Josef März (Unternehmer)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Josef März (* 26. Juli 1925; † 12. April 1988 in Rosenheim) war ein bayerischer Unternehmer, der von Rosenheim aus einen gleichnamigen Getränke- und Nahrungsmittelkonzern aufgebaut hatte.

Geschäftlicher Aufbau und Blütezeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Josef März besuchte in Rosenheim das Gymnasium und studierte später Jura. Bereits 1948 trat er in das Milchgeschäft, die Molkerei Gebr. März, seines Vaters Willi senior ein.[1] Die Anfänge bestanden aus einer kleinen Molkerei mit angeschlossenem Milchgeschäft.[2] Anschließend bauten Josef und seine Brüder Andreas und Willi junior das Geschäft aus und stiegen in den Großhandel mit Milchprodukten ein. In den 1960er Jahren wurden die Geschäftsaktivitäten durch die Übernahme des Rosenheimer Schlachthofs ausgeweitet. Mit der Gründung der Marox GmbH erfolgte der Einstieg in die Fleischverarbeitung. Später gehörten hierzu weitere Produktionsstätten in München und Pfaffenhofen sowie im Ausland in Frankreich, Griechenland und Togo.[1] Über den Viehhandel wurden intensive Geschäftsbeziehungen in Afrika aufgebaut. Anfang der 1970er Jahre wurde die Marox Afrique in Togo gegründet und 1974 dort eine Brauerei übernommen. Dies war der Anfang eines wachsenden Bierbraugeschäfts. In den 1980er Jahren wurden die Brauereien EKU, Henninger, Bavaria-St Pauli und Brau AG mehrheitlich erworben. Die Gruppe wuchs dadurch zum zweitgrößten Brauereikonzern in Deutschland.[2] In den 1970er und verstärkt in den 1980er Jahren wurde der Viehhandel mit der DDR ausgebaut. Dies führte zu einem engen Kontakt zwischen März und dem Leiter der DDR-Behörde für Kommerzielle Koordinierung, Alexander Schalck-Golodkowski.[2]

Politische Beziehungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Josef März und Franz Josef Strauß, der ebenfalls aus einer Metzgersfamilie stammte, kannten sich seit den 1960er Jahren. Zwischen beiden entwickelte sich eine freundschaftliche Verbundenheit. März war zeitweilig stellvertretender Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates der CSU sowie auch Bezirksschatzmeister Oberbayern der Partei.[3] Gemeinsam mit Strauß pflegte er gute Kontakte zum togolesischen Präsidenten Etienne Eyadéma, einem ehemaligen General, der 1967 durch einen Staatsstreich an die Macht gelangt war und dem von Amnesty International Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden.[3]

Josef März stellte den Kontakt zwischen Strauß und Schalck-Golodkowski her. Diese Beziehung war die Grundlage für die von Strauß 1983 eingefädelte Gewährung von zwei Milliardenkrediten durch ein westdeutsches Bankenkonsortium an die DDR.[4] März fungierte als Mittelsmann, Gastgeber und Kurier bei den Kontakten zwischen München und Ost-Berlin.[5] Das Gut Spöck bei Rosenheim, Gästehaus der Familie März, diente als diskreter Treffpunkt. Vor diesem Hintergrund entwickelten sich auch die Fleischimporte der Marox Firmengruppe aus der DDR sehr erfolgreich, die zudem für März sehr margenträchtig waren.[6]

Josef März war außerdem Sponsor des Eishockeyclubs Starbulls Rosenheim, dieses Engagement trug wesentlich zu drei Titelgewinnen bei.[7]

Tod und Niedergang des Konzerns[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1988 starb Josef März.[1] Seine beiden Brüder Andreas und Willi übernahmen die Unternehmensführung. Sie brachten den Konzern unter dem Namen Gebr. März AG 1991 an die Börse. Die Unternehmensexpansion wurde durch den Erwerb einer Drittelbeteiligung an dem Hauptwettbewerber Moksel sowie durch weitere Unternehmenszukäufe im Nahrungsmittelbereich (unter anderem Heinrichsthaler Milchwerke) fortgesetzt. 1992 wurde ein Jahresumsatz von 2,14 Mrd. DM erzielt, der Konzern zählte rund 80 Tochtergesellschaften und es wurden über 6000 Mitarbeiter beschäftigt.[8] Das Wachstum war allerdings im Wesentlichen fremdfinanziert, außerdem brach nach der Wiedervereinigung das lukrative DDR-Geschäft weg. Das Unternehmen geriet nachhaltig in die roten Zahlen. Die Familie musste sich auf Drängen der Gläubiger von der Geschäftsführung zurückziehen, um eine Sanierung zu ermöglichen. Schließlich wurde am 11. März 1996 Vergleich wegen Zahlungsunfähigkeit beantragt, dem mangels Masse der Konkurs folgte.[9] Das Unternehmen wurde im Zuge der Sanierungsbemühungen und danach als Folge des Konkurses komplett zerschlagen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Stadtgeschichte - Josef März. In: Stadtarchiv Rosenheim. Abgerufen am 31. Oktober 2015.
  2. a b c Wolfgang Ehrensberger: Gebr. März AG: Aufstieg und Fall eines bayerischen Imperiums. In: Die Welt. 11. Dezember 1995. Abgerufen am 31. Oktober 2015.
  3. a b Schwarzes Patenkind. In: Der Spiegel. 7. März 1977. Abgerufen am 31. Oktober 2015.
  4. Dirk Hebermann: Milliardenkredite – Hilfe für die DDR. In: Handelsblatt. 28. Juli 2006. Abgerufen am 31. Oktober 2015.
  5. Streng vertrauliche Verbindung. In: Der Spiegel. 19. August 1991. Abgerufen am 31. Oktober 2015.
  6. Wenn's paßt, langen wir zu - Der fabelhafte Aufstieg der bayerischen Schalck-Partnerfirma März zum Lebensmittelkonzern. In: Der Spiegel. 4. November 1991. Abgerufen am 31. Oktober 2015.
  7. http://www.eishockey-in-rosenheim.de/SBR/Der_SBR.htm Zugriff am 20. August 2018
  8. Klaus Wittmann: Ein Imperium zerbröselt. In: Zeit Online. 19. Januar 1996. Abgerufen am 31. Oktober 2015.
  9. März muß Konkurs anmelden. In: Berliner Zeitung. 11. April 1996. Abgerufen am 31. Oktober 2015.