Jankemühle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Koordinaten: 52° 6′ 36,2″ N, 14° 25′ 26,8″ O

Mühlteich mit Fundamentresten
Mühlteich entwässert
Gegenüber dem Fundament am Teichufer gelegene Fundamentreste

Zwischen Groß Briesen im Westen, Kieselwitz im Osten, Dammendorf im Norden und Chossewitz im Süden befindet sich der Standort der einstigen Jankemühle (auch Jancke-Mühle, Janigke-Mühle). Er befindet sich im Brandenburger Naturpark Schlaubetal an der Oelse.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jankemühle wurde um 1600 als Mahlmühle errichtet. Der Müller Christof Janigke[1] war hier bis zu seinem plötzlichen Tod vor 1615 tätig. Danach wirtschaftete die Witwe mit den Kindern allein, bis der älteste Sohn Martin[1] die Mühle übernehmen konnte. Im Jahre 1615 war er alt genug, als Müller die Geschäfte übertragen zu bekommen, neben dem Mühlenbetrieb weidete er 200 Schafe. Bei der Mühle befand sich auch ein Weinberg.[2]

Die Zeit des Dreißigjährigen Krieges brachte den Bewohnern des Amtes Friedland hohe Steuern, um die eigenen Soldaten zu unterhalten, dazu ständige Plünderungen von den durchziehenden Truppen. Im Jahre 1639 wurde Martin Janigke von Marodeuren der Armee des kaiserlichen Generals Gallas, welche großer Hungersnot ausgesetzt gewesen waren, heimgesucht.[3] Er war nicht in der Lage, den Geldforderungen nachzukommen und so folterten sie ihn, indem sie ihn in den heißen Backofen einsperrten. Da ihnen das nicht genug war, holten sie den von Brandwunden übersäten Müller heraus und quälten ihn „auf wahrhaft teuflische Weise“. Als sie weiter zogen, konnte ihn seine Familie noch nach Beeskow bringen, dort verstarb er jedoch kurze Zeit später an den Folgen der Misshandlungen.[4]

Die Mühle verödete nun, das Amt Friedland war von 1643 bis 1680 dem schwedischen Oberst Wittekopf[5] unterstellt, welcher den Abriss der Mahlmühle verfügte, und anordnete, an ihrer Stelle eine Schneidemühle zu errichten, was jedoch vorerst nicht geschah. Die Erben des Janigke kehrten erst 1666 zurück und fanden die zerstörten Gebäude vor. Der Weinberg war nicht mehr vorhanden, die Felder von Bäumen bewachsen, so dass das Amt sie der Amtsheide zuschlug. Die über Jahre nicht getätigten Steuern und Getreideabgaben der Mühle überstiegen den Wert des Grundstückes mehrfach. So kam es zum Erbverzicht der Janigkes.

geschützte Bäume am Forsthaus

Erst 1675[6] nach dem Erwerb des Grundstückes durch den Fürstenberger Müllermeister Baltzer Wersicke, entstanden eine neue Sägemühle und eine neue Mahlmühle.[1] Um ihm den Kauf zu erleichtern, durfte er den Kaufpreis in Raten tilgen, man lieferte ihm kostenloses Holz aus der Amtsheide und befreite ihn acht Jahre von allen Abgaben.[4] Zur Mahlmühle wurden ihm die Bewohner der Dörfer Chossewitz, Klein Briesen und Dammendorf zugewiesen. Das Holz, welches bei ihm zu Brettern geschnitten wurde, ließ er nach Beeskow bringen, um sie von dort aus nach Berlin verflößen zu lassen. 1702 übernahm sein Sohn Gottfried die Mühle.[1] Im Jahre 1732 übergab er sie an seinen Schwiegersohn Christian Hoyn (Hohn, Hoene), dessen Nachfahren noch 1834 auf der Jankemühle als Müller saßen. Man zählte im Jahre 1818 neben 16 Bewohnern auch 3 Feuerstellen. Zehn Jahre später versuchte die Familie, den Besitz zu veräußern: „Hierzu ist ein Termin auf den 17ten Juni d. J. 1828 Vormittags 10 Uhr im hiesigen Amte angesetzt“.[7] Die Jankemühle war zu diesem Zeitpunkt mit zwei Mahlgängen, einer Stampfe und einem Ölschlegel ausgestattet. Der neue Mühlenbesitzer Berger war 1848 stellvertretender Abgeordneter für den Kreis Lübben in der preußischen Nationalversammlung. Er stimmte für den Beschluss zur Steuerverweigerung vom 15. November 1848.[8] Sein Besitz wurde gelistet unter „Koschwitz mit Janke-Mühle, Gerichts-Commission Friedland“, wie damals Chossewitz genannt wurde.[9] Eine weitere Zählung erfasste 1864 neben 21 Bewohnern nur noch zwei Wohnhäuser und die Wassermühle. Die Schneidemühle war bis zum Ersten Weltkrieg in Betrieb, danach hatte sie im Sommer Pensionsgäste.

Der gesamte Besitz der Jankemühle, 313 Hektar, gehörte im Jahre 1929 Fritz-Wilm Freiherr von der Borch[10] Rittmeister a. D. (* 1871) und seiner Frau Ludmilla.[11] Bis 1945 war die Mühle ein Wohnplatz, bestehend aus dem Mühlengebäude, ausgestattet mit einem Mühlrad und einer Turbine zur Stromerzeugung, einem Arbeiterhaus mit Schuppen und Stallungen sowie landwirtschaftlicher Nutzung der Flächen. Auf Jankemühle erblickten auch der Land- und Forstwirt Adrian Freiherr von der Borch (* 25. August 1931; † 22. Februar 2005 Nieheim-Holzhausen) das Licht der Welt. Sohn von Alhard Freiherr von der Borch und Ingeborg von Rohrscheidt, verehelicht mit Gabriele Sibylle Astrid von Falkenhausen (* 19. Dezember 1928).[12] Als die Jankemühle mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 enteignet wurde, war ihr rechtmäßiger Besitzer noch immer der Rittmeister a. D. Fritz-Wilm von der Borch.[6]

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Aufnahme von sechs Flüchtlingsfamilien wurde das Mühlengebäude aufgestockt, das Gelände von der Forstverwaltung ausgebaut. Im Jahre 1955 brannte die Mühle ab, das strohgedeckte neue Dach hatte durch Funkenflug Feuer gefangen. Die Mühle brannte vollkommen herunter und wurde später abgerissen. Die Bewohner sind mit ihrer Familie nach Eisenhüttenstadt umgesiedelt, wohin ihre anderen Angehörigen bereits verzogen waren.[13] Die verbliebenen Gebäude wurden seitdem von der Forstverwaltung genutzt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helmut Klose (* 1904 auf Jankemühle; † 1987 in Haslingfield, England). Er war Schneider, Kundendichter, Landstreicher, Spanienkämpfer und gehörte zur Exilgruppe „Deutsche Anarcho-Syndikalisten“ (DAS).

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Inspector Johann Diefenbach: Die lutherische Kanzel. Beiträge zur Geschichte der Religion, Politik und Cultur im siebzehnten Jahrhundert. Verlag Franz Kirchheim, Mainz 1887, S. 136 ff (Berichte aus dem Jahre 1639 des Predigers Nicolas Hardkopf, Hamburg und Fr. Carthenius, Wittenberg, über Foltermethoden, den Schwedischen Trunk und das Verbrennen im Backofen durch die Truppen)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Müller in Brandenburg
  2. Heinz-Dieter Krausch: Der frühere Weinbau in der Niederlausitz. In: Jahrbuch für Brandenburgische Landesgeschichte. Band 18, Berlin 1967, S. 12–57, PDF (Online bei http://edoc.hu-berlin.de, S. 19)
  3. Rudolf Lehmann: Geschichte der Niederlausitz (= Veröffentlichungen der Berliner Historischen Kommission beim Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin, West, Band 5). De Gruyter, 1963, S. 236 ff.
  4. a b Heinz Tölle: Die Mühlen im Schlaubetal. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Digitaler Druck und Verlag, Bielefeld 1998, ISBN 3980554848, S. 62
  5. Otto Meinardus: Publicationen aus den k. Preussischen Staatsarchiven. 55. Band, Verlag S. Hirzel, Leipzig 1893, S. 818
  6. a b Götz von Houwald: Die Niederlausitzer Rittergüter und ihre Besitzer. Band 3, Kreis Lübben, Degener, Neustadt an der Aisch 1984, ISBN 3-7686-4109-0, S. 86
  7. Frankfurt (Oder, Regierungsbezirk): Amtsblatt der Regierung zu Frankfurt a. d. Oder. Trowitzsch, 1828
  8. Volker Klemm: Das Revolutionsjahr 1848 im preußischen Regierungsbezirk Frankfurt an der Oder. (= Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, Band 35). H. Böhlau, Weimar 1998, ISBN 3-7400-1048-7, S. 220
  9. Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. Potsdam 1849, S. 51
  10. Ernst Seyfert, Hans Wehner: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg 1929. Niekammer’s Adressbücher GmbH, 1929, S. 246
  11. Hans Friedrich von Ehrenkrook (Hrsg.): Genealogisches Handbuch des Adels. Band 80, C.A. Starke 1982, S. 85
  12. Vereinigung des Adels in Bayern e.V., München (Hrsg.): Genealogisches Handbuch des in Bayern immatrikulierten Adels. Band 15, Degener, Neustadt/Aisch 1984, S. 238
  13. Arbeitsgruppe Stadtgeschichte Eisenhüttenstadt: Eisenhüttenstadt: „erste sozialistische Stadt Deutschlands“. be.bra Verlag, 1999, ISBN 3930863685, S. 112.