Eurasischer Wolf

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Eurasischer Wolf
Eurasischer Wolf (Canis lupus lupus)

Eurasischer Wolf (Canis lupus lupus)

Systematik
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Hunde (Canidae)
Gattung: Wolfs- und Schakalartige (Canis)
Art: Wolf (Canis lupus)
Unterart: Eurasischer Wolf
Wissenschaftlicher Name
Canis lupus lupus
Linnaeus, 1758

Der Eurasische Wolf, Europäische Wolf oder Grauwolf (Canis lupus lupus) ist eine Unterart des Wolfes (Canis lupus), der zur Familie der Hunde (Canidae) gehört.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Eurasische Wolf erreicht eine Widerristhöhe von etwa 70 bis 90 Zentimeter und eine Kopf-Rumpf-Länge bis zu 140 Zentimeter.[1] Das Gewicht liegt meist zwischen 30 und 50 Kilogramm. Zwischen Männchen und Weibchen besteht ein Geschlechtsdimorphismus: Rüden sind meistens größer und schwerer als Wölfinnen. Das Fell Eurasischer Wölfe ist gelblichgrau, graubraun oder dunkelgrau gefärbt. Die Unterseite der Schnauze und die Kehle sind heller, die Rückseiten der Ohren erscheinen leicht rötlich. Die Rückenfärbung weist in den meisten Fällen einen dunklen bis schwarzen Sattelfleck auf. Ebenfalls dunkler gefärbt sind oftmals die Schwanzspitze und die Vorderseite der Beine. Im Gegensatz zu wolfsähnlichen Haushunden sind Wölfe hochbeiniger und haben eine gerade Rückenlinie, während sie bei Hunden oft zum Schwanz hin abfällt. Der Wolfsschwanz ist buschig und gerade. Wölfe haben tendenziell kleinere Ohren, die zudem innen dicht behaart sind.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verbreitung des Eurasischen Wolfes (Orange) in der Alten Welt vor der Wiederbesiedlung Mittel- und Westeuropas

Der Eurasische Wolf ist über weite Teile Eurasiens verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Ostsibirien über den europäischen Teil Russlands bis nach Skandinavien sowie über Osteuropa (Polen, Tschechien, Slowakei) und Südosteuropa (Griechenland, Bulgarien, Rumänien) bis nach Mitteleuropa, Südeuropa (Italien, Spanien) und Westeuropa (Frankreich).[2] Auf der Arabischen Halbinsel gibt es Populationen des Arabischen Wolfs, der heute dem Eurasischen Wolf zugeordnet wird. Der Eurasische Wolf besiedelt verschiedene Lebensräume, von Wäldern bis zu offenen Graslandschaften. Die Größe seiner Reviere variiert zwischen 100 und 300 Quadratkilometern (Mitteleuropa)[3] und 2500 Quadratkilometern in höheren Breitenlagen.

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eurasische Wölfe werden mit etwa zwei Jahren geschlechtsreif. Paarungszeit ist vom Spätwinter bis in den März; die Tragzeit dauert ungefähr neun Wochen. Ein Wurf besteht meist aus vier bis sechs Welpen, die vom gesamten Rudel großgezogen werden. Nach ein bis drei Jahren verlassen die Jungtiere ihr Rudel, siedeln sich in der Nähe ihres alten Rudels an oder wandern fort.

Ernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Großraubtiere erbeuten Eurasische Wölfe vorwiegend Huftiere wie Rehe, Rothirsche und Wildschweine, in einigen Regionen auch Elche und Wisente. Vorrangig werden ältere, kranke oder junge Tiere erbeutet, die einfacher zu überwältigen sind. Auch Nutztiere wie Schafe und Ziegen zählen zur Beute.

Wiederbesiedlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Ende des 20. Jahrhunderts ist der Eurasische Wolf auch in Deutschland wieder heimisch. Aus Polen kommend verbreiteten sich Wölfe zunächst in Sachsen und im südlichen Brandenburg. Über Sachsen-Anhalt erreichten sie dann Niedersachsen. Außerdem leben wenige Wolfsrudel in Mecklenburg-Vorpommern. Im Jahr 2000 wurden in Deutschland nach weit über einem Jahrhundert wieder die ersten Wolfswelpen in Freiheit geboren. Im April 2016 ging man von etwa 40 Wolfspaaren beziehungsweise -rudeln aus.[4]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte bis Ende der 1990er Jahre wanderten einige Wölfe aus benachbarten Ländern nach Österreich ein; 2009 wurden durch eine DNA-Analyse sechs bis acht Individuen nachgewiesen.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Italien und Frankreich wandern seit 1995 vereinzelt Wölfe in die Schweiz ein. Heutige Schätzungen gehen von einem Wolfsbestand von 25 bis 30 Tieren aus.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Patrick Masius, Jana Sprenger: Die Geschichte vom bösen Wolf – Verfolgung, Ausrottung und Wiederkehr. In: Natur und Landschaft. Jg. 87, Nr. 1, 2012, S. 11–16, Abstract.
  • Ilka Reinhardt, Gesa Kluth: Leben mit Wölfen. Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland (BfN-Skripten. 201, ZDB-ID 1476341-2). Bundesamt für Naturschutz (BfN), Bonn 2007, Digitalisat (PDF; 3,3 MB).
  • Erik Zimen: Der Wolf. Verhalten, Ökologie und Mythos. Das Vermächtnis des bekannten Wolfsforschers. Neuauflage. Kosmos, Stuttgart 2003, ISBN 3-440-09742-0.
  • Shaun Ellis, Monty Sloan (Fotos): Der Wolf – wild und faszinierend. Parragon Books Ltd, 2012, ISBN 978-1-4454-8426-6.
  • Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: Bericht des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zur Lebensweise, zum Status und zum Management des Wolfes (Canis lupus) in Deutschland. zum Fachgespräch am 4.11.2015. Hrsg.: Deutscher Bundestag. Ausschussdrucksache 18(16)313. Berlin 28. Oktober 2015 (Digitalisat (PDF)).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eurasischer Wolf (Canis lupus lupus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Naturschutzbund Deutschland: Artensteckbrief Wolf, abgerufen am 11. Februar 2017.
  2. Verbreitungskarte Europa Stand 2016 [1]
  3. Steckbrief Europäischer Wolf (Canis lupus lupus), abgerufen am 11. Februar 2017.
  4. Naturschutzbund Deutschland: Wölfe in Deutschland Die wichtigsten Fakten in der Übersicht, abgerufen am 11. Februar 2017.
  5. chwolf.org: Die natürliche Rückkehr der Wölfe in die Schweiz, November 2015, abgerufen am 11. Februar 2017.