Hermann Einstein

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Hermann Einstein

Hermann Einstein (* 30. August 1847 in Buchau, Königreich Württemberg; † 10. Oktober 1902 in Mailand) war ein deutscher Pionier der Elektrotechnik und mittelständischer Unternehmer in München mit 183 Angestellten.[1] Er entstammte einer jüdischen Familie und war der Vater von Albert Einstein.

Leben und Wirken bis 1880[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Einstein wuchs in der jüdischen Gemeinde in Buchau in Oberschwaben auf. Sein Vater Abraham Einstein kam dort als Textilkaufmann mit dem Schwerpunkt Konfektions-Damenmäntel zu Wohlstand. Ende der 1860er Jahre übersiedelte die Familie nach Ulm. Noch von Buchau aus schickte der Vater Hermann Einstein nach Stuttgart, wo er die Realschule mit dem „Einjährigen“ abschloss. Dort machte er auch eine Kaufmannslehre.[2] Um 1870 wurde Hermann Einstein in Ulm Teilhaber der Bettfedernfabrik Israel & Levi (bis zu seinem Umzug von Ulm nach München im Juni 1880).[3] Zunächst lebte er im Haus der Fabrik (Weinhof 19) im ersten Stock bei der verwitweten Mutter Helene Einstein geb. Moos. Das Erbe des Vaters, das auf Wohlstand schließen lässt, ermöglichte den Kauf der Teilhaberschaft und der damit verbundenen Hälfte des Hauses Weinhof 19.[4]

Am 8. Juni 1876 heiratete Hermann Einstein in der Israelitischen Betstätte in Cannstatt die 18-jährige Kaufmannstochter Pauline Koch. Mit ihr bezog er eine Wohnung in Ulm im Haus Münsterplatz 74, einem alten Fachwerkhaus. Ende 1878 zogen beide in einen komfortablen Gründerzeitbau. Am 14. März 1879 kam dort in Ulm im Haus Bahnhofstraße 20 der Sohn Albert Einstein zu Welt.[5] Bis 1880 waren die Einsteins mit dem Ulmer jüdischen Bankier Gustav Maier und dessen Ehefrau Regina geb. Friedlaender eng befreundet.[6]

Leben und Wirken 1880–1894[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Einstein zog im Juni 1880 mit Frau und Kind von Ulm nach München. Dort wurde er Teilhaber der Firma seines jüngeren Bruders, des Ingenieurs Jakob Einstein. Man betrieb ein Geschäft für Wasser- und Gasinstallationen, verlegte sich aber zunehmend auf elektrotechnische Installationen.[7] Hermann Einstein war zusammen mit Jakob Einstein ab 1885 in München Teilhaber der Elektrotechnischen Fabrik J. Einstein & Cie.

Einstein & Cie betrieb eine Fabrik für elektrische Geräte, die sich auf die Erzeugung von Gleichstrom und auf dessen Verwendung für die damals neue elektrische Beleuchtung von Straßen, Wirtshäusern und Bierzelten spezialisiert hatte. Die Fabrik der Einsteins befand sich in der Lindwurmstraße Nr. 127 in München. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört; heute steht dort ein Gebäude der Münchner Volkshochschule.[8] Kapital steuerte Hermann Einsteins Schwiegervater Julius Koch bei, der als verwitweter Privatier von 1885 bis 1894 im Haus der Einstein-Brüder Adlzreiterstr. 14 in München wohnte.[9] Die Einsteins elektrifizierten das Oktoberfest und die Straßen in Schwabing, die zur Salvatorbrauerei führten. Ihre Glühlampen bezogen sie von der AEG. Zu den Kunden zählten unter anderem die Brauerei Pschorr und das Klinikum rechts der Isar. Die Konkurrenzunternehmen wie Siemens & Halske und die AEG spezialisierten sich auf den moderneren Wechselstrom und eroberten zunehmend Marktanteile. Die Einsteins setzten weiterhin auf Gleichstrom. Um einer Insolvenz zuvorzukommen, verlagerten die Einsteins ihr Geschäft 1895 nach Italien.

Leben und Wirken in Italien 1895–1902[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dort errichteten sie zusammen mit dem italienischen Teilhaber Garrone eine elektrotechnische Fabrik in Pavia, die allerdings bereits 1896 in Bankrott ging.[10] Danach betrieb Hermann Einstein allein in Mailand eine elektrotechnische Firma. Dazu erhielt er Kapital von seinem Vetter und Schwager Rudolf Einstein, der in Hechingen Teilhaber der Webereifabrik Baruch & Cie war, obwohl er diesem nach dem Bankrott von Pavia von 1896 die hohe Summe von 10.000 Lire (entspricht 8.100 Reichsmark) schuldete.[11] Statusdenken war ausschlaggebend für Hermann Einsteins Bemühen, die selbständige Existenz – weiterhin durch den Schwager Rudolf Einstein finanziert – aufrechtzuerhalten.[12]

Noch auf dem Totenbett rang Albert Einstein dem Vater gegen dessen Willen die Zustimmung zu seiner Heirat mit Mileva Marić ab.[13] Kurz bevor er starb, bat Hermann Einstein, dass alle den Raum verlassen sollten, weil er allein sterben wolle. Daran erinnerte sich Albert Einstein zeitlebens mit Schuldgefühlen.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albrecht Fölsing: Albert Einstein. Eine Biographie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-518-40489-X.
  • Jürgen Neffe: Einstein: Eine Biographie. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2005, ISBN 3-498-04685-3, S. 44–48. (books.google.de, Auszug, englische Ausgabe)
  • Christof Rieber: Albert Einstein. Biografie eines Nonkonformisten. Thorbecke, Ostfildern 2018, ISBN 978-3-7995-1281-7.
  • Christof Rieber: Gustav Maier und Ulms Juden im Kaiserreich 1871–1918. In: Ulm und Oberschwaben. Band 62, 2021, S. 165–201.
  • Christof Rieber: Rudolf Einstein und Albert Einstein in Hechingen und Berlin. Formen jüdischer Familiensolidarität. In: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 57/58 (2021/22), S. 131–187.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ernst P. Fischer: Einstein: Ein Genie und sein überfordertes Publikum. Springer, 2013, S. 20. (books.google.de)
  2. Christof Rieber: Albert Einstein. Biografie eines Nonkonformisten. Ostfildern 2018, S. 60.
  3. Christof Rieber: Albert Einstein. Biografie eines Nonkonformisten. Ostfildern 2018, S. 60–65.
  4. Christof Rieber: Albert Einstein. Biografie eines Nonkonformisten. Ostfildern 2018, S. 59, 61, 63.
  5. Christof Rieber: Albert Einstein. Biografie eines Nonkonformisten. Ostfildern 2018, S. 73–75.
  6. Albert Einstein an Gustav und Regina Maier, Berlin, 18. Mai 1922. In: Diana Kormos Buchwald, Jozsef Illy, Ze'ev Rosenkranz, Tilman Sauer (Hrsg.): The Collected Papers and Correspondence of Albert Einstein. Vol. 13: The Berlin Years: Writings & Correspondence. January 1922 - March 1923. Princeton 2012. Dok. 93, S. 192f.; Christof Rieber: Gustav Maier und Ulms Juden im Kaiserreich 1871–1918. In: Ulm und Oberschwaben. Band 62, 2021, S. 165.
  7. Albrecht Fölsing: Albert Einstein. Eine Biographie. Frankfurt am Main 1993, S. 21.
  8. Albrecht Fölsing: Albert Einstein. Eine Biographie. Frankfurt am Main 1993, S. 22.
  9. Christof Rieber: Albert Einstein. Biografie eines Nonkonformisten. Ostfildern 2018, S. 78.
  10. Christof Rieber: Albert Einstein. Biografie eines Nonkonformisten. Ostfildern 2018, S. 78 f.
  11. Christof Rieber: Albert Einstein. Biografie eines Nonkonformisten. Ostfildern 2018, S. 79.
  12. Christof Rieber: Albert Einstein. Biografie eines Nonkonformisten. Ostfildern 2018, S. 79 f.
  13. Christof Rieber: Albert Einstein. Biografie eines Nonkonformisten. Ostfildern 2018, S. 82.
  14. Albrecht Fölsing: Albert Einstein. Eine Biographie. Frankfurt am Main 1993, S. 127.