Johann Christoph von Aretin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Johann Christoph Freiherr von Aretin (* 2. Dezember 1772 in Ingolstadt; † 24. Dezember 1824 in München) war ein deutscher Publizist, Historiker, Bibliothekar und Jurist.

Johann Christoph von Aretin. Gemälde eines unbekannten Künstlers (1806)

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er entstammte der Familie Aretin. Seine Eltern waren Karl Albert von Aretin (* 1741) und dessen Ehefrau Maria Anna Rosina, geb. Edle von Weinbach (* 1747). Er war ein Bruder von Johann Georg Freiherr von Aretin (1770–1845). Johann Christoph war zweimal verheiratet: Seine erste Ehe schloss er am 6. Juni 1795 in Wetzlar mit Dorothea von Requilé (* 1779 in Koblenz). Ein Sohn aus dieser Ehe war Karl Maria von Aretin. Die zweite Ehe wurde am 15. Juni 1802 in Wetzlar mit Wilhelmine Freiin von Hertwich geschlossen.

1786 schloss Johann Christoph seine Gymnasialstudien am (heutigen) Wilhelmsgymnasium München ab.[1] 1792–1802 war der studierte Jurist und Hofrat von Aretin für verschiedene bayerische Verwaltungsbehörden tätig. 1802 wurde er an die Hof- und Staatsbibliothek in München berufen, wo er maßgeblich an der Säkularisation mitwirkte. 1806 wurde er Oberbibliothekar und in der Folge ein Pionier des modernen Bibliothekswesens. Er war Vorgesetzter von Bernhard Joseph Docen.

Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wurde von Aretin bereits 1796, seit 1801 war er deren Vize-Präsident und Sekretär der Historischen Klasse. 1797 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.[2] Mit der Herausgabe der Zeitschriften Alemannia und Aurora und zahlreichen Publikationen machte er sich über Bayern hinaus einen Namen in der Welt der Wissenschaft. Er gilt auch als der (Wieder)-Entdecker der Carmina Burana 1803.

Aretin war ein Anhänger Napoleons und propagierte im Sinne Montgelas’ eine europaweite „Revolution von oben“, nachdem in Frankreich eine „von unten“ vorangegangen sei. Gleichzeitig sah er um Friedrich Thiersch und andere protestantische Gelehrte, die nach Bayern gekommen waren, eine antinapoleonisch-protestantische Liga am Werk.

Mit Friedrich Heinrich Jacobi, dem Präsidenten der Akademie, kam es nach einer die Bayern provozierenden Rede Jacobis (22. Juli 1807) zum sogenannten Akademiestreit, bei dem schließlich auch die Polarität zwischen Bayern/Katholiken/Franzosenfreunden und "Polarlichtern"/Protestanten/Napoleongegnern ins Spiel gebracht wurde. Ein Machtwort von König Max I. Joseph dämmte den Streit zwar ein, verhinderte aber nicht ein Attentat auf Friedrich Thiersch im März 1811. Aretin wurde der Mitwirkung beschuldigt und nahm trotz fehlender Beweise seinen Abschied.

Er wurde am 2. April 1811 nach Neuburg an der Donau versetzt, wo er Direktor und später Vizepräsident des Appellationsgerichts wurde. Die Monatsschrift Allemania, die er, unterstützt durch seinen Verleger Johann Esaias von Seidel 1815 bis 1816 herausgab, wandte sich gegen den romantischen Nationalismus insbesondere von Ernst Moritz Arndt und Johann Gottlieb Fichte, und stellte dem den aufklärerischen Geist der bayerischen Staatsreformer entgegen.[3] Ab 1819 wurde er Präsident des Appellationsgerichts von Amberg und gab seitdem als Landtagsabgeordneter die freisinnige Landtagszeitung heraus.

Sein Nachlass befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek.[4]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freymüthige staatsrechtliche Prüfung des sogenannten Rechtlichen Gutachtens, die Übergabe der Festung Mannheim an den Reichsfeind betreffend. 1796
  • Briefe eines baierischen Patrioten über die neu errichtete General-Landes-Direktion. 1799
  • Ein neuer Landtag, die wichtigste Angelegenheit für Baiern. 1799
  • Historische Abhandlung über das hohe Alter der baierischen Landstände. 1800
  • Von den ältesten Denkmählern der Buchdruckerkunst in Baiern und dem Nutzen ihrer näheren Kenntniß. 1801
  • Versuch einer Erörterung des Anfallsrechts der Reichskammergerichtspräsentationen mit Bezug auf den neuesten Devolutionsfall der baierischen Kreispräsentation. 1801
  • Historisch-literarische Abhandlung über die erste gedruckte Sammlung der Westphälischen Friedensakten. 1802
  • Aelteste Sage über die Geburt Karls des Großen. 1803
  • Aussprüche der Minnegerichte. 1803
  • Geschichte der Juden in Baiern. 1803
  • Denkschrift über den wahren Begriff und den Nutzen der Mnemonik oder Erinnerungswissenschaft. 1804
  • Die Oesterreicher in Baiern zu Anfang des 18. Jahrhunderts. 1805
  • Kurzgefasste Theorie der Mnemonik. 1806
  • Beiträge zur literarischen Geschichte der Wünschelrute. 1807
  • Prodromus meines literärischen Handbuches über die baierische Geschichte und Statistik. 1808
  • Über die frühesten universalhistorischen Folgen der Erfindung der Buchdruckerkunst. 1808
  • Die Plane Napoleons und seiner Gegner besonders in Teutschland und Österreich. 1809
  • Baierns größter Umfang unter den Agilolfingern, Carolingern, Welfen und Wittelsbachern in 4 geographischen Karten dargestellet zur Erläuterung einer merkwürdigen Aeußerung Napoleons des Großen. 1809
  • Biographie Napoleons des Großen. 1810
  • Erklärung. 1810
  • Lezte Vertheidigung gegen die unsichtbaren Gelehrten in Bayern. 1810
  • Jahrbücher der Gerechtigkeitspflege in Bayern. 1811–1818
  • Nachrichten zur baierischen Geschichte. 1812
  • Was wollen wir?. 1813
  • Sachsen und Preußen. 1814
  • Sachsen, Preussen, und Europa. 1815
  • Gespräche über die Verfassungsurkunde des Königreichs Baiern. 1818
  • Staberl in Reichsgeschäften. etwa 1818
  • Abhandlungen über wichtige Gegenstände der Staatsverfassung und Staatsverwaltung, mit besonderer Rücksicht auf Bayern. 1816
  • Ludwig der Baier. 1820
  • Ausführliche Darstellung der baierischen Kredit-Vereins-Anstalt und ihrer Bedingnisse sowohl für die Gutsbesitzer, als auch für die Kapitalisten. 1823
  • Ueber die Errichtung eines Kredit-Vereins für das Königreich Baiern. 1823
  • Wie darf man in den deutschen Bundesstaaten über politische Gegenstände schreiben?. 1824
  • Staatsrecht der konstitutionellen Monarchie. 1824–27, weitergeführt von Karl von Rotteck
  • Die Familie Aretin. 1825

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Johann Christoph von Aretin – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Max Leitschuh: Die Matrikeln der Oberklassen des Wilhelmsgymnasiums in München. 4 Bände, München 1970–1976; Band 2, S. 179.
  2. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751-2001. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 27.
  3. Vgl. hierzu Sepp Lösch: Die Persönlichkeit J. E. v. Seidels. In: Festschrift zur 950 Jahrfeier der Stadt Sulzbach-Rosenberg. Sulzbach-Rosenberg 1976.
  4. Titelaufnahme inkl. Volltext des Repertoriums, Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek.