Jehuda Amichai

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Jehuda Amichai (hebräisch יהודה עמיחי; ) (* 3. Mai 1924 in Würzburg; † 22. September 2000 in Jerusalem; eigentlich Ludwig Pfeuffer; Namensänderung in Amichai = hebr. Mein Volk lebt, im Jahr 1946) war ein deutsch-israelischer Lyriker. Er gilt als einer der meistgelesenen und bedeutendsten modernen israelischen Dichter und war einer der ersten, die in umgangssprachlichem Hebräisch schrieben.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amichai wurde als Sohn eines Kaufmanns geboren und wuchs in einer jüdisch-orthodoxen Familie auf. 1935 wanderte seine Familie mit ihm nach Palästina aus. Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er in der Jüdischen Brigade der British Army und nach Kriegsende im Palästinakrieg für die Unabhängigkeit Israels. Später wurde Amichai zu einem Anwalt des Friedens und der Aussöhnung im Nahen Osten und arbeitete eng mit palästinensischen Autoren zusammen.

Nach seinem Ausscheiden aus der Armee nahm Amichai an der Hebräischen Universität in Jerusalem ein Studium der Bibelwissenschaften und der hebräischen Literatur auf. Im Anschluss arbeitete er zunächst als Lehrer, später als Hochschuldozent für hebräische Literatur. Ein erster Gedichtband erschien 1955 unter dem Titel Jetzt und in den anderen Tagen.

Amichais erster Roman Nicht von jetzt, nicht von hier erschien 1963.

In seinem Werk ist Amichai viel spontaner, ironischer und weniger offensichtlich literarisch als andere hebräische Dichter. Für die revolutionäre Änderung der Sprache der Dichtung, die durch sein Werk eingeleitet wurde, verlieh ihm der Staat Israel 1982 den Israel-Preis. Seine Geburtsstadt Würzburg ehrte ihn 1981 mit dem Kulturpreis der Stadt und benannte 2005 eine Straße nach ihm. 1991 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt, seit 1993 war er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Amichais Bücher sind in mehr als 40 Sprachen übersetzt.

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Alter: Only a Man, in The New Republic, 31. Dezember 2008 Online
  • Boas Arpali: "The Flowers and the Urn". Amichai's Poetry - Structure, Meaning, Poetics. Hakibbutz Hameuchad, 1986
  • Boaz Arpali: Patuach, Patuach. Haaretz, 16. Januar 2009 Online
  • Nili Scharf Gold: Yehuda Amichai: The Making of Israel's National Poet. Brandeis University Press, 2008
    • Rezension: Joshua Cohen: The poet who invented himself. Forward, 4. September 2008
  • Boas Arpaly: The making of Israel National Poet, in SHOFAR, winter 2010, 28, 2, S. 213f
  • Essi Lapon-Kandeslshein: To Commemorate the 70th Birthday of Yehuda Amichai: A Bibliography of His Work in Translation, Ramat Gan (Israel): Institute of the Translation of Hebrew Literature, 1994.
  • Christian Leo: "Wischen, Erinnern und Vergessen". Jehuda Amichais Roman 'Nicht von jetzt, nicht von hier' im philosophischen und literarischen Kontext. Königshausen & Neumann, Würzburg 2004
  • Dan Miron: Yehuda Amichai - A Revolutionary With a Father. Haaretz, 3,12,14, Oktober 2005
  • Matt Nesvisky: Letters I wrote to you, The Jerusalem Report, 8. Dezember 2008
  • Yehudit Tzvik:Yehuda Amichai: A Selection of critical essays on his writing. Hakibbutz Hameuchad, 1988
  • The Modern Hebrew Poem Itself, 2003, ISBN 0-8143-2485-1
  • Chana Kronfeld: The Wisdom of Camouflag. Prooftexts 10, 1990 pp. 469–491
  • Bruno Rottenbach: Zwischen Würzburg und Jerusalem. Ein deutsch-jüdisches Dichterschicksal. Biographie und Werkauswahl. Hg. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Würzburg 1981
  • Renate Eichmeier, Edith Raim: Zwischen Krieg und Liebe. Der Dichter Jehuda Amichai. Metropol Verlag, Berlin 2010 ISBN 978-3-940938-98-5
    • Annette Sommer, Rezension, Kalonymos, 15. Jg. 2012, H. 1, S. 11–13 (auch online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]