Josip Juratovic

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Josip Juratovic (* 15. Januar 1959 in Koprivnica, Jugoslawien, heute Kroatien) ist ein deutscher Politiker (SPD) und seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestags.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Josip Juratović ist kroatischer Abstammung.[1] 1974 kam Juratovic gemeinsam mit seiner Mutter nach Deutschland. 1976 beendete er die Hauptschule in Gundelsheim und besuchte anschließend bis 1977 die Berufsfachschule Metall in Neckarsulm. Danach absolvierte er bis 1979 eine Lehre zum Automechaniker in Bad Rappenau.

Von 1981 bis 1982 war Juratovic als Kfz-Mechaniker in Mannheim und von 1982 bis 1983 in Bad Friedrichshall beschäftigt. Von 1983 bis 2005 arbeitete er bei der Audi AG in Neckarsulm; zuerst als Fließbandarbeiter, später als Produktprüfer und seit 2000 als freigestellter Betriebsrat.

Josip Juratovic nahm 1998 die deutsche Staatsbürgerschaft an, ist römisch-katholisch, verheiratet und hat drei Kinder.

Gewerkschaftliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Juratovic ist seit 1983 Mitglied der IG Metall und seit 1984 Vertrauensmann bei Audi. Seit 1990 wirkt er aktiv am Aufbau von Gewerkschaften in Südosteuropa mit, und seit 1994 fungiert er als Koordinator der bundesweiten Friedensinitiative der ehemaligen Jugoslawen: Novi Most - Neue Brücke. 2000 wurde er bei Audi in Neckarsulm als Betriebsrat gewählt, seit 2001 ist er Vertrauensperson des IG-Metall-Bundesvorstands für die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens.

SPD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Juratovic ist seit 1982 Mitglied der SPD und gehört seit 1997 dem SPD-Landesvorstand in Baden-Württemberg an. Seit 1998 ist er außerdem Mitglied im baden-württembergischen Landesvorstand der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA).

Am 24. Juni 2005 setzte sich Juratovic mit Unterstützung der IG Metall und der Jusos mit 87 zu 72 Stimmen gegen den GEW-Landesvorsitzenden von Baden-Württemberg, Rainer Dahlem, als SPD-Kandidat im Bundestagswahlkreis Heilbronn durch.

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2004 bis 2016 gehörte Juratovic dem Gemeinderat seines Wohnortes Gundelsheim an, von 2009[2] bis 2011[3] war er zudem Mitglied des Kreistags des Landkreises Heilbronn.

Seit 2005 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages. Er kandidierte für die SPD 2005, 2009 und 2013 im Wahlkreis Heilbronn und zog jeweils über die Landesliste Baden-Württemberg in den Bundestag ein. Auf dem SPD-Landesparteitag in Schwäbisch Gmünd zur Vorbereitung der Bundestagswahl 2017 wurde er auf den Listenplatz 16 aufgestellt.

Juratovic ist im Bundestag Mitglied des Auswärtigen Ausschusses. Für die SPD-Fraktion ist er zuständig für die Regionen Südosteuropa, Türkei und Staaten der Östlichen Partnerschaft, für die Zivile Krisenprävention sowie Menschenrechte, Entwicklung, Humanitäre Hilfe & Migration. Außerdem ist Juratovic Obmann der SPD-Fraktion im Unterausschuss Vereinte Nationen, Internationale Organisationen und Globalisierung sowie Mitglied der Bundestagsdelegation in folgenden internationalen parlamentarischen Versammlungen: Parlamentarische Versammlung des Europarates, Interparlamentarische Konferenz für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik, sowie Parlamentarische Versammlung der OSZE.

Seit 2014 ist er Integrationsbeauftragter der SPD-Bundestagsfraktion.

Darüber hinaus ist Juratovic stellvertretender Vorsitzender der Parlamentariergruppen des Deutschen Bundestages, die Kontakte mit den Parlamenten Südosteuropas, Kroatiens sowie Bosnien und Herzegowinas pflegen.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leiharbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Juratovic kritisiert den Missbrauch der Leiharbeit, der zu Lohndumping und prekärer Beschäftigung führt. Er setzt sich für "Equal Pay" ein. Für Leiharbeitnehmer bedeutet dies, dass sie bei gleicher Arbeit am gleichen Ort den gleichen Lohn wie die Stammbelegschaft erhalten. Leiharbeitskräfte sollen auch in Zeiten ohne Arbeitseinsatz weiter im Arbeitsverhältnis stehen und entlohnt werden. Betriebsräte in den Entleihbetrieben sollen wirksame Mitbestimmungsrechte für in ihren Betrieb eingesetzte Leiharbeitskräfte erhalten. Die Maximaldauer von Leiharbeitsverhältnissen soll auf ein Jahr begrenzt sein.[4]

Werkverträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Juratovic bekämpft den systematischen Missbrauch von Werkverträgen und Scheinwerkverträge, die dazu genutzt werden, Mitbestimmungsrechte und Kündigungsfristen zu umgehen und Dumpinglöhne zu bezahlen.[5] Er setzt sich für eine Änderung des Betriebsverfassungsgesetzes ein, damit Betriebsräte beim Einsatz von Werkverträgen beteiligt werden müssen. Besonders in Unternehmen ohne starke Betriebsräte muss eine Kontrolle von Werkverträgen durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit sichergestellt werden.

Arbeitnehmerfreizügigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Juratovic begrüßt die Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU. Er fordert begleitend einen flächendeckenden Mindestlohn, der die Gefahr des Lohndumpings im Wettbewerb der Arbeitnehmer aus verschiedenen Ländern verhindern würde.

EU-Beitritt Kroatiens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Juratovic hat sich für den Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union eingesetzt. Er sieht die Erweiterung der EU in Richtung des westlichen Balkans als Schritt zu mehr Stabilität und Frieden in Südosteuropa und somit als Gewinn für den gesamten Kontinent.[6]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Juratovic ist Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Schüler Helfen Leben, der Arbeiterwohlfahrt, des Sozialverband VdK, der Europa-Union-Parlamentariergruppe Deutscher Bundestag, sowie unterstützendes Mitglied zahlreicher Vereine in der Region Heilbronn.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Josip Juratovic – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vom Fließband in den Bundestag – Josip Juratovic MdB – Ihre Stimme in Berlin. Abgerufen am 20. September 2017.
  2. Kreistagswahl: FWV/FDP von Ergebnis begeistert. In: Heilbronner Stimme. 9. Juni 2009 (bei stimme.de [abgerufen am 25. Juli 2011]).
  3. kal: Vier Kreisräte gehen, vier neue kommen. In: Heilbronner Stimme. 25. Juli 2011.
  4. SPD-Bundestagsfraktion: Antrag "Missbrauch der Leiharbeit verhindern". 15. Oktober 2010 (Online (PDF 96 kB – Bundestagsdrucksache 17/4189)).
  5. Josip-Juratovic: Rede zu TOP 4 Kontrolle von Werkverträgen und Leiharbeit. 28. Juni 2012 (Online – 187. Sitzung des Bundestages).
  6. Josip-Juratovic: Rede zu TOP 7 Beitritt der Republik Kroatien zur EU. 16. Mai 2013 (Online – 240. Sitzung des Bundestages).