Ingrid Siepmann

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Ingrid (Ina) Siepmann, (* 12. Juni 1944 in Marienberg; † vermutlich 1982 im Libanon) war eine deutsche Terroristin[1][2][3] der Bewegung 2. Juni.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ingrid Siepmann wuchs in Schwelm als Tochter eines Apothekers auf[4] und begann in Tübingen Gräzistik zu studieren. Als sie 1964 einen Sohn bekam, begann sie eine Apothekerlehre. 1965 heiratete sie Eckhard Siepmann, mit dem sie 1966 nach West-Berlin zog.[4] Nach dem Attentat auf Rudi Dutschke wurde sie politisch aktiv.

Sie war 1969 die Freundin von Dieter Kunzelmann, dem Mitbegründer der Kommune I. Ihren Sohn überließ sie ab der Zeit ihren Eltern.[4] Beide gehörten nach Kunzelmanns Rauswurf aus der K1 ab Juni 1969 dem Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen an.[5] Noch im selben Jahr soll sie zusammen mit Kunzelmann, Georg von Rauch und anderen zur Ausbildung in ein Guerillacamp der palästinensischen Al Fatah gefahren sein.[6]

Wegen Banküberfällen wurde sie 1974 zu 13 Jahren Haft verurteilt. Im Jahr darauf, 1975, tauschte die Bundesregierung sie mit vier weiteren Häftlingen gegen den von der Bewegung 2. Juni entführten Berliner CDU-Politiker Peter Lorenz aus und ließ sie mit Verena Becker, Gabriele Kröcher-Tiedemann, Rolf Heißler und Rolf Pohle am 3. März 1975 in Begleitung von Heinrich Albertz in den Südjemen ausfliegen.[7]

Anschließend lebte Siepmann in einem Ausbildungslager der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP).[8] Sie soll jedoch an der Entführung des österreichischen Textilindustriellen Walter Michael Palmers im November 1977 beteiligt gewesen sein,[9] mit der die Bewegung 2. Juni mehrere Millionen DM erbeutete, die sie mit der PFLP und der RAF teilte.[8]

1981 war sie eine der meistgesuchten Terroristinnen in der Bundesrepublik.[1] Sie kam vermutlich 1982 im Libanon-Krieg ums Leben, der Haftbefehl wurde aufgehoben.[10] Sie soll Mitglied einer palästinensischen Frauenbrigade gewesen und entweder bei einem israelischen Bombenangriff oder während der Kämpfe beim Massaker von Sabra und Schatila im September 1982 umgekommen sein. Ihr Name wird auch in der Opferliste der Selbstauflösungserklärung der RAF vom März 1998 genannt.[11][12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Marion Schreiber: Wir fühlten uns einfach stärker. In: Der Spiegel. Nr. 20, 1981, S. 82–108 (online).
  2. Gerd Koenen: Das rote Jahrzehnt: Unsere kleine deutsche Kulturrevolution 1967–1977. 2012, S. 181
    Klaus Stern, Jörg Herrmann: Andreas Baader: das Leben eines Staatsfeindes. 2007, S. 138.
    Gisela Diewald-Kerkmann: Frauen, Terrorismus und Justiz: Prozesse gegen weibliche Mitglieder der RAF und der Bewegung 2. Juni. 2009, S. 254
  3. Barbara Sichtermann: Alles lief prima. Die Zeit, 24. Februar 2000, abgerufen am 22. Juli 2016.
  4. a b c Wolfgang Kraushaar: „Wann endlich beginnt bei Euch der Kampf gegen die heilige Kuh Israel?“ München 1970: über die antisemitischen Wurzeln des deutschen Terrorismus. Rowohlt, Reinbek 2013, ISBN 978-3-49803411-5, Kurzbiografie S. 797f.
  5. Ulrich Enzensberger: Die Jahre der Kommune I: Berlin 1967–1969. Kiepenheuer & Witsch 2004
  6. Zum 30. Todestag von Georg von Rauch. riolyrics.de, abgerufen am 22. Juli 2016.
  7. Jetzt ein plotz. In: Der Spiegel. Nr. 22, 1991, S. 112–113 (online).
  8. a b Gabriele Rollnik, Daniel Dubbe: Keine Angst vor niemand. Über die Siebziger, die Bewegung 2. Juni und die RAF. Edition Nautilus 2004.
  9. Peter Zakravsky: Als alles vorbei war. Die Presse, 14. September 2007, abgerufen am 22. Juli 2016.
  10. Lars-Broder Keil, Sven Felix Kellerhoff: Terrorismus:Aufstieg und Fall der zweiten RAF-Generation. Die Welt, 15. Februar 2007, abgerufen am 22. Juli 2016.
  11. Lars-Broder Keil, Sven Felix Kellerhoff: Das machen die RAF-Frauen heute. Berliner Morgenpost, 2007-02-2007, archiviert vom Original am 30. September 2007, abgerufen am 22. Juli 2016.
  12. Butz Peters: Die verschwundenen Terroristen. Die Welt, 4. Februar 2007, abgerufen am 29. November 2014.