Pavia

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Pavia
Wappen
Pavia (Italien)
Pavia
Staat Italien
Region Lombardei
Provinz Pavia (PV)
Lokale Bezeichnung Pavia
Koordinaten 45° 11′ N, 9° 9′ OKoordinaten: 45° 11′ 0″ N, 9° 9′ 0″ O
Höhe 77 m s.l.m.
Fläche 62 km²
Einwohner 72.612 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte 1.171 Einw./km²
Postleitzahl 27100
Vorwahl 0382
ISTAT-Nummer 018110
Volksbezeichnung Pavesi
Schutzpatron San Siro di Pavia
Website Pavia

Pavia [paˈvia] (Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i) ist eine Stadt mit 72.612 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2016) in der südwestlichen Lombardei im Norden Italiens am Fluss Ticino, etwa 35 Kilometer südlich von Mailand gelegen.

Pavia ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, bekannt für ihre landwirtschaftlichen Produkte wie Weine, Reis, Getreide und Molkereiprodukte. Mehrere Industriegebiete liegen in den Vororten Pavias. Die Stadt beherbergt eine der ältesten Universitäten Europas, die Universität Pavia. Seit dem 1. Jahrhundert ist der Ort Sitz eines Bistums.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obligation der Stadt Pavia vom 1. Januar 1906

Bereits in der vorrömischen Zeit war die damalige Stadt Ticinum Papiae eine größere Siedlung und später im Römischen Reich befestigte Garnison. Unter Kaiser Aurelian befand sich hier unter Leitung von Gaius Valarius Sabinus die größte römische Münzprägeanstalt.

Schließlich wurde die Garnison zur Zitadelle umgebaut und war das letzte Bollwerk der Ostgoten, die Italien Ende des 5. Jahrhunderts erobert hatten, gegen die Oströmer. Nach der Eroberung durch die Langobarden, die 568 in Italien einfielen (Pavia fiel aber erst nach einer dreijährigen Belagerung) wurde Pavia Hauptstadt des Langobardenreichs. Im Verlauf des Langobardenfeldzuges von 773 bis 774 wurde die Stadt von Karl dem Großen nach neunmonatiger Belagerung eingenommen. 1004 wurde Heinrich II. hier zum italienischen König gewählt und gekrönt. In der Stadt gab es eine von Theoderich gebaute Pfalz, die von Otto III. prächtig ausgeschmückt wurde.[2] Die Bewohner zerstörten nach dem Tod Heinrich II. 1024 diese Pfalz, was zu einem Streit mit Konrad II. führte, der die Pfalz als seinen Besitz beanspruchte.[3] Bis ins Spätmittelalter hinein behielt Pavia, nun Teil des Heiligen Römischen Reiches, allerdings eine große symbolische Bedeutung.

In den folgenden Jahrhunderten gehörte Pavia zu den wichtigsten Städten Italiens. Im Jahr 1359 wurde es von der Familie der Visconti, den Herrschern Mailands, erobert und wurde ein Zentrum der norditalienischen Kunst und Wissenschaft; 1361 wurde der erste Lehrstuhl an der Universität eingerichtet. Studenten der christlichen Länder Europas strömten nach Norditalien.

Während der bourbonisch-habsburgischen Kriege um Italien kam es ab dem 28. Oktober 1524 zur mehrmonatigen Belagerung der Stadt durch ein französisches Heer mit König Franz I. an der Spitze.[4] Die Niederlage und Gefangennahme des Königs von Frankreich in der Schlacht bei Pavia im Februar 1525 ist eines der bedeutendsten Ereignisse der europäischen Frühneuzeit. Sie ging dem Krieg von 1526/27 voraus, der die Italiener Karl V. unterlegen zeigte und in eine bis 1713 währende spanische Besetzung führte. Pavia wurde durch österreichische Potentaten bis 1796 regiert, als es schließlich in die Hände der französischen Armee unter Napoleon Bonaparte geriet.

1815 wurde die österreichische Verwaltung wiederhergestellt, bis der zweite italienische Unabhängigkeitskrieg 1859 und die im Jahr darauf folgende Vereinigung Italiens folgte. Von 1859 bis 1927 existierte der Kreis Pavia. Aus dieser Zeit stammt die alte deutsche Bezeichnung für die Stadt: Pawei.

In Pavia lebte 1894 in der Via Ugo Foscolo, 11 (Hause Cornazzani) für etwa ein Jahr der fünfzehnjährige Albert Einstein mit seiner Familie.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Baudenkmalen Pavias sind mehrere romanische und sämtliche der Gotik Backstein­bauten, ebenso der zur Renaissance gehörende Dom.

Romanische Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden großen romanischen Basiliken, gleichzeitig errichtet im ersten Drittel bzw. der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, stehen am Anfang der Lombardischen Romanik.

San Michele Maggiore[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

San Michele Maggiore

Die Basilika San Michele Maggiore ist überwiegend aus einem recht empfindlichen Sandstein errichtet, im Gegensatz zu den überwiegend aus Backstein gemauerten meisten romanischen und gotischen Kirchen der Region. In ihrer während der langobardischen Periode errichteten Vorgängerkirche wurde im Jahre 774 Karl der Große zum König der Langobarden gekrönt. Das Gebäude wurde im Jahre 1004 bei einem Aufstand gegen die dort erfolgten Königswahl und Krönung Heinrichs II. durch einen Brand zerstört. Von ihr stammt noch der untere Teil des Glockenturms. Die Arbeiten am heutigen Bau begannen um 1100 und waren 1155 abgeschlossen.

San Pietro in Ciel d’Oro[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die großteils aus Backstein errichtete Basilica minor San Pietro in Ciel d’Oro[5] (‚Sankt Peter im goldenen Himmel‘) ist über dem Grab des von Theoderich dem Großen hingerichteten Philosophen Severinus Boëthius errichtet und birgt außerdem die Gebeine des Kirchenvaters Augustinus von Hippo.

Torre Civica[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Torre Civica, also der Stadtturm, wurde im 11. Jahrhundert errichtet. 1583–1585 setzte der Architekt Pellegrino Tibaldi ihm ein Glockengeschoss auf. Hier wurden die Glocken des Doms aufgehängt, der keinen eigenen Campanile bekam. Am 17. März 1989 stürzte der Turm ein, vier Menschen kamen dabei ums Leben.

Broletto[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 12. Jahrhundert als Bischofspalast errichtet, diente der Broletto später als Palazzo Comunale (Rathaus). Im 20. Jahrhundert hatten zeitweise die Faschisten in dem Gebäude ihre örtliche Zentrale.

Geschlechtertürme

Geschlechtertürme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 12. Jahrhundert wurden in Pavia etwa fünfzig Geschlechtertürme errichtet, von denen noch drei als freistehende Türme erhalten sind. Reste mehrerer weiterer Türme sind heute in Häusern verbaut.[6][7]

Gotische Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Castello Visconteo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Castello Visconteo wurde 1360 von Galeazzo II. Visconti errichtet. Heute ist im Schloss das Städtische Museum untergebracht. Der das Schloss umgebende Park erstreckte sich einstmals über zehn Kilometer bis zur Certosa di Pavia. Heute noch sind Teile davon unter dem Namen Parco della Vernavola erhalten.

Santa Maria del Carmine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Errichtet 1371 bis 1461, gilt die Karmeliter­kirche Santa Maria del Carmine als bedeutendstes Zeugnis der Lombardischen Gotik.

San Francesco d'Assisi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franziskanerkirche

Die ihrem Ordensgründer geweihte Franziskaner­kirche ist die zweite große gotische Backsteinkirche der Stadt.

Certosa di Pavia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kartause von Pavia ist ein beeindruckender Klosterkomplex acht Kilometer nördlich von Pavia. Im Kern gotischen Stils, weist sie auch Bauteile der Renaissance und des barock auf. Die Anlage wurde von Gian Galeazzo Visconti gestiftet und im Jahre 1396 wurde mit dem Bau begonnen. Bis ins 18. Jahrhundert wurde sie mehrmals erweitert und umgestaltet. Das Kloster wird heute von Zisterziensermönchen bewirtschaftet und kann täglich (außer montags) besichtigt werden.

Ponte Coperto[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das historische Zentrum der Stadt befindet sich nördlich des Flusses Ticino, direkt gegenüber liegt der Stadtteil Borgo Ticino, der ursprünglich außerhalb der Stadtbefestigung lag. Beide Seiten wurden von der 1351 bis 1354 errichteten Ponte Coperto verbunden. Im Zweiten Weltkrieg wurde diese gotische Brücke zerstört. Die heutige Brücke ist eine Rekonstruktion aus den 50er-Jahren und steht einige Meter östlich des ursprünglichen Standortes. Von den Resten der alten Brücke sind die meisten nur noch bei Niedrigwasser sichtbar.

Renaissance und später[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Piazza Vittoria mit Blick auf die Kuppel des Doms

Dom von Pavia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pavias Dom ist ein imposantes Bauwerk mit dem Grundriss in der Form eines griechischen Kreuzes. Mit dem Bau der Kathedrale wurde bereits 1488 begonnen, sie blieb allerdings bis 1898 unvollendet. In diesem Jahr wurden die Fassade und die Kuppel nach Originalplänen von Giovanni Antonio Amadeo ergänzt. Die achteckige Kuppel ist mit einer Höhe von 97 Metern, einem Gewicht von ca. 20000 Tonnen und einer Anzahl von 34 Fenstern die drittgrößte Kuppel Italiens, nur überboten vom Petersdom in Rom und Santa Maria del Fiore in Florenz.

Palazzo Centrale der Universität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauphasen 1534, 1661–1671, 1783, zuletzt 1845–1850 die neue Aula Magna mit klassizistischem Portikus.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pavia besitzt mit den Autobahnen A53 und A54 zwei Stadtumfahrungen, die an die Autobahn A7 (MailandGenua) angeschlossen sind. Die Benutzung der beiden Umfahrungen ist kostenfrei.

Der Bahnhof Pavia ist der wichtigste Bahnhof von Pavia.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pavia pflegt Städtepartnerschaften[8] mit

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2016.
  2. Johannes Laudage, Die Salier – Das erste deutsche Königshaus, C.H. Beck, 3. Auflage, München 2011, ISBN 978-3-406-53597-0, S. 17.
  3. Wilfried Hartmann (Hrsg.), Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung Bd.1. Frühes und Hohes Mittelalter 750–1250, Reclam, Stuttgart 1995, ISBN 978-3-15-017001-4, S. 236–237.
  4. Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter: vom V. bis zum XVI. Jahrhundert, Band 2, ISBN 978-3-406-07107-2, S. 559. (Vorschau in der Google-Buchsuche, Neuauflage 2013, abgefragt am 15. Februar 2017)
  5. La tomba di sant’Agostino – Pavia, Offizielle Website
  6. Pavia Turismo: il sito ufficiale del Turismo a Pavia In: comune.pv.it, abgerufen am 14. Dezember 2017. (Touristeninformation der Stadtgemeinde Pavia: Torri medioevali)
  7. la Mappa delle antiche Torri di Pavia In: webalice.it, abgerufen am 14. Dezember 2017. (PDF; 276 kB)
  8. Gemellaggi della Regione Lombardia (PDF; 9,88 MB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pavia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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