Karl Krall

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Kralls Unterschrift
Zarif lernt buchstabieren
Denkende Tiere von Karl Krall

Karl Krall (* 9. April 1863 in Elberfeld, heute Wuppertal; † 12. Januar 1929 in München) war ein deutscher Pionier der Tierpsychologie.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Krall entstammte einer Juweliersfamilie. Er genoss die Schulausbildung in Schulpforta, wurde Juwelier in Elberfeld und kam in Kontakt zum Tierpsychologen und Privatgelehrten Wilhelm von Osten.[1]

Krall erbte nach dem Tod des Vorbesitzers 1909 den berühmten Klugen Hans und führte die Experimente fort, mit denen Wilhelm von Osten begonnen hatte. Neben Hans dienten ihm ab 1908 elf weitere Pferde, zwei Esel, ein Pony und ein Elefant als Versuchstiere. Darunter waren die Hengste Muhamed, der angeblich auch komplexe Rechenaufgaben lösen konnte, und Zarif, dem ein ungewöhnliches Lesetalent attestiert wurde. Namentlich bekannt sind auch der blinde Hengst Berto und der Shetländer Hänschen.[2]

Außerdem stand Krall in Korrespondenz mit zahlreichen Personen, die Tiere mit außergewöhnlichen Fähigkeiten besaßen oder trainiert hatten. 1912 veröffentlichte er sein umfangreiches Buch Denkende Tiere, das unter anderem von Franz Lütgenau rezensiert wurde[3], aber bei der Leserschaft nicht mehr auf großes Interesse stieß. Die öffentliche Aufmerksamkeit für den Klugen Hans hatte sich schon gelegt, nachdem Hans’ Rechen- und Lesefähigkeiten durch Oskar Pfungst widerlegt worden waren,[4] obwohl Kapazitäten wie Édouard Claparède, der Psychiater Gustav Wolff, Paul Sarasin und Zoologen wie Ludwig Plate und Heinrich Ernst Ziegler sich von Kralls akribisch aufgezeichneten Beobachtungen überzeugen ließen. Auch Maurice Maeterlinck stattete dem Stall einen Besuch ab und war verblüfft über die rechnerischen Leistungen der Tiere und ihre mutmaßliche Fähigkeit, sich mit Klopfzeichen zu verständigen.[5]

Jedoch war Kralls Zeitschrift Tierseele nicht erfolgreich,[6] und 1916 gab er den Versuchsstall auf. Seine Pferde, darunter auch der einst berühmte Kluge Hans, wurden zum Kriegsdienst herangezogen; über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

1925 zog Krall nach München und beschäftigte sich dort mit dem Okkultismus.[1]

1923 schuf Otto Dix das Bildnis des Juweliers Karl Krall, das später als entartete Kunst angesehen wurde und heute im Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal-Elberfeld hängt. Dieses Gemälde stellt nicht den Juwelier und Tierpsychologen Karl Krall sondern seinen gleichnamigen Sohn, den Juwelier und Kunstsammler Karl Krall d. J. (* 8. Juli 1893 in Elberfeld; † 25. November 1938) dar.[7]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Denkende Tiere. Beiträge zur Tierseelenkunde auf Grund eigener Versuche. Der kluge Hans und meine Pferde Muhamed und Zarif. Engelmann, Leipzig 1912
  • Über unwillkürliches Flüstern. Eine kritische und experimentelle Nachprüfung der Hansen-Lehmannschen Versuche. O. Mutze, Leipzig 1926

Literatur[Bearbeiten]

  • Wuppertaler Biographien. 2. Folge (= Beiträge zur Geschichte des Wuppertales. 5). Wuppertal 1960.
  • John Michell & Robert J. M. Rickard: Living Wonders: Mysteries and Curiosities of the Animal World. Thames and Hudson, 1982
    • Das rechnende Pferd von Elberfeld und andere Rätsel aus der Welt der Tiere. Econ, Düsseldorf, 1983, ISBN 3-430-16676-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karl Krall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Gerhart Werner: Karl Krall. In: Wuppertaler Biographien. Band 2. Wuppertal 1960 (auch in: Deutsches Biographisches Archiv (DBA). NF 751, S. 39-49)
  2. tierdach.de: Berühmte Pferde, die gelebt haben: Elberfelder Pferde – rechnende Pferde
  3. Franz Lütgenau: Karl Krall. Denkende Tiere. (Rezension) In: Westfälisches Magazin. Jahrgang 2, 1911, Nr. 18f.; Jahrgang 3, 1912
  4. Reto U. Schneider: Das Experiment: Der Pferdeeinflüsterer. In: NZZ Folio. November 2004
  5. Maurice Maeterlinck: Der fremde Gast. Diederichs, Jena 1919, Kapitel 4 (engl. Übersetzung: The Elberfeld Horses)
  6. Richard David Precht: Tiere: Gemütlich, Höhle, auf Wiedersehen. In: Die Zeit. Nr. 20, 11. Mai 2005
  7. John Nicholls: Karl Krall. In: Der Expressionistische Impuls. Meisterwerke aus Wuppertals großen Privatsammlungen. Wuppertal 2008, S. 123/124