Joachim Kopper

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Grab von Joachim Kopper auf dem Hauptfriedhof Mainz

Joachim Kopper (* 31. Juli 1925 in Saarbrücken; † 17. April 2013 in Mainz) war ein deutscher Philosoph und Hochschullehrer in Mainz.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joachim Kopper, geb. 1925 in Saarbrücken, studierte nach dem Abitur und Wehrdienst 1945-1950 Philosophie, Germanistik und Klassische Philologie in Göttingen und Köln. 1949 promovierte er zum Thema "Die Metaphysik Maurice Blondels". 1950-1952 war er Fremdsprachenassistent an den Gymnasien Saint Louis und Carnot in Paris und 1951-1954 Assistent am Philosophischen Seminar der Universität Saarbrücken. 1954 habilitierte er dort über "Die Metaphysik Meister Eckarts" und war 1960-1965 dort Professor. Nach einer Gastprofessur an der Universität Dakar/Senegal (1965-67) ist er bis 1969 ordentlicher Professor für Philosophie an der Deutschen Sporthochschule Köln und ab 1969 ordentlicher Professor für Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Für sein Engagement in der deutsch-französischen Hochschulzusammenarbeit (Gastprofessuren in Rennes und Dijon) wurde er 1984 mit dem Doctor honoris causa der Université de Bourgogne, Dijon, ausgezeichnet. Ab 1987 und über die Emeritierung (1993) hinaus war er als Partnerschaftsbeauftragter der Universität Mainz für die Universität Dijon tätig. Seine Verdienste um die deutsch-französische Zusammenarbeit im Hochschulbereich wurden mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse (1993) und der Ernennung zum Officier de l’Ordre des Palmes Académiques (1996) ausgezeichnet. Er starb 2013.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Auseinandersetzung mit der Transzendentalphilosophie Kants und deren Einordnung in einen ebenso historisch wie systematisch zu verstehenden Prozess der Selbstvergewisserung des Denkens bildete den Schwerpunkt seiner Forschung. Seine Analysen umfassen den Gang des abendländischen Denkens von der Aporetik Zenons über das metaphysische Denken Anselms von Canterbury und Thomas von Aquin, Meister Eckarts, Leibniz', über den Skeptizismus Descartes', Berkeleys und Humes zur Transzendentalphilosophie Kants, die Weiterentwicklung des transzendentalen Anliegens im deutschen Idealismus, Kierkegaard und Heidegger und zahlreiche Analysen zur französischen Philosophie im 20. Jahrhundert (Sartre, Jankelevitch, ….)

Kopper entwickelt eine Philosophie des Selbstbewusstseins, in der er metaphysische und ontologische Fragestellungen auf das Grundproblem der Selbstvergewisserung des Denkens zurückführt. Das Grundproblem des Denkens besteht nicht darin, dass das Begreifen an einem ganz andersartigen, anschaulich gegebenen Material stattfinden muss, sondern das Material, das dem Begreifen vorausgesetzt ist, ist selbst von der Art des Wissens, wenngleich es als solches Wissen nicht unmittelbar Begriff sein kann. Das Denken Koppers zielt nun darauf ab, die historische Entwicklung des Denkens zu verstehen als einen Prozess, der sich aus der dem Begreifenkönnen selbst innewohnenden Nötigung zum Bestimmen ergibt.

Aus der Reflexion auf das Begreifenkönnen geht es hervor, dass raumzeitlich strukturierte Erkenntnis „objektiv“ gültig ist, in der objektiven Bestimmung aber prinzipiell nicht zum Abschluss kommen kann. Das Selbstbewusstsein gelangt durch Erfahrung zum Wissen einer Ordnung im Nach- und Auseinander, das es als strukturierte Anschauung wahrnimmt. In der Erfahrung können die einzelnen Inhalte das Gesamt des Wissens, durch das sie ermöglicht werden, nicht zum Ausdruck bringen. Dass das Ganze des Wissens in die bestimmte Anschauung eingeht bzw. eingegangen ist, zeigt sich daran, dass uns die Dinge ausgedehnt gegenwärtig sind. Am gegenwärtigen Objekt können wir jedoch den Grund seines Bestimmtseins nicht anschauen. So geht unserer als strukturiert erfahrenen Anschauung etwas voraus, das nicht bestimmt werden kann, obwohl es Bestimmung ermöglicht.

Das Werk Joachim Koppers befasst sich systematisch und historisch damit, dieses dem Begreifen vorausgesetzte „Geschehen“ zur Darstellung zu bringen. Die Methode ergibt sich in der Reflexion auf das Begreifenkönnen als des Prinzips der Erzeugung des Wissens im Ausgedehnten. Er wendet diese Methode historisch, in der Durchdringung des philosophischen Denkens von Zeno bis Kant und darüber hinaus an, und stellt die historische Entwicklung als den Prozess des Zusichkommens des denkenden Selbstbewusstseins dar. Grundmomente des historischen Prozesses sind:

- die Offenheit des Wissens der Reflexion als eines solchen, das sich in der bestimmten Anschauung nicht erreichen kann, in den Zenonischen Aporien.

- die Verstellung dieser Offenheit in einem Denken, das den ersten Akt der Reflexion in den Zenonischen Aporien, nämlich die bestimmte Anschauung, durch die dogmatische Behauptung des Kontinuums als dasjenige setzt, woran sich das Denken halten müsse, ohne den zweiten Akt der Reflexion, nämlich das Sichverfolgen des Denkens in seinem Begreifenkönnen, weiter zu verfolgen. - Die dogmatische Fixierung der Anschauung führt zur Entfaltung des metaphysischen Denkens von Aristoteles bis zum Skeptizismus. Im Skeptizismus des Descartes und der englischen Empiriker löst sich das Fürsichgelten des anschaulich gegebenen Objekts auf, indem die Strukturen von Raum und Zeit, unter denen es bestimmt ist, in die Reflexion hineingenommen werden.

- Das transzendentale Denken der Kritik der reinen Vernunft ist der Versuch, das Weltverstehen aus dem Prinzip des Begreifenkönnens vorstellig zu machen. Die Anschauung scheint bei Kant wieder dogmatisch vorausgesetzt zu sein, wie sie es der Zeit nach auch tatsächlich ist. In seinen Analysen hat sich Joachim Kopper zu zeigen bemüht, dass Kants transzendentale Lehre Darstellung eines durch die Doktrin nicht explizierbaren Wissens ist: die doktrinale Darstellung kann sich nur auf diejenige Begrifflichkeit stützen, die aus dem Wissen des Bestimmten hervorgeht, das Geschehen des Bestimmens aber, das vor aller Zeit- und Räumlichkeit liegt, kann durch die in die Vielheit gebundene Begrifflichkeit grundsätzlich nicht erfasst werden. Das eigentliche Resultat der Kritik der reinen Vernunft ist daher nach J. Kopper die prinzipielle Aussagelosigkeit des Seins als eines solchen, das sowohl die Erfahrungserkenntnis als gesicherte Erkenntnis als auch die grundsätzliche Bedürftigkeit des menschlichen Wissens, das sich als Erfahrung nicht vervollständigen kann, bedingt. Trotz der Aussagelosigkeit geht aus der Einkehr des Denkens in das Prinzip des Begreifenkönnens ein neues Sichverstehen des Menschen hervor, das von dem Sichverstehen, das sich am vorausgesetzten Dasein der Dinge in Raum und Zeit orientiert, völlig verschieden ist.

In seinem Spätwerk bemüht sich Joachim Kopper, in der Bescheidung, die dem sich aus dem Begreifenkönnen verstehenden Wissen auferlegt sein muss, doch zur Darstellung dieser prinzipiellen Nötigung zur Bescheidung, und im Innestehen in der Bescheidung doch zur Mitteilung zu kommen.

Buchveröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Struktur der Metaphysik Maurice Blondels. Diss. [masch.] Köln 1949. Neudruck: s. Punkt 12.
  2. Die Metaphysik Meister Eckharts. Saarbrücken: West-Ost-Verlag, 1955.
  3. Die Dialektik der Gemeinschaft. Frankfurt a. M.: Klostermann, 1960.
  4. Transzendentales und dialektisches Denken. Köln: Kölner Universitäts-Verlag, 1961. [Kantstudien-Ergänzungshefte Nr. 80]
  5. Reflexion und Raisonnement im ontologischen Gottesbeweis. Köln: Kölner Universitäts-Verlag, 1962.
  6. Reflexion und Determination. Berlin: De Gruyter, 1976. [Kantstudien-Ergänzungshefte Nr. 108]
  7. Einführung in die Philosophie der Aufklärung. Theoretische Grundlagen. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1979.
  8. Ethik der Aufklärung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1983.
  9. Die Stellung der Kritik der reinen Vernunft in der neueren Philosophie. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft,1984.
  10. Das transzendentale Denken des Deutschen Idealismus. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1989.
  11. Kurze Betrachtung der Entwicklung des europäischen Denkens von Descartes bis Kant. Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang, 1997.
  12. Die Struktur der Metaphysik Maurice Blondels. Hrsg. von Stephan Grätzel und Joachim Heil, mit einem Vorwort von Peter Reifenberg. London: Turnshare, 2006. [Neudruck der Dissertation von 1949]
  13. Das Unbezügliche als Offenbarsein. Besinnung auf das philosophische Denken. Frankfurt a.M. u.a.: Peter Lang, 2004. 2. Auflage 2009.
  14. Einbildungskraft, Glaube und ontologischer Gottesbeweis. Die Gottesfrage in philosophischer Besinnung. (Enthält die beiden Werke: „Einbildungskraft und Glaube – Die Einheit des jüdischen und des christlichen Denkens“ [Erstveröffentlichung] sowie „Reflexion und Raisonnement im ontologischen Gottesbeweis“ [überarbeiteter Neudruck der Ausgabe von 1962.]) Freiburg: Verlag Karl Alber, 1. Aufl. 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]