Herman Daly

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Herman Daly (Herman Edward Daly; * 1938) ist ein US-amerikanischer Professor an der School of Public Policy der University of Maryland, College Park in den USA.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Er war von 1988 bis 1994 Senior Economist im Environment Department der Weltbank, wo er half, politische Richtlinien zu nachhaltiger Entwicklung zu entwerfen. Während seiner dortigen Tätigkeit engagierte er sich auch für Umweltschutzprojekte in Lateinamerika. 1994 trat er zurück.[1][2]

Bevor Daly zur Weltbank ging, war er 20 Jahre lang Alumni-Professor für Wirtschaft an der Louisiana State University. Er ist Mitgründer der International Society for Ecological Economics und der Zeitschrift Ecological Economics, für die er auch als Redakteur arbeitete.

Seine Interessen umfassen wirtschaftliche Entwicklung, Bevölkerung, Ressourcen, ökologisches Wirtschaften, Nachhaltigkeitsmanagement, den Erhalt der Umwelt und die Herausbildung einer "stationären Wirtschaft" (steady state economy). Diese vielfältigen Interessen haben Daly zu ebenso vielfältigen Veröffentlichungen veranlasst. Er schrieb mehrere hundert Artikel sowie zahlreiche Bücher, mit denen er unter anderem zwei Linien verfolgte (siehe Veröffentlichungen):

  • In mehrmals (manchmal unter anderen Titeln) neu aufgelegten Sammelbänden vereinte er Essays anderer Autoren zum Grundthema "Stationäre Wirtschaft". Dabei wurden viele Essays beibehalten oder überarbeitet, manche durch andere ersetzt.[3]
  • Entwicklung der Theorie einer Ökologischen Ökonomie als transdisziplinäre Wirtschaftswissenschaft.

Er übte scharfe Kritik an optimistischen Futurologen wie Julian L. Simon, die glauben, dass der technische Fortschritt einen Mangel an natürlichen Rohstoffen stets ausgleichen könne.[4]

Zusammen mit dem Theologen John B. Cobb, Jr. ist er Mitautor des Buches For the Common Good (1989; 1994), wofür er den Grawemeyer Award bekam, der wie in diesem Fall für Ideen bezüglich einer besseren Weltordnung vergeben wird.

Daly wurde 1996 ehrenhalber mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet[5] sowie mit dem Heineken Prize for Environmental Science der königlichen Niederländischen Akademie der Künste und Wissenschaften. 1999 erhielt er für sein Umweltengagement den Sophie-Preis.[6] 2002 wurde ihm die Medaille des Präsidenten der Republik Italien für seine Arbeiten zur Gleichgewichtsökonomie verliehen.[7] 2008 wählte ihn das kanadische Magazin Adbusters zur Person des Jahres.[8]

Daly hat Managementregeln der Nachhaltigkeit verfasst.[9]

Dalys Konzept einer stationären Wirtschaft (steady state economy)[Bearbeiten]

Herman Daly ist Begründer und bis heute wichtigster Vertreter eines Modells einer "stationären Wirtschaft". Dieses Ideal einer stationäre Wirtschaft steht theoretisch zwischen dem Wirtschaftswachstum und der schrumpfenden Wirtschaft.

Er charakterisiert Stationäre Wirtschaft folgendermaßen[10]:

  • Hauptprinzip: Menschliches Wirtschaften auf ein Maß begrenzen, das innerhalb der Tragfähigkeit der Erde liegt und somit nachhaltig ist. Sobald die Tragfähigkeit der Erde erreicht ist, müssen sowohl Bevölkerungszahl als auch ein durchschnittlicher Lebensstandard (gemessen als Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch) auf einem nachhaltigen Niveau festgelegt werden. Die Frage des Maßstabs (im Sinne des materiellen Durchsatzes der menschlichen Wirtschaft) ist der Dreh- und Angelpunkt seiner Theorie.
  • Technologischer Fortschritt soll die materielle Effizienz anstelle des materiellen Durchsatzes erhöhen. Den dazu notwendigen technologischen Wandel würde man über eine Begrenzung des Ressourcenverbrauchs erreichen.
  • Erneuerbare Ressourcen dürfen nur in dem Maße verwendet werden, wie sie sich erneuern können. Das betrifft sowohl Entnahme (Landwirtschaft, Jagd, Fischerei etc.) als auch Abfallemissionen.
  • Nichterneuerbare Ressourcen dürfen nur in dem Maße weiter ausgebeutet werden, wie erneuerbare Alternativen geschaffen werden.

Dalys Ansatz ist prinzipiell marktorientiert, was die Allokation betrifft, allerdings müssen zuvor grundsätzliche politische Fragen geklärt sein: Die des Maßstabs und die der Verteilung.[11] Für diese beiden gilt: Erst den Maßstab bestimmen, denn dadurch werden in der Regel bisher freie Ressourcen knappe ökonomische Güter. Damit stellt sich aber die Eigentumsfrage, also eine Verteilungsfrage.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Sammelbände als Herausgeber:

  • Toward a Steady-State Economy W. H. Freeman and Company, 1973
  • Economics, Ecology, Ethics. Essays Toward a Steady-State Economy 1980
  • mit Kenneth N. Townsend: Valuing the Earth: Economics, Ecology, Ethics MIT Press, 1993

Entwicklung der Theorie einer Ökologischen Ökonomie:

  • Steady-State Economics Island Press, 1977 (Kap. 5: A Catechism of Growth Fallacies), 2. Auflage 1991
  • Beyond growth. The economics of sustainable development Beacon Press, 1996
    • Deutsch unter dem Titel: Wirtschaft jenseits von Wachstum. Die Volkswirtschaftslehre nachhaltiger Entwicklung. Pustet, Salzburg/München 1999, ISBN 3-7025-0375-7
  • mit Joshua Farley: Ecological economics (universitäres Lehrbuch) Island Press, 2004, 2. Auflage 2011

Weitere Veröffentlichungen:

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Farewell Speech auf der Website The Whirled Bank Group
  2. Lissa Harris: The economic heresy of Herman Daly. In: Grist. 10. April 2003
  3. Vgl. das Vorwort zu Valuing the earth
  4. Herman Daly: Ultimate Confusion. The Economics of Julian Simon. In: Futures. Vol. 17, No. 5, Oktober 1985
  5. Right Livelihood Award: 1996 – Herman Daly
  6. The Sophie Foundation: Lecture by Sophie Prize winner Herman Daly. 15. Juni 1999
  7. Laut seinem Lebenslauf in dem Lehrbuch Ecological economics
  8. Adbusters’ Person of the Year. 17. Dezember 2008
  9. Herman Daly: Big Idea: A Steady-State Economy. In: Adbusters. 81, 17. Dezember 2008 (deutsche Übersetzung von Peter Marwitz)
  10. Herman E. Daly: Steady state economics Island Press 2. Aufl. 1991, S. 256
  11. Herman E. Daly und Joshua Farley: Ecological Economics - Principles and Applications, Island Press 2. Aufl. 2011, S. 417