Jägerlatein

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Unter Jägerlatein versteht man Erzählungen von Jägern, in denen die Zahl und besonders die Größe der erlegten Tiere übertrieben dargestellt werden. Im Jägerlatein werden auch neue Tierarten erfunden. Das bekannteste ist der Wolpertinger[1]. Dies alles ist Grundlage vieler Witze und wird auch umgangssprachlich für das Fabulieren benutzt. Bismarck sagte dazu:

Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd.

Analoge Übertreibungen im Umfeld der Sportfischerei werden Anglerlatein genannt, in der Christlichen Seefahrt Seemannsgarn. Abzugrenzen ist der Begriff Jägerlatein von Jägersprache, der Bezeichnung für den Jargon der Jäger.

Beispiele aus Schriftdenkmälern und der Populärkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der wohl älteste Beleg für Jägerlatein stammt aus der Zeit des ägyptischen Pharaos Thutmosis III. (reg. 1479–1425 v. Chr.), der sich brüstete, auf dem Rückweg eines seiner Feldzüge nach Vorderasien 120 Elefanten erlegt zu haben. Noch fantastischer nimmt sich die Bilanz einer Hofjagd des assyrischen Königs Tiglatpileser I. (reg. 1115/4–1077/6 v. Chr.) aus, bei der ebenfalls 120 Elefanten und dazu noch 800 Löwen erlegt worden sein sollen.[2]

Ein bekannter Witz zum Thema Jägerlatein:

Jägerlatein, Emil Rau (Offizieller Katalog der Münchener Jahres-Ausstellung 1900 im Glaspalast)
Drei Jäger sitzen im Wirtshaus und erzählen von ihren Jagden. Der erste: „Ich hab mal ein Wildschwein geschossen, das war so schwer, dass drei Traktoren nötig waren, es wegzuschaffen.“ Da sagt der zweite: „Ich habe einmal einen so großen Hirsch erschossen, dass die Bäume um ihn herum geschlagen werden mussten, bevor man ihn bergen konnte.“ Darauf der dritte: „Das ist noch gar nichts! Ich habe mal einen Silberreiher erlegt, und auf einmal stiegen 150 Leute aus!“

Anglerlatein wurde auch zu einem Lateral verarbeitet:

In der Telefonzelle ist ein Toter. Die Scheiben sind eingeschlagen. Vor der Telefonzelle steht ein großer Behälter. Was ist passiert?

Lösung: Der Mann hatte einen großen Fisch gefangen. Bei der telefonischen Weitergabe der Neuigkeit ging das Anglerlatein mit ihm durch. Mit den Worten „Ich habe sooooo einen Fisch gefangen!“ riss er die Arme auseinander, durchschlug die Scheiben und verblutete.

Weiterungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jägern nachgesagte Neigung zum Übertreiben und zum Prahlen ist auch auf „Glücksjäger“, „Schürzenjäger“, „Schatzjäger“ usw. übertragbar, indem die so bezeichneten Personen über ihre „Jagd“ und ihre „Beute“ so sprechen können wie Tierjäger.

Ein Beispiel für diesen Sprachgebrauch enthält Clemens Brentanos 1803 entstandenes Gedicht Der Jäger an den Hirten, in dem ein Jäger zum „Schatzjäger“ wird:

Aber ich muß fort nach Thule,
Suchen auf des Meeres Grund
Einen Becher, meine Buhle
Trinkt sich nur aus ihm gesund.
Wo die Schätze sind begraben
Weiß ich längst, Geduld, Geduld,
Alle Schätze werd' ich haben
Zu bezahlen alle Schuld. […][3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Jägerlatein – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Haseder, S.449
  2. Edzard Dietz Otto : Geschichte Mesopotamiens. Von den Sumerern bis zu Alexander dem Großen. 2., verbesserte Aufl., C.H.Beck, München 2009, S. 170.
  3. Clemens Brentano: Der Jäger an den Hirten