Inge Feltrinelli

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Inge Feltrinelli bei der Überreichung der Karlsmedaille für europäische Medien, 2011

Inge Feltrinelli (geborene Schönthal; * 24. November 1930 in Essen) ist eine deutsch-italienische Fotografin und Verlegerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inge Feltrinelli ist die Tochter von Siegfried und Trudel Schönthal. Ihr Vater war Jude, emigrierte 1938 in die Niederlande und stimmte dort der Scheidung von seiner Ehefrau zu. Diese heiratete 1939 den Berufsoffizier Otto Heberling, der von da an Inges Stiefvater war. Als „jüdischer Mischling“ sollte sie kurz vor Kriegschluss im März 1945 das Gymnasium in Göttingen verlassen.[1] Als Neunzehnjährige radelte sie 284 Kilometer nach Hamburg, um Fotoreporterin zu werden. Zunächst arbeitete sie für die Frauenzeitschrift Constanze. Den internationalen Durchbruch erzielte Inge Schönthal 1953 mit einer Fotoreportage über den amerikanischen Schriftsteller Ernest Hemingway, den sie auf Kuba besuchte. Nun standen ihr die Türen auch für andere große Persönlichkeiten und Stars im In- und Ausland offen.[2] Sie hat in der Anfangsphase des Fotojournalismus die Größen der Zeit fotografiert: Ernest Hemingway, Pablo Picasso, Greta Garbo, John F. Kennedy, Marc Chagall, Allen Ginsberg, Simone de Beauvoir, Peter Handke, Fidel Castro und Gary Cooper.

1958 lernte sie auf einer Feier des Rowohlt Verlags, damals noch in Hamburg ansässig, den italienischen Verleger Giangiacomo Feltrinelli kennen und heiratete ihn 1960. Sie folgte ihm nach Mailand, wo 1962 der Sohn Carlo geboren wurde. Ab 1969 war sie Vizepräsidentin des Verlags Feltrinelli und führte nach dem Tod Giangiacomo Feltrinellis 1972 bei einem Sprengstoffattentat die Geschäfte allein weiter. Nach eigener Aussage war es auch im Italien der 1960er Jahre schwer, Chefin zu sein, da Frauen vor allem für „Kinder, Küche und Kirche“ zuständig waren. Sie habe sich außerdem gegen Ressentiments den Deutschen gegenüber durchsetzen müssen. Nach dem Tod ihres Mannes habe sie das Programm geändert und nicht mehr so viele politische Bücher verlegt, um auf die Markttendenz zu reagieren.[3]

Verlagsleiter ist gegenwärtig ihr Sohn Carlo Feltrinelli. Sie kümmert sich vor allem um die Öffentlichkeitsarbeit, eröffnet Buchhandlungen, pflegt Kontakte mit internationalen Autoren und tritt auf Messen und Tagungen auf.[4]

Im Jahr 2010 wurde im Alten Rathaus von Göttingen eine Ausstellung von etwa 80 ihrer Fotografien aus den 1950er Jahren gezeigt. Darunter das Foto, das um die Welt ging: Inge Feltrinelli posierte mit Ernest Hemingway und einem Speerfisch (Marlin); sie nahm es 1953 in Kuba mit dem Selbstauslöser ihrer Kamera auf. Während des zweiwöchigen Aufenthalts auf dessen Finca entstand ein weiteres Foto Hemingways, auf dem er in einem geringelten T-Shirt auf dem Boden liegt und schläft.[5]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inge Feltrinelli erhielt viele nationale und internationale Auszeichnungen: 1986 wurde sie Cavaliere des Verdienstordens der Italienischen Republik, 1999 erhielt sie das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Sie wurde 2002 Commandeur des Ordre des Arts et des Lettres, 2006 erhielt sie den internationalen Verlegerpreis Reconocimiento al Mérito Editorial und 2008 ernannte sie das spanische Königshaus zum Mitglied der Europäischen Akademie von Yuste. Hinzu kommen zahlreiche Ehrendoktorwürden. Feltrinelli ist Ehrenbürgerin der Stadt Mailand.[6] Seit 2004 ist sie Mitglied im Aufsichtsrat der Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung des Suhrkamp Verlags.[7] Am 26. Mai 2011 wurde ihr die Karlsmedaille für europäische Medien verliehen.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Inge Schönthal-Feltrinelli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Inge Schönthal:hainberg-gymnasium.de, abgerufen am 20. Januar 2011
  2. Jobst C. Knigge: Hemingway und die Deutschen, Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2009
  3. „Frauen sind nicht so eitel wie Männer“, spiegel.de, 10. Oktober 2001, abgerufen am 20. Januar 2011
  4. Zitiert nach Weblink boersenblatt.net
  5. Die schöne Inge und ihre Rolleiflex Der Spiegel, 19/2010, 10. Mai 2010
  6. Bettina Flitner: Frauen mit Visionen - 48 Europäerinnen. Mit Texten von Alice Schwarzer. Knesebeck, München 2004, ISBN 3-89660-211-X, S. 82.
  7. Fotografie von Inge Feltrinelli im Alten Rathaus (Memento vom 15. Dezember 2015 im Internet Archive), pressemeldung-niedersachsen.de, abgerufen am 20. Januar 2011
  8. Inge Schönthal-Feltrinelli (Memento vom 17. April 2011 im Internet Archive), Pressemeldung, aufgerufen am 16. April 2011
  9. Die Feltrinelli in FAZ vom 30. November 2013, Seite L9