Herman Daly

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Herman Daly (Herman Edward Daly; * 1938) ist ein US-amerikanischer Professor an der School of Public Policy der University of Maryland, College Park in den USA.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daly war Schüler von Nicholas Georgescu-Roegen. Er war von 1988 bis 1994 Senior Economist im Environment Department der Weltbank, wo er half, politische Richtlinien zu nachhaltiger Entwicklung zu entwerfen. Während seiner dortigen Tätigkeit engagierte er sich auch für Umweltschutzprojekte in Lateinamerika. 1994 trat er zurück.[1][2]

Bevor Daly zur Weltbank ging, war er 20 Jahre lang Alumni-Professor für Wirtschaft an der Louisiana State University. Er ist Mitgründer der International Society for Ecological Economics und der Zeitschrift Ecological Economics, für die er auch als Redakteur arbeitete.

Seine Interessen umfassen wirtschaftliche Entwicklung, Bevölkerung, Ressourcen, ökologisches Wirtschaften, Nachhaltigkeitsmanagement, den Erhalt der Umwelt und die Herausbildung einer „stationären Wirtschaft“ (steady-state economy). Diese vielfältigen Interessen haben Daly zu ebenso vielfältigen Veröffentlichungen veranlasst. Er schrieb mehrere hundert Artikel sowie zahlreiche Bücher, mit denen er unter anderem zwei Linien verfolgte (siehe Veröffentlichungen):

  • In mehrmals (manchmal unter anderen Titeln) neu aufgelegten Sammelbänden vereinte er Essays anderer Autoren zum Grundthema "Stationäre Wirtschaft". Dabei wurden viele Essays beibehalten oder überarbeitet, manche durch andere ersetzt.[3]
  • Entwicklung der Theorie einer Ökologischen Ökonomie als transdisziplinäre Wirtschaftswissenschaft.

Er übte scharfe Kritik an optimistischen Futurologen wie Julian L. Simon, die glauben, dass der technische Fortschritt einen Mangel an natürlichen Rohstoffen stets ausgleichen könne.[4]

Zusammen mit dem Theologen John B. Cobb, Jr. ist er Mitautor des Buches For the Common Good (1989; 1994), wofür er den Grawemeyer Award bekam, der wie in diesem Fall für Ideen bezüglich einer besseren Weltordnung vergeben wird. Sein Lehrbuch zu Ecological Economics gibt er inzwischen mit Joshua Farley (* 1963) heraus.[5]

Daly wurde 1996 ehrenhalber mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet[6] sowie mit dem Heineken Prize for Environmental Science der königlichen Niederländischen Akademie der Künste und Wissenschaften. 1999 erhielt er für sein Umweltengagement den Sophie-Preis.[7] 2002 wurde ihm die Medaille des Präsidenten der Republik Italien für seine Arbeiten zur stationären Wirtschaft (steady-state economy) verliehen.[8] 2008 wählte ihn das kanadische Magazin Adbusters zur Person des Jahres.[9]

Daly hat Managementregeln der Nachhaltigkeit verfasst.[10]

Konzept einer stationären Wirtschaft (steady-state economy)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herman Daly prägte den Begriff des „uneconomic growth“, des unökonomischen Wachstums, dessen Schäden höher sind als die Vorteile.[11][12]

Er entwickelte als Alternative das Konzept der Stationären Wirtschaft (Steady-State Economy), basierend auf John Stuart Mills Beschreibung eines stationären Zustandes und dem aus der Thermodynamik abgeleiteten Konzepts seines Mentors Nicholas Georgescu-Roegen.[13] Bis heute ist er wichtigster Vertreter dieses Modells und ein wichtiger Bezugspunkt der wachstumskritischen Bewegung. Dalys ist zwar Wachstumskritiker, sein Ideal einer stationären Wirtschaft steht aber zwischen dem Wirtschaftswachstum und den radikaleren Forderungen nach einer schrumpfenden Wirtschaft.

Daly vertritt eine marktwirtschaftliche Perspektive, in der der Verbrauch von Material und Energie begrenzt und die Weltbevölkerung stabilisiert wird.[14][15][16][17] Er charakterisiert die Steady-State Economy folgendermaßen[18]:

  • Hauptprinzip: Menschliches Wirtschaften auf ein Maß begrenzen, das innerhalb der Tragfähigkeit der Erde liegt und somit nachhaltig ist. Sobald die Tragfähigkeit der Erde erreicht ist, müssen sowohl Bevölkerungszahl als auch ein durchschnittlicher Lebensstandard (gemessen als Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch) auf einem nachhaltigen Niveau festgelegt werden. Die Frage des Maßstabs (im Sinne des materiellen Durchsatzes der menschlichen Wirtschaft) ist der Dreh- und Angelpunkt seiner Theorie.
  • Technologischer Fortschritt soll die materielle Effizienz anstelle des materiellen Durchsatzes erhöhen. Den dazu notwendigen technologischen Wandel würde man über eine Begrenzung des Ressourcenverbrauchs erreichen.
  • Erneuerbare Ressourcen dürfen nur in dem Maße verwendet werden, wie sie sich erneuern können. Das betrifft sowohl Entnahme (Landwirtschaft, Jagd, Fischerei etc.) als auch Abfallemissionen.
  • Nichterneuerbare Ressourcen dürfen nur in dem Maße weiter ausgebeutet werden, wie erneuerbare Alternativen geschaffen werden.

Dalys Ansatz ist prinzipiell marktorientiert, was die Allokation betrifft, allerdings müssen zuvor grundsätzliche politische Fragen geklärt sein: Die des Maßstabs und die der Verteilung.[19] Für diese beiden gilt: Erst den Maßstab bestimmen, denn dadurch werden in der Regel bisher freie Ressourcen knappe ökonomische Güter. Damit stellt sich aber die Eigentumsfrage, also eine Verteilungsfrage.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine scharfe Kritik an Dalys stationärer Wirtschaft kam von seinem Mentor Georgescu-Roegen. Nach dessen Ansicht kann es nur einen Zustand der Schrumpfung geben und keine stationäre Wirtschaft.[13] Es sei physisch unmöglich, einen stationären Zustand aufrecht zu erhalten und dieser zudem zynisch gegenüber jenen Ländern, die dadurch in wirtschaftlicher Benachteiligung und Armut blieben. Hingegen könnte der Lebensstandard der Industrieländer in Zukunft nicht garantiert werden.[17] Georgescu-Roegens Kritik fand Zustimmung bei Wachstumskritikern wie beispielsweise André Gorz, der in seinem Buch Ecology and Freedom schreibt, dass auch bei einem Nullwachstum endliche Ressourcen weiterhin extrahiert werden müssen und diese letztendlich vollkommen erschöpft würden.[20] Wissenschaftler wie Christian Kerschner werfen die Frage nach dem Endpunkt eines solchen von Georgescu-Roegen geforderten Wachstumsrückgangs auf und stellen die Frage, ob sich die Konzepte von Georgescu-Roegen und Daly möglicherweise auch kombinieren lassen.[13]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sammelbände als Herausgeber:

  • Toward a Steady-State Economy W. H. Freeman and Company, 1973
  • Economics, Ecology, Ethics. Essays Toward a Steady-State Economy 1980
  • mit Kenneth N. Townsend: Valuing the Earth: Economics, Ecology, Ethics MIT Press, 1993

Entwicklung der Theorie einer Ökologischen Ökonomie:

  • Steady-State Economics Island Press, 1977 (Kap. 5: A Catechism of Growth Fallacies), 2. Auflage 1991
  • Beyond growth. The economics of sustainable development Beacon Press, 1996
    • Deutsch unter dem Titel: Wirtschaft jenseits von Wachstum. Die Volkswirtschaftslehre nachhaltiger Entwicklung. Pustet, Salzburg/München 1999, ISBN 3-7025-0375-7
  • mit Joshua Farley: Ecological economics (universitäres Lehrbuch) Island Press, 2004, 2. Auflage 2011

Weitere Veröffentlichungen:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Farewell Speech auf der Website The Whirled Bank Group
  2. Lissa Harris: The economic heresy of Herman Daly. In: Grist. 10. April 2003
  3. Vgl. das Vorwort zu Valuing the earth
  4. Herman Daly: Ultimate Confusion. The Economics of Julian Simon. In: Futures. Vol. 17, No. 5, Oktober 1985
  5. Herman E. Daly und Joshua Farley: Ecological economics: principles and applications. Island press, 2011. ISBN 978-1-5972-6991-9.
  6. Right Livelihood Award: 1996 – Herman Daly (Memento des Originals vom 8. Juli 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rightlivelihood.org
  7. The Sophie Foundation: Lecture by Sophie Prize winner Herman Daly. 15. Juni 1999
  8. Laut seinem Lebenslauf in dem Lehrbuch Ecological economics
  9. Adbusters’ Person of the Year (Memento des Originals vom 4. Juni 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.adbusters.org. 17. Dezember 2008
  10. Herman Daly: Big Idea: A Steady-State Economy (Memento des Originals vom 21. Juli 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.adbusters.org. In: Adbusters. 81, 17. Dezember 2008 (deutsche Übersetzung von Peter Marwitz)
  11. Herman Daly: Uneconomic Growth in Theory and in Fact. The First Annual Feasta Lecture. Trinity College, Dublin, 26. April 1999.
  12. Uneconomic growth occurs when increases in production come at an expense in resources and well-being that is worth more than the items made.“ Herman E. Daly: Economics in a Full World. In: Scientific American. September 2005, S. 100–107, steadystate.org (PDF; 1,15 MB)
  13. a b c Kerschner, Christian (2010): Economic de-growth vs. steady-state economy. In: Journal of Cleaner Production 18 (6), S. 544–551.
  14. Daly, Herman E. (1974): Steady-state economics versus growthmania: A critique of the orthodox conceptions of growth, wants, scarcity, and efficiency. In: Policy Sciences (5), S. 149–167.
  15. Daly, Herman E. (1991): Steady-State Economics: Second Edition With New Essays. Washington, D.C.: Island Press.
  16. Herman E. Daly: Beyond Growth - The Economics of Sustainable Development. 1997, ISBN 0-8070-4709-0.
  17. a b Borowy, Iris & Schmelzer, Matthias (2017): History of the Future of Economic Growth: Historical Roots of Current Debates on Sustainable Degrowth. London: Routledge.
  18. Herman E. Daly: Steady state economics Island Press 2. Aufl. 1991, S. 256
  19. Herman E. Daly und Joshua Farley: Ecological Economics - Principles and Applications, Island Press 2. Aufl. 2011, S. 417
  20. Giacomo D'Alisa, Federico Demaria, Giorgios Kallis (Hrsg.): Degrowth: Handbuch für eine neue Ära. oekom, München 2016, ISBN 978-3-86581-982-6 (Originaltitel: Degrowth: A Vocabulary for a New Era. New York and London 2015.).
  21. Leontief Prize for Advancing the Frontiers of Economic Thought. ase.tufts.edu, abgerufen am 12. Oktober 2015 (englisch).