Julius Weiler

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Julius Weiler (* 1850 in Köln; † 1904) war ein deutscher Chemiker und Industrieller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geboren als Sohn des Kaufmanns Joseph Wilhelm Weiler (1819–1875) studierte Julius Weiler am Polytechnikum Stuttgart Chemie. 1869 wurde er dort Mitglied des Corps Stauffia.[1] Nach der Reichsgründung wechselte er an die Universität Straßburg, wo er 1874 mit einer Dissertation zum Thema Über die Einwirkung von Methylal auf Toluol, Benzylchlorid und Diphenyl, die er bei Adolf von Baeyer angefertigt hatte, zum Dr. phil. promoviert wurde.[2] In der Zeit in Straßburg machte er Bekanntschaft von Edmund ter Meer.[3]

Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters übernahm Julius Weiler die Leitung der väterlichen Anilinfabrik J. W. Weiler & Cie. in Ehrenfeld. Mit einem Marktanteil von 35 % gehörte die Fabrik 1880 zu den führenden Anilinproduzenten des Deutschen Reiches. 1880 nahm er die Herstellung von Salpetersäure in der Fabrik in Müngersdorf auf und übernahm 1881 die Wöllner'sche Schwefelsäurefabrik in Köln-Riehl.[4] Nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft im Jahre 1889 firmierte das Unternehmen unter dem Namen Chemische Fabriken, vorm. J. W. Weiler & Cie. Im gleichen Jahre wurde die Wittener Roburitfabrik übernommen.[5] 1896 gründete er mit seinem größten Kunden, der Uerdinger Teerfarbenfabrik Dr. E. ter Meer & Cie durch Fusion die Chemische Fabriken, vorm. Weiler-ter Meer. Zur Optimierung der logistischen Kosten wurde die Produktion der aromatischen Amine vollständig nach Uerdingen verlagert und das Ehrenfelder Werk geschlossen.

Zu den unternehmerischen Erfolgsfaktoren von Weiler gehörten das Bekenntnis zu technologischer Innovation, Produktdiversifizierung, hoher Qualität sowie die Schaffung langer Wertschöpfungsketten.

Nach dem Tod von Julius Weiler übernahm Edmund ter Meer die alleinige Leitung. 1916 schlossen sich die Chemischen Fabriken, vorm Weiler-ter Meer mit dem Dreibund (Agfa, BASF und Bayer) und dem Dreierverband (Hoechst, Cassella, Kalle) zur Interessengemeinschaft der deutschen Teerfarbenfabriken zusammen.

1898 gehörte Weiler zu den Gründern der Waggonfabrik Uerdingen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Scheinert: Zur Entwicklungsgeschichte der deutschen Teerfarbenindustrie und der chemischen Technik vor dem Ersten Weltkrieg, 1988 (Abstract als Digitalisat (Memento vom 17. Februar 2013 im Webarchiv archive.today))

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carl Heydt: Chronik des Corps Stauffia zu Stuttgart, 1960, S. 48
  2. Julius Weiler: Über die Einwirkung von Methylal auf Toluol, Benzylchlorid und Diphenyl. Neusser, Bonn 1874, urn:nbn:de:bvb:12-bsb11182747-2 (Dissertation, Universität Straßburg).
  3. Manuela Wex: ter Meer, Edmund. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 16, Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. 605 f. (Digitalisat).
  4. 50 Jahre Kölner Bezirks-Verein Deutscher Ingenieure – Geschichtliche Aufzeichnungen – Hannover: Roerts (1911).
  5. Annen und seine Entwicklung kurz gefasst – Die Roburit-Fabrik (Memento vom 17. Februar 2013 im Webarchiv archive.today) auf www.le-annen.de