Jean Rhys

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Jean Rhys (mit Hut) in Velthams (1970er Jahre)

Jean Rhys (eigentlich Ella Gwendolen Rees Williams) (* 24. August 1890 – möglicherweise auch 1894 – in Roseau auf Dominica; † 14. Mai 1979 in Exeter in England) war eine britisch-koloniale Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rhys war die Tochter eines walisischen Vaters und einer kreolischen Mutter. Sie wuchs in der Karibik auf und kam im Alter von sechzehn Jahren nach England, wo sie erst einmal Revuegirl in der englischen Provinz war. Nach dem Tod ihres Vaters 1910 lebte Jean Rhys am Rande der Armut. Sie beschäftigte sich mit Kunst und Literatur, arbeitete als Aktmodell und ließ sich von Männern aushalten.

1919 heiratete sie zum ersten Mal. Von ihren zwei Kindern starb eines frühzeitig. Insgesamt war sie dreimal verheiratet. Ihr letzter Ehemann starb 1966 im Gefängnis. Während der 1920er Jahre zog Rhys auf den europäischen Kontinent und wohnte u. a. in Paris. Sie hatte stets Heimweh nach der Karibik, ihr erster Ehemann kam in dieser Zeit ins Gefängnis. Der Beginn einer Alkoholkrankheit fällt in diese Zeit.

1923 fing Rhys an zu schreiben und wurde dabei von dem englischen Schriftsteller und Verleger Ford Madox Ford gefördert. Viele ihrer Arbeiten tragen autobiographische Züge. So handelt ihr Roman „Quartett“ in verschlüsselter Form von ihrer Affäre mit Ford, der als kalt und egoistisch beschrieben wird. Dieser lobte zwar ihren durchdringenden Außenseiterblick und ihr literarisches Formbewusstsein, zeichnete aber in „When The Wicked Man“ ein verschlüsseltes Zerrbild ihrer Person.

Bis 1939 erschienen Erzählungen und vier Romane von Jane Rhys. Unter anderem nutzte sie die Technik des Bewusstseinsstroms.

Dann geriet die Autorin für fast drei Jahrzehnte in Vergessenheit. Man glaubte, sie sei verstorben und der Verlag ließ nach ihr suchen, worauf sie sich wieder meldete. 1966, in dem Jahr, in dem ihr Roman „Sargassomeer“ erschien, wurde Jean Rhys als postkoloniale Autorin entdeckt und errang literarischen Ruf. Dazu trug nicht zuletzt die feministische Bewegung bei, die den Roman als Fortschreibung des viktorianischen Klassikers „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë las. In diesem Buch taucht eine „mad lady in the attic“ auf, worauf Rhys Bezug nimmt: Ihre Hauptfigur, die einen Engländer heiratet, welcher wie die meisten Briten die Karibik nicht versteht oder verstehen will, endet als Verrückte auf einem Dachboden in England.

Das Magazin Time zählte das Buch zu den besten 100 englischsprachigen Romanen, die zwischen 1923 und 2005 veröffentlicht wurden. Erst 1980 wurde er ins Deutsche übersetzt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Postures. 1928; Amerikanischer Titel Quartett, 1929.
  • After leaving Mr. Mackenzie, 1931
  • Voyage in the dark, 1934
  • Good Morning Midnight, 1939
  • Let them call it Jazz, 1962
  • Wide Sargasso Sea, 1966
    • Sargassomeer. Übersetzung Anna Leube. Berliner Taschenbuch Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-8333-0264-0
    • Die weite Sargassosee. Übersetzung Brigitte Walitzek. Schöffling & Co, Frankfurt 2015
  • Sleep it off lady: stories
  • Smile, please: an unfinished autobiography; posthum veröffentlicht 1979
Ausgabe der Briefe
  • Jean Rhys's Letters: 1931–1966. Ed. 1984, by Francis Wyndham and Diana Melly.

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefanie Holzer: Wie ein Hund in der Türkei. Anmerkungen zur Schriftstellerin Jean Rhys. In: Merkur. Heft 12, Dezember 2001.
  • Critical Perspectives on Jean Rhys. Ed. Pierrette M. Frickey. Three Continents Press, Washington 1990, ISBN 0-89410-059-9.
  • Helen Carr: Jean Rhys. Northcote House, Plymouth 1996, ISBN 0-7463-0717-9.
  • Arnold Davidson: Jean Rhys. Ungar, New York 1985, ISBN 0-8044-2143-9.
  • Veronica Marie Gregg: Jean Rhys's Historical Imagination: Reading and Writing the Creole. North Carolina UP, Chapel Hill 1995, ISBN 0-8078-2196-9.
  • Jean Rhys: Wide Sargasso Sea: A reader's guide to essential criticism. Ed. Carl Plasa. Macmillan, Houndsmills 2001, ISBN 1-84046-268-X.
  • Lilian Pizzichini: The blue hour : a portrait of Jean Rhys. Bloomsbury, London Berlin u.a. 2009, ISBN 978-0-7475-9740-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]