Hildegard Schaeder

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Hildegard Schaeder (* 13. April 1902 in Kiel; † 11. April 1984 in Frankfurt am Main) war eine deutsche Kirchenhistorikerin. 2000 wurde sie postum als Gerechte unter den Völkern geehrt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hildegard Schaeder war das vierte Kind des Professors für Systematische Theologie Erich Schaeder und seiner Frau Anna geb. Sellschopp. Sie besuchte ein privates Gymnasium zunächst in Kiel und später, nachdem ihr Vater einen Ruf der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität angenommen hatte, in Breslau, wo sie 1920 als Externe das Abitur ablegte. Anschließend absolvierte sie ein Studium der klassischen und der slawistischen Philologie, der osteuropäischen Geschichte, der Byzantinistik und der Philosophie an der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau und der Universität Hamburg. An der Universität Hamburg wurde sie auch 1927 bei Richard Salomon mit der Arbeit „Moskau, das dritte Rom - Studien zur Geschichte der politischen Theorien in der slavischen Welt“ zum Dr. phil. promoviert. 1935 begann sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Publikationsstelle des Geheimen Preußischen Staatsarchivs in Berlin.

Hildegard Schaeder war bereits 1934 Mitglied der Bekennenden Kirche geworden und arbeitete ab 1935 auch aktiv in der Jesus-Christus-Gemeinde, die von Martin Niemöller als Pfarrer betreut wurde, in Berlin-Dahlem mit. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Gemeindearbeit lag in der Betreuung von Juden, die in das Getto Lublin verschleppt worden waren. Nach einer Denunziation wurde Hildegard Schaeder am Morgen des 14. September 1943 wegen „Begünstigung flüchtiger Juden“ in „Schutzhaft“ genommen und im Gefängnis am Berliner Alexanderplatz inhaftiert. Im Frühjahr 1944 wurde sie als politischer Häftling in das KZ Ravensbrück überstellt, wo sie 1945 die Befreiung erlebte.

Anschließend arbeitete sie zunächst als Gemeindehelferin in Mecklenburg, bis sie nach Göttingen ging, wo nach dem Krieg bereits ihre Mutter und Geschwister lebten. Von 1948 bis 1970 arbeitet sie dann als Referentin für die Orthodoxen Kirchen des Ostens im Außenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Außerdem lehrte sie von 1965 bis 1978 als Honorarprofessorin für die Geschichte der Ostkirchen an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/Main.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hildegard Schaeder wurde mit dem Bundesverdienstkreuz und - posthum - 2000 als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet

In Frankfurt-Oberrad ist eine Straße im Neubauviertel am alten Friedhof nach Hildegard Schaeder benannt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Moskau, das dritte Rom - Studien zur Geschichte der politischen Theorien in der slavischen Welt; Hamburg; 1929
  • Die dritte Koalition und die Heilige Allianz - Nach neuen Quellen; Königsberg, Berlin; 1934
  • Ostern im KZ; Berlin; 1947
  • Russische Kirche und östl. Christentum. Hg. von Ernst Benz. Mit Beiträgen von Hildegard Schaeder, Ludolf Müller, Robert Schneider. Tübingen 1949
  • Autokratie und Heilige Allianz; Darmstadt, 1963

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Rohkrämer: Kirchliche Ost- West-Begegnungen zwischen 1952 und 1959. In: Willy Brandt, Helmut Gollwitzer, Johann Friedrich Henschel (Hg.): Ein Richter, ein Bürger, ein Christ. Festschrift für Helmut Simon. Baden-Baden 1987, (zu Schaeder S. 929-950).
  • Gerlind Schwöbel: Leben gegen den Tod - Hildegard Schaeder: Ostern im KZ. Evangelischer Regionalverband, Frankfurt am Main, 1995, ISBN 3-922179-25-8
  • Gerlind Schwöbel: SCHAEDER, Hildegard. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 8, Bautz, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-053-0, Sp. 1510–1515.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]