Jodel (App)

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Jodel
jodel.com
Motto The Hyperlocal App
Beschreibung Soziales Netzwerk
Registrierung nein
Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch
Eigentümer The Jodel Venture GmbH
Erschienen Oktober 2014[1]
Beispiel eines Jodels: rechts die Differenz der Up- und Downvotes, unten das Alter, die Anzahl der Kommentare und die „Nähe“ des Jodels („nah“ bedeutet innerhalb 10 km)

Jodel ist eine mobile Social-Media-Applikation, die überwiegend von Studenten genutzt wird. Die App ermöglicht ihren Nutzern, anonymisiert Beiträge (Jodel) zu veröffentlichen, die in einem Radius von zehn Kilometern für andere Nutzer sichtbar sind. Ein Beitrag kann entweder ein (von der Länge her beschränkter) Text oder ein aufgenommenes Foto mit kurzem Kommentar sein. Jeder Beitrag kann anschließend von anderen Nutzern in der Nähe positiv und negativ bewertet sowie kommentiert werden. Damit ähnelt die App der Anwendung Yik Yak, die im Mai 2017 ihren Betrieb einstellte.[2][3]

Die Jodel Venture GmbH hat ihren Sitz in Berlin und beschäftigt 30 Mitarbeiter. Gründer und Geschäftsführer ist Alessio Borgmeyer.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jodel wurde im Oktober 2014 von dem deutschen Studenten Alessio Borgmeyer, einem ehemaligen Studenten der RWTH Aachen, veröffentlicht.[1][5] Seine Freunde helfen ihm bei der Leitung des Unternehmens: Tim Schmitz ist für die Finanzen zuständig, Niklas Henckell managt die Community und Alexander Linewitsch leitet die Produktentwicklung.[6] Die vier wohnen gemeinsam in einer Wohngemeinschaft, die an das Unternehmen anlehnend „Alpen-WG“ genannt wird.[7][8]

Im April 2015 hatte die App mehr als 100.000 Benutzer und im Oktober desselben Jahres bereits mehr als eine Million.[9] Das Unternehmen expandierte nach Österreich, Schweden, Norwegen, Dänemark und in die Schweiz. Im Mai 2016 wurden jeden Tag 600.000 Jodel geschrieben.[10] Im Juni 2017 erhielt das Start-up sechs Millionen Dollar von Investoren aus dem Silicon Valley und plant die US-Expansion.[3] Im August 2017 hatte die App über 1,5 Millionen Benutzer.[11] Im April 2018 verkündete das Unternehmen, dass allein in Deutschland die Nutzerzahl bereits „einen siebenstelligen Bereich“ erreicht habe.[12]

Im November 2017 wurde von einem anonymen Jodel-Nutzer aus Trier ein Amoklauf angekündigt.[13] Über die IP-Adresse konnte die Polizei den Nutzer identifizieren und ausfindig machen; eine Anklage wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten wurde erhoben. Jodel-Gründer und Geschäftsführer Borgmeyer sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, man sei keine Plattform, auf der man das Gesetz brechen dürfe. Man habe bewusst mit der Polizei kooperiert. Auch bei „Jodel“ gebe es für „Sprücheklopfer“ Grenzen.[14]

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jodel verwendet GPS, um den Standort des Benutzers zu bestimmen. Anschließend werden die Beiträge von anderen Benutzern in der Nähe (bis zehn Kilometer) angezeigt.[15] Dabei können diese nach Alter der Beiträge, Zahl der Kommentare oder ihrer Bewertung sortiert werden.

Beiträge, auch eigene, können pro Benutzer einmalig positiv oder negativ bewertet werden, nach dem Prinzip von Reddit. Die Summe dieser Stimmen wird im Beitrag angezeigt. Bei einer zu niedrigen Punktzahl wird der Beitrag automatisch entfernt.

Da alle Beiträge und Kommentare anonymisiert erfolgen, ist keine Registrierung vorgesehen. Nutzer können jedoch Punkte sammeln („Karma“), indem von ihnen verfasste Beiträge von anderen Benutzern hochgewählt werden.[16]

Seit November 2016 existiert die sogenannte „Heimat-Funktion“. Sie ermöglicht es den Nutzern, Beiträge an einem Ort, an dem sie sich momentan nicht befinden (zum Beispiel der Heimatstadt), zu lesen und zu verfassen, jedoch ohne dass sie dafür Karma-Punkte erhalten können, um sogenanntes „Reposten“ zu verhindern.

Parallel dazu gibt es seit Sommer 2017 den sogenannten „Traveller Feed“ der es im Ausland ermöglicht, mit anderen Nutzern der App zu kommunizieren, die auch als Touristen in dieser Stadt unterwegs sind.

Ähnlich wie bei Twitter können Hashtags in den Beiträgen verwendet werden. Außerdem gibt es mit sogenannten Channels die Möglichkeit, eigene Bereiche zu bestimmten Themen zu erstellen.

Ab und zu wird im Feed ein andersfarbiger Jodel angezeigt, der als Position „Jodel HQ“ angibt. Damit richten sich die Betreiber der App an die Benutzer. So werden Begrüßungen, Bans[17] oder auch andere Nachrichten darüber mitgeteilt.

Anonymität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer Forschergruppe der Universität Passau ist es gelungen, aus einer Stichprobe von etwa 38.000 Jodel-Nachrichten den Standort in 96 % der Fälle mit einer Genauigkeit von 10 Metern zu bestimmen. Die Forscher nutzten dabei einen Verband aus drei Clients mit gefälschten Ortsdaten: Einer bleibt am gleichen Ort und fordert Nachrichten im Umkreis von 10 km an. Die anderen beiden werden nördlich und westlich davon so positioniert, dass sie die Nachrichten des fixierten Clients nicht erhalten. Sie werden nun Stück für Stück näher an den Standort des fixierten Clients gebracht, bis sie dessen Nachrichten empfangen können. Aus dem Schnittpunkt der 10-km-Umkreise der wandernden Clients lässt sich dann der Standort der untersuchten Nachricht bestimmen. Dadurch kann eine Nachricht einer Person oder einer Gruppe von Personen, die an einem bestimmten Ort leben, zugeordnet werden. Mit weiteren Verfahren kann dann möglicherweise auf die Identität der Benutzer geschlossen werden.[18]

Deanonymisierung und Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Betreiber von Jodel ist trotz fehlender expliziter Registrierung in der Lage, Anwender zu identifizieren und kooperiert in manchen Fällen auch mit Sicherheitsbehörden. So identifizierte Jodel beispielsweise im November 2017 einen Studenten der Universität Trier, der eine Amokdrohung gepostet hatte. Seine Wohnung wurde daraufhin vom SEK gestürmt und er wurde festgenommen.[19] Auch bereits in anderen Fällen hatte das Unternehmen angekündigt, mit der Polizei zu kooperieren.

Geschäftsmodell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Angaben des Unternehmens finanziert sich Jodel bislang nur durch Investoren. Die aktuellen Investoren der App sind Redalpine Venture Partners, Global Founders Capital, Christophe Maire, Felix Haas.[4] Die App ist kostenlos.[20] Das Unternehmen hatte im Juni 2017 30 Mitarbeiter.[21]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Warum Studenten die App Jodel lieben – und Promi-Investoren auch. Gründerszene, 25. August 2015, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  2. Biz Carson: The Yik Yak app is officially dead. In: businessinsider.de. 28. April 2017, abgerufen am 7. Juni 2017.
  3. a b Alexander Demling: Wenn US-Amerikaner jodeln lernen. In: handelsblatt.com. 6. Juni 2017, abgerufen am 7. Juni 2017.
  4. a b Jodel: Deutscher Campus-Klamauk erobert das Ausland. In: WiWo Gründer. 21. Oktober 2016, abgerufen am 2. Mai 2017.
  5. Warum Studenten die App Jodel lieben – und Promi-Investoren auch. In: gruenderszene.de. Abgerufen am 23. Februar 2017.
  6. Viola Diem: Friends with benefits. In: Zeit Campus. 24. Juli 2017, abgerufen am 23. August 2017.
  7. Martin Wiens, bento: Wie die App Jodel Deutschlands Unis erobert. (bento.de [abgerufen am 17. Februar 2018]).
  8. Für immer Feierabend: Zu Besuch in der WG der Jodel-Gründer. In: Gründerszene Magazin. (gruenderszene.de [abgerufen am 17. Februar 2018]).
  9. Redalpine steigt bei gehypter Jodel-App ein. In: gruenderszene.de. 29. Januar 2016, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  10. Jodel: Warum die App bei Studierenden beliebt ist. In: Wirtschaftswoche. 10. Mai 2016, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  11. Sara Kreuter: Die „Jodel“-App: Frust und Fun für alle. In: faz.net. 7. August 2017, abgerufen am 23. August 2017.
  12. Berliner Social-Media-App Jodel zählt mehr als eine Million Nutzer. heise.de. 19. April 2018. Abgerufen am 24. April 2018.
  13. haz.de: Festnahme nach Amok-Drohung an Uni Trier
  14. Jochen Zenthöfer: App „Jodel“: Wer Straftaten ankündigt, bleibt nicht anonym. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11. Juni 2016, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 2. Mai 2017]).
  15. Fabian Riedner: Jodel: Trash-Talk oder Twitter-Konkurrenz? In: Quotenmeter. 11. August 2017, abgerufen am 23. August 2017.
  16. Sebastian Wochnik: Mit Karma-Punkten zum Jodel-Diplom. In: golem.de. 16. Dezember 2015, abgerufen am 23. August 2017.
  17. prøver å passe inn i det nye sosiale mediumet Jodel. In: twitter.com. 2015, abgerufen am 29. Juli 2017.
  18. Alexander Böhm, Benjamin Taubmann, Hans P. Reiser: Geographic Localization of an Anonymous Social Network Message Data Set. In: 2016 11th International Conference on Availability, Reliability and Security (ARES). 2016, ISBN 978-1-5090-0990-9, S. 844–850, doi:10.1109/ares.2016.47.
  19. m.volksfreund.de: Amok-Drohung an Trierer Uni – 23-jähriger Verdächtiger verhaftet
  20. Statt Twitter und Facebook: Jodel, der Campus-Flurfunk. In: MacLife. 10. August 2017, abgerufen am 23. August 2017.
  21. Simon Lanzerath: So will der Erfinder von „Jodel“ mit seiner App Geld verdienen. In: Orange by Handelsblatt. 2. Juni 2017, abgerufen am 23. August 2017.