Ordensamt Friedland

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Das Ordensamt Friedland war eine Standesherrschaft in der Niederlausitz, die bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in den Besitz des Johanniterordens (Balley Brandenburg) gekommen war. Das Gebiet des ehemaligen Ordensamtes liegt heute um das Städtchen Friedland herum im Landkreis Oder-Spree, Brandenburg. Die vermutlich im 13. Jahrhundert errichtete Burg und das Städtchen, das sich im Schutz der Burg entwickelte kamen früh in Adelsbesitz und wurden zum Sitz einer kleinen Adelsherrschaft mit etwa 14 Dörfern, der Herrschaft Friedland, deren Besitz häufig wechselte. Der Johanniterorden konnte seinen Besitz dann bis 1811 behaupten. Danach wurde der Besitz in ein königlich-sächsisches Amt umgewandelt. Nach dem Übergang der Niederlausitz an Preußen 1815 entstand daraus das Rentamt Friedland, das bis 1874 Bestand hatte.

Schloßhof auf der Burg Friedland

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermutlich um die Mitte des 13. Jahrhunderts entstand am Abzweig der Nord-Süd-verlaufenden Straße Beeskow-Lieberose nach Neuzelle, am Übergang dieser Straße über die Niederung des Dammmühlenfließes eine Burg, und in deren Schutz eine Ansiedlung. Burg und Stadt wurden vermutlich von Markgraf Heinrich den Erlauchten von Meißen angelegt.

Wappen der Stadt Friedland (Niederlausitz)

14. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1301 wurden Burg und Städtchen (castrum et oppidum) erstmals urkundlich genannt. Bereits 1307 war Burg und Stadt in den Besitz von Timo von Strele (Strehla) gekommen. Das Stadtwappen von Friedland zeigt die drei Sensenklingen des Wappens der von Strele, die damals auch in Beeskow saßen. Vermutlich gehörte das Gebiet um Friedland ursprünglich zur Burg in Beeskow wie auch die kirchliche Zugehörigkeit von Friedland zur Sedes (Erzpriesterstuhl) Beeskow während des Mittelalters andeutet. 1367 kam die Niederlausitz an das Königreich Böhmen und blieb unter böhmischer Lehenshoheit bis 1815.

15. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1415 war Burg und Stadt im Besitz des Otto von Kittlitz, der auch die Herrschaft Spremberg innehatte. In den 1430er Jahren stiftete die Schützengilde in Beeskow den Fronleichnams- und den Sebastian-Altar in der Marienkirche in Beeskow. Drei Bürger der Stadt verpfändeten 1432 der Schützengesellschaft für 33 Schock 40 Groschen böhmischer Münze den Zins von zehn Hufen in Reudnitz. Dieser Zins betrug immerhin fünf Scheffel Weizen und Hafer, zehn Lot Pfennige und zehn Hühner. Dieser Zins war ein Lehen des Johann IV. von Biberstein, der dazu seine Zustimmung gab.[1] Falls Reudnitz damals schon zur Herrschaft Friedland gehörte, wäre Johann IV. von Biberstein in dieser Zeit auch Besitzer der Herrschaft Friedland gewesen.

1438, 1449 und 1453 waren dann die von Lossow die Besitzer von Burg und Städtchen Friedland. Hans v. Lossow hatte 1438 die Große Heide und das Dorf Briesen an das Kartäuser-Kloster in Frankfurt (Oder) verkauft (um damit die Herrschaft Friedland zu erwerben?). Seit 1443 waren auch seine Söhne Hans und Caspar mitbelehnt. 1452 musste Markgraf Friedrich II. von Sachsen einen Streit zwischen Hans und Caspar von Lossow und ihrer Mutter auf der einen Seite und der Stadt Beeskow auf der anderen Seite schlichten. 1468 war die Herrschaft in den Besitz des Henning Quast übergegangen. 1472 wurden zwei Brüder Beynewitz mit der Herrschaft Friedland belehnt, und 1477 saß Nickel Bennewitz auf der Burg. Vermutlich bald nach dem Verkauf ihres bisherigen Stammbesitzes, der Herrschaft Wehlen (heute Stadt Wehlen), erwarb Niclas von Köckritz die Herrschaft Friedland sowie die Herrschaft Schenkendorf bei Guben, und 1485 auch noch die Herrschaft Lieberose (Lieberose im Landkreis Dahme-Spreewald). Niclas von Köckritz wurde 1490 Landvogt der Niederlausitz, ein Amt, das er bis 1494 innehatte. 1496 kaufte er zusätzlich noch die Herrschaft Lübbenau. Die vier Herrschaften umfassten wohl über 40 Ortschaften; Niclas von Köckritz war damals der reichste Grundbesitzer in der Niederlausitz.

16. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1499 starb Niclas von Köckritz und im gleichen Jahr wurden seine sieben Söhne Hans, Nickel, Heinrich, Dietrich, Caspar, Lippold und Poppo mit dem umfangreichen Besitz belehnt. Die Lebensgeschichten von fünf der sieben Brüder sind nicht im Einzelnen bekannt. Hans wurde Kanzler des polnischen Königs und Großherzogs von Litauen Sigismund. Er war bereits zur Prinzenzeit des Sigismund, als dieser von 1504 bis 1506 Landvogt der Niederlausitz war, dessen Vertreter in der Niederlausitz. Die Brüder konnten den umfangreichen Besitz nicht zusammen halten. 1503 verkauften sie die Herrschaft Lübbenau für 9000 Gulden an Werner von der Schulenburg. 1512 musste die Herrschaft Schenkendorf um 12.000 Gulden auf Wiederkauf an den Johanniterorden verkauft werden.

1518 starb Caspar von Köckritz, der offensichtlich den Besitz geerbt hatte und hinterließ vier Söhne, nur der älteste Sohn Georg war schon mündig. Da die Herrschaft stark verschuldet war, verkaufte der Niederlausitzer Landvogt Heinrich Tunkel von Bernitzko als Vertreter des Lehensherrn und Vormund der drei noch unmündigen Kinder Hans, Andreas und Peter von Köckritz die Herrschaft Friedland für 16.750 Rheinischer Gulden an den Johanniterorden bzw. den Johanniterordensmeister Georg von Schlabrendorf. 1519 wurde auch die Herrschaft Lieberose, ein Sternbergsches Lehen für 16.000 Gulden an Jacob und Richard von der Schulenburg verkauft. Der schnelle Verkauf und der vergleichsweise niedrige Kaufpreis der Herrschaft Friedland lassen vermuten, dass hier ein abgekartetes Spiel dahinter stand, vor allem wenn man den weiteren Verlauf der Geschichte verfolgt. Als die Brüder mündig geworden waren, fochten sie den Verkauf an. Zwar hatte König Ludwig II. 1523 zunächst seine Zustimmung zum Verkauf gegeben, zog diese aber später wieder zurück. Der Landvogt der Niederlausitz Heinrich Tunkel von Bernitzko ignorierte den königlichen Befehl, worauf der Hauptmann von Cottbus, Hans von Pannwitz angewiesen wurde, die Brüder Köckritz wieder in Friedland einzusetzen. 1527 belehnte der neue böhmische König, der Habsburger Ferdinand I. die Brüder Georg, Hans und Andreas förmlich mit der Herrschaft Friedland. Sie mussten aber ihren Besitz erneut an den Ordensmeister der Johanniter, jetzt Veit von Thümen verpfänden. 1533 mussten sie die Herrschaft für den immerhin etwas besseren Preis von 21.500 Taler letztendlich doch an den Johanniterorden verkaufen.[2] Zur Herrschaft gehörten damals:[3]

Die Herrschaft Friedland wurde nun ein Ordensamt umgewandelt, dessen Einkünfte dem Herrenmeister der Balley Brandenburg als Tafel- und Kammergut zukamen. Das Ordensamt wurde von einem Ordenshauptmann verwaltet, der auf der Burg Friedland residierte. Seit 1460 hatte der brandenburgische Kurfürst das Nominatsrecht für die Wahl des Herrenmeisters der Balley Brandenburg und damit faktisch eine Kontrolle über diesen Teil des Johanniterordens. 1538 trat der brandenburgische Kurfürst Joachim II. zur lutherischen Lehre über. Die Ballei Brandenburg unter ihrem Herrenmeister Veit von Thümen (1527–1544) folgte ihm in diesem Schritt. Nach dem Tod des Veit von Thümen kam es zum Eklat. Dieser hatte mit dem brandenburgischen Kurfürsten einen Erbvertrag geschlossen und ihm sein Barvermögen hinterlassen. Das weckte auch Begehrlichkeiten beim in Prag weilenden Landvogt der Niederlausitz Albrecht von Schlick Graf von Passaun, der den Hauptmann in Friedland anwies, die Schlösser in Friedland und Schenkendorf verschlossen zu halten, bis der in Speyer weilende König Ferdinand sich in der Sache geäußert hätte. Joachim von Quast, der Ordenshauptmann in Friedland öffnete jedoch dem angereisten brandenburgischen Kurfürsten Johann die Schlösser. So konnte er sein Erbe in Empfang nehmen. Außerdem konnte auch gleich der neue Ordensmeister Joachim von Arnim in die zwei Herrschaften Friedland und Schenkendorf eingeführt werden. Der Ordensmeister wandte sich auch direkt an den König. Dieser fand wohl, dass der Landvogt zu weit gegangen war, denn sowohl König wie Landvogt unternahmen keine weiteren Schritte. 1545 erhielt der Ordensmeister Thomas Runge die Belehnung vom Landvogt anstelle des Königs.

17. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehemalige Herrschaft Friedland blieb nun im Besitz des Johanniterordens bis 1811. Aufgrund des Besitzes der beiden Herrschaften Friedland und Schenkendorf hatte der Ordensmeist Sitz und Stimme in der Herrenkurie bei den Landtagen der niederlausitzischen Ständeversammlung. Regelmäßig kam es zu Reibereien zwischen dem Abt von Neuzelle und dem Ordensmeister um den ersten Platz in der Herrenkurie. Beide waren landtagsberechtigt, d. h. hatten Sitz und Stimme in der Herrenkurie. Jedoch stand der Ordensmeister im Rang höher als der Abt von Neuzelle. Der Ordensmeister war jedoch nur Besitzer einer Standesherrschaft, die im Rang nach dem Kloster Neuzelle stand[4]. Von 1643 bis 1650 hatte sich der schwedische Oberst Johann Wittkopp das Ordensamt Friedland widerrechtlich angeeignet.

1811 wurde die Balley Brandenburg aufgehoben. Letzter Herrenmeister war August Ferdinand Prinz von Preußen. Das Ordensamt Friedland wurde vom damaligen sächsischen König Friedrich August I. eingezogen und in ein königlich-sächsisches Amt umgewandelt. 1815 verlor das Königreich Sachsen über die Hälfte seines Staatsgebietes an Preußen, darunter auch die Niederlausitz. Das sächsische Amt Friedland wurde in ein preußisches Rentamt umgewandelt. Verwalter des Rentamtes war 1816 Oberamtmann Jänichen.[5] 1854 gehörten zum Rentamt Friedland (nach Berghaus[6])

Das Rentamt Friedland wurde 1874 aufgelöst.

Hauptmänner, Amtmänner und Generalpächter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1688–1700 Christian Leberecht Hünicke, ehem. kurfstl. brandenb. Hauptmann d. Garde zu Fuß in Magdeburg, +1700[7]
  • um 1700 Hans Caspar von Klitzing[8]
  • 1793 Karl August Hubert, Generalpächter[9] (bewirtschaftete auch das Amt Zossen)

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Neitmann: Laienwelt und Kirche im spätmittelalterlichen Beeskow. In: Ekkehard Krüger, Dirk Schumann (Hrsg.): Sankt Marien zu Beeskow. S. 41–73, Lukas-Verlag, Berlin 2012 ISBN 978-3-931836-32-0 bei Google Books (S. 60)
  2. Zum Johanniter-Ordensamt Friedland siehe Christian Gahlbeck, Ralf Gebühr, Dirk Schumann: Sonnenburg (Słońsk). Johaniter-Ordensschloss. In : Heinz-Dieter Heimann, Klaus Neitmann, Winfried Schich u. a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. (= Brandenburgische historische Studien, Band 14). Band 2. Be.bra-Wissenschaft-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-937233-26-0. S. 1148–1175, hier S. 1155f.
  3. Vgl. Besitz der Johanniter-Ordensämter Friedland und Schenkendorf (Karte), in Klosterbuch 2, S. 1172
  4. Winfried Töpler: Das Kloster Neuzelle und die weltlichen und geistlichen Mächte 1268–1817. Lukas-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-931836-53-3, S. 288 (Ansicht bei Google Books)
  5. Amtsblatt der Königlich Preußischen Regierung zu Frankfurt a.d. Oder, Jahrgang 1816, No. 22 vom 29. Mai 1816 Online bei Google Books (S. 247)
  6. Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts; oder geographisch-historisch-statistische Beschreibung der Provinz Brandenburg. Dritter Band. Adolph Müller, Brandenburg 1856, S. 653ff. (Ansicht bei Google Books)
  7. Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA) Rep. 9B Johanniterorden 3031, 3078, 3081.
  8. Götz Freiherr von Houwald: Die Niederlausitzer Rittergüter und ihre Besitzer. Band VII Kreis Kottbus. 278 S., Neustadt an der Aisch 2001, Verlag Degener & Co. ISBN 3-7686-4206-2 (S. 51)
  9. H. H. Müller: Domänen und Domänenpächter in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert. In: Otto Büsch,Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preussische Geschichte 1648 - 1947: Eine Anthologie. 1. Band, S. 316–359, De Gruyter, Berlin, 1981 ISBN 3-11-008714-6, S. 344