibt es einen Pförtner und vier Aufzüge (Fahrt vom Erdgeschoss bis zur 31. Etage dauert ca. eineinhalb Minuten [6]). In der obersten Etage befinden sich ein Schwimmbad und eine Sauna.

Trotz seines bunten Äußeren (Spitzname: Papageienhaus), welches auch als beliebtes Postkartenmotiv dient, blieb das Hochhaus von Anbeginn bei den Kölnern unbeliebt. Eine Architekturzeitschrift hat sich in den ersten Jahren gleich zu der Beurteilung hinreißen lassen: „Die Wohnfabrik schreckt Nachbarn ab“. Der Kölner Verkehrsverein hat an das Haus 2005 die „Saure Zitrone“ vergeben, ein Negativpreis für unansehnliche Architektur zu Ungunsten der Attraktivität des Kölner Tourismus [7]. Und folgerichtig sind die Bewohner eher anspruchslose Mieter aus studentischem und internationalem Umfeld bei hoher Fluktuation.[6]

Am 11. Januar 1979 brach im ersten Stock ein Feuer aus, welches durch eine Kerze ausgelöst wurde. Bei der Benutzung des Aufzugs starb ein junger Mann, ein weiterer wurde durch einen Sprung aus dem achten Stock verletzt [8].

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Herkules-Hochhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Herkules-Hochhaus bei CTBUH
  2. Werner Schäfke (Hg.): Das neue Köln 1945–1995 Köln 1995, ISBN 3-927396-62-1, S. 199
  3. 5. Juni 1970; Vortrag anlässlich der Baustellendemonstration der Herkules-Hochhäuser der Dr. Rüger-Gruppe Köln
  4. Vgl. Uta Winterhager: Früher war mehr bunt, in: moderneREGIONAL 16, 1 (Januar 2016).
  5. Anka Ghise-Beer: Das Werk des Architekten Peter Neufert. In: Anka Ghise-Beer (Dissertation). Uni Wuppertal, 24. Juli 2001, abgerufen am 21. Oktober 2015 (deutsch). PDF (1,47 MB)
  6. a b Jens Meifert: Im Inneren der Wohnfabrik. In: Rundschau Online. Kölnische Rundschau, 15. August 2010, abgerufen am 21. Oktober 2015 (deutsch).
  7. Christian Deppe: Sauer auf Herkuleshaus. In: Rundschau Online. Kölnische Rundschau, 29. April 2005, abgerufen am 21. Oktober 2015 (deutsch).
  8. Roland Kirbach: Beinahe ein flammendes Inferno. In: Die Zeit. Dönhoff/Schmidt/Joffe, 19. Januar 1979, abgerufen am 8. Dezember 2015 (deutsch).

Koordinaten: 50° 57′ 1″ N, 6° 56′ 1″ O