Immobilienmarkt (Deutschland)

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Unter Immobilienmarkt versteht man die Gesamtheit der jährlichen Transaktionen an Wohnimmobilien, Wirtschaftsimmobilien, Immobilien für die Agrar-, Forst- und Fischereiwirtschaft und übrigen Immobilien, die keiner dieser drei Kategorien zugeordnet werden können (z. B. Immobilien für den Gemeinbedarf).

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Immobilienwirtschaft ist mit rd. 434 Mrd. € Umsatz (Stand 2011)[1] der zweitgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland. Zur Immobilienwirtschaft zählen alle Unternehmen, die sich mit Planung, Erstellung, Finanzierung und Bewirtschaftung von Immobilien beschäftigen. Diese Unternehmen benötigen für ihre Arbeit grundlegende Informationen über Entwicklungen auf dem Immobiliensektor sowie Auswirkungen von Rahmenbedingungen.

Akteure, die sich um die Transparenz des Immobilienmarktes in Deutschland kümmern, sind neben der amtlichen Wertermittlung auch private Unternehmen der Immobilienwirtschaft sowie einzelne staatliche oder halbstaatliche Institutionen und Hochschulen; deren Untersuchungen umfassen aber häufig nur bestimmte Teilmärkte oder Teilaspekte des Geschehens auf dem Immobiliensektor.

Mit Einführung des Bundesbaugesetzes 1960 hat der Gesetzgeber nach dem Wegfall der Preisbindung im Grundstücksverkehr den Ländern die Aufgabe übertragen, durch Einrichtung von Gutachterausschüssen und Führung von Kaufpreissammlungen für allgemeine Transparenz auf dem Immobilienmarkt zu sorgen. Zu diesem Zweck werden den Geschäftsstellen der Gutachterausschüsse von den Notaren Abschriften aller Kaufverträge über Immobilien übermittelt. Kaufpreissammlungen sind Datenbanken, in denen die Kaufverträge im erforderlichen Umfang mit ihren wesentlichen Vertragsdaten, Ordnungsmerkmalen und mit den preis- und wertbestimmenden Merkmalen erfasst werden; sie stellen somit ein originäres Abbild des Geschehens auf dem Grundstücksmarkt dar. Die Analyse dieser Kauffalldaten liefert die für die Immobilienwirtschaft wesentlichen Informationen, die von den Gutachterausschüssen z. B. in Form von Grundstücksmarktberichten und Bodenrichtwerten veröffentlicht werden. Zusätzlich stehen die Daten der Kaufpreissammlung berechtigten Interessenten zur Verfügung. Datenschutzrechtliche Anforderungen werden durch eine entsprechende Anonymisierung der Kauffalldaten erfüllt.

Arbeitskreis der Oberen Gutachterausschüsse, Zentralen Geschäftsstellen und Gutachterausschüsse (AK OGA)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die regionale Zuständigkeit der amtlichen Wertermittlung war bisher ein Hemmnis für umfassende, bundesweite Aussagen zum Immobilienmarkt. Um einen vollständigen, auf den tatsächlichen Kauffällen basierenden Überblick über den Immobilienmarkt für die gesamte Bundesrepublik liefern zu können hat sich 2007 in Hannover ein informeller Arbeitskreis der Gutachterausschüsse und Oberen Gutachterausschüsse in Deutschland gebildet mit dem Ziel, die in den einzelnen Ländern vorliegenden Daten der amtlichen Wertermittlung zusammenzuführen, hieraus bundesweite Aussagen über den Immobilienmarkt zu entwickeln und die Ergebnisse regelmäßig in einem Immobilienmarktbericht zu veröffentlichen.

Mit der Reform des Erbschaftsteuergesetzes und der damit verbundenen Novellierung des Baugesetzbuches in 2009 wurde die Einrichtung von zentralen Institutionen der Gutachterausschüsse in Form von Oberen Gutachterausschüssen oder zentralen Geschäftsstellen in allen Ländern (mit Ausnahme der Stadtstaaten) Pflicht. Ihre Aufgabe ist es u. a., überregionale Auswertungen und Analysen des Immobilienmarktes zu erstellen.

In der Verwaltungsvereinbarung über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der amtlichen Grundstückswertermittlung[2] zwischen den Bundesländern sowie dem für das Bauwesen zuständigen Bundesministerium für Umwelt, Bau, Naturschutz und Reaktorsicherheit vom 20. April 2016 ist der zunächst auf freiwilliger Basis arbeitende Arbeitskreis der Gutachterausschüsse und Oberen Gutachterausschüsse als feste Institution mit der Bezeichnung Arbeitskreis der Oberen Gutachterausschüsse, Zentralen Geschäftsstellen und Gutachterausschüsse (AK OGA) eingerichtet worden. Der AK OGA hat am 31. Mai 2016 in Leipzig in seiner konstituierenden Sitzung Anja Diers (Niedersachsen) einstimmig zur Vorsitzenden gewählt; ihr Vertreter ist Jürgen Kuse (Brandenburg). Beide sind Vorsitzende der Oberen Gutachterausschüsse ihrer Länder. Die Redaktionsstelle des Arbeitskreises ist bis auf Weiteres bei der Geschäftsstelle des Oberen Gutachterausschusses in Niedersachsen angesiedelt.

Immobilienmarktbericht Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Arbeitskreis der Oberen Gutachterausschüsse, Zentralen Geschäftsstellen und Gutachterausschüsse (AK OGA) obliegt die Herausgabe des Immobilienmarktbericht Deutschland (IMB-DE) in einem mindestens zweijährigen Turnus einschließlich der Ermittlung länderübergreifender Grundstücksmarktdaten für diesen Zweck. Die erste Ausgabe des Immobilienmarktberichts erschien im Jahre 2010 (Berichtszeitraum 2007–2008), weitere folgten in 2011, 2013 und 2015 und umfassten jeweils die beiden vorhergehenden Kalenderjahre als Berichtszeitraum. Der nächste Bericht wird Ende 2017 veröffentlicht.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wirtschaftsfaktor Immobilien. Deutscher Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V., Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e.V. (gif), abgerufen am 29. März 2017.
  2. Verwaltungsvereinbarung über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der amtlichen Grundstückswertermittlung. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, abgerufen am 31. März 2017.
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