Hotel Waldhaus Vulpera

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Waldhaus Vulpera 1907

Das im Neorenaissance-Stil erbaute Kurgebäude und Grandhotel Hotel Waldhaus Vulpera mit kunstvollen Sgraffito-Elementen galt europaweit lange Zeit als erste Adresse im Bädertourismus der Alpen und Wahrzeichen der Belle Époque. Mit 270 Betten war es das grösste Hotel in Scuol-Tarasp-Vulpera und ging als einer der bedeutendsten Hotelneubauten des 19. Jahrhunderts in die Architekturgeschichte ein.

Bauten der Hotelgesellschaft Waldhaus Vulpera um 1900
Bauten der Hotelgesellschaft Waldhaus Vulpera um 1895

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erbaut wurde das Grandhotel Waldhaus Vulpera 1896–97 im Auftrag der Hotelgesellschaft Waldhaus Vulpera durch den Architekten Nikolaus Hartmann senior (1838–1903), eröffnet wurde es am 8. Juni 1897. Zu den regelmässigen Gästen des Hotel Waldhaus gehörte ab 1959 auch Friedrich Dürrenmatt, der seine Aufenthalte nutzte, um sie in seinen letzten Roman Durcheinandertal einfliessen zu lassen.

Im Jahr 1883 übernahmen die Gebrüder Duri und Caspar Pinösch aus Ardez die Pension Waldhaus in Vulpera. Der Keller und die Parterre-Räume der Pension Waldhaus wurden teilweise in den Südflügel des Hotelneubaus von 1896-1897 integriert, der Rest der Pension Waldhaus wurde abgerissen.

Gedenkstein des Hoteliers Duri Pinösch (geboren 1845 gestorben 1923) im Kurpark Vulpera.

Im Jahr 1886 wurde ein Holz-Chalet als Villa Dependance des Hotel Waldhaus Vulpera im Auftrag der Gebrüder Pinösch durch die Baumeister Baur und Nabholz (Seefeld Zürich) errichtet. Vom 10. Juni 1894 bis 11. Juli 1894 war in diesem Chalet die Königin der Niederlande Wilhelmina (Niederlande) zu Gast. Aufgrund dieses Besuchs trägt die Villa nun den Namen Villa Wilhelmina oder Villa Wilhelmine.

Villa Wilhelmina im Jahr 2009

Bereits im Jahr 1894 erhält Vulpera ein eigenes Kraftwerk (Brown, Boveri & Cie und Escher Wyss & Cie.) und damit erstmals elektrisches Licht.

Kraftswerksmuseum im Jahr 2009

1930 erbaut die Hotelgesellschaft Waldhaus Vulpera das dritte Hotel-Freibad in der Schweiz (auch Strandbad genannt).

Freibad Vulpera im Jahr 2011

Am 27. Mai 1989 wurde das Hotel durch einen durch Brandstiftung verursachten Grossbrand zerstört. Laut Jahresbericht der Gebäudeversicherung Graubünden folgte daraus ein Totalschaden mit einer Schadenssumme: 23 Mio. Fr. Heute liegt dort eine Parkanlage, in der sich noch Elemente des Grandhotels (Brunnenanlage und Gusseisensäulen) sowie die Villa Wilhelmina befinden.

Hotel Villa Engiadina in Vulpera im Jahr 2009

Heute noch im Betrieb befindliche Hotels der ehemaligen Hotelgesellschaft Waldhaus Vulpera sind das Hotel Schweizerhof (erbaut 1898–1900 durch Karl Gottlieb Koller), das Hotel Villa Post (erbaut 1901 als Postbüro von Vulpera) und das Hotel Villa Engiadina (erbaut 1901 durch Karl Gottlieb Koller). Das noch im Originalzustand existierende Hotelfreibad, die 1923 geschaffenen Golfanlagen des Golf Clubs Vulpera und das Kraftwerkmuseum zeugen ebenfalls noch von der Schaffenskraft der Hoteliersdynastie Pinösch. Vor allem durch diese einzigartigen Hotelbauten wurde Vulpera in das Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgenommen.

Hotel Villa Post in Vulpera im Jahr 2009
Hotel Schweizerhof in Vulpera erbaut 1898–1900 durch Karl Gottlieb Koller, heute Robinson Club

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Architektur einer Familie. Ausstellung zum Architekten des Waldhaus Vulpera (30. Oktober 2015 – 7. Februar 2016). Rätisches Museum Chur.
  • Wie es dem Gast gefällt. Hotelarchitektur einst und heute. Das Gelbe Haus, Flims, 2008–2009. Die Ausstellung präsentierte zehn Hotelbiographien, unter anderem Waldhaus Vulpera – heiss abgebrochen?.
  • Grand Hotel Abgrund: Dichtung und Dichter im Hotel. Stiftung Schloss Neuhardenberg. 1. September 2009 bis 25. Oktober 2009. Die vom Literaturhaus München konzipierte Ausstellung umfasste unter anderem Ausstellungsstücke aus dem Hotel Waldhaus Vulpera und wurde für Neuhardenberg ergänzt um Stücke aus Grand Hotels in Berlin und entscheidend vertieft um eine bildkünstlerische Installation von Udo Lindenberg.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tender is the Night (1985) BBC-Verfilmung des Romans „Tender is the night“ (Zärtlich ist die Nacht) von F. Scott Fitzgerald. (Kulisse)
  • Brand des Hotel Waldhaus in Vulpera Fernsehdokumentation von Claudia Knapp color/Romanisch 6 Min, 1989.
  • Entstehung und Wirkung der Quellen von Tarasp-Schuls-Vulpera (1941) Lehrfilm mit Trickfilmsequenzen und Aufnahmen des Kurortes Tarasp-Vulpera von den Kurärtzen des Grand Hotels Waldhaus Vulpera Dr. Pauline Lenz und Dr. M. S. Meier in Zusammenarbeit mit der Schmalfilm AG Zürich, schwarz-weiss/Stummfilm mit Untertiteln.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Dürrenmatt: Durcheinandertal. Diogenes, Zürich 1989; Neuausgabe 1998, ISBN 3-257-23067-2.
  • Roland Flückiger-Seiler: Hotelträume zwischen Gletschern und Palmen. Hotelpaläste zwischen Traum und Wirklichkeit. Schweizer Tourismus und Hotelbau 1830–1920. Hier und Jetzt, Baden 2003, ISBN 3-906419-68-1, S. 166–219.
  • Kristiana Hartmann: Baumeister in Graubünden: Drei Generationen Nicolaus Hartmann (1850 bis 1950) Desertina, Chur 2015, ISBN 978-3-85637-474-7.
  • M. Jakob: Der Park der Villa Wilhelmina. Graubünden Magazin, Sommer 2005, S. 8–17.
  • Pauline Lenz: Die Kurärztin. Ein Roman nach dem Leben. Die Rose, München-Unterhaching 1959.
  • Marcella Maier: Alte Gärten in der Schweiz: Kurpark Vulpera. Anthos. Zeitschrift für Freiraumgestaltung, Grün- und Landschaftsplanung, 1995, Band 34 (2), S. 39.
  • Ulrich Weber: Das Kurhaus im «Durcheinandertal». Friedrich Dürrenmatt und das «Waldhaus Vulpera» In: Cordula Seger (Hrsg.): Grand Hotel. Bühne der Literatur. Dölling und Galitz, München 2007, ISBN 978-3-937904-54-2, S. 159–171.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 46° 47′ 15,5″ N, 10° 17′ 20,8″ O; CH1903: 817608 / 185784