Klingemühle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Koordinaten: 52° 6′ 2,2″ N, 14° 25′ 51,9″ O

Klingemühle, Terrassenanbau, Reste der Mühle mit Wasserrad-Nachbau
Klingeteich
Mönch der Klingemühle zur Wasserstandsregulierung
Bungalow der ehemaligen Ferienanlage
Dreschkasten am Weg zur Klingemühle

Die Klingemühle ist eine ehemalige Wassermühle in Chossewitz, einem Ortsteil der brandenburgischen Stadt Friedland. Die Mühlenanlage befindet sich im Naturpark Schlaubetal am Klingeteich zwischen Groß Briesen im Westen, Groß Muckrow im Süden, Kieselwitz im Osten und Dammendorf im Norden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre ersten Erwähnungen finden sich im Dreißigjährigen Krieg. Mattheus Klingemüller (Klingemöller)[1] gab der Mühle seinen Namen. Als er starb, heiratete seine Witwe erneut. Der Sohn, noch unmündig, sollte nach 20 Jahren sein Erbe antreten. Ihre Ehe mit Hans Kohl sollte von kurzer Dauer sein, da der Müller von raubenden und plündernden Kroatischen Reitern erschlagen wurde, die 1634 vor Guben lagen.[2] Ihr dritter Ehemann war bis 1639 Hans Below.[1] Unter ihm wurde die Mühle ebenso wenig wie die anderen Mühlen der Umgebung von Söldnern verschont. Man zerstörte das Inventar, leerte die Teiche und durchstach die Dämme. Daraufhin gab er auf und kehrte nach Groß Muckrow zurück. 1679 fand sich ein neuer Müller: David Ohnesorg[1] erwarb die Klingemühle für 400 Taler; bis 1755 sollte die Familie nun ansässig sein. Die Muckrower mussten ihr Getreide dort mahlen lassen und durften nur zur Amtsmühle nach Friedland, wenn das Wasser so niedrig stand, dass die Mühle länger als drei Tage außer Betrieb war. Die neuen Besitzer betrieben Landwirtschaft, hüteten 200 Schafe, trieben ihre Schweine zur Eichelmast und fischten im Teich. Einen Kahn durften sie jedoch nicht besitzen und mussten allerlei Frondienste verrichten. Um die langen Fahrten nach Stettin und Prag loszuwerden, kaufte sich der Müller durch eine jährliche Zahlung davon frei. Am 3. September 1755 wurde die inzwischen wohlhabende Mühle durch Brand zerstört. Alles wurde vernichtet, das große Wohngebäude, die Ställe und ein Teil des Viehs, die Scheune mit allen Vorräten, 200 Taler Bargeld und vieles mehr. Der Wiederaufbau sollte nur von kurzer Dauer sein, im Siebenjährigen Krieg plünderten russische Truppen mehrmals die Mühle. Ihnen folgten preußische Truppen; letztlich verstarb der Müller hoch verschuldet. Johann Gottfried Kapke[1] heiratete die Witwe und wurde so zum neuen Müller. Bis 1803 folgte ein weiterer Besitzwechsel, dann erwarb Christian Richter[1] die Mühle. Er hatte nun die Aufgabe, die heruntergekommene Mühle instand zu setzte. Er erlitt jedoch große Schäden im Vierten Koalitionskrieg 1806–1807. Trotz aller widrigen Umstände blieb die Mühle bis 1868 in Familienbesitz. Einer der Müllerssöhne, Johannes Gottfried Richter, wurde Tierarzt und erhielt im Prüfungsjahr 1886–1887 seine Approbation.[3]

Erstaunliches berichteten Vogelbeobachter im Jahr 1888 in der Region. Man entdeckte im Mai des Jahres Steppenhühner, die in Scharen zogen.[4] Wieder kam es zu Besitzwechsel. Herbord Wilhelm Eduard Snethlage wurde am 8. November 1894 in der Klingemühle geboren.[5] 1896 heiratete der Müller Robert Geschke, der nun auf der Mühle saß, in Groß Muckrow.[1] Im Jahr 1903 suchte der Fischmeister H. Ernsting für die Klingemühle eine Arbeitskraft, die zuverlässig ist.[6] Der Teich umfasste damals sieben Hektar, und war 1,5 Meter tief.[7] Als nächsten Besitzer findet man dann Freiherr von der Borch: Klingemühle, Post Weichensdorf (Brandenburg).[8] Er ist vermutlich der spätere Besitzer der Jankemühle, die an Georg Breuker (1876–1964) verkaufte. Breuker war bis 1890 Pferdejunge im Bergbau, um 1894 Lehrhauer. Sein aktives Wirken in der Gewerkschaftsbewegung und die Mitgliedschaft im Bergarbeiterverband sorgten für seine Entlassung. Die Schwarze Liste für die Mitglieder verhinderte eine Anstellung. So gründete er 1902 in Weitmar den Konsumverein Wohlfahrt.[9] Er fand in der Niederlausitz wieder Arbeit als Bergmann bis etwa 1910, dann wurde er Handelsvertreter und Mühlenbesitzer der Klingemühle.[10] Als Geschäftsmann lebte er nach dem Verkauf der Mühle wieder in seiner Heimatstadt Bochum.[11] Neuer Eigentümer war 1929 die Freifrau von Breiten-Landenberg mit einem Besitz von 285 Hektar, der 1945 enteignet wurde.[12]

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der DDR war das Gelände das Ferienheim Klingemühle des VEB Elektrokohle Lichtenberg und wurde zugleich als Tagungszentrum genutzt.[13] Die Mühle selbst war eine beliebte Ausflugsgaststätte. Nach der Wende bewirtschaftete die Ferienparadies GmbH das 30.000 Quadratmeter große Gelände bis 1998.[14]

Als Ortsteil der Gemeinde Chossewitz gab es eine eigene Postleitzahl O-1231, die am 1. Juli 1993 geändert wurde in 15848. Die Eingemeindung nach Friedland (Niederlausitz) erfolgte zum 31. März 2001. Das Gelände, seit 10 Jahren ungenutzt, wechselte mit der Zwangsversteigerung des Komplexes Hotelanlage „Waldidyll Klingemühle“ 2008 den Besitzer. Ersteigert wurde das Objekt von dem Eisenhüttenstädter Uwe Zimdahl.[15][16] Um das Gelände im Bereich der großen Freitreppe zu arrondieren, erwarb der Verein Buenaventura[17] für 4500 Euro ein Flurstück in Hanglage dazu. Völlig überraschend wurden sie auf Grund eines fehlerhaften Gutachtens Eigentümer der Klingemühle. Der Verein plante die Sanierung der Bungalowsiedlung neben der Mühle ab dem Frühjahr 2010.[18] Am 28. Mai 2011 wurde ein Teil der Klingemühle wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[19][20]

Der Klingeteich, heute insgesamt 38 Hektar groß, wird von der Schlaubefisch eG bewirtschaftet. Es gibt im See vor allem Friedfische wie Karpfen und Schleien.[21] Der Wasserstand wird von Hand reguliert, und der Klingeteich regelmäßig aus dem Chossewitzer See aufgefüllt.[22] Ein Wanderweg rund um den Klingeteich erstreckt sich über etwa fünf Kilometer und ist mit einem gelben Kreis auf weißem Grund gekennzeichnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Tölle: Die Mühlen im Schlaubetal. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Digitaler Druck und Verlag, Bielefeld 1998, ISBN 3-9805548-4-8, S. 57–61
  • Gerhard Krüger: Aus der Vergangenheit des Ordensamt Friedland Niederlausitz. Lübben 1937

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Klingemühle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Müller in Brandenburg
  2. Karl Gander: Geschichte der Stadt Guben. Koenig, Guben 1925, Nachdruck: Institut für Städtegeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität, Münster 1980, ISBN 3-921616-69-7, S. 142ff
  3. C. F. Müller, J. W. Schütz, O. Siedamgrotzky, Archiv für wissenschaftliche und practische Thierheilkunde, Band 14, Verzeichniss der Thierärzte, welche in Gemässheit der Bekanntmachung vom 25. Sept. 1869 (Bundesgesetzbl. S. 635) und der Bekanntmachung vom 5. März 1875 (Centralbl. f. d. Deutsche Reich S. 167) während des Prüfungsjahres 1886/87 von den zuständigen Centralbehörden approbirt wurden. I. Preussen. Verlag von August Hirschwald, Berlin, 1888, S. 253
  4. Deutsche Ornithologen-Gesellschaft: Journal für Ornithologie, Band 37, Friedländer, 1889, Mark Brandenburg S. 14ff
  5. Koninklijk Nederlandsch Genootschap voor Geslachten Wapenkunde: De Nederlandsche leeuw, Band 98–100, 1981, S. 483
  6. Allgemeine Fischereizeitung: Neue Folge der Bayerischen Fischereizeitung, Jahrgang 27-28, 1902 S. 212
  7. Karl Eckstein: Die Fischerei-Verhältnisse der Provinz Brandenburg zu Anfang des 20. Jahrhunderts, II. Teil, Verlag des Fischerei-Vereins für die Provinz Brandenburg, Berlin 1908, Nr. 3905, S. 168
  8. Allgemeine Fischerei-Zeitung, Band 38, 1913, S. 587.
  9. Geschichte des Konsumvereins Wohlfahrt (1914–1916)
  10. Vereinigung der Freunde von Kunst und Kultur im Bergbau: Der Anschnitt, Band 15, 1959, S. 33
  11. Georg Breuker im Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren
  12. Ernst Seyfert, Hans Wehner: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg 1929, Niekammer's Adressbücher GmbH 1929, S. 246
  13. Geographisch-Kartographische Anstalt: Geographische Gesellschaft der Deutschen Demokratischen Republik. Jahrgang 34-35, Gotha 1989, S. 211
  14. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www4.moz.deBald neues Leben in der Klingemühle?, MOZ vom 31. Juli 2007.
  15. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www4.moz.dePoker um Klingemühle geht weiter, MOZ 31. Januar 2008.
  16. Amtsblatt für Brandenburg – Nr. 14 vom 9. April 2008 (PDF; 984 kB) S. 866
  17. Amtsblatt für Berlin Herausgeber: Senatsverwaltung für Inneres und Sport ABl. Nr. 27 / 13. Juni 2008, Vereinsregister S. 1567
  18. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www4.moz.deKlingemühle „aus Versehen“ verkauft, MOZ vom 9. Dezember 2009.
  19. Ansturm auf die Klingemühle, MOZ vom 30. Mai 2011
  20. Internetpräsenz der Klingemühle
  21. Märkische Fischstraße Brandenburg/Berlin e.V
  22. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www4.moz.deAn Stauanlagen wird manipuliert, MOZ vom 9. April 2005.