Italienischer Wolf

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Italienischer Wolf

Der Italienische Wolf, auch Apenninwolf, ist eine Population des Wolfs, die die Italienische Halbinsel sowie Teile der französischen Alpen besiedelt [1]. Diese Wölfe unterscheiden sich morphologisch und genetisch von anderen europäischen Wölfen, woraufhin sie teilweise als eigene Unterart Canis lupus italicus klassifiziert wurden. Die Unterschiede sind offenbar nicht durch verstärkte Einkreuzung von Haushunden in die italienischen Bestände bedingt.[2] Aktuell werden die italienischen Wölfe dem Eurasischen Wolf (C. l. lupus) zugeordnet.[3]

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Merkmal des Italienischen Wolfs, die ausgeprägte Schwarzfärbung an der Vorderseite der Vorderläufe

Das Fell des Italienischen Wolfs ist graubraun an den Flanken, weiß an der Innenseite der Läufe und am Bauch sowie schwarz am Rücken sowie an den Vorderläufen. Die ausgeprägte Schwarzfärbung an der Vorderseite der Vorderläufe ist ein wichtiges Merkmal des Italienischen Wolfs, welches bei anderen Wolfspopulationen oder -unterarten gar nicht oder nur teilweise vorkommt.[4]

Italienische Wölfe sind eine eher kleine Wolfsform und erreichen gewöhnlich eine Schulterhöhe von 70 cm und eine Kopf-Rumpf-Länge von 150 cm. Die Gewichte sind je nach Region gewissen Schwankungen unterworfen, liegen im Durchschnitt aber bei etwa 30 kg für Fähen (Weibchen) und 35 kg für Rüden (Männchen). In den französischen Alpen wurden Durchschnittsgewichte von 28 kg für Fähen und 36 kg für Rüden ermittelt.[5]

Ernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vergleich zu manchen anderen Population des Wolfs bevorzugt der Italienische Wolf kleinere Huftiere als Beute. In Italien sind dies v. a. Reh, Rothirsch und Wildschwein, in den Alpen auch Gämsen, unter den Haustieren Schafe und Ziegen. Kühe und Pferde werden nur äußerst selten gerissen. Es handelt sich dabei praktisch immer um Kälber und Fohlen, ausgewachsene Tiere werden kaum getötet.[6] Ein Grund dürfte die eher geringe Körpergröße der Italienischen Wölfe sein. Zudem kamen in ihrem ursprünglichen Lebensraum auch früher weder Elch noch Wisent vor, weshalb sich die Wölfe wohl nicht auf große Tiere spezialisiert haben (anders als beispielsweise in Nordamerika).

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitungsgebiet (rot) des Italienischen Wolfes

Als historischer Lebensraum des Italienischen Wolfs gilt ganz Italien inklusive Sizilien. Aktuell besiedelt der Italienische Wolf weite Teile der Apenninen von Kalabrien bis Ligurien sowie die Westalpen. In den Alpen sind die französischen Alpen und das Piemont in Italien von Rudeln besiedelt. Seit einigen Jahren sind die Schweizer Alpen von Einzeltieren besiedelt. 2012 bildete sich am Calanda bei Chur das erste Rudel in der Schweiz nach der letzten Ausrottung. Über die genaue Anzahl der Wölfe herrscht Uneinigkeit, sie dürfte zwischen 500 und 1000 liegen. Die Population dehnt sich insbesondere in den Alpen weiter aus.

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Italienische Wolf wurde, wie die anderen Populationen des Wolfs auch, stark vom Menschen bejagt, obwohl er in der italienischen Geschichte eine wichtige Rolle spielt und im Vergleich zu anderen Ländern relativ viele Sympathien genoss (siehe Romulus und Remus). Aufgrund der Jagd mit Schusswaffen und Gift stand der Italienische Wolf um 1970 kurz vor der Ausrottung.

Die italienische Regierung reagierte 1976 und stellte den Wolf unter Schutz. Zu dieser Zeit gab es nach damaliger Ansicht noch rund 100 Wölfe, hauptsächlich in den Abruzzen. Im Gegensatz zu diesen früheren Angaben hatten jedoch auch in anderen Regionen der Apenninen einige wenige Wölfe überlebt. Nach der Unterschutzstellung erholte sich die Wolfspopulation kontinuierlich und breitete sich wieder in den ganzen Apenninen aus. Bereits um 1983 pflanzten sich Wölfe nördlich von Genua wieder fort. 1987 wurde erstmals wieder ein Wolf in den italienischen Alpen nachgewiesen, 1992 in den französischen Alpen. 1995 wanderten Wölfe in den Kanton Wallis in der Schweiz ein und im Jahr 2006 wurde erstmals ein Italienischer Wolf in Deutschland nachgewiesen.[7][8]

Als eine weitere Gefahr für den Bestand von "reinen" Wölfen wurde und wird eine Vermischung mit Haushunden angesehen[9]. Da in Italien der Bestand an verwilderten oder streunenden Haushunden den der Wölfe zahlenmäßig weit übertrifft, wird von einigen eine Vermischung ernsthaft in Betracht gezogen. Bekannt ist, dass es in der Vergangenheit zu Paarungen zwischen wildlebenden Wölfen und Haushunden in Italien gekommen ist, jedoch konnte nachgewiesen werden, dass die Italienischen Wölfe bislang reinerbig geblieben sind.[2][10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erik Zimen: Der Wolf - Verhalten, Ökologie und Mythos, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., 2003. ISBN 3-440-09742-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Canis lupus italicus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. V. Lucchini, A. Galov and E. Randi: Evidence of genetic distinction and long-term population decline in wolves (Canis lupus) in the Italian Apennines. Volume 13 Issue 3 Page 523-536, March 2004. online
  2. a b Ronald M. Nowak, Nicholas Brusco E. Federoff: The systematic status of the Italian wolf Canis lupus. Acta Theriologica, Volume 47, Number 3, Juli 2002 , pp. 333-338(6) online
  3. Claudio Sillero-Zubiri: Family Canidae (Dogs). In: Don E. Wilson, Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Band 1: Carnivores. Lynx Edicions, Barcelona 2009, ISBN 978-84-96553-49-1, S. 352–446, hier S. 413.
  4. Bericht über das Vorkommen von schwarzen Streifen am Vorderlauf des Wolfs auf Seite 19
  5. Ermittelte Gewichte in Frankreich
  6. Bilanz der Schäden in Frankreich 2005 und 2006 auf Seite 6
  7. Chronologie der Ausbreitung
  8. Italienischer Wolf in Deutschland
  9. Claws reveal survival wolf threat
  10. Wolves find haven in Italy